HKCM-Wochenvorschau: Powell und Lagarde sprechen, US-BIP und PCE-Inflation
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HKCM-Wochenvorschau: Powell und Lagarde sprechen, US-BIP und PCE-Inflation

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Carlo Schmid

Die letzte Juniwoche bringt gleich mehrere hochkarätige Termine für die Finanzmärkte. Im Zentrum stehen dabei vor allem geldpolitische Signale aus Europa und den USA. EZB-Chefin Christine Lagarde spricht am Montag vor dem EU-Parlament, der Fed-Vorsitzende Jerome Powell folgt am Mittwoch mit seiner Anhörung vor dem US-Senat. Beide Reden gelten als richtungsweisend für die künftige Zinspolitik. Gleichzeitig liefern wichtige Konjunkturdaten neue Einblicke in den Zustand der US-Wirtschaft: Am Donnerstag steht das BIP auf dem Programm, am Freitag folgt mit dem PCE-Index der bevorzugte Inflationsindikator der Fed.

Montag: Stimmung der deutschen und US-Wirtschaft

Der HCOB Einkaufsmanagerindex (EMI) gibt monatlich ein Stimmungsbild der deutschen Wirtschaft – getrennt nach Industrie und Dienstleistungssektor. Der EMI des verarbeitenden Gewerbes verharrte im Juni bei 49.0 Punkten und signalisiert damit erneut eine schrumpfende Industrieleistung. Er bleibt damit unter der 50er-Marke, ab der von einem Wachstum gesprochen werden kann. Dennoch gibt es eine kleine Verbesserung zu den 48.3 Punkten im vergangenen Monat.

Überraschend positiv fiel hingegen der EMI für den Dienstleistungssektor aus: Mit 49.4 Punkten übertraf er nicht nur die Prognose von 47.5 und den Vormonat (47.5 Punkte), sondern rückte auch näher an die Wachstumszone von 50 Punkten heran. In ebenjene Wachstumszone kletterte überraschend der EMI-Gesamtindex, den Experten zuvor bei nur 49 Punkten erwartet hatten. Der vorherige Wert hatte bei 48.5 gelegen.


Die EMI-Indizes gelten als wichtige Frühindikatoren, sie geben Hinweise auf die Entwicklung von BIP, Inflation und Beschäftigung. Besonders in Zeiten geldpolitischer Unsicherheit, wie aktuell, schauen Investoren genau auf diese Zahlen. Ein Anstieg über 50 würde neue Wachstumsfantasie entfachen, bleibt er darunter, ist Vorsicht das Gebot der Stunde.


Am Montagnachmittag wurden in den USA ebenfalls die Einkaufsmanagerindizes für den Dienstleistungssektor und das verarbeitende Gewerbe publiziert. Hier gestaltet sich das Wachstum deutlich kräftiger als in der Eurozone: Der Dienstleistungs-EMI schlägt mit 53.1 Punkten zu Buche, der EMI des verarbeitenden Gewerbes mit 52 Punkten.

Damit liegen beide Werte im Wachstumsbereich und übertrafen die Erwartungen (Dienstleistungen: 53.7 Punkte; verarbeitendes Gewerbe: 51 Punkte). Kleiner Wermutstropfen: Der Dienstleistungs-EMI fiel im Vergleich zum Vormonat leicht, als der Wert noch bei 53.7 gelegen hatte. Der EMI des verarbeitenden Gewerbes bliebt nach den 52 Punkten im Juni konstant. Trotz der positiven Zahlen läuft die Erholung also schleppend.

Dienstag: EZB-Chefin Lagarde im Fokus

Am Montag spricht EZB-Präsidentin Christine Lagarde um 15:00 Uhr vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss (ECON) des Europäischen Parlaments. Der ECON-Ausschuss ist das zentrale Gremium für alle Fragen rund um Finanzpolitik, Bankenaufsicht und die Geldpolitik der Eurozone. Er überwacht auch die Europäische Zentralbank und lädt deren Präsidentin regelmäßig zu Anhörungen ein. In ihrer Eröffnungsrede wird Lagarde die aktuelle Lage der Euro-Wirtschaft einschätzen und zur Inflationsentwicklung Stellung nehmen.

Besonders brisant: Die EZB hatte zuletzt den Leitzins gesenkt – nun wird genau beobachtet, ob Lagarde weitere Schritte andeutet oder angesichts geopolitischer Risiken zur Vorsicht mahnt. Ihre Aussagen könnten direkte Auswirkungen auf die Finanzmärkte haben – insbesondere auf Euro, Staatsanleihen und Bankaktien.

In Deutschland steht am Dienstag der Geschäftsklimaindex des renommierten Münchner ifo-Instituts anauf dem Plan. Der Geschäftsklimaindex basiert auf einer Befragung von rund 7000 Unternehmen über kurzfristige Prognosen der eigenen Geschäftslage. Mit einem Sprung von 87.5 Punkten im Vormonat auf nun erwartete 88.3 Punkte soll sich die Lage etwas aufheitern.

Mittwoch: Fed-Chef Powell vor dem US-Senat

Am Mittwoch kommt es zu einem Auftritt von US-Notenbankchef Jerome Powell vor dem Banking Committee des US-Senats als Teil der traditionellen halbjährlichen Anhörung zur Geldpolitik (Semiannual Monetary Policy Report). Die Anhörung beginnt um 10:00 Uhr Ortszeit (16:00 Uhr in Deutschland). Powell wird zur wirtschaftlichen Lage, zur Inflationsentwicklung und zu den weiteren Zinsplänen der Fed befragt.

Die Rede ist besonders wichtig, weil sich die US-Wirtschaft derzeit in einem Spannungsfeld bewegt: Während die Inflation nicht deutlich genug sinkt, zeigen sich erste Schwächezeichen im Arbeitsmarkt. Die Märkte hoffen auf klare Hinweise, ob und wann die Fed zu Zinssenkungen übergeht – oder ob die restriktive Haltung weiter Bestand hat. Vor allem US-Präsident Donald Trump hat Jerome Powell in letzter Zeit heftig kritisiert und ihn unter Druck gesetzt, die Zinsen zu senken.

Donnerstag: Bruttoinlandsprodukt Q1 USA

Am Donnerstag wird in den USA das reale, annualisierte Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das erste Quartal veröffentlicht. Bei dieser primären Kennzahl für das jährliche Wirtschaftswachstum handelt es sich um einen Schlüsselindikator für die Entwicklung der größten Volkswirtschaft der Welt. Das Bureau of Economic Analysis gibt um 14:30 Uhr deutscher Zeit bekannt, mit welcher Dynamik die US-Wirtschaft zwischen Januar und März tatsächlich gewachsen ist. Analysten rechnen aktuell mit einer Bestätigung des zuletzt geschätzten Wachstums von -0.2 Prozent.

Das reale BIP misst die um Inflation bereinigte Wirtschaftsleistung und ist auf das Jahr hochgerechnet (annualisiert), was bedeutet: Es zeigt, wie stark die Wirtschaft wachsen würde, wenn das Tempo eines Quartals vier Quartale lang anhielte.  Für die Märkte ist die Zahl entscheidend, denn sie gibt Hinweise darauf, wie robust die US-Konjunktur wirklich ist und wie viel Spielraum die Fed bei möglichen Zinssenkungen hat.

Ein höheres Wachstum könnte die Hoffnung auf baldige Lockerungen der Zinsen dämpfen – ein schwächerer Wert hingegen Spekulationen auf eine baldige Zinswende befeuern. Ebenfalls am Donnerstag gibt die US-Statistikbehörde bekannt, wieviele Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung eingegangen sind. Nach 245 000 im Vormonat wird nun mit 247 000 gerechnet. Die Arbeitslosigkeit ist einer der wichtigsten Einflussfaktoren für die Zinsentscheidungen der Fed. Sollte der Arbeitsmarkt deutlich stärker schwächeln als erwartet, könnten zeitnahe Zinssenkungen wahrscheinlicher werden.

Freitag: Konsumausgaben USA

Am Freitag veröffentlicht das US Bureau of Economic Analysis den Kernpreisindex für persönliche Konsumausgaben (PCE Core Index). Eine der wichtigsten Kennzahlen zur Messung der Inflation in den Vereinigten Staaten. Die Daten werden um 14:30 Uhr deutscher Zeit erwartet und könnten erheblichen Einfluss auf die Geldpolitik der US-Notenbank haben.

Im Gegensatz zum allgemeinen PCE-Index werden beim Kernpreisindex schwankungsanfällige Komponenten wie Energie und Lebensmittel ausgeklammert, um den längerfristigen Inflationstrend besser abbilden zu können. Der Markt rechnet mit einem leichten Zuwachs der Inflation auf 2.6 Prozent nach zuletzt 2.5 Prozent.

Gleichzeitig werden die persönlichen Konsumausgaben, also der normale PCE-Wert, veröffentlicht. Erwartet wird ein leichter Anstieg auf 2.3 Prozent nach 2.1 Prozent im Vormonat. Die US-Notenbank Fed orientiert sich bei ihren Zinsentscheidungen vorrangig an diesem Wert. Fällt er höher als erwartet aus, könnte dies die Spekulationen auf baldige Zinssenkungen dämpfen. Ein Rückgang hingegen würde den Druck auf die Fed erhöhen, geldpolitisch gegenzusteuern.

Wir wünschen Ihnen eine erfolgreiche Handelswoche!

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Carlo Schmid

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