Es ist Freitag und somit lassen wir eine weitere spannende Handelswoche hinter uns. Was so alles in der Welt der Finanzen passiert ist, schauen wir uns in unserem Wochenrückblick an.
Montag – Wegen KI-Plattform NeMo AI: Autoren verklagen Nvidia
Der Börsen-Shootingstar der vergangenen Monate sieht sich in den Vereinigten Staaten mit einer Sammelklage konfrontiert. Stellvertretend für eine größere Gruppe werfen die drei Autoren Brian Keene, Abdi Nazemian und Stewart O'Nan Nvidia vor, dass das Unternehmen urheberrechtlich geschützte Literatur ohne Erlaubnis verwendet habe, um seine NeMo AI-Plattform zu trainieren. Der Tech-Konzern soll im Rahmen des Lernprozesses seines großen Sprachmodells auf insgesamt knapp 200 000 Bücher zurückgegriffen, hierfür teilweise aber keine Erlaubnis vonseiten der Verfasser gehabt haben, was der im kalifornischen San Francisco eingereichten Klage zufolge eine Verletzung der Urheberrechte darstellt. Deshalb fordert die Klägergruppe nun eine Schadensersatzzahlung. Den Fakt, dass NeMo seit Oktober 2023 wegen „gemeldeter Urheberrechtsverletzungen“ keine Ergebnisse mehr liefere, werten die Kläger hierbei als „Schuldeingeständnis“ seitens des von Jen-Hsun Huang geführten Chipproduzenten. Dieser hat sich bislang noch nicht zu den Vorwürfen geäußert. Es ist nicht das erste Mal, dass Betreiber von generativen KI-Modellen von Autoren verklagt werden: Erst vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass die New York Times den KI-Pionier und ChatGPT-Schöpfer OpenAI auf mehrere Milliarden Schadensersatz verklagt hat. Das von Sam Altman geführte Unternehmen beruft sich jedoch auf die nordamerikanische Sonderregelung des Fair Use, welche greift, wenn das Produkt „jedermann zugutekommt“. Im Hinblick auf OpenAI hatte Elon Musk dies aber zuletzt, gelinde gesagt, stark angezweifelt – und ebenfalls Klage eingereicht. Gerichtsentscheidungen zugunsten der Kläger – sowohl im Fall OpenAI als auch im Fall Nvidia – könnten für KI-Modelle respektive deren Betreiber natürlich weitreichende Folgen haben.
Dienstag – Smartphone-Produzent Xiaomi steigt ins E-Auto-Business ein
2021 informierte Xiaomi-CEO Lei Jun die Öffentlichkeit über die Pläne des drittgrößten Smartphone-Herstellers der Welt, in den E-Auto-Sektor einzusteigen. Nun lässt das Unternehmen tatsächlich Taten folgen: Bereits am 28. März dieses Jahres – also in nicht einmal zwei Wochen – möchte der chinesische Konzern sein erstes Fahrzeug auf den Markt bringen. Produziert wird das Auto aber nicht von Xiaomi selbst, sondern vom Autokonzern BAIC; die Batterien kommen von BYD und dem ebenfalls in China ansässigen Batteriespezialisten CATL. Der Xiaomi SU7, so der Name des Fahrzeugs, soll nur der Anfang sein, denn die Ziele, die Xiaomi-Chef Jun verfolgt, sind durchaus ambitionierte: In den kommenden Jahrzehnten möchte man sich in die Riege der fünf größten E-Auto-Produzenten aufschwingen – und zwar nicht in China, sondern weltweit. Übrigens: Was sonst noch so auf dem umkämpften chinesischen E-Mobilitätsmarkt los ist, können Sie in diesem Artikel nachlesen. Sie interessieren sich mehr für die Charts von BYD, Geely, Xpeng, Xiaomi und Co.? Dann schauen Sie doch mal bei unserem China-Titans-Aktienpaket vorbei!
Mittwoch – Adidas: China-Geschäfts nach Corona-Tief wieder im Aufschwung
Bleiben wir doch zunächst in China: Dort konnte der deutsche Sportartikelhersteller Adidas seine Verkäufe im vierten Quartal 2023 um ganze 37 Prozent steigern; nach dem massiven Absatzeinbruch in den Corona-Jahren scheint das Geschäft im ostasiatischen Land also wieder deutlich besser zu laufen. Im Gesamtjahr 2023 ist der Jahresumsatz im Reich der Mitte im Jahresvergleich und bereinigt um Währungsschwankungen um acht Prozent angestiegen. Und dieses Wachstum sollte in diesem Jahr nochmals getoppt werden: Wie das Management am Mittwoch verkündete, rechne man damit, dass der Umsatz in China in 2024 prozentual betrachtet zweistellig ansteigt. Für CEO Bjørn Gulden war das Jahr 2023 „ein Wendepunkt für das Geschäft in China“, man fühle sich heute entsprechend „viel wohler […] als noch vor zwölf Monaten“. Währenddessen läuft das Geschäft des Herzogenauracher Traditionsunternehmens auf einem weiteren Kernmarkt, dem in Nordamerika, weiterhin eher schleppend: So verzeichnete Adidas in den USA im vierten Quartal 2023 im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum einen Umsatzrückgang in Höhe von 21 Prozent. Gulden und Co. gehen aber auch auf diesem Markt über den Jahresverlauf hinweg von steigenden Umsätzen aus – vor allem in der zweiten Jahreshälfte erwarte man deutlich bessere Zahlen. Über alle Märkte hinweg verzeichnete Adidas im Jahr 2023 einen Verlust in Höhe von 58€ Millionen – und schloss somit zum ersten Mal seit 1992 ein Jahr in den roten Zahlen ab. Im Vorjahr blieben unterm Strich noch 254€ Millionen stehen. Nichtsdestotrotz, und darüber dürften sich die Anleger freuen, hält der Konzern die Dividende konstant. Das Jahr 2024 sollte für das Unternehmen also ein deutliches besseres werden als das vergangene – inwiefern dieser fundamental positive Ausblick mit unserer charttechnischen Analyse einhergeht, erfahren die Abonnenten unseres DAX40-Aktienpakets in den täglichen Marktupdates.
Donnerstag – Cisco: EU erteilt Freigabe für Splunk-Milliardenübernahme
Bereits im vergangenen Jahr kündigte der nordamerikanische Technologiekonzern Cisco Systems eine geplante Übernahme des Cybersicherheitsunternehmens Splunk an. Das Übernahmeangebot ist ganze $28 Milliarden schwer und würde – bei einer erfolgreichen Realisierung – den umfangreichsten Deal darstellen, den das im Dow Industrial Average-Index gelistete Tech-Schwergewicht in seiner bisherigen Firmenhistorie an Land gezogen hat. Auf kartellrechtlicher Ebene hat die Übernahme nun grünes Licht bekommen; die EU-Regulierungsbehörden verkündeten am Donnerstag, „dass das angemeldete Vorhaben keinen Anlass zu wettbewerbsrechtlichen Bedenken gibt, da die Auswirkungen auf den Wettbewerb in den Märkten, in denen die Unternehmen tätig sind, begrenzt sind und es eine ausreichende Zahl alternativer Anbieter gibt". Das Cisco-Management möchte durch die Übernahme von Splunk das Software-Geschäft ankurbeln – auch um zukünftig ein größeres Stück vom KI-Boom-Kuchen abzubekommen. Der in San Francisco ansässige Splunk-Konzern bietet unter anderem eine Plattform für maschinelles Lernen und Datenanalyse an, die es Unternehmen ermöglicht, große Mengen von Daten aus verschiedenen Quellen zu sammeln, zu analysieren und zu visualisieren, um Einblicke in Sicherheitsbedrohungen, Betriebsprobleme und Geschäftsanalysen zu gewinnen.
Freitag – Fast 7€ Milliarden: Vonovia mit größtem Verlust der Unternehmensgeschichte
Experten hatten bereits damit gerechnet, nun ist es offiziell: Deutschlands größter Wohnimmobilienkonzern Vonovia verzeichnete im Jahr 2023 einen milliardenschweren Verlust, wie im Rahmen der Präsentation der Unternehmenszahlen am heutigen Freitag verkündet wurde. Insgesamt steht hier unterm Strich ein Verlust in Höhe von 6.76€ Milliarden, was einer Verzehnfachung im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Dieses Ergebnis kam unter anderem dadurch zustande, da der DAX40-Konzern den Wert seiner mehr als 500 000 Wohnungen um 10.7€ Milliarden Euro oder 11.4 Prozent abschrieb und damit sein Portfolio auf 84€ Milliarden Euro reduzierte. CEO Rolf Buch sprach zwar von Anzeichen einer Stabilisierung, er sei jedoch „kein Prophet“; der „Zusammenbruch der Bewertungen sei der schlimmste“, den man jemals gesehen habe. Der im Zuge der starken Zinserhöhungen seitens der Europäischen Zentralbank in eine handfeste Krise gerutschte Immobiliensektor zeichnet sich für 670€ Milliarden der deutschen Wirtschaft verantwortlich und ist somit einer der wichtigsten wirtschaftlichen Pfeiler des Landes. Auch die beiden Vonovia-Konkurrenten LEG Immobilien und TAG Immobilien meldeten diese Woche milliardenschwere Verluste. Die Branche hatte in den Vorpandemiejahren stark vom billigen Geld – sprich: dem niedrigen Leitzins – profitiert.
Das war’s schon mit dem Rückblick. Wir hoffen, er hat Ihnen einen kleinen Überblick gegeben. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein schönes und erholsames Wochenende!







