HKCM-Wochenrückblick: Putin erlaubt Bitcoin-Mining, DAX-Konzerne mit Top-Quartal
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HKCM-Wochenrückblick: Putin erlaubt Bitcoin-Mining, DAX-Konzerne mit Top-Quartal

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Simeon Koch

Es ist Freitag und wir lassen eine spannende Handelswoche hinter uns. Was in der Welt der Finanzen passiert ist, schauen wir uns im HKCM-Wochenrückblick an.

 

Montag – Weltmärkte crashen wegen Yen-Chaos

Zu Wochenbeginn hat die Rezessionsangst in den Vereinigten Staaten einen neuen Höhepunkt erreicht. Getrieben von schlechten Arbeitsmarktdaten und befürchtetem Verkaufsdruck wegen massenhaft aufgelöster Yen-Carry-Trades sackte in der Nacht auf Montag zunächst der Kryptomarkt ein. Innerhalb weniger Stunden schmolz die kumulierte Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen um fast $500 Milliarden, Ethereum erlitt den höchsten Tagesverlust seit 2021. Insgesamt wurden an diesem blutigen Montag Hebelpositionen im Gesamtwert von mehr als $1 Milliarde liquidiert, nachdem das Open Interest just Ende Juli ein neues Allzeithoch erreicht hatte. Der japanische Nikkei-Index erlebte den heftigsten Abverkauf seiner Geschichte, beim südkoreanischen Leitindex KOSPI wurde der Handel wegen immenser Verkäufe ausgesetzt. Am Montagnachmittag deutscher Zeit folgten dann die Aktienmärkte, die zu diesem Zeitpunkt im Pre-Market schon heftige Verluste erlitten hatten. Zum ersten Mal seit seiner Gründung verlor der Nasdaq an einem Tag mehr als 1000 Punkte und auch der S&P 500 wurde von historischer Volatilität geschüttelt. Eine unmittelbare Reaktion der US-Notenbank wird angesichts der aktuellen Erholung nicht erwartet. Schließlich könnte eine vielerorts geforderte Notzins-Senkung den Markt ernsthaft gefährden.

Dienstag – Volkswagen und Audi unter Druck

Seit Monaten sind die Aktien vieler großer Autobauer im Sinkflug. Schon im April waren 29 Prozent der deutschen Firmen in der Autobranche von Auftragsrückgängen betroffen, im Juli stieg dieser Anteil laut einer aktuellen Umfrage des Wirtschaftsforschungsinstituts ifo auf über 43 Prozent. Demnach hat sich die breite Einschätzung der Geschäftslage ebenso verschlechtert wie die allgemeine Erwartung künftiger Verkäufe ins Ausland. Die Marktschwäche macht auch vor dem deutschen Branchenführer Volkswagen nicht halt: Im vergangenen Quartal waren die Fahrzeugverkäufe beim Wolfsburger Auto-Riesen rückläufig, in den Monaten von April bis Juni lieferte der Konzern mit gut 2.2 Millionen Fahrzeugen fast vier Prozent weniger aus als noch im zweiten Quartal des Vorjahres. Auf die Bilanz schlägt besonders eine flagrante Schwäche bei der VW-Tochter Audi, deren Absatz im zurückliegenden Vierteljahr um drastische 11.3 Prozent einbrach. Wegen schleppender Verkäufe im E-Auto-Sektor könnte ein Audi-Werk in Brüssel vollständig geschlossen werden. Probleme bereitet vor allem der chinesische Markt, der in den letzten drei Monaten um knapp 20 Prozent weniger Fahrzeuge des VW-Konzerns aufnahm. Absatzsteigerungen um 5.1 Prozent in Westeuropa und um kräftige 10.8 Prozent in Nordamerika gleichen das China-Minus nicht aus.

Mittwoch – Putin erlaubt Bitcoin-Mining in Russland

Angesichts harter wirtschaftlicher Sanktionen des Westens öffnet sich Russland zusehends dem Kryptosektor. Schon Ende Juli verabschiedete das russische Parlament eine Regelung, die es nationalen Unternehmen ermöglicht, Geschäfte mit Kryptowährungen abzuwickeln und damit westliche Blockaden von Bargeld-Transaktionen mit Russland zu umgehen. Mitte der Woche unterzeichnete Wladimir Putin dann ein Gesetz, das Mining-Aktivitäten für Bitcoin und weitere Kryptowährungen legalisiert. Beschränkt ist diese Erlaubnis allerdings auf staatliche Institutionen und Unternehmen, die sich in einer staatlichen Liste registrieren müssen – es sei denn, ihre Mining-Aktivitäten übersteigen nicht die von der russischen Regierung gesetzten Energie-Grenzen. Mitte Juli hatte Putin persönlich vor Krypto-Mining gewarnt, da es „fast 1.5 Prozent des gesamten Stromverbrauchs“ Russland in Anspruch nehme, wie der Präsident kritisierte. Unkontrolliertes Wachstum der Branche könne laut Putin „zu Stromausfällen in gewissen Regionen führen“, weshalb man eine „zeitnahe Entscheidung“ zu diesem Thema fällen wolle. Die nun beschlossene formale Mining-Erlaubnis ist im Grunde ein Schlag gegen private und nicht-registrierte Mining-Farmen, deren Stromverbrauch über dem neu festgelegten Energie-Limit liegt. Dennoch will Putin die Integration digitaler Vermögenswerte in die russische Wirtschaft vorantreiben, etwa durch einen digitalen Rubel.

 

 

Donnerstag – Siemens, Allianz und Telekom feiern Top-Quartale

Der Münchener Versicherungsgigant Allianz hat im vergangenen Vierteljahr einen Rekordgewinn von fast 4€ Milliarden erzielt. Das teilte der Konzern Mitte der Woche bei der Präsentation seiner jüngsten Quartalszahlen mit. Demnach kletterte das gesamte Geschäftsvolumen im Vergleich zum Vorjahresquartal um gute sieben Prozent auf 42.6€ Milliarden. Gleichzeitig stieg der Gewinn pro Aktie um drei Prozent auf 6.15€ – auch dank umfangreicher Aktienrückkäufe. Bereits im Februar hatte der Versicherer angekündigt, in diesem Jahr Aktien im Gesamtwert von 1€ Milliarde zurückzukaufen, nun wurde dieser Plan um weitere 500€ Milliarden aufgestockt. Seit 2017 hat die Allianz auf diesem Wege mehr als 69 Millionen eigene Aktien für rund 13.5€ Milliarden eingezogen, wodurch der Gewinn pro Aktie und die Dividende tendenziell steigen. Wie am Donnerstag bekannt wurde, verlief das zweite Quartal auch für einige weitere große DAX-Konzerne ausgezeichnet: Die Deutsche Telekom verzeichnete eine ungewöhnlich hohe Nachfrage nach Mobilfunkverträgen, die stattliche Zahl von 311 000 Neukunden in den letzten drei Monaten übertraf die Erwartungen deutlich. Der Umsatz stieg um deutliche 4.3 Prozent auf fast 28.4€ Milliarden, unterm Strich blieben der Telekom 2.1 Milliarden Gewinn und damit ganze 40 Prozent mehr als noch im Vorjahresquartal. Für positive Schlagzeilen sorgte auch der Maschinenbauer Siemens mit einer Gewinnsteigerung von elf Prozent auf 3€ Milliarden – Analysten hatten mit 160€ Millionen weniger gerechnet.

Freitag – Insolvenzen in Deutschland auf Rekordhoch

Der vergangene Monat Juli hat in der deutschen Wirtschaft einen traurigen Rekord aufgestellt: Insgesamt wurden 1406 Insolvenzen heimischer Unternehmen angemeldet, ein Plus von 20 Prozent zum Vormonat und sogar 37 Prozent zum Vorjahr. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) in einem aktuellen Bericht. Laut offizieller Aussendung des IWH „liegen die Zahlen so hoch wie seit etwa zehn Jahren nicht mehr und übersteigen auch den jüngsten Spitzenwert aus dem April 2024“. Die Insolvenzzahlen im diesjährigen Juli lagen damit alarmierende 46 Prozent über dem Durchschnitt für diesen Monat in den Jahren 2016 bis 2019. In den größten zehn Prozent der im Juli betroffenen Unternehmen stehen knapp 10 000 Arbeitsplätze auf der Kippe, besonders hart traf es das Verarbeitende Gewerbe. Der Juni lag mit 100 insolventen Industriebetrieben noch im Durchschnitt, der Juli mit 145 aber deutlich darüber. Seit der Erfassung der detaillierten Branche-Informationen vom IWH im Jahr 2020 ist das der höchste gemessene Wert für den Industrie-Sektor. Insgesamt lag die Zahl der gefährdeten Arbeitsplätze aber nahe dem Normalwert der Jahre vor der Corona-Pandemie, weil in den letzten Wochen anteilsmäßig weniger Großinsolvenzen gemeldet wurden. Laut IWH dürften „die Insolvenzzahlen im August leicht sinken und dann im September wieder ansteigen“.

Das war’s schon mit dem Rückblick. Wir hoffen, er hat Ihnen einen kleinen Überblick gegeben. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein schönes und erholsames Wochenende!

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Simeon Koch

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