EU-Zölle auf chinesische E-Autos: Eigentor für Europa?
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EU-Zölle auf chinesische E-Autos: Eigentor für Europa?

Author

Simeon Koch

Elon Musk forderte sie, die Vereinigten Staaten beschlossen sie schon Ende Mai, jetzt gibt es sie auch in der EU: Vor wenigen Tagen hat die Kommission hohe Zölle auf chinesische Elektroautos erlassen, um die heimische Autoindustrie zu schützen. Diese Entscheidung könnte weitreichende Folgen für die europäische Wirtschaft und den internationalen Handel haben. Während einige Experten die Zölle als notwendige Maßnahme zur Sicherung des fairen Wettbewerbs sehen, gibt es auch Bedenken, dass sie ins Leere laufen oder sogar zu einem Handelskonflikt führen könnten. China zeigte sich verärgert und kündigte Gegenmaßnahmen an. Die Branche ist wenig erfreut von den politischen Querelen. Deutsche Auto-Konzerne um Mercedes Benz und BMW warnen vor herben Verlusten im wichtigen Markt China. Und auch Elon Musk ist plötzlich kein Fan mehr von Schutzzöllen zugunsten westlicher Produzenten: „Weder Tesla noch ich haben sich diese Zölle gewünscht“, sagte er in Reaktion auf die Entscheidung der nordamerikanischen Regierung. Überraschend ist das nicht, schließlich hat Musk in China einen Ruf zu verlieren – und einen sehr einträglichen Absatzmarkt.

 

Könnte China von den EU-Zöllen sogar profitieren?

Die EU-Zölle auf chinesische Elektroautos sollen ab dem 4. Juli in Kraft treten und reichen von 17.4 bis 38.1 Prozent, zusätzlich zum ohnehin bestehenden Autozoll von zehn Prozent. Diese Maßnahme zielt darauf ab, die Auswirkungen übermäßiger Subventionen abzumildern, die chinesische Hersteller im Wettbewerb begünstigen. Laut der Europäischen Kommission ist der Marktanteil chinesischer Elektroautos in der EU von unter ein Prozent im Jahr 2019 auf ganze acht Prozent im Jahr 2023 gestiegen und könnte bis 2025 auf 15 Prozent anwachsen. Die Zölle könnten Milliarden von Euro an zusätzlichen Kosten für chinesische Hersteller bedeuten und bieten europäischen Herstellern eine Atempause in einem hart umkämpften Markt, dem chinesische Wettbewerber mit Blick auf die nähere Zukunft ein „Blutbad“ prophezeien. Bereits vor einigen Wochen hatten die Vereinigten Staaten ihre Importzölle auf chinesische Fahrzeuge vervierfacht und auf bis zu 100 Prozent hochgeschraubt. Befürworter der restriktiven Importpolitik argumentieren, dass die Zölle europäischen Autoherstellern eine dringend benötigte Chance geben, sich gegenüber ihren chinesischen Konkurrenten zu behaupten.

Die europäische Autoindustrie, die inklusive Nebensektoren mehr als zwölf Millionen Menschen beschäftigt und sieben Prozent zur Wirtschaftsleistung der EU beiträgt, steht vor der Herausforderung, in der Umstellung auf Elektrofahrzeuge nicht zurückzufallen. Die zusätzlichen Zölle könnten den europäischen Herstellern Zeit und Raum verschaffen, ihre EV-Produktion zu steigern und wettbewerbsfähigere Modelle zu entwickeln. Zudem könnten sie helfen, die Profitabilität der europäischen Autohersteller zu sichern, indem sie die Marktanteile chinesischer Unternehmen in der EU begrenzen. Dennoch gibt es erhebliche Bedenken, dass die Zölle ins Leere laufen oder sogar negative Folgen für Europa haben könnten. Die Globalisierung chinesischer Firmen könnte durch die Zölle weiter vorangetrieben werden, da diese vermehrt in Produktionsstätten innerhalb der EU investieren könnten, um die Zölle zu umgehen – so wie BYD mit seiner geplanten Fabrik in Ungarn. Zudem könnten die Zölle die Produktionskosten für europäische Hersteller erhöhen, wenn sie auf chinesische Teile angewiesen sind. Der Senat in den USA ermittelt schon jetzt wegen der Verwendung chinesischer Bauteile gegen BMW. Hierbei geht es allerdings nicht um Handelsbeschränkungen, sondern um Menschenrechtsverletzungen gegen die Minderheit der Uiguren in chinesischen Fabriken.

 

China holt zum Gegenschlag aus

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Zölle die Nachfrage nach chinesischen Elektroautos in Europa kaum bremsen könnten, da diese oft deutlich günstiger als europäische Modelle sind. Die Gefahr von Vergeltungsmaßnahmen Chinas und einer Eskalation des Handelskonflikts stellt ebenfalls ein erhebliches Risiko dar. Und auch den Herstellern selbst könnten die Zölle eher schaden als nützen. Allein Deutschland exportiert jährlich mehr als 200 000 PKW ins Reich der Mitte, der nordamerikanische Elektroauto-Shootingstar Tesla hat sein rasantes Wachstum in großen Teilen China zu verdanken, wo Elon Musk jahrelang staatliche Förderungen und Begünstigungen erhielt. Da ist es wenig überraschend, dass Musk es sich nicht mit der chinesischen Staatsführung verscherzen will. Vor diesem Hintergrund ist wohl auch seine Relativierung früherer Forderungen von Strafzöllen zu verstehen, die er angesichts der Sanktionen seitens der USA gegen chinesische E-Autos zu Protokoll gab. Musks Bedenken sind ganz offenbar nicht unbegründet: China hat bereits angedeutet, auf die EU-Zölle mit eigenen Strafzöllen auf europäische Autos zu reagieren.

Bei einem Treffen von chinesischen Autobauern und Vertretern des Handelsministeriums wurde vorgeschlagen, höhere Zölle auf europäische Fahrzeuge gewisser Motorklassen zu erheben. An diesem Treffen nahmen Vertreter der europäischen Automarken BMW, Mercedes-Benz, Volkswagen, Porsche, Stellantis und Renault sowie der chinesischen Konzerne SAIC, Geely, BYD und Great Wall Motor teil. Während die europäischen Hersteller für vorsichtigere Maßnahmen plädierten, forderten die meisten chinesischen Hersteller eine deutliche politische Antwort. Obwohl die Zölle ab Anfang Juli gelten, prüft die EU-Kommission ihre Maßnahmen noch bis Anfang November. Erst dann dürfte die finale Regelung verabschiedet werden. Indirekt könnten aber sogar die EU-Einfuhrbeschränkungen heimischen Autobauern schaden – schließlich gelten die erhöhten Zölle auf alle Fahrzeuge und Bauteile, die aus China exportiert werden.

 

Was machen die Aktien der E-Auto-Player?

In der Volksrepublik aber haben neben Tesla auch die DAX-Konzerne Volkswagen und BMW große Fertigungsanlagen. Auch in Sachen Software bestehen enge Partnerschaften zwischen westlichen und chinesischen Auto-Firmen: Tesla etwa hat kürzlich die Genehmigung erhalten, seinen Selbstfahr-Assistenten auch in China anzubieten und diese Zulassung als großen Erfolg gefeiert. Mercedes arbeitet mit dem Internet-Konzern Tencent an einer Implementierung von In-Car-Gaming, also Videospielen im Auto-Cockpit. Im ersten Schritt sollen chinesische Kunden schon bald in einigen Mercedes-Modellen den Klassiker Need for Speed des Spieleproduzenten Electronic Arts (EA) daddeln können. Wie sich die Aktien der involvierten deutschen Auto-Riesen Volkswagen, BMW oder auch Porsche entwickeln, analysieren wir regelmäßig in unserem DAX40-Paket. Die Konkurrenz in Nahost haben wir ebenfalls im Fokus: Prognosen zur Kursentwicklung bei den chinesischen E-Auto-Schwergewichten BYD, Nio, Geely und XPeng finden Sie in unserem China Titans-Paket.

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Simeon Koch

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