Beim Teutates, was ist los mit diesem Kryptomarkt? Bitcoin durchläuft seit einem halben Jahr die zäheste Seitwärtsphase des bisherigen Bullenmarktes. Noch schlimmer ist es mit den Altcoins: Wenn Bitcoin steigt, kommen die meisten kleineren Kryptowährungen nicht hinterher. Wenn Bitcoin fällt, fallen sie noch viel heftiger. Allen voran der Altcoin-Marktführer Ethereum ist gerade eine herbe Enttäuschung. Wer früher gerne Comics gelesen hat, könnte sich mit Blick auf die Altcoins aktuell an die Geschichte Asterix erobert Rom erinnert fühlen, wo der Titelheld mit seinem Freund Obelix eine Reihe unlösbarer Aufgaben bekommt. Eine davon besteht darin, in einem Gebäude voller Amtsstellen einen Passierschein zu kriegen. Dafür werden Asterix und Obelix von einem Schalter zum nächsten geschickt und drehen dabei fast durch. Passenderweise wird das Gebäude in der Geschichte als Haus, das Verrückte macht bezeichnet.
Zaubertrank für verrückte Altcoins?
Im Altcoin-Sektor jagen Trader gerade vor allem Memecoins hinterher, die an einem Tag aufploppen, sich verdoppeln und dann wieder verschwinden. Bei anderen Coins geht es so lange hin und her, bis keiner mehr Lust hat. Wie soll man da bei Verstand bleiben? Asterix und Obelix lösen ihre Probleme in der Geschichte so, wie sie es meistens machen: Ein Schluck vom Zaubertrank, man bekommt übermenschliche Kräfte und plötzlich läuft alles wie geschmiert. Könnte man sowas nicht auch für Altcoins erfinden? So eine magische Flüssigkeit, die man ihnen nur einflößen muss, damit es endlich wieder läuft? Ob Sie es glauben, oder nicht, diese zauberhafte Flüssigkeit gibt es. Asterix würde auf Latein Liquor (Flüssigkeit) sagen, bei uns heißt der Zaubertrank heute Liquidität.
Liquidität bezeichnet die Menge an Geld, die dem Markt und seinen Teilnehmern zur Verfügung steht. Historisch gesehen profitierten Risiko-Anlagen, wenn viel Liquidität verfügbar war: Wenn Anleger viel Geld haben, klettern sie die Risiko-Leiter aufwärts – und ganz oben auf dieser Leiter finden sich Bitcoin und die Altcoins. Entsprechend positiv nahm der Kryptomarkt die erste Zinssenkung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) im September auf, denn niedrige Zinsen bringen frisches Geld in den Markt. Trotzdem kommen Altcoins kaum vom Fleck. Das liegt an ihrer schrägen Logik.
Krise gut, Krise schlecht: die schräge Altcoin-Logik
Letzte Woche wurde bekannt, dass China ein milliardenschweres Stimulus-Programm für die eigene Wirtschaft aufsetzt. Auf Deutsch: viel frische Liquidität. Prompt schossen chinesische Aktien nach oben, große chinesische Indizes erlebten die stärksten Handelstage seit Jahren. Auch unter Bitcoin-Anlegern wuchs die Euphorie: Frisches Geld bedeutet Treibstoff für steigende Kurse – oder? Ganz so einfach ist es leider nicht. Denn wie an der klassischen Börse auch, ist die Stimmung der Investoren bei Bitcoin und Co. stark von fundamentalen Ereignissen, etwa dem geopolitischen und makroökonomischen Geschehen abhängig. Droht eine Rezession, verkaufen viele in Panik – so wie Anfang August.
Ähnliche Szenen spielten sich ab, als der Nahost-Konflikt zwischen Israel und dem Iran eine neue Eskalationsstufe erreichte. Ironischerweise sind es oft krisenhafte Zustände, die Zentralbanken dazu bringen, die Geldmenge im Umlauf zu erhöhen und die Märkte mit dem Zaubertrank Liquidität zu versorgen. Ein gutes Beispiel dafür ist Corona: Im Frühjahr 2020 kam es zur Markt-Panik wegen des Ausbruchs der Pandemie. Die Liquidität wurde schlagartig erhöht, wovon vor allem Risiko-Assets wie Bitcoin und Altcoins profitierten.
Hat der Zaubertrank schon gewirkt? Die Marktkapitalisierung der 125 größten Altcoins (exkl. BTC und ETH) ist aus dem monatelangen Abwärtskanal ausgebrochen.Auch die aktuelle Marktphase ist für die Wirtschaft der Vereinigten Staaten alles andere als sicher. Mehrfach schlugen in den letzten Wochen wichtigen Rezessions-Indikatoren aus. Das belastete vor allem riskantere Anlageklassen wie kleine Aktien oder Kryptowährungen, weil sie in Zeiten der Unsicherheit wegen ihrer starken Volatilität zuallererst abgestoßen werden. Das Problem aber: Ist die Wirtschaft stark, lockern die Zentralbanken ungern ihre Geldpolitik. Das Dilemma liegt auf der Hand: Es braucht ein bisschen Krise, damit die Gelddrucker wieder angeworfen werden und frische Liquidität in die Märkte fließt. Zu viel Krise ist aber auch nicht gut, denn dann werden Risiko-Assets schnell abverkauft. Hochvolatile Investments sind also immer auch ein Tanz auf der Rasierklinge zwischen dem drohenden Kollaps und den Rettungsversuchen der Zentralbanken, die häufig darin bestehen, ihre Geldpolitik zu lockern.
Startet die Altcoin-Season, ohne dass wir es merken?
Mal ist eine Krise für risikobehaftete Kryptowährungen gut, mal ist sie schlecht – je nachdem, wie aussichtsreich es kurzfristig ist, sie mit frischem Geld zu bekämpfen. Die paradoxe Altcoin-Logik funktioniert aber auch in die andere Richtung: Prinzipiell brauchen Risiko-Assets das Vertrauen des breiten Marktes in die Stabilität der Wirtschaft. Wer Angst vor einer Krise hat, der kauft keine hochvolatilen Anlagen. Andererseits darf es aber auch nicht zu sicher sein. Dann nämlich kommt keine frische Liquidität von den Banken. Ein anschauliches Beispiel lieferten letzten Freitag die Arbeitslosenzahlen aus den USA, die überraschend positiv ausfielen.
Die klare Botschaft: Der Wirtschaft geht es besser als angenommen. Für Altcoins war diese Botschaft doppeldeutig: Einerseits droht keine unmittelbare Krise, was den Risikoappetit des Marktes fördern dürfte. Andererseits werden stärkere Zinssenkungen der Fed in naher Zukunft unwahrscheinlicher. Aktuell ist das oberste Ziel der Fed, die Wirtschaft durch frisches Geld auf Wachstumskurs zu halten. Ist das Wachstum aber da, braucht es kein frisches Geld. Das wiederum ist für Altcoins eine enttäuschende Nachricht.
Auch die Marktkapitalisierung kleinerer Altcoins außerhalb der Top-10 erreichte ein höheres Hoch und verließ den Abwärtskanal. Eine Altcoin-Season ist das noch nicht.Trotz der möglichen Verzögerung starker Zinssenkungen sieht die aktuelle Situation für Altcoins so positiv aus wie schon länger nicht mehr – auch, wenn die Preise bei vielen Projekten eine andere Sprache sprechen. Sowohl die kumulierte Marktkapitalisierung der Top-125 Altcoins (exklusive Bitcoin und Ethereum; Total3) als auch der Gesamtwert der kleineren Altcoins (exklusive Top-10, Others) brach unlängst aus einem monatelangen Abwärtstrend aus. Das bedeutet nicht, dass sofort eine Altcoin-Season startet, schließlich ist die Bitcoin-Dominanz unvermindert hoch und stieg zuletzt weiter.
Dennoch ist an vielen Ecken des Altcoin-Sektors neue Aufbruchstimmung zu spüren. Wenn man die letzten, zähen und oft schmerzhaften Monate in diesem Markt überstanden hat, sollte man auch jetzt nicht ungeduldig werden und die Nerven verlieren. Gerade rund um die Präsidentschaftswahl in den USA im November steht den Märkten traditionell starke Volatilität bevor. Um in überhitzten Marktsituationen einen kühlen Kopf zu bewahren, lohnt es sich, auf technische Analyse zurückzugreifen. Deshalb analysieren wir Bitcoin und Ethereum sowie eine Auswahl spannender Altcoins mithilfe der Elliott-Wellen-Technik. Denn ohne fundierte Analyse kann der Kryptomarkt ziemlich schräg wirken. Oder, wie Obelix sagen würde: Die spinnen, die Altcoins!






