Ein neuer Blick auf den Bitcoin-Zyklus: Sind Ethereum und die Altcoins noch im Bärenmarkt?
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Ein neuer Blick auf den Bitcoin-Zyklus: Sind Ethereum und die Altcoins noch im Bärenmarkt?

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Simeon Koch

Haben Sie in den letzten Monaten daran gezweifelt, ob wir gerade wirklich einen Krypto-Bullenmarkt erleben? Wenn ja, dann sind Sie damit nicht allein – und haben gute Gründe für Ihre Zweifel. Schließlich durchläuft der Bitcoin nun schon seit einem halben Jahr seine quälende Seitwärtsphase, Altcoins taumeln immer weiter abwärts. Sieht so ein Bullenmarkt aus? Auf Social Media wird an allen Ecken von Altcoin-Season und dem größten Superzyklus aller Zeiten gesprochen. Passiert ist seit Mitte März allerdings nichts– jedenfalls nichts Positives. Aber woran könnte das liegen? Die Antwort auf diese Frage ist relativ einfach, aber etwas komplex. Während viele Altcoins im Verhältnis zum US-Dollar, also in ihren klassischen USD-Paaren, dieses Jahr schon starke Entwicklungen hingelegt haben, stecken sie in ihrem Verhältnis zu Bitcoin noch im tiefsten Bärenmarkt. Die schlechte Nachricht ist: Dieser Abwärtstrend könnte sich noch ein wenig fortsetzen. Die gute: Wiederholen sich die Muster der vergangenen Zyklen, so könnten nachhaltige Ausbrüche näher sein, als viele denken. Einmal mehr zeigt die Historie vergangener Bullenmärkte: Wer in der jetzigen Phase pennt, der ist am Ende selbst schuld.

Sieht so ein Altcoin-Bullenmarkt aus?

Es ist wahrscheinlich nicht besonders populär, über den Bärenmarkt zu sprechen, während Social Media voll ist mit vollmundigen Ankündigungen über exorbitante Preisexplosionen. Wer ein bisschen Erfahrung auf den Finanzmärkten hat, der weiß aber: In der Regel ist es keine gute Idee, mit dem Strom der Masse zu schwimmen und auf die lautesten Marktschreier zu hören. Anstatt sich auf Emotionen zu verlassen, sollte man lieber technische Aspekte berücksichtigen und auf Basis fundierter Analysen handeln. Und genau das ist das Ziel dieses Artikels. Um dessen These vom Anfang nachvollziehen zu können, muss man zunächst verstehen, wie Zyklen im Kryptomarkt funktionieren. Die Annahme, dass Bitcoin und die Altcoins völlig simultan durch einen Bullenmarkt laufen, ist falsch. Das dürfte den allermeisten Investoren spätestens mit dem aktuellen Sommerloch klar geworden sein. In der Regel ziehen die Altcoins nach starken Bitcoin-Anstiegen etwas zeitversetzt nach. Das heißt nicht, dass sie nicht ansteigen, wenn Bitcoin nach oben hin ausbricht – ihre stärksten Rallyes erleben kleinere Kryptowährungen aber in der Regel erst, wenn Bitcoin bereits dabei ist, sein Zyklustop auszubauen. Und das hat plausible Gründe.

Die Bitcoin-Dominanz dürfte in der magentafarbenen Zielzone zwischen 56.21 und 60.29 Prozent ihr Hoch finden und danach deutlich korrigieren. Altcoins dürften davon profitieren.

Altcoins sind ein sogenanntes High-Beta Play auf Bitcoin. Das bedeutet, dass sie in ihrer Preisentwicklung eine deutlich stärkere Amplitude aufweisen. Einfach gesprochen: In bärischen Marktphasen werden Altcoins heftiger abverkauft als der Bitcoin, in bullischen steigen sie deutlich stärker an. Eine Investition in Altcoins ist aufgrund dieser stärkeren Preisschwankungen mit höherem Risiko, aber auch deutlich gesteigertem Rendite-Potenzial verbunden. Aus beiden Gründen rücken Altcoins in sehr euphorischen Marktphasen in den Fokus – vor allem in der Spätphase eines Bullruns. In diesen Phasen schichten Anleger ihre Bitcoin-Gewinne in großem Umfang in Altcoins um, weil sie dadurch noch größere Profite erzielen wollen. Auf diese Weise sickert das im Markt vorhandene Geld mit zunehmender Geschwindigkeit, ausgehend vom Bitcoin, die Altcoin-Hierarchie hinab: in der Regel zunächst in größere Projekte, dann in mittlere und schließlich in die kleinsten Altcoins nach Marktkapitalisierung. Gerade in der Anfangsphase des Bullenmarktes sind Investoren noch unsicher und warten auf die finale Bestätigung der großen Rallye. In Phasen der Unsicherheit dominieren in jedem Markt die stabilsten und etabliertesten Assets – und das ist im Blockchain-Space eben der Bitcoin. Damit ist ebenfalls erklärt, warum Altcoins zuletzt massive Liquidität entzogen wurde.

Ethereum und Co. stecken noch im Bärenmarkt

Um den tatsächlichen Status des Bullenmarktes festzustellen, lohnt sich also ein Blick auf die Performance kleinerer Kryptowährungen im Verhältnis zu Bitcoin. Schließlich ist Bitcoin nicht nur der Taktgeber eines jeden Krypto-Bullenmarktes, sondern auch eine der wichtigsten Quellen von Liquidität in einer Altcoin-Season. Nicht umsonst fällt die Bitcoin-Dominanz in solchen Aufschwung-Phasen rapide ab. Wie aber schlagen sich Altcoins aktuell im Verhältnis zum Bitcoin? Die klare Antwort lautet: ziemlich schlecht. Betrachtet man etwa die Marktkapitalisierung der größten 125 Altcoins exklusive Bitcoin und Ethereum (gemeinhin als Total3 bezeichnet), so ist klar zu erkennen, dass sich der Altcoin-Sektor seit dem letzten Bullenmarkt-Top 2021 in einem kontinuierlichen Abwärtstrend befindet. Aktuell sind die größten 125 Kryptowährungen nach Bitcoin und Ethereum zusammen knapp zehn Millionen BTC wert. Zu den Spitzenzeiten in den Bullenmärkten 2017 und 2021 kratzten sie kumuliert an der 21-Millionen-BTC-Marke. Im Bild ist dieses Preislevel – das übrigens ziemlich genau der maximalen Umlaufmenge des Bitcoins entspricht – mit dem grünen Top-Widerstand gekennzeichnet. Ins Auge sticht ebenfalls die starke negative Korrelation mit der Bitcoin-Dominanz, die in der oberen Chart-Hälfte in Orange abgebildet ist: Steigt sie an, so fällt die Altcoin-Bewertung in BTC ab. Sinkt hingegen Bitcoins Marktanteil, so erleben die meisten anderen Kryptowährungen einen Aufschwung.

Gegenüber Bitcoin stecken die 125 größten Altcoins im Bärenmarkt. Sobald die Bitcoin-Dominanz nachhaltig fällt, dürfte sich das positive Muster der letzten beiden Zyklen wiederholen.

Im vergangenen Zyklus durchlief die Bitcoin-Dominanz eine fünfteilige Aufwärtsbewegung, auf unserem Chart in Lila nachgezeichnet. Als die Bitcoin-Dominanz Ende 2019 ihr finales Top erreichte, fiel das exakt mit dem Boden der Altcoin-Bewertung in BTC zusammen. Mit der Unterbrechung des Corona-Einbruchs im Frühjahr 2021 stiegen Altcoins von diesem Punkt an immer stärker bis zum endgültigen Bullenmarkt-Top. Kurz nach dem alten Bitcoin-Allzeithoch im Dezember 2021 erreichte die Bitcoin-Dominanz den tiefsten Punkt seit Jahren und befindet sich seitdem wieder im Aufwärtstrend. Gut zu erkennen ist gleichzeitig, dass die Altcoin-Bewertung in BTC seither abfällt. Allerdings könnte die Bitcoin-Dominanz schon bald ihr nächstes Top erreichen (oder bereits erreicht haben) und die Altcoins damit in ihre nächste Bullenphase schicken. Die BTC-Bewertung der 125 größten Altcoins könnte ihr Tief ebenfalls schon hinter sich haben, ein weiterer Rücksetzer ist allerdings nicht ausgeschlossen. Verläuft die nächste mögliche Altcoin-Season ähnlich wie 2021, so könnte die Bitcoin-Dominanz nach einem initialen Rücksetzer noch einmal hinzugewinnen, bevor sie in ihre finale Korrektur gehen und damit die Altcoins beflügeln sollte. Schwer zu prognostizieren ist nicht nur die zeitliche Ausdehnung dieser Bewegung, sondern auch ihr Ausmaß: Wird das nächste übergeordnete Total3-Top im Verhältnis zu BTC erneut bei rund 21 Millionen liegen?

Ist ETH seit 2017 in einer Korrekturphase?

Augenscheinlich befinden sich die größten 125 Altcoins im Verhältnis zu BTC also noch im tiefen Bärenmarkt. Ganz ähnlich geht es – wenig überraschend – der zweitgrößten Kryptowährung Ethereum. Auch hier ist die negative Korrelation des Handelspaars ETH/BTC mit der Bitcoin-Dominanz unübersehbar: Die erste große Ethereum-Rallye fiel im Jahr 2017 mit einer scharfen Korrektur im BTC-Marktanteil (dargestellt in Orange) zusammen. Als die Bitcoin-Dominanz dann über die Folgemonate erneut anstieg, rutschte Ethereum in seinen ersten Bärenmarkt. Im nächsten Krypto-Bullenmarkt 2021 erreichte ETH das Top seiner Bitcoin-Bewertung aus dem Jahr 2017 nicht annähernd – und befindet sich seitdem ebenfalls in einem kontinuierlichen Abwärtstrend. Interessanterweise ähnelt die Preisentwicklung bei ETH seit 2021 einem Muster, das schon 2016 zu beobachten war: Nach einem tiefen Tal bildete Ethereum damals über Monate ein abgerundetes Top und fiel danach fast auf die Werte der vorangegangenen bärischen Phase zurück, bevor die große Rallye starete. Ähnlich wie in diesem Sommer gab es nach frühen Anstiegen also eine heftige Korrektur, bevor der tatsächliche Bullenlauf einsetzte und Ethereum auf Rekordstände katapultierte.

Ähnlich wie 2016 könnte Ethereum gegenüber Bitcoin ein abgerundetes Top bilden und nach dem nächsten Tief aus dem Abwärtstrend ausbrechen.

Dieses Muster könnte sich nun wiederholen – mit deutlich größerer zeitlicher Ausdehnung. Bildet ETH aktuell tatsächlich ein ähnliches Rounding Top wie 2016 in Vorbereitung auf eine starke bullische Trendwende (eingezeichnet in Grün), so ließe sich sogar argumentieren, dass ETH seit 2017 den Bärenmarkt in seiner BTC-Bewertung nie wirklich verlassen hat. Notwendig für starke Kursanstiege wird auch hier eine deutliche Korrektur der Bitcoin-Dominanz sein, die laut unserer Analyse demnächst einsetzen könnte. Schließlich stößt sie aktuell an eine wichtige diagonale Trendlinie, die als hartnäckiger Widerstand fungieren dürfte. Verhält sich Ethereums Bewertung gegenüber BTC in den folgenden Monaten wie nach dem Rounding Top 2016, so ist auch zum jetzigen Zeitpunkt noch eine weitere Schwächung von ETH im Verhältnis zu BTC möglich. Das muss jedoch nicht unbedingt einen Preissturz in Ethereums US-Dollar-Kurs bedeuten. Schließlich kann ETH im Vergleich zu BTC auch abwerten, wenn Bitcoin über längere Zeit deutlich stärker steigt als Ethereum. Das geschah etwa in den zurückliegenden Tagen und Wochen und ist auf dem ETH/BTC-Chart gut zu erkennen.

Wie geht es mit Ethereum, Bitcoin und den Altcoins weiter?

Betrachtet man die Preisentwicklung von Ethereum und jene der größten 125 Altcoins im Verhältnis zu BTC, wird zweierlei klar. Erstens: In seiner Bitcoin-Bewertung steckt der Altcoin-Sektor immer noch im Bärenmarkt – trotz teils starker Anstiege einzelner Projekte im ersten Quartal. Und zweitens: Der bullische Ausbruch im Verhältnis zu BTC könnte sowohl bei Ethereum als auch bei den Altcoins kurz bevorstehen – auch, wenn es auf dem Weg zum finalen Top noch Rücksetzer geben dürfte, etwa durch einen letzten kurzen Anstieg der Bitcoin-Dominanz. Interessanterweise fallen diese positiven Aussichten mit den demnächst erwarteten Zinskürzungen der US-Notenbank Federal Reserve zusammen. Eine somit gelockerte Geldpolitik dürfte Risiko-Assets wie etwa Kryptowährungen sehr guttun. Sicher ist ein Beginn langfristiger Lockerung der monetären Marschrichtung im September freilich nicht. Entsprechende Volatilität ist in den Märkten zu erwarten, wenn US-Notenbankchef Jerome Powell beim nächsten Zinsentscheid an die Öffentlichkeit tritt.

Ethereum sollte nach dem Tief der grünen Welle 2 auf ein neues Jahreshoch ausbrechen. Fällt die Unterstützung bei $1522, so erreicht die gelbe alt.(2) ein neues Tief (35% wahrscheinlich).

Im vierten Quartal könnte es also noch einmal nervenaufreibend werden. In der Vergangenheit waren die Marktphasen vor US-Präsidentschaftswahlen volatil und hektisch, der nächste Wahltag steht Anfang November auf dem Programm. Wenn die traditionellen Märkte schwanken, dürften diese Erschütterungen im Kryptomarkt umso spürbarer sein. Denkbar ist etwa bei Ethereum noch ein deutlicher Rücksetzer in der US-Dollar-Bewertung: Fällt der ETH-Kurs imminent unter die Unterstützung bei $1522, so erreicht die gelbe Welle alt.(2) ein neues Tief, obgleich wir die gelbe (2) primär bereits seit Sommer 2023 für abgeschlossen halten. Zu beachten gilt, dass es sich hierbei lediglich um unsere bärische Alternative mit einer moderaten Wahrscheinlichkeit von 35 Prozent handelt. Dennoch sollte man sich in den kommenden Wochen auf Volatilität einstellen. Wer sich in dieser wichtigen Marktphase profitabel positionieren will, kann dafür auf unsere regelmäßigen technischen Analysen für Bitcoin und Ethereum sowie die spannendsten Altcoins zurückgreifen. Schließlich scheint eine Trendwende langsam, aber sicher in Sicht zu sein.

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