Es ist Freitag und wir lassen eine spannende Handelswoche hinter uns. Was in der Welt der Finanzen passiert ist, schauen wir uns im HKCM-Wochenrückblick an.
Montag – Fliegt Intel aus dem Dow Jones? 
Intel, einst ein führendes Technologieunternehmen im Dow Jones Industrial Average, könnte aufgrund eines massiven Kursverlusts seinen Platz im renommierten nordamerikanischen Industrieindex verlieren. Die Aktie des Chip-Herstellers ist in diesem Jahr um fast 60 Prozent gefallen, was Intel zum schlechtesten Performer im Dow macht. Viele Experten halten einen Rauswurf des Unternehmens aus dem Index für wahrscheinlich, insbesondere nach den schwachen Ergebnissen im abgelaufenen Quartal und einem zunehmend schwieriger werdenden Marktumfeld. Die verpasste Chance, auf den KI-Zug aufzuspringen, sowie wachsende Verluste in der Auftragsfertigung haben Intels Position zuletzt massiv geschwächt. Ein möglicher Ersatz für Intel im Dow Jones könnte der KI-Chip-Marktführer Nvidia sein, der jüngst zwar wieder starke Quartalszahlen präsentierte, zuletzt in den USA aber aufgrund möglicher Kartellrechtsverletzungen ins Fadenkreuz des Justizministeriums geriet. Jedoch zeigte sich das Nvidia-Papier in den vergangenen Monaten äußerst volatil, für den Dow werden in der Regel etwas stabilere Werte bevorzugt – so könnte die Wahl den Experten zufolge auch auf den Technologiekonzern Texas Instruments fallen. Intel-CEO Pat Gelsinger wird dem Vorstand übrigens voraussichtlich noch in diesem Monat Pläne zur Veräußerung von Geschäftsbereichen und zur Reduzierung von Investitionen vorstellen, um das Unternehmen zu stabilisieren. Unter anderem könnte die Altera-Sparte verkauft und der Bau der $32-Milliarden-Factory in Magdeburg vorerst pausiert werden. Wie zudem am Freitag bekannt wurde, prüft offenbar der nordamerikanische Tech-Konzern Qualcomm derzeit den Kauf eines Teils von Intels Chipdesign-Sparte.
Dienstag – Muss Volkswagen Werke in Deutschland schließen?
Der DAX40-Konzern Volkswagen erwägt wohl erstmals die Schließung von zwei Werken in Deutschland, um Kosten zu senken und sich im Wettbewerb mit asiatischen Konkurrenten zu behaupten. Betroffen sind offenbar ein großes Fahrzeugwerk und ein Komponentenwerk. Der Betriebsrat kündigte „erbitterten Widerstand“ an, insbesondere gegen die geplante Beendigung des seit 1994 bestehenden Beschäftigungssicherungsprogramms. Die IG Metall hat in der Vergangenheit tiefgreifende Änderungen erfolgreich blockiert. Der VW-Konzern steht unter erheblichem Druck, seine Kosten bis 2026 um 10€ Milliarden zu senken, um im massiv umkämpften Elektroauto-Markt wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Entscheidung könnte weitreichende Auswirkungen auf die deutsche Industrie haben und wird als Weckruf für die deutsche Wirtschaftspolitik gesehen. Welche Werke von den Schließungen betroffen sein könnten, ist bislang noch nicht bekannt. Gefährdet sind wohl die Produktionsstätte in Braunschweig mit 7400 Mitarbeitern, wo Batterien und andere Komponenten produziert werden, sowie das Werk in Emden mit 8000 Mitarbeitern, in welchem der VW Passat und der elektrische ID.4 vom Band rollen. Als weitere potenziell „bedrohte“ Standorte gelten laut Experten das Werk in Hannover mit 14 000 Mitarbeitern, das die T-Serie und den Amarok produziert, das größte Komponentenwerk in Kassel mit 16 500 Mitarbeitern und die Fabrik in Salzgitter mit 7500 Mitarbeitern, die Motoren und E-Komponenten herstellt.
Mittwoch – Als erstes NATO-Land: Türkei beantragt BRICS-Mitgliedschaft
Wie in dieser Woche bekannt wurde, möchte die Türkei der BRICS-Staatengruppe beitreten – sollte die Aufnahme gelingen, wäre das Land das erste NATO-Mitglied in diesem Bündnis. Bei den BRICS-Staaten handelte es sich ursprünglich um einen Zusammenschluss der Volkswirtschaften Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. Inzwischen traten unter anderem Ägypten, Äthiopien und die Vereinigten Arabischen Emirate dem Bündnis bei; laut eigenen Angaben machen die Mitgliedsstaaten rund 42 Prozent der Weltbevölkerung sowie 24 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung aus. Ins Leben gerufen wurde die Gruppierung, da die beteiligten Parteien mit der vorherrschenden Weltordnung, sprich: der Vormachtstellung der USA, unzufrieden waren und diese aufbrechen möchten. Hierzu soll unter anderem eine eigene Wertwährung geschaffen werden, die vollständig mit Gold gedeckt ist. Jedenfalls ließ der Sprecher der Regierungspartei, Ömer ÇelikEU, verlauten, dass man die Aufnahme in das Bündnis bereits beantragt habe und „der Prozess im Gange“ sei; eine Bewertung seitens der BRICS stehe aber noch aus. Dennoch möchte die Türkei auch weiterhin der EU beitreten; Präsident Erdoğan betonte bereits im Juli, dass er die BRICS nicht als „Alternative zu anderen Strukturen“ sehe.
Donnerstag – Safe Superintelligence: OpenAI-Mitbegründer Sutskever sammelt $1 Milliarde ein
Beim ChatGPT-Entwickler OpenAI war in den vergangenen Wochen und Monaten einiges los: Während man mit Mitbegründer Elon Musk quasi dauerhaft im Clinch liegt und der große Investor Microsoft sich offenbar zunehmend vom Unternehmen distanzieren möchte, planen der iPhone-Konzern Apple und der Börsenshootingstar Nvidia offenbar, Milliarden in den von Sam Altman geführten KI-Platzhirsch zu pumpen. OpenAI strebt eine Bewertung von schier unglaublichen $100 Milliarden an – und das keine zehn Jahre nach der Gründung. Damals mit von der Partie war neben Altman und Musk unter anderem auch der spätere Forschungschef Ilya Sutskever, der am nicht erfolgreichen Putsch rund um CEO Sam Altman beteiligt war und OpenAI vor kurzer Zeit den Rücken kehrte. Jedenfalls hat Sutskever das KI-Start-up Safe Superintelligence gegründet, dessen „erstes Produkt die Superintelligenz sein wird“. Entgegen den Warnungen vieler Experten – unter anderem auch Altman – betont Sutskever, dass die Superintelligenz für die Menschheit ungefährlich sei. Sutskever hat für sein Unternehmen, das zuletzt mit $5 Milliarden bewertet wurde, nun in einer Finanzierungsrunde $1 Milliarde eingesammelt; unter anderem befinden sich die Silicon Valley-Größen Andreessen Horowitz und Sequoia Capital unter den Geldgebern. Im Gegensatz zu OpenAI soll Safe Superintelligence von Beginn an profitorientiert sein.
Freitag – Für $20 Milliarden: Verizon übernimmt Frontier Communications 
Der nordamerikanische Telekommunikationskonzern Verizon hat bekanntgegeben, dass man den Glasfaser-Internet-Anbieter Frontier Communications in einer Bartransaktion in Höhe von $20 Milliarden übernehmen wird. Durch diesen Deal möchte Verizon seine Glasfaserreichweite in den USA erheblich erweitern und sich auf diese Weise gegenüber Konkurrenten wie AT&T und T-Mobile US besser positionieren. Frontier verfügt über 2.2 Millionen Glasfaserkunden in 25 Bundesstaaten, während Verizon derzeit auf etwa 7.4 Millionen Verbindungen in neun Bundesstaaten kommt. Nick Jeffery, Präsident und CEO von Frontier, ist „zuversichtlich, dass dies einen erheblichen und sicheren Baraufschlag für die Aktionäre von Frontier bietet, gleichzeitig spannende neue Möglichkeiten für unsere Mitarbeiter schafft und den Zugang zu zuverlässiger Konnektivität erweitert“. Frontier meldete 2020 Insolvenzschutz an, kam jedoch im darauffolgenden Jahr aus dem Insolvenzverfahren heraus, nachdem das Unternehmen $10 Milliarden an ausstehenden Schulden eliminiert hatte. Der Abschluss der Transaktion wird in etwa 18 Monaten erwartet; Verizon rechnet mit jährlichen Kosteneinsparungen von 500 Millionen US-Dollar.
Das war’s schon mit dem Rückblick. Wir hoffen, er hat Ihnen einen kleinen Überblick gegeben. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein schönes und erholsames Wochenende!




