Bitcoins große Bullenfalle? Warum Philip Klinkmüller der Rallye (noch) nicht traut
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Bitcoins große Bullenfalle? Warum Philip Klinkmüller der Rallye (noch) nicht traut

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Arcan Askin

Das Wichtigste in Kürze

·         Bitcoin sprang wieder über 86 000 US-Dollar.

·         Klinkmüller sieht eine mögliche Bullenfalle.

·         Fed, Anleihen und Japan bleiben entscheidend.

Bitcoin hat sich in wenigen Tagen mit Wucht zurückgemeldet. Nach einem Wochenstand von 78 140 USD schob sich die Kryptowährung zeitweise wieder über 86 000 US-Dollar. Am 25. September notierte sie bei 84 396 US-Dollar – ein Wochenplus von 8.29 Prozent. Gleichzeitig hatte der Nasdaq an den beiden vorherigen Handelstagen neue Rekordschlüsse erreicht, bevor steigende Ölpreise und Anleiherenditen die US-Börsen am 23. September wieder unter Druck setzten. Der S&P 500 schloss bei 7706 Punkten und damit weniger als zwei Prozent unter seinem Rekordhoch.

Für Philip Klinkmüller ist diese Kombination aus Risikofreude und plötzlich wiederkehrendem Zinsdruck der eigentliche Aufhänger. Er hält eine weitere Bitcoin-Rally ausdrücklich für möglich. Sein Hauptszenario bleibt dennoch unbequem: Die Erholung könnte viele Marktteilnehmer zurücklocken, bevor eine deutlich größere Abwärtsbewegung beginnt. Kurz gesagt: Klinkmüller sieht in der aktuellen Bewegung die Gefahr einer Bullenfalle – einer Rally, die überzeugend wirkt, sich später aber als Zwischenanstieg innerhalb eines schwächeren Gesamtbildes erweist.

Dieses Szenario ist für ihn keineswegs in Stein gemeißelt. Es hängt vor allem an drei Faktoren: der Politik der US-Notenbank, den Renditen am Anleihemarkt und Japan. Die jüngste KI- und Tech-Stärke bildet dabei nur die breite Risiko-Kulisse. Auch der festgefahrene CLARITY Act ändert an seiner Grundannahme wenig: Der Senat ließ den Gesetzentwurf am 15. September mit 49 zu 50 Stimmen am nötigen Verfahrensschritt scheitern. Ein schneller regulatorischer Befreiungsschlag für den US-Kryptomarkt bleibt damit aus.

„Die Rally kann noch eine Weile weiterlaufen. Das ändert für mich nichts daran, dass Geld teuer ist – und dass genau das irgendwann zum Problem für die empfindlichsten Marktsegmente wird.“

 

Redaktioneller Hinweis: Diese Inhalte dienen ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und stellen keine Anlageberatung, Anlagevermittlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sämtliche Einschätzungen sind persönliche Meinungen und keine verlässlichen Prognosen.

Fed, Anleihen und Japan: Die drei Hebel hinter dem Bitcoin-Szenario

Die Federal Reserve erhöhte ihre Zielspanne am 16. September um 25 Basispunkte auf 3.75 bis 4.00 Prozent. Sie begründete den Schritt mit weiterhin erhöhter Inflation und dem Ziel, Preisstabilität zeitnäher zu erreichen. Zwei Tage später zog auch die Bank of Japan nach: Seit dem 24. September liegt ihr Zielwert für den unbesicherten Tagesgeldsatz bei etwa 1.25 Prozent. Die Notenbank verwies unter anderem auf hohen Preisdruck, teures Rohöl und Wechselkursrisiken.

Für Klinkmüller sind diese Schritte weniger ein kurzer Nachrichteneffekt als ein Hinweis auf die globalen Finanzierungskosten. Steigende Zinsen verteuern Kredit, verringern den Spielraum für spekulative Positionen und machen sichere Zinserträge relativ attraktiver. Das betrifft Aktien ebenso wie Bitcoin und Altcoins, die in angespannten Phasen häufig besonders empfindlich auf Liquiditätsentzug reagieren.

Japan nimmt in seiner Argumentation eine Sonderrolle ein. Über viele Jahre war der Yen eine besonders günstige Finanzierungswährung für globale Anleger. Wer sich günstig in Yen verschulden konnte, investierte das Kapital teils in höher verzinste Anleihen, Aktien oder andere Risikoanlagen. Höhere japanische Zinsen und ein potenziell festerer Yen können diese Rechnung verändern. Positionen werden dann teurer zu halten oder müssen im ungünstigen Fall reduziert werden.

Noch größer ist für Klinkmüller die Bedeutung Japans als Anleihegläubiger der USA. Nach den jüngsten verfügbaren Treasury-Daten hielt Japan Ende Juli US-Staatsanleihen im Umfang von 1.104 Billionen US-Dollar und blieb damit der größte ausländische Halter. Daraus folgt ausdrücklich keine Prognose, dass Tokio nun US-Anleihen verkaufen wird. Der kritische Punkt ist ein anderer: Würden japanische Investoren ihre US-Bestände im großen Stil zugunsten heimischer Anleihen umschichten, könnte das den Druck auf US-Anleihekurse und damit auf Renditen verstärken. In einem Umfeld ohnehin hoher Staatsverschuldung und teurer Finanzierung wäre das ein zusätzlicher Belastungsfaktor für Risikoassets.

„Japan ist für mich keine Randnotiz. Wenn sich dort die Zinslandschaft dauerhaft verschiebt, betrifft das die globale Liquidität – und damit auch US-Aktien und Kryptowährungen.“

Die jüngsten Marktdaten zeigen, warum dieses Thema nicht abstrakt bleibt. Am 23. September kletterten die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit 2007. Gleichzeitig zogen Ölpreise deutlich an und der S&P 500 verlor 0.75 Prozent, der Nasdaq 1.13 Prozent. Ein einzelner Handelstag entscheidet keinen Trend. Er zeigt aber, wie schnell die Erzählung von der entspannten Rally kippen kann, wenn Öl, Inflation und Zinsen wieder gemeinsam in dieselbe Richtung drücken.

Bitcoins Anstieg: Start einer neuen Rally oder große Bullenfalle?

Klinkmüller trennt bei Bitcoin bewusst Kursbewegung und Marktrichtung. Der Sprung über 86 000 US-Dollar ist real. Nach Coinbase-Daten lag Bitcoin am 25. September bei 84 396 US-Dollar, nachdem er eine Woche zuvor noch 78 140 US-Dollar gekostet hatte. Zum bisherigen Allzeithoch von 126 211 US-Dollar fehlt allerdings weiterhin etwa ein Drittel.

Die von Klinkmüller beobachteten Chartstrukturen lassen zunächst noch Raum nach oben. Als erste zentrale Haltezone nennt er den Bereich um 82 822 US-Dollar. Bleibt Bitcoin darüber stabil und setzt die Erholung fort, rückt aus seiner Sicht zunächst die Zone um 97 855 US-Dollar in den Blick. Darüber liegt ein breiter Widerstandsbereich zwischen etwa 100 066 und 111 573 US-Dollar. Eine Bewegung in diese Zone würde die aktuelle Erholung für viele Anleger endgültig wie den Beginn eines neuen Bullenmarktes aussehen lassen.

Genau an diesem Punkt beginnt sein Bullenfallen-Szenario. Klinkmüller sieht die Möglichkeit, dass Bitcoin zunächst bis in den Bereich von 100 066 bis 111 573 US-Dollar steigt, bevor die Rally ihre Richtung verliert. Das wäre kein kleines Rücksetzer-Szenario. Fiele Bitcoin anschließend wieder unter die Zone um 82 822 US-Dollar, lägen auf dem kurzfristigeren Chart zunächst Unterstützungen zwischen etwa 77 753 und 69 051 US-Dollar. Die größere strukturelle Linie verläuft für ihn deutlich tiefer, im Bereich von 59 081 bis 57 736 US-Dollar.

„Der unangenehmste Verlauf wäre eine starke Bitcoin-Rally, die viele wieder überzeugt – und erst danach setzt sich die größere Korrektur fort. Genau diese Möglichkeit darf man für mich nicht ausblenden.“

 

Die tieferen, langfristigen Projektionen seiner Chartarbeit reichen in einem ausgeprägten Negativszenario sogar in die Zone zwischen grob 34 740 und 23 962 US-Dollar. Das ist kein Kursziel und keine Vorhersage. Es beschreibt den Raum, den Klinkmüller für den Fall eines umfassenden Zyklusbruchs technisch beobachtet. Entscheidend ist: Diese weit entfernten Zonen wären erst dann relevant, wenn Bitcoin die näheren Unterstützungen deutlich verliert und sich der makroökonomische Gegenwind gleichzeitig verschärft.

Für Leser bedeutet das eine klare Orientierung. Die relevante Unterstützung liegt aus seiner Sicht nicht bei 25 000 US-Dollar und auch nicht irgendwo im luftleeren Raum. Zunächst geht es um 82 822 US-Dollar, danach um die Zone von 77 753 bis 69 051 US-Dollar. Erst ein Bruch der großen Linie nahe 59 000 US-Dollar würde die langfristig deutlich vorsichtigere Lesart erheblich stärken.

Was das positive Szenario widerlegen würde

Eine Bullenfalle ist eine Möglichkeit, kein festgeschriebener Ablauf. Klinkmüllers skeptische Annahme würde an Gewicht verlieren, wenn Bitcoin die Zone um 82 822 US-Dollar verteidigt, den Bereich um 97 855 US-Dollar nachhaltig zurückerobert und anschließend auch über 100 066 US-Dollar nicht sofort wieder abverkauft wird. In diesem Fall würde der alte Höchststand bei 126 211 US-Dollar wieder zur naheliegenden Referenzmarke. Die langfristige Aufwärtsprojektion seiner Wochenanalyse reicht darüber hinaus in eine Zone von 237 519 bis 285 739 US-Dollar. Auch das ist eine bedingte Chartprojektion für den Fall eines nachhaltig intakten Aufwärtstrends – kein kurzfristiges Kursziel.

Auch das Umfeld müsste mitspielen: sinkender Inflationsdruck, nachgebende Anleiherenditen und keine neue Zuspitzung beim Ölpreis würden die Argumente für einen dauerhaften Liquiditätsengpass abschwächen. Steigende Renditen, ein erneuter Ölpreisschub und ein stärkerer Dollar wären dagegen jene Signale, die seine vorsichtige Lesart stützen würden.

Für Altcoins ist die Unterscheidung besonders wichtig. Ein Bitcoin-Schub in die Widerstandszone könnte vielen kleineren Kryptowährungen zunächst deutliche Zugewinne bescheren, weil Risikoappetit und Kapitalzuflüsse den gesamten Sektor erfassen. Dreht Bitcoin danach wieder nach unten, trifft die Gegenbewegung Altcoins erfahrungsgemäß oft stärker. Klinkmüllers Blick bleibt deshalb auf Bitcoin gerichtet: Der Marktführer entscheidet nicht alles, gibt für den Rest des Kryptomarkts aber häufig den Takt vor.

Die entscheidende Frage ist nicht, ob Bitcoin steigt

Bitcoin kann weiter steigen und Klinkmüllers vorsichtige Haltung dennoch richtig sein. Das ist die Kernidee dieser Wellenlage. Seine Analyse richtet sich nicht gegen jede Rally, sondern gegen die Annahme, dass ein kräftiger Kursanstieg alle Risiken erledigt habe.

Die nächsten Wochen liefern dafür konkrete Prüfsteine. Hält Bitcoin die Zone um 82 822 US-Dollar? Kann er die Widerstände bei 97 855 sowie 100 066 bis 111 573 US-Dollar mit breiter Marktunterstützung überwinden? Und vor allem: Entspannt sich das Makroumfeld tatsächlich, oder bleibt es bei einem Markt, der steigende Zinsen und höhere Ölpreise vorübergehend ausblendet?

Philip Klinkmüllers Hauptszenario bleibt eine zunächst überzeugende Bitcoin-Rally, die später in eine größere Abwärtsbewegung übergeht. Das positive Alternativszenario ist ausdrücklich vorhanden. Es gewinnt an Glaubwürdigkeit, wenn Bitcoin höhere Niveaus verteidigt und der Druck von Anleihen, Öl und globaler Liquidität nachlässt. Bis dahin ist der Sprung über 86 000 US-Dollar für ihn ein Signal, genau hinzusehen – kein Anlass, die Risikofrage zu vertagen.

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