Israel, Libanon und ein Schatz im Mittelmeer: Öl und Gas im Nahost-Konflikt
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Israel, Libanon und ein Schatz im Mittelmeer: Öl und Gas im Nahost-Konflikt

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Simeon Koch

Die Ereignisse der letzten Woche haben den seit Oktober offen geführten Nahost-Konflikt näher an den Rand eines kriegerischen Flächenbrands gebracht. Zunächst schlugen Raketen der libanesischen Miliz Hisbollah auf den von Israel besetzten Golanhöhen ein und töteten auf einem Fußballplatz mindestens zwölf Menschen, darunter Kinder und Jugendliche. Israel reagierte postwendend mit einem Luftangriff auf einen Vorort der libanesischen Hauptstadt Beirut, um Fuad Schukr, einen hochrangigen Kommandeur der Hisbollah zu töten. Dabei sollen mindestens drei Menschen gestorben und 74 weitere verletzt worden sein. „Ausgeschaltet“ wurde beim Angriff laut israelischem Militär auch Schukr, der ein enger Vertrauter von Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah war und damit enge Beziehungen zum Iran unterhalten haben soll. Weiteren Zündstoff lieferte am vergangenen Mittwoch die Nachricht, dass Ismail Haniyeh, der politische Kopf der palästinensischen Hamas in der iranischen Hauptstadt Teheran bei einem gezielten Anschlag getötet wurde.

Die Hamas machte Israel für das augenscheinliche Attentat verantwortlich und sprach von einer „feigen Tat, die nicht unbestraft bleiben wird“. Der Iran hielt sich mit Anschuldigungen zunächst zurück, Israel betonte: „Wir haben nicht vor, in den Krieg zu ziehen, aber wir sind darauf vorbereitet“. Demnach ziehe die Hisbollah „den Libanon und den gesamten Nahen Osten in eine Eskalation hinein“. Trotz dieser diplomatischen Beschwichtigung droht eine weitere Eskalation zwischen Israel und dem Iran, der nicht nur die libanesische Hisbollah, sondern auch die palästinensische Hamas unterstützen soll. Am Wochenende berichteten nun internationale Medien übereinstimmend, dass korrumpierte iranische Agenten im Haus des Hamas-Anführers Haniyeh schon vor Monaten eine Bombe platziert haben sollen. Verdächtigte Mitglieder der iranischen Sicherheitsbehörden sollen schon am Wochenende verhaftet worden sein, hinter der Aktion könnte der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad stecken.

Auf dem globalen Rohöl-Markt macht sich jedenfalls Verunsicherung breit, schließlich droht der Iran als mächtiges Mitglied der OPEC schon länger mit Sanktionen gegen den Westen. Und auch ein jahrzehntelanger Ressourcen-Streit im Mittelmeer dürfte mit dem israelischen Angriff auf Beirut wieder aufflammen: Der Libanon und Israel rangen jahrzehntelang um riesige Ölfelder im Mittelmeer, hatten sich vor zwei Jahren aber eigentlich über eine klare Aufteilung verständigt. Sollte diese Vereinbarung nun wackeln, könnte das zu ernstlichen Verwerfungen auf den Brennstoffmärkten führen.

Der Kampf um das Erdgas im Mittelmeer

Seit seiner Gründung im Jahr 1948 ist der Staat Israel mit seinem Nachbarland Libanon im formalen Kriegszustand. Jahrzehntelang gab es keinerlei diplomatische Beziehungen, die Grenze wurde von Soldaten der Vereinten Nationen überwacht. Aus dem Grenzgebiet mussten Zehntausende Bürger beider Länder umgesiedelt werden – wegen der permanenten Gefahr einer offenen militärischen Auseinandersetzung oder kleinerer Scharmützel. Entspannt hat sich diese Situation zum ersten Mal so richtig im Jahr 2022, als sich Israel und der Libanon überraschend über die geteilte Grenze im Mittelmeer einigen konnten. Vorher war die Seegrenze umstritten gewesen, vor allem wegen riesigen Gasfeldern von Milliardenwert. Schon seit Jahren fördert Israel Erdgas aus dem Mittelmeer und wurde wegen des neuen Reichtums mittlerweile zum Nettoexporteur. Der Libanon versprach sich von der neuen Grenzregelung vor zwei Jahren einen Neubeginn nach Jahren des wirtschaftlichen Niedergangs. Die Wirtschaftskrise im Land hat sich in den letzten Jahren allerdings verschärft.

Im Libanon leben drei von vier Menschen unter der Armutsgrenze, die libanesische Währung hat bereits mehr als 90 Prozent ihres Werts verloren, der Staat ist so gut wie bankrott. Die prekäre Situation verhalf auch der Miliz Hisbollah zum rasanten politischen Aufstieg, gilt sie im Konflikt mit Israel doch als verlängerter Arm Irans. Seit dem Angriff der Hamas auf israelisches Staatsgebiet im Oktober stellt sich der Iran auf die Seite der palästinensischen Miliz. Bereits Anfang April drohte die Situation zu eskalieren, als Israel Gebäude der iranischen Botschaft im syrischen Damaskus angriff. Iran reagierte mit einem Raketenangriff, der von israelischen Abwehrsystemen aber abgefangen wurde. Schon damals geriet der Brennstoff-Markt in Turbulenzen, besonders wegen Irans wichtiger Rolle in der Organisation erdölexportierender Staaten (OPEC), die einen Gutteil der weltweit verfügbaren Ölreserven verwaltet. Der Iran hat seine Rohöl-Exporte kürzlich zwar auf ein Fünfjahreshoch gesteigert, beliefert aber vorwiegend östliche Verbündete wie China. Vor allem mit den Vereinigten Staaten steht der Iran seit Jahren auf Kriegsfuß und drängt die OPEC auch deshalb, Sanktionen gegen den Westen zu verhängen.

Ölmarkt trotz Irans Drohungen zunächst ruhig

Welche Folgen eine offensive Intervention des Iran und seiner Verbündeten für die internationalen Ölmärkte haben können, zeigte die Blockade des Suez-Kanals durch die Huthi-Miliz aus dem Jemen. Monatelang mussten Handelsschiffe und vor allem Öltanker aufgrund anhaltender Angriffe auf den Schiffsverkehr im Roten Meer große Umwege nehmen und etwa Afrika umsegeln, um ihre wertvolle Fracht in den Westen zu bringen. Die aktuellen Spannungen zwischen Israel und dem Libanon verstehen Experten nicht als unmittelbare Gefahr für die Ölversorgung, schließlich ist der Libanon – anders als viele andere Staaten in der Region – kein Öl-Exporteur. Umso mehr ist die libanesische Wirtschaft auf das Erdgas-Vorkommen im Mittelmeer angewiesen: Eine Studie der Weltbank ergab kürzlich, dass die Kosten für Elektrizität im wirtschaftlich gebeutelten Land um zwei Drittel sinken könnten, wenn die Wirtschaft vollständig mit Erdgas versorgt würde. Mit der Erschließung ist der Libanon aber noch nicht ansatzweise so erfolgreich wie Israel, das seit Jahren Gas im Milliardenwert aus den Quellen auf der eigenen Seite der Seegrenze fördert und international verkauft.

Ein weiterer Streitpunkt ist ein großes Gasfeld vor der Küste des Gaza-Streifens mit dem Namen Gaza Marine. Seit seiner Entdeckung im Jahr 2000 kann das Gasvorkommen aber nicht ausgebeutet werden, weil politische Interessenskonflikte die Erschließung behindern. Neben Israel und dem Libanon schielen auch Ägypten, Zypern und die Türkei auf die wertvollen Brennstoffe im Meeresboden. Im Juni 2023 gab Israel zwar grünes Licht für die Erschließung des Gasfelds, die Verhandlungen mit den palästinensischen Behörden zogen sich aber hin. Und spätestens seit dem Ausbruch des offenen Krieges mit der Hamas liegt das Projekt wieder auf Eis. Mit dem Attentat auf den politischen Hamas-Anführer Ismail Haniyeh – ausgerechnet in der iranischen Hauptstadt Teheran – und dem Vergeltungsschlag Israels gegen den Hisbollah-Kommandanten Fuad Schukr spitzt sich nicht nur die politische, sondern auch die wirtschaftliche Situation um Brennstoffvorkommen im Nahen Osten und deren Export weiter zu. Die schwerste Eskalation mit dem Libanon und immer aggressivere Drohungen vom iranischen Militär und der Hamas destabilisieren außerdem die Lage im Mittelmeer. Ein wichtiger Grund dafür: Der milliardenschwere Schatz in der mediterranen Tiefe.

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Simeon Koch

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