Die Altcoin-Season kommt nicht…
#Kryptowährungen

Die Altcoin-Season kommt nicht…

Author

Simeon Koch

… bevor der Markt bereit dafür ist. Wow, danke für die aufschlussreiche Info, werden Sie jetzt ironisch denken. Und ja, zugegebenermaßen ist diese Antwort ziemlich unbefriedigend. Aber warten Sie ab. In diesem Artikel gehen wir drei entscheidenden Faktoren auf den Grund, die für eine Altcoin-Season gegeben sein müssen. Dabei spielt erstens der Bitcoin eine entscheidende Rolle. Er muss erst stark sein und dann schwach. Hört sich verwirrend an? Geduld, auch das klären wir. Um die Altcoins endlich aus ihrem monatelangen Abwärtstrend zu reißen, braucht es zweitens die nun vollzogene Zinswende – aber nicht nur die. In den letzten zwei Zyklen folgten die Altcoins kurz vor ihrer großen Rallye ähnlichen Mustern. Zum aktuellen Zeitpunkt befinden sie sich im Vergleich zum Bitcoin noch im tiefen Bärenmarkt. Das aber dürfte sich spätestens ändern, wenn der dritte und vielleicht wichtigste Faktor zum Tragen kommt: die menschliche Gier. Bitcoin, Zinsen, Gier – das also sind die drei Faktoren, die bestimmen, wann es für den Kryptomarkt wieder bergauf geht. Die Altcoin-Season kommt nicht…

… solange der Bitcoin seitwärts läuft

Der Bitcoin muss performen, damit die Altcoins ausbrechen. Für jeden, der eine Zeit lang im Kryptomarkt unterwegs war, liegt diese einfache Rechnung auf der Hand. Und dennoch verstehen viele das Prinzip einer Altcoin-Rotation falsch. Eigentlich ist es ziemlich einfach: Irgendwann im Zyklus verliert der Bitcoin an Marktdominanz und viel Geld fließt aus dem Marktführer in kleinere Assets. Während der Bitcoin dann entweder stagniert oder langsam an Wert verliert, sickert das Geld die Altcoin-Hierarchie nach Marktkapitalisierung hinab und führt zu rasanten Preissteigerungen bei kleineren Kryptowährungen. Wann aber ist dieses irgendwann? Die Antwort auf diese Frage ist schon etwas komplizierter. Zunächst muss der Bitcoin aus seiner Konsolidierungsphase ausbrechen und sein Zyklustop ansteuern. Altcoins geraten in dieser Phase zunächst in Rückstand. In den vergangenen Zyklen stieg die Bitcoin-Dominanz weiter an, während der Bitcoin einen parabolischen Anstieg hinlegte und die Altcoins zunächst hinter sich ließ. Aufholen konnten kleinere Kryptowährungen erst, als die große Bitcoin-Rallye so langsam ins Stocken kam und ihren finalen Höhepunkt erreichte.

Traditionell schießt Bitcoin nach einem schwachen Sommer im Oktober und November nach oben. Ethereum kommt erst mit Jahreswechsel in Fahrt.

Erst nach dem Bitcoin-Top wuchsen Altcoins so stark, dass der Anteil des Marktführers an der gesamten Krypto-Marktkapitalisierung wieder fiel. Ähnliche Muster zeigen sich in der Saisonalität des Kryptomarktes, die im kommenden Jahr zur Altcoin-Erholung beitragen könnte: Das vierte Quartal ist traditionell die stärkste Jahreszeit für den Bitcoin, das ist hinlänglich bekannt. Für Altcoins gilt das nicht. Während Bitcoin durchschnittlich im November am stärksten performt, kommt der Altcoin Sektor mit seiner Speerspitze Ethereum erst mit dem Jahreswechsel so richtig in Fahrt. Der Sommer und Frühherbst waren in den letzten Jahren für die zwei größten Kryptowährungen stets durchwachsen. Im Spätherbst und Winter schossen die Bitcoin-Profite dann aber nach oben. Der BTC-Durchschnitt der letzten Jahre beträgt im Oktober über 20 Prozent, im November sogar fast 50 Prozent Kurszuwachs. Ethereum steckte da in der Regel noch tief im “Winterschlaf”, beginnt im Schnitt aber zum Jahreswechsel, den Bitcoin zu überflügeln. Als stärkster Monat kristallisierte sich bei ETH der Mai heraus, der über die letzten neun Jahre ein durchschnittliches Plus von gut 30 Prozent brachte. Der Bitcoin liegt da im Mittel bei nur 7.9 Prozent.

… solange die Zinsen zu hoch sind

Während der Bitcoin nach einem starken Spätherbst im Winter und Frühjahr solide Gewinne verzeichnet, geht es für Ethereum in der ersten Jahreshälfte also erst so richtig los. Auch in dieser Saisonalität zeigt sich: Es braucht zunächst starke Bitcoin-Anstiege, bevor der Altcoin-Markt nachziehen kann. Der Bitcoin muss also erst Stärke zeigen und anschließend im Verhältnis zu den Altcoins schwächeln, um einen Gutteil seiner Marktdominanz abzutreten und kleinere Kryptowährungen aufholen zu lassen. Solange die starke Bitcoin-Rallye nicht stattfindet, ist auch keine Rotation des Kapitals zu erwarten. Wer von aktuellen BTC-Kurswerten mit dem direkten Übergang in die Altcoin-Season rechnet, könnte also auf dem falschen Dampfer sein. Damit der Bitcoin nachhaltig ansteigen kann, braucht es aber erstmal ein makroökonomisches Umfeld, das diese Kursgewinne ermöglicht. Einfach gesagt: Den Investoren muss viel (billiges) Geld zur Verfügung stehen, um Risiko-Assets zu kaufen. Gleichzeitig müssen festverzinsliche Low-Risk-Assets wie Staatsanleihen an Attraktivität verlieren. Praktischerweise passiert beides, wenn die Leitzinsen gesenkt werden. Die Federal Reserve hat hier diese Woche einen ersten Schritt getan und den Zins um 0.5 Prozentpunkte nach unten korrigiert.

Nach der ersten Zinssenkung 2019 gewannen die Top-Altcoins gegenüber Bitcoin an Wert und beschleunigten ihren Anstieg bis zur Altcoin-Season.

Um das große Geld in hochriskante Anlagen wie Altcoins zu locken, muss die Geldpolitik aber deutlicher gelockert werden. Dass dafür keine einzelne Zinssenkung reicht, war auch im letzten Krypto-Bullenmarkt zu beobachten. Die obige Grafik zeigt die Marktkapitalisierung der 125 größten Altcoins exklusive des Stablecoin-Riesen Tether-USD (USDT) im Verhältnis zu Bitcoin. USDT wurde absichtlich herausgerechnet, weil die Marktkapitalisierung des größten Stablecoins kaum Volatilität aufweist und daher die Schwankungen in der Altcoin-Gewichtung verfälschen kann. Vom Zyklus-Top 2018 bis ins Frühjahr 2019 werteten die Altcoins gegenüber Bitcoin nahezu kontinuierlich ab. In den letzten Wochen vor der ersten Zinssenkung im März beschleunigte sich die Altcoin-Abwärtsspirale noch – eine Entwicklung, die wir auch in diesem Jahr beobachten können. Nach der ersten Verringerung des Leitzinses holte der Altcoin-Sektor gegenüber Bitcoin sukzessive auf und beschleunigte bei fallendem Zinsniveau (mit Unterbrechung des Corona-Crashes) bis hinein in die explosive Phase der Altcoin-Season. Während die Zinsen ab dem Frühsommer 2022 sukzessive angehoben wurden, verloren die Altcoins im Verhältnis zu Bitcoin erneut an Wert. Die geplante Reihe an Zinskürzungen über die nächsten Monate dürften kleineren Kryptowährungen also wieder Auftrieb verleihen.

… solange die Gier fehlt

Damit Altcoins explodieren, braucht es Risikoaffinität im Markt. Anleger müssen zuversichtlich sein, dass kleine und volatile Assets einen stabilen Aufwärtstrend durchlaufen, bevor sie ihr Geld in großem Umfang investieren. In der Regel erfasst dieses Gefühl den Markt erst, wenn er schon eine längere Serie von Anstiegen hinter sich hat. Der durchschnittliche Retail-Investor wird erst auf den Kryptomarkt aufmerksam, wenn ein Großteil der Bullenmarktes bereits vorbei ist und viele Coins ihren Wert schon vervielfacht haben. Erst dann kommt die große Gier und mit ihr das große Geld – Letzteres zumindest für diejenigen, die den richtigen Ausstieg finden. Wie die Saisonalität vom Anfang zeigt, können Altcoins nach Bitcoin-Ausbrüchen noch ein paar Wochen lang stark ansteigen, während der Krypto-Marktführer langsam zurückfällt. In den letzten Zyklen waren die Zeitfenster gute Altcoin-Gewinne nach dem finalen Bitcoin-Top aber äußerst klein, das Finale der Altcoin-Season dauerte 2017 und 2021 nur zwei bis drei Wochen. Stagniert der Bitcoin nach seiner abschließenden langen Rallye, während Altcoins explodieren, sollte man sich also schleunigst eine Exit-Strategie zurechtlegen, wenn man sie nicht schon hat. Dabei bleibt natürlich ein gewisses Risiko, schließlich weiß man erst im Nachhinein, wo das letzte Hoch war. Bevor es so weit ist, müssen aber die drei wichtigen Bedingungen erfüllt sein, die wir in diesem Text beleuchtet haben. Das dürfte noch ein bisschen dauern – am Ende aber schneller gehen, als viele denken.

Author

Simeon Koch

Schlagzeilen

Es wurde noch keine Einwilligung erteilt.

Du musst zuerst zustimmen, um Inhalte von TradingView zu sehen.