HKCM-Wochenrückblick: Boeing-Streik, EZB-Zinssenkung, Expedia-Übernahme durch Uber
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HKCM-Wochenrückblick: Boeing-Streik, EZB-Zinssenkung, Expedia-Übernahme durch Uber

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Florian Winter

Es ist Freitag und wir lassen eine spannende Handelswoche hinter uns. Was in der Welt der Finanzen passiert ist, schauen wir uns im HKCM-Wochenrückblick an.

Montag ­– Krise im Autosektor: Auch Stellantis erwägt Werkschließungen 

Carlos Tavares, CEO des Automobilgiganten Stellantis, der Marken wie Abarth, Alfa Romeo, Chrysler, Citroën, Fiat, Jeep, Lancia, Maserati, Opel, und Peugeot vereint, schließt angesichts der Absatzkrise in der Automobilindustrie Werksschließungen nicht aus. In einem Interview mit der französischen Zeitung Les Échos erklärte Tavares nun, dass die zunehmende Konkurrenz aus China in Europa für die ansässigen Unternehmen gravierende Folgen haben könnte: „Wenn die chinesischen Autobauer am Ende ihrer Europa-Offensive einen Marktanteil von zehn Prozent erreichen, entspricht das sieben Montagewerken“, so Tavares. Europäische Hersteller müssten in diesem Fall Standorte schließen oder sie an chinesische Firmen veräußern. Zudem warnte Tavares, dass die von der EU beschlossenen Strafzölle auf chinesische Elektroautos dazu führen könnten, dass immer mehr chinesische Unternehmen in Europa Fabriken bauen, um die Zölle zu umgehen. Dies könnte zu einer noch stärkeren Überkapazität führen und weitere Werksschließungen nach sich ziehen.

Darüber hinaus äußerte Tavares Bedenken, dass eine verzögerte Umstellung auf Elektrofahrzeuge die Hersteller in eine „Kostenfalle“ treiben könnte. Längere Übergangsphasen könnten dazu führen, dass die alte und neue Technologie parallel produziert werden müssen, was die Kosten stark erhöht. Der Stellantis-Konzern hatte bereits im September seine Gewinnerwartungen aufgrund rückläufiger Absatzzahlen nach unten korrigiert. Auch die Zahlen bei den deutschen Automobilkonzernen waren zuletzt alles andere als berauschend. Bereits im September ließ der deutsche Volkswagenkonzern verlauten, dass möglicherweise Standorte – auch in Deutschland – aufgrund des schwierigen Marktumfelds geschlossen werden müssen. Auch BMW plant umfangreiche Entlassungen. Der Vorstandsvorsitzende des BMW-Konzerns Oliver Zipse forderte diese Woche beim Pariser Autosalon derweil, dass die EU ihre Strategie zum geplanten Verbrennerverbot ab 2035 unbedingt nochmals überdenken müsse.

Dienstag – Boeing plant Massenentlassungen – Arbeiter setzen Streik fort   

Der nordamerikanische Flugzeugbauer Boeing blickt auf ein Jahr zum Vergessen zurück: So brach im Januar ein türgroßes Teil aus dem Rumpf einer 737 MAX-Maschine, woraufhin diese notlanden und der zuständige Manager ED Clark den Hut nehmen musste. Kurz drauf sprach die nordamerikanische Flugaufsichtsbehörde ein Flugverbot für die 737 MAX 9-Modelle aus. Wenig später zogen dann auch CEO Dave Calhoun und weitere Führungskräfte die Reißleine. Im Juli musste sich Boeing dann im Prozess rund um die beiden Flugzeugabstürze in den Jahren 2018 und 2019, bei denen insgesamt 346 Menschen ums Leben kamen, schuldig bekennen – und zu allem Überfluss wurde man zuletzt zunehmend vom großen Konkurrenten Airbus abgehängt. Nun plant der Luft- und Raumfahrtkonzern im Zuge einer finanziellen Neuausrichtung 17 000 Stellen zu streichen – auch um einer Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit zu entgehen. Starten sollen die Entlassungen bereits Mitte November. Dies hält rund 33 000 Mitarbeiter an der Westküste der Vereinigten Staaten jedoch nicht davon ab, weiter für eine Lohnerhöhung um 40 Prozent sowie bessere Pensionsregelungen zu streiken. Die Produktion der wichtigen Modelle 737 MAX, 767 und 777 steht seit nunmehr über einem Monat in Teilen still, ein Ende des Streiks ist bislang nicht in Sicht. Inzwischen hat sich deshalb auch die Regierung der USA in den Streit zwischen dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern eingeschaltet und plädiert für eine Einigung…

Mittwoch – Walgreens-Aktie hebt nach Zahlen ab   

Der Walgreens-Konzern, der weltweit rund 13 000 Apotheken betreibt, steckt bereits seit geraumer Zeit in einer wirtschaftlichen Schieflage, was sich auch in der Kursentwicklung der Aktie widerspiegelt, die seit dem Allzeithoch im Sommer 2025 um über 90 Prozent abverkauft wurde. Nun präsentierte das Unternehmen die Zahlen für das jüngste Quartal sowie das gesamte Geschäftsjahr 2024: Walgreens steigerte im abgelaufenen Quartal – angetrieben durch Wachstum über alle Geschäftsbereiche hinweg – seinen Umsatz um sechs Prozent auf $37.5 Milliarden. Dennoch weitete sich der Verlust pro Aktie deutlich auf $3.48 aus, im Vorjahr stand hier ein Minus von „nur“ $0.21 zu Buche. Dies ist vor allem auf nicht zahlungswirksame Abschreibungen sowie Belastungen durch die zahlreichen Opioid-Klagen zurückzuführen. Das bereinigte Ergebnis je Aktie (EPS) fiel um 40.8 Prozent auf $0.39, Unternehmensaussagen zufolge bedingt durch sinkende Margen im Einzelhandel und geringere Erträge aus Immobilienverkäufen. Im gesamten Geschäftsjahr stieg der Umsatz um 6.2 Prozent auf $147.7 Milliarden an, während der Verlust pro Aktie auf $10.01 wuchs. Das bereinigte EPS lag bei $2.88, was einem Rückgang von knapp 28 Prozent entspricht. Die Anleger reagierten dennoch positiv und trieben den Kurs der Aktie kurzerhand deutlich über 20 Prozent nach oben – wohl aufgrund der Tatsache, dass der Konzern ankündigte, in naher Zukunft über 1000 Filialen zu schließen, um so wieder effizienter und rentabler agieren zu können.

Donnerstag – Europäische Zentralbank senkt erneut Leitzins 

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag ihren Leitzins zum dritten Mal in Folge gesenkt, sodass dieser nun bei 3.25 Prozent liegt. Diese Entscheidung begründete die EZB-Präsidentin Christine Lagarde mit einer weiter abflachenden Inflation im Euroraum, die im September 1.7 Prozent betrug. Damit liegt die Teuerungsrate erstmals seit über drei Jahren unter dem von der Bank angestrebten Ziel von zwei Prozent. Maßgeblich verantwortlich für diesen Rückgang sind gesunkene Energiepreise, die sich im Jahresvergleich um 6.1 Prozent verbilligt haben. Lagarde ließ sich hinsichtlich des weiteren Vorgehens nicht in die Karten schauen und betonte, dass man weiterhin einen „datenabhängigen Ansatz verfolgen“ und „von Sitzung zu Sitzung“ entscheiden werde. Auf einen festen Zinspfad werde man sich vorerst nicht festlegen. Dennoch erwarten viele Experten eine weitere Zinssenkung im Dezember. Die Maßnahme der EZB wird jedoch auch kritisch betrachtet. So wird unter anderem das langsame Tempo der Absenkung bemängelt, könnten doch die weiterhin hohen Zinsen notwendige Investitionen in die schwächelnde Wirtschaft ausbremsen. Jörg Asmussen vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hingegen hält die Entscheidung der EZB für angemessen, verweist jedoch im Gespräch mit der Tagesschau auf Risiken durch potenziell steigende Energiepreise infolge des Nahostkonflikts. Zudem sei die Inflation im Dienstleistungssektor weiterhin zu hoch.

 

Freitag – Potenzielle Milliardenübernahme: Schluckt Uber jetzt Expedia? 

Unter anderem laut einem Bericht der Financial Times erwägt der nordamerikanische Fahrdienstleister Uber eine Übernahme des Online-Reiseportals Expedia. Ein Kauf des $20 Milliarden schweren Unternehmens würde die größte Akquisition in Ubers Geschichte darstellen und die Diversifizierungsstrategie des Konzerns weiter vorantreiben. Uber-CEO Dara Khosrowshahi, der von 2005 bis 2017 Expedia leitete und dort noch heute im Vorstand sitzt, spielt wenig überraschend eine Schlüsselrolle in den laufenden Verhandlungsgesprächen. Der mögliche Deal könnte Ubers Entwicklung zu einer „Super-App“ beschleunigen, die neben Fahrdiensten auch Reisebuchungen und weitere Dienstleistungen anbieten soll. Expedia erzielte 2023 einen Umsatz in Höhe von $12.8 Milliarden. Analysten sehen das Unternehmen auf einem guten Weg, da sich die Nachfrage nach Reisen nach dem massiven Einbruch im Zuge der Coronapandemie zuletzt stabilisiert hat. Uber hingegen konnte im Februar indes sein erstes operativ profitables Jahr verkünden. Die Aktie legte in den vergangenen Monaten massiv zu, was die Marktkapitalisierung des in San Francisco ansässigen Unternehmens auf $173 Milliarden anschwellen ließ.

Das war’s schon mit dem Rückblick. Wir hoffen, er hat Ihnen einen kleinen Überblick gegeben. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein schönes und erholsames Wochenende!

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Florian Winter

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