OpenAI ist eine große Lüge. Das zumindest ist die Meinung von Elon Musk. Der Tesla-Geschäftsführer und reichste Mensch der Welt gründete OpenAI einst mit, brach aber bald darauf mit dem heutigen CEO Sam Altman. Öffentlich erklärt Musk diesen Schritt mit der Entwicklung von OpenAI, die aus seiner Sicht in die absolut falsche Richtung gelaufen ist. Konkret werfen Musks Anwälte dem KI-Marktführer vor, seine gemeinnützige Mission verraten und sich selbst zum kommerziellen Spielzeug von Microsoft degradiert zu haben. Ende Februar zog Musk vor Gericht, seine Juristen schrieben damals: „Bis heute wird auf der Webseite von OpenAI behauptet, dass ihre Charta sicherstellen soll, dass KI der gesamten Menschheit zugutekommt. In Wirklichkeit wurde OpenAI in eine geschlossene Plattform umgewandelt und ist de facto eine Tochtergesellschaft des größten Tech-Unternehmens der Welt: Microsoft.“ Für Microsoft könnte das tatsächlich rechtliche Konsequenzen haben, seit Monaten ermitteln Wettbewerbshüter in den USA gegen den Milliarden-Einstieg von vor ein paar Jahren. Auch deshalb soll der Windows-Entwickler kürzlich entschieden haben, sich von OpenAI zu distanzieren. Ähnliche Sicherheitsmaßnahmen plant wohl Apple. Und dennoch sollen in Kürze Milliarden vom iPhone-Entwickler an Sam Altman und Co. fließen. Groß zuschlagen will auch Chip-Gigant Nvidia.
Ist OpenAI bald $100 Milliarden wert?
Als die Microsoft-Aktie im Frühling zum wertvollsten Wertpapier der Börsengeschichte aufstieg und Künstliche Intelligenz in aller Munde war, wurde der Software-Riese dafür gepriesen, seit 2019 mehr als $10 Milliarden in OpenAI investiert zu haben. Recht bald aber drehte der Wind: In den Vereinigten Staaten wurde offen darüber diskutiert ob Microsofts OpenAI-Investment ein monumentaler Verstoß gegen das Kartellrecht sei. Ein abschließendes Urteil ist in dieser Sache noch nicht gefallen, zur Sicherheit aber will sich Microsoft schon einmal von seiner Beobachter-Position im Aufsichtsrat von OpenAI zurückziehen. Apple sollte auch einen solchen Sitz bekommen, lehnte angesichts der Microsoft-Skrupel dann aber auch überraschend ab. Die Verunsicherung bei den KI-begeisterten Tech-Giganten war gefundenes Fressen für prominente Kritiker. So bezeichnete der ehemalige Google-Geschäftsführer Eric Schmidt den Microsoft-Einstieg bei OpenAI süffisant als „dümmste Idee, die ich je gehört habe“. Allgemein werden die Zeiten rauer für OpenAI. Nicht nur wird der Konkurrenzdruck durch neue KI-Shootingstars wie Elon Musks xAI verstärkt.
Auch leidet der ChatGPT-Entwickler unter personellem Aderlass: Mitbegründer John Schulman verließ das Unternehmen Anfang August und wechselte zum Konkurrenten Anthropic. Greg Brockman, Präsident und Mitbegründer von OpenAI, kündigte unlängst an, sich bis Ende des Jahres eine Auszeit zu nehmen. Trotzdem hat OpenAI große Pläne und will etwa Google mit einer neuen KI-Suchmaschine entthronen. Dafür braucht man aber ganz schön viel Kohle – und genau dieses Problem will Sam Altman mit einer neuen Finanzierungsrunde lösen. Das ehrgeizige Ziel dabei ist eine Unternehmensbewertung in Höhe von satten $100 Milliarden. Damit würde sich OpenAIs rasanter Aufstieg nahezu übergangslos fortsetzen. Dass eine so hohe Bewertung für ein kaum zehn Jahre altes Startup keineswegs der Norm entspricht, muss an dieser Stelle nicht gesondert betont werden. OpenAI aber spielt schon lange in einer anderen Liga – und steigt immer schneller auf. Im Februar 2024 erreichte die Bewertung des Unternehmens bereits $80 Milliarden, wenige Monate zuvor hatte man noch an der $30-Milliarden-Grenze gekratzt.
Apple und Nvidia wollen einsteigen – Musk macht Druck
An der anstehenden Finanzierungsrunde, mit der OpenAI die $100-Milliarden-Schallmauer durchstoßen will, haben die größten Namen des Technologie-Sektors Interesse angemeldet. Trotz seines Rückziehers aus OpenAIs Aufsichtsrat will Microsoft eine großzügige Tranche nachschießen. Auch Apple und Nvidia haben sich laut Insider-Berichten um eine Teilnahme am prominenten Stelldichein der KI-Investoren beworben. Geäußert haben sich bisher weder Apple noch Nvidia zu diesen Gerüchten. Und auch über die Höhe der möglichen Investitionen herrscht noch Stillschweigen. Überraschend käme ein großzügiger Einstieg der großen KI-Vorreiter aus dem Tech-Sektor aber keineswegs. Schließlich gilt Nvidia als wichtigster Hardware-Produzent des anlaufenden KI-Zeitalters und dürfte dank hervorragender Quartalsergebnisse genügend Kapital zur Verfügung haben, um an OpenAI zu partizipieren. Eine Partnerschaft könnte auch über die jüngste Enttäuschung hinwegtrösten, die Nvidia-CEO Jensen Huang seinen Anlegern kürzlich beibringen musste. Ausgerechnet bei der neuen Chip-Reihe Blackwell, die Nvidia bei der GTC-Konferenz im März vorstellte, gibt es jetzt Produktionsengpässe. Auch Apple kann OpenAIs Rückenwind gut gebrauchen: Ende Februar stampfte der iPhone-Konzern seine jahrelangen Auto-Pläne ein, um einen größeren Fokus auf KI legen zu können – und suchte im Juni öffentlichkeitswirksam OpenAIs Nähe.
Ganz übertüncht werden die Kopfschmerzen bei OpenAI aber auch von diesem prominenten Interesse nicht. Schließlich ist der Rechtsstreit mit Elon Musk noch lange nicht ausgestanden. Anfang August wurde bekannt, dass Musk erneut gegen OpenAI klagt. Stein des Anstoßes ist immer noch der Vorwurf, dass OpenAI von seinem ursprünglichen Ziel abgewichen sei, ein gemeinnütziges Unternehmen zu werden. Musk hatte OpenAI 2015 mitbegründet, um die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz in kontrollierten und ethischen Bahnen zu lenken. Doch bereits drei Jahre später verließ er das Unternehmen, unter anderem aufgrund von Meinungsverschiedenheiten über die Ausrichtung und Kontrolle von OpenAI. In der aktuellen Klage wirft Musk Altman und anderen Führungskräften vor, seine Beteiligung an dem Unternehmen durch Täuschung erlangt und OpenAI in eine Richtung gelenkt zu haben, die mehr auf Profit als auf gesellschaftlichen Nutzen ausgerichtet ist. Die erste Klage aus dem Februar hatte Musk im Juni fallen gelassen. OpenAI erklärte damals, dass es keine formale Gründungsvereinbarung gebe, gegen die man verstoßen könnte. Kritiker werfen Musk vor, durch die Klage mehr Kontrolle über OpenAI erlangen zu wollen. Das aber will Sam Altman tunlichst verhindern – und öffnet lieber Apple, Nvidia und Microsoft seine Türen.


Ein OpenAI-Investment von Nvidia würde die KI-Marktführer für Hard- und Software näher zusammenbringen. Nvidia übertraf Google und Amazon im Frühling nach Marktkapitalisierung...
... und knackte im Sommer die $3-Billionen-Marke. Zwischenzeitlich war Nvidia damit das wertvollste Börsenunternehmen der Welt. OpenAI wurde im Februar auf $80 Milliarden geschätzt.
