Grüße von Satoshi Nakamoto: Sind Bitcoin Runes der nächste Krypto-Trend?
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Grüße von Satoshi Nakamoto: Sind Bitcoin Runes der nächste Krypto-Trend?

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Simeon Koch

Als Satoshi Nakamoto die Bitcoin-Blockchain startete, hatte er eine Botschaft an die Nachwelt. Und diese Botschaft sollte so prominent wie nur möglich platziert werden. Wie so oft wählte der Bitcoin-Gründer einen subtilen, aber umso eindringlicheren Weg, um sich Gehör zu verschaffen, ohne seine Maske lüften zu müssen. Der allererste Datensatz, der die Blockchain durchlief, der sogenannte Genesis-Block, enthielt eine Inschrift: Chancellor on brink of second bailout for banks (dt.: Finanzminister steht kurz vor zweitem Rettungspaket für Banken) stand dort zwischen einem Durcheinander von Zahlen und Buchstaben. Es handelte sich um die Schlagzeile auf dem Titelblatt der Londoner Tageszeitung The Times vom 3. Januar 2009. Eben erst hatte die Finanzkrise die Welt erschüttert, große Banken waren kollabiert und die britische Regierung schickte sich an, marode Geldhäuser mit Steuermitteln zu sanieren. Genau das war der Grund, warum Satoshi den Bitcoin ins Leben rief: Eine dezentrale Währung sollte dem Diktat des Bankensystems und seinem inflationären Fiat-Geld ein Ende setzen, das ließ der Bitcoin-Gründer in seinem Whitepaper verlauten.

Seitdem ist der Bitcoin zur mit Abstand größten und wichtigsten Kryptowährung avanciert, obwohl er eigentlich gar nichts kann, außer Vermögen zu speichern – so zumindest die landläufige Annahme. Die Bitcoin-Blockchain verfügt zwar nicht über Smart Contracts wie ihre Nachfolger rund um den Altcoin-Marktführer Ethereum und ist auch nicht dafür konzipiert, dezentrale Anwendungen (dApps) auf untergeordneten Blockchain-Ebenen laufen zu lassen, wie es etwa Solana oder Avalanche ermöglichen. Und dennoch kann die Bitcoin-Blockchain mehr als nur Satoshis (die Subwährung des Bitcoin) hin- und her zu transferieren. Satoshi Nakamoto hat mit dem Genesis-Block bewiesen, dass sich externe Informationen auf der Bitcoin-Blockchain verewigen lassen. Ohne es zu ahnen, legte er damit den frühen Grundstein für eine Idee, die zuerst in den sogenannten Bitcoin Ordinals ihren Ausdruck fand und den langfristigen Fortbestand des gesamten Bitcoin-Protokolls sichern könnte. Die Rede ist von handelbaren Tokens auf der Bitcoin-Chain, quasi NFTs und Altcoins auf Bitcoin. Mit dem Halving am vergangenen Wochenende ging eine entscheidende Neuerung in diesem Bereich an den Start, das Runes-Protokoll. Was aber können diese Bitcoin Runes eigentlich? Warum sind sie ein wichtiger Faktor, um das langfristige Überleben des Bitcoin zu sichern? Und wird der Hype so groß, wie alle glauben?

Retten NFTs die Bitcoin-Blockchain?

Eine der größten Stärken des Bitcoin könnte ihm langfristig zum Verhängnis werden – nämlich seine deflationäre Natur. Beim Bitcoin-Halving wird alle vier Jahre die Belohnung für die Miner halbiert – und damit der monetäre Anreiz, das Netzwerk durch Rechenleistung aufrecht zu erhalten. Grob gesprochen müsste sich der Preis also nach jedem Halving verdoppeln, um den Minern dieselben Gewinne zu garantieren. Langfristig ist ein solches exponentielles Wachstum aber kaum wahrscheinlich – bereits in den letzten Bullenmärkten haben die Zuwachsraten des Bitcoin stetig abgenommen. Zur Existenzfrage wird das für den Bitcoin, wenn die Anreize durch neu geschürfte Coins irgendwann nicht mehr ausreichen, um Miner dazu zu bewegen, die Blockchain weiterhin mit teurer Hardware und Energie zu stützen. Zwar verdienen Miner auch an Transaktionsgebühren, alternative Netzwerke wie etwa die Lightning-Infrastruktur für schnelle und günstige Zahlungen laufen der Haupt-Chain zusehends den Rang ab. Werden die Transaktionen aber zunehmend ausgelagert, bricht auch diese Einnahmequelle für Miner weg. Wie kann man bei sinkenden Block-Belohnungen also sicherstellen, dass die Miner nicht kollektiv abspringen und das Netzwerk seinem Schicksal überlassen? Die Antwort ist recht einfach: Es braucht mehr Aktivität auf der Bitcoin-Blockchain selbst. Denn ein hohes Transaktionsaufkommen sichert das Miner-Einkommen.

Einen wichtigen Schritt in diese Richtung setzte im Sommer 2022 die Ordinals-Technologie: Eine spezielle Software ermöglichte es, einzelne Satoshis (jeder Bitcoin ist in 100 Millionen Satoshis aufteilbar) zu indexieren und mit bestimmten Eigenschaften zu versehen. Plötzlich war es möglich, einem Token auf der Bitcoin-Blockchain Informationen beizufügen, etwa Bilder, MP3-Dateien oder Texte. Die notwendige Software dafür entwickelten namhafte Programmierer, die seit Jahren mit der Bitcoin-Blockchain arbeiten. Auch, wenn die Technologie dahinter anders funktioniert als Smart Contract-Plattformen wie Ethereum, sprach man umgangssprachlich dennoch von Bitcoin-NFTs. Denn das Konzept war dasselbe: Die Verknüpfung eines Datensatzes mit einem Token, der als genuines Besitzzertifikat funktioniert. Dadurch wurden die betroffenen Satoshis einzigartig und nicht mehr austauschbar – auf Englisch also non fungible, das Kernmerkmal von Non Fungible Tokens (kurz: NFTs). In Anlehnung an den ERC20-Standard auf Ethereum etablierte sich die Bezeichnung BRC20-Token für diese modifizierten Satoshis. Innerhalb von drei Monaten nach ihrem Launch wuchs die Marktkapitalisierung dieser Bitcoin-Ordinals (die natürlich für deutlich mehr gehandelt wurden als der ursprüngliche Satoshi ohne seine Inschriften wert gewesen wäre) exponentiell auf rund $1 Milliarde.

Altcoins auf Bitcoin: Sind Runes der Game-Changer?

Als liquide Coin-Projekte konnte man diese BRC20-Tokens aber nicht bezeichnen, schließlich handelte es sich einfach nur um vereinzelte Satoshis mit besonderen Merkmalen, die ohne großen Kontext durch die Blockchain geisterten. Abhilfe will hierbei das Runes-Protokoll schaffen, das innerhalb eines Bitcoin-Blocks austauschbare Token generieren und freisetzen kann. Dahinter steht ein komplexer technischer Prozess, das Ergebnis ist aber einfach zu verstehen: Anders als BRC20-Tokens und Ordinals können hier handelbare Tokens geschaffen werden, die austauschbar sind – genauso wie die einzelnen Einheiten von Altcoins: Ein SOL-Token auf der Solana-Blockchain unterscheidet sich nicht vom anderen, ebenso wie ein AVAX bei Avalanche dem nächsten gleicht. Die Idee dahinter ist, Liquidität mit dem Handel von Tokens auf die Bitcoin-Blockchain zu bringen, wobei die Token selbst nicht einzigartig, sondern in Untereinheiten unterteilbar sind. Das ist ein großer Vorteil gegenüber NFTs, von denen immer nur eine Einheit existiert, wodurch reguläres Handelsvolumen kaum zustande kommt. Die sogenannten Runes, die am Ende dabei herauskommen, sind nicht mehr an Satoshis gebunden und vermeiden hohe Transaktionsgebühren durch ihre Kompatibilität mit dem Lightning-Netzwerk. Denn eines der größten Probleme an den BRC20-Token war, dass ihr Handel die vergleichsweise kapazitätsarme Bitcoin-Blockchain verstopfte.

Mit Blick auf die Miner-Belohnung ist die Lightning-Verbindung des Runes-Protokolls auf den ersten Blick nachteilig. Tatsächlich aber führte der Launch des Runes-Protokolls im Halving-Block letztes Wochenende zu einem Allzeit-Rekord bei den BTC-Transaktionskosten. Allein am 20. April nahmen Bitcoin-Miner kumuliert $78.3 Millionen Gebühren ein. Nimmt man den Vortag noch dazu, waren die Erlöse mit fast $90 Millionen höher als im gesamten März ($85.9 Millionen). Rund um das Halving stieg die durchschnittliche Transaktionsgebühr auf $91.89, was einem Zuwachs von atemberaubenden knapp 2650 Prozent entsprach. Verantwortlich hierfür war das Wettrennen um die ersten Bitcoin-Runes überhaupt, die mit dem Halving-Block das Licht der Welt erblickten. Von nun an ermöglicht das Runes-Protokoll in jedem Bitcoin-Block die Erstellung oder den Handel von derartigen Runes. Kaufen und handeln kann man diese Token aber nur an wenigen Börsen, zudem sind sie noch nicht einzeln handelbar, sondern nur in Paketen von gleich zehn oder 100 Stück. Notwendig ist dafür außerdem eine kompatible Bitcoin-Wallet und ein entsprechendes Grundverständnis der Blockchain selbst. Auch können die Transaktionskosten beim Kauf und Tausch über die Bitcoin-Blockchain – wie rund ums Halving gesehen – in exorbitante Höhen schießen.

Was für den Runes-Boom spricht – und was dagegen

Für Kleininvestoren, die keine tiefgehende Blockchain-Expertise mitbringen, ist ein Runes-Investment aktuell also noch sehr kompliziert und verhältnismäßig teuer. Als erstes liquides Token-Protokoll auf der Bitcoin-Blockchain könnte Runes durchaus großes Potenzial haben, ein nachhaltiger Anstieg ist langfristig aber natürlich nicht garantiert – zumal private Anleger wohl vorerst nicht in großen Massen auf diesen Markt drängen werden. Vor allem für die Preisexplosionen im Altcoin-Sektor sind in voll entfalteten Bullenmärkten aber genau diese Kleinanleger maßgeblich mitverantwortlich. Im Vorteil sind dabei Blockchains, die ein unkompliziertes Nutzer-Erlebnis und günstige Transaktionskosten bieten. Nicht von ungefähr fand der jüngste Meme Coin-Hype in großen Teilen auf der hoch skalierbaren Solana-Blockchain statt, wo die geringen Gebühren sogar bei starker Auslastung des Netzwerks kaum ins Gewicht fallen. Das Hype-Potenzial der Bitcoin-Runes wird also von der technischen Komplexität, den hohen Kosten und der eingeschränkten Verfügbarkeit von geeigneten Handelsplätzen beeinträchtigt. Als bahnbrechende Integration auf der berühmten, bisher in ihrer Funktionalität aber stark eingeschränkten Bitcoin-Blockchain könnte das Prinzip selbst schnell in die Hall of Fame der großen Krypto-Innovationen aufsteigen. Mit den BTC-Ordinals verdienten frühe Investoren teils viel Geld. Und generell gilt im Krypto-Markt: Je früher man bei einem erfolgreichen Projekt dabei ist, umso größer die Rendite. Dafür muss das Projekt aber auch erstmal erfolgreich werden. Um seriöse Prognosen zu treffen, gibt es um das Runes-Protokoll und seine breite Adaption noch zu viele Fragezeichen. Anders ist das bei Bitcoin selbst und den größten Altcoins rund um Ethereum, Solana oder Chainlink, deren Preise technisch gut prognostizierbar sind. Regelmäßige Updates hierzu finden Sie in unseren Analysepaketen zu Bitcoin/Ethereum und den Altcoins.

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Simeon Koch

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