Es ist Freitag und wir lassen eine spannende Handelswoche hinter uns. Was in der Welt der Finanzen passiert ist, schauen wir uns im HKCM-Wochenrückblick an.
Montag – Neuer Vorsitzender: Disney holt Morgan Stanley-CEO James Gorman
Der Entertainmentgigant Walt Disney hat James Gorman, den bisherigen Executive Chairman von Morgan Stanley, zum neuen Vorsitzenden ernannt. Gorman wird seine Position bei Disney im Januar 2025 antreten. Er bringt umfassende Erfahrungen mit, agierte er doch 14 Jahre lang als CEO von Morgan Stanley und transformierte das Unternehmen in dieser Zeit zu einem der weltweit führenden Vermögensverwalter. Mark Parker, der aktuelle Disney-Vorsitzende, wird den Dow30-Konzern nach neun Jahren verlassen, um sich anderen beruflichen Herausforderungen zu widmen. Gorman wird auch die Suche nach einem neuen CEO leiten. So muss Bob Iger ersetzt werden, der 2022 zurückkehrte, um den wenig erfolgreichen Bob Chapek abzulösen. Der eigentlich bereits im Ruhestand befindliche Iger war der direkte Vorgänger Chapeks und hatte Disney zuvor ganze 15 Jahre lang äußerst erfolgreich geführt. Der 71-Jährige hatte seinen Rücktritt in den vergangenen Monaten mehrfach verschoben – Ende 2026 soll nun aber wirklich Schluss sein. Disney evaluiert derzeit sowohl interne als auch externe Kandidaten für die CEO-Position.
Dienstag – SAP legte starke Zahlen vor und hebt Jahresprognose an
Der deutsche Softwarekonzern SAP hat seine Prognose für das Geschäftsjahr 2024 angehoben, nachdem das Unternehmen im dritten Quartal hervorragende Ergebnisse vorgelegt hat. Hierbei stach vor allen Dingen das Cloud-Geschäft hervor, wo ein beeindruckendes Wachstum um ein Viertel auf 4.4€ Milliarden verzeichnete. Der Gesamtumsatz wuchs um neun Prozent auf 8.47€ Milliarden, während der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern um 27 Prozent auf 2.24€ Milliarden zulegte. Unterm Strich blieben letztlich 1.44€ Milliarden stehen, was im Jahresvergleich einem Plus in Höhe von 13 Prozent entspricht. „Ein signifikanter Anteil unserer Cloud-Deals im dritten Quartal haben KI-Anwendungsfälle enthalten“, sagte CEO Christian Klein im Rahmen der Präsentation der starken Zahlen. SAP erwartet nun für 2024 Cloud- und Software-Erlöse zwischen 29.5€ und 29.8€ Milliarden und ein EBIT (engl.: Earnings Before Interest and Taxes; dt.: Ergebnis vor Zinsen und Steuern) von 7.8€ bis 8€ Milliarden. Zudem plant der Konzern, durch eine Umstrukturierung 2024 rund 700€ Millionen einzusparen. Trotz des Wegfallens von rund 10 000 Stellen wird die Mitarbeiterzahl durch Neueinstellungen und die Milliarden-Übernahme des israelischen Softwareunternehmens WalkMe voraussichtlich leicht ansteigen. Die SAP-Aktie, dir wir übrigens in unserem DAX40-Aktienpaket regelmäßig für unsere Kunden analysieren, konnte seit Jahresbeginn bereits um mehr als 50 Prozent zulegen. Mit einer Marktkapitalisierung in Höhe von rund 260€ Milliarden steht SAP unangefochten an der Spitze der wertvollsten Unternehmen im deutschen Leitindex.
Mittwoch – Chipfabrik in Deutschland vor dem Aus: ZF und Wolfspeed legen Pläne auf Eis
Das geplante Milliardenprojekt einer Chipfabrik im saarländischen Ensdorf steht wohl vor dem Aus zu: Wie in dieser Woche bekannt wurde, zieht sich der Autozulieferer ZF Friedrichshafen aus dem Vorhaben zurück. Der Kooperationspartner, der nordamerikanische Chiphersteller Wolfspeed, hatte das Projekt aufgrund schwacher Nachfrage nach Elektroautos zuletzt bereits auf unbestimmte Zeit verschoben, auch ließ ein Insider gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters verlauten, dass das Unternehmen sich die Frage stellt, „ob der Markteintritt in Europa überhaupt noch sinnvoll“ sei. Die Fabrik sollte ab 2027 Siliziumkarbid-Halbleiter für Elektroautos produzieren. Mit einem Gesamtvolumen von 2.75€ Milliarden und großzügiger staatlicher Förderung war sie als Teil der deutschen Strategie zur Steigerung der Unabhängigkeit von asiatischen Chipherstellern geplant. Zuletzt hatte bereits der Intel-Konzern eine geplante Chipfabrik in Magdeburg aufgrund wirtschaftlicher Turbulenzen – möglicherweise wird das Dow-Unternehmen sogar vom Konkurrenten Qualcomm geschluckt – für unbestimmte Zeit auf Eis gelegt.
Donnerstag – Arm möchte Lizenzabkommen mit Qualcomm aufkündigen
Apropos Qualcomm: Der britische Chipdesigner Arm Holdings plant, eine Architektur-Lizenzvereinbarung mit dem kalifornischen Technologieunternehmen aufzukündigen. Die Vereinbarung hatte es Qualcomm bisher ermöglicht, eigene Chips auf Basis der Arm-Technologie zu entwickeln. Das Vorgehen des Arm-Konzerns erfolgt im Zuge eines laufenden Rechtsstreits zwischen den beiden Unternehmen. Laut einem Bloomberg-Bericht hat Arm Qualcomm bereits eine 60-tägige Kündigungsfrist für die Lizenz eingeräumt. Die nun zunehmend eskalierende Auseinandersetzung zwischen den beiden Unternehmen begann 2022, als Arm Qualcomm verklagt hatte, weil das Unternehmen nach der Übernahme des Halbleiter-Startups Nuvia keine neue Lizenz ausgehandelt hatte. Ein Qualcomm-Sprecher wies die Vorwürfe zurück und sprach von „weiteren unbegründeten Drohungen, die darauf abzielen, einen langjährigen Partner unter Druck zu setzen, um die Lizenzgebühren zu erhöhen“. Weiter bezeichnete er den Kündigungsversuch als „haltlos“ und erwartet, dass sich dies vor Gericht bestätigt wird. Die Verhandlung ist für Dezember vor einem Gericht in Delaware angesetzt. Ein Sieg von Arm könnte weitreichende Folgen für Qualcomm und seine Partner, darunter Microsoft, haben. Experten schätzen die Wahrscheinlichkeit für eine außergerichtliche Einigung aber recht hoch ein.
Freitag – Britische Behörden prüfen Alphabets Milliarden-Investment in KI-Startup Anthropic
Die britische Wettbewerbsbehörde (CMA) hat eine Untersuchung hinsichtlich der Partnerschaft zwischen dem Alphabet-Konzern und dem KI-Startup Anthropic eingeleitet. Es soll geprüft werden, ob das Abkommen den Wettbewerb in Großbritannien gefährdet. Berichten zufolge untersucht die CMA die Beziehung zwischen den Unternehmen bereits seit Juli. Laut den Geschwistern Dario und Daniela Amodei – die beim KI-Marktführer OpenAI Schlüsselrollen einnahmen, ehe sie Anthropic im Jahr 2020 gründeten – hat die Google-Mutter bereits $500 Millionen in das aufstrebende KI-Unternehmen investiert, weitere $1.5 Milliarden seien zudem für die nahe Zukunft zugesichert worden. Anthropic konzentriert sich auf die Entwicklung sicherheitsorientierter KI-Systeme, die nachvollziehbare und kontrollierbare Entscheidungen treffen sollen. Ein Beispiel ist das KI-Modell Claude, das als Konkurrent für OpenAIs ChatGPT gilt. Das Unternehmen – an dem übrigens seit letztem Jahr auch der Amazon-Konzern milliardenschwer beteiligt ist – engagiert sich zudem aktiv in der Forschung zu KI-Ethik und -Regulierung und setzt sich für eine verantwortungsbewusste Entwicklung von KI-Technologien ein. Die Entscheidung über das weitere Vorgehen der CMA soll bis zum 19. Dezember fallen. Die Sorge der Regulierungsbehörden weltweit wächst in den vergangenen Monaten angesichts der zunehmenden Verflechtungen großer Tech-Unternehmen mit KI-Startups, insbesondere seit dem rasanten Aufstieg von OpenAI und der massiven Investition seitens Microsoft.
Das war’s schon mit dem Rückblick. Wir hoffen, er hat Ihnen einen kleinen Überblick gegeben. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein schönes und erholsames Wochenende!







