Eine alte Weisheit im jungen Kryptomarkt lautet: Jene Coins, die den Bullenmarkt in seiner Frühphase anführen, bleiben über den ganzen Zyklus die Top-Performer. Der beste Beweis für diese Daumenregel war in den letzten Monaten die KI-Blockchain Bittensor. Deren nativer Coin TAO schoss von Ende 2023 bis März 2024 von rund $50 auf fast $800 und eroberte den Boom-Sektor schlechthin im Sturm. Bittensor betreibt eine eigene Blockchain und hat zum Ziel, Künstliche Intelligenz (KI) außerhalb der Monopole großer Technologiekonzerne wie Google oder Microsoft dezentral zu entwickeln und demokratisch zugänglich zu machen. Gegründet wurde Bittensor im Jahr 2021, betrieben wird die Blockchain von einer Gruppe von Wissenschaftlern und Entwicklern, der Bittensor Foundation. Durch freie Open-Source-Zugänglichkeit sollen auf Bittensor immer leistungsfähigere KI-Modelle entstehen. Dabei nimmt sich die Blockchain ein Beispiel am Bitcoin: Nicht nur ist der Bittensor-Ideengeber wie Satoshi Nakamoto unbekannt (im Whitepaper findet sich nur das Pseudonym Yuma Rao). Auch ist TAOs Umlaufmenge wie der Bitcoin auf 21 Millionen beschränkt, vierjährige Halving-Zyklen sorgen für Deflation. Kann die Bittensor-Währung dem Bitcoin auch bei der Preisentwicklung nacheifern?
Wettlauf um die beste KI: Wie funktioniert Bittensor?
Das Bittensor-Netzwerk funktioniert wie ein großes Ökosystem, in dem verschiedene Subnetze miteinander interagieren. Diese Subnetze kann man sich wie spezialisierte Arbeitsgruppen vorstellen. Jedes Subnetz übernimmt eine bestimmte Aufgabe: Einige Subnetze konzentrieren sich im Stile von Orakel-Netzwerken auf die Vorhersage von Daten (wie etwa den Bitcoin-Preis), andere auf das Training von KI-Modellen oder die Analyse von großen Datenmengen. Dabei können die Subnetze miteinander interagieren und automatisiert voneinander lernen. Kurzfristig soll Bittensor als Plattform für die Entwicklung und den Betrieb von KI-Diensten dienen, die von der Community entwickelt werden. Langfristig will das Netzwerk zu einer zentralen Anlaufstelle für dezentrale KI-Lösungen werden, die frei zugänglich sind. So wie andere Blockchains auch beruht Bittensor auf einem dezentralen Netzwerk von Servern und digitalen Knotenpunkten, deren Betreiber – ähnlich wie die Miner beim Bitcoin – das Netzwerk aufrechterhalten.
Die Validatoren haben bei Bittensor die Aufgabe, den Subnetzen bei ihrer Arbeit auf die Finger zu schauen. Sie überwachen und prüfen, ob die Subnetze ihre Aufgaben korrekt ausführen, sanktionieren bei Fehlverhalten und belohnen bei Erfolg. Für ihre Rechenleistung werden die Validatoren in der nativen Währung TAO bezahlt. Die Subnetze innerhalb des Netzwerks stehen in einem ständigen Wettbewerb miteinander. Das kann man sich vorstellen wie ein Bewertungssystem auf einer Hotel-Website. Je besser die Bewertungen eines Hotels, desto mehr Leute buchen – und umso mehr verdient das jeweilige Hotel. Stark vereinfacht funktioniert so auch der Wettbewerb auf der Bittensor-Blockchain. Subnetze, die besonders gute Ergebnisse liefern, erhalten mehr Token und werden von Validatoren bevorzugt. Beispielsweise bekommt ein Subnetz, das KI-Modelle zur Vorhersage von Bitcoin-Preisen entwickelt und dabei sehr genau arbeitet, mehr Rechenleistung von den Validatoren und somit auch mehr TAO-Token. Gleichzeitig können Subnetze voneinander lernen und sich verbessern. Wenn ein Subnetz eine technische Lösung für ein Problem findet, können andere diese übernehmen, da das gesamte Netzwerk auf Open Source basiert.
Der TAO-Token und sein einzigartiges System
Das Herzstück des Bittensor-Netzwerks ist der TAO-Token. Dieser Token ist nicht nur die native digitale Währung von Bittensor, sondern spielt eine zentrale Rolle im Anreizsystem. Wie bereits erwähnt, werden Validatoren und Miner, die ihre Rechenleistung und Zeit zur Verfügung stellen, in TAO-Token belohnt. Die Miner sorgen dafür, dass das Netzwerk stabil bleibt und die KI-Modelle reibungslos laufen. Dabei erfüllen sie aber eine andere Funktion als etwa beim Bitcoin, wo sie komplexe mathematische Probleme lösen müssen. Statt lediglich Rechenleistung zur Verarbeitung von Transaktions-Blöcken bereitzustellen, betreiben Bittensor-Miner mit ihrer Rechenleistung KI-Modelle, die im Netzwerk zur Lösung spezifischer Aufgaben eingesetzt werden. Diese Miner trainieren maschinelle Lernmodelle, die Anfragen aus dem Netzwerk bearbeiten, sei es in der Textverarbeitung, Bildverarbeitung oder anderen KI-Anwendungen. Der Wettbewerb zwischen den Minern sorgt dafür, dass nur die effizientesten und präzisesten Modelle belohnt werden, was einen Anreiz zur Verbesserung schafft.
Die Sicherheit und Stabilität des Netzwerks wird durch das Zusammenspiel von Minern und Validatoren gewährleistet. Validatoren überprüfen die von Minern gelieferten Ergebnisse, um sicherzustellen, dass sie korrekt und vertrauenswürdig sind. Dieser Mechanismus verhindert Manipulationen und gewährleistet die hohe Qualität der Dienstleistungen, die von den Minern erbracht werden. Obwohl Bittensor kein klassisches Proof-of-Work-Netzwerk ist, ähneln die Miner etwa ihren Kollegen aus dem Bitcoin-Netzwerk darin, dass sie Arbeit verrichten, jedoch in Form der Bereitstellung von KI-Leistung anstelle von reiner Rechenleistung. Für ihre Beiträge zum Netzwerk werden die Miner mit TAO-Token belohnt. Bittensor kombiniert dabei das Proof of Work-Modell mit dem variableren und dynamischeren Proof of Stake, auf dem etwa Ethereum basiert. Hinterlegt man eine gewisse Menge der nativen Währung im Netzwerk, so darf man die Aufgaben eines Validators wahrnehmen oder an einen bereits bestehenden Validator delegieren und wird dafür mit TAO belohnt. In seiner Gesamtheit heißt dieses KI-Mining-Staking-Verfahren Proof of Intelligence.
Kein VC-Dump – dafür Preis-Explosion?
Das Besondere an der Netzwerk-Währung TAO ist, dass sie durch ein faires Startprotokoll (Fair Launch) verteilt wurde. Das bedeutet, dass niemand – weder ein großer Investor noch ein Entwickler – eine unfaire Menge an TAO bekommen hat. Damit hebt sich Bittensor von vielen neuen Altcoin-Projekten ab, die viele Token schon vor dem Launch zu deutlich geringeren Preisen an Venture Capital-Investoren geben, diese Bestände sukzessive entsperren und kontinuierlichen Verkaufsdruck erzeugen. Aktuell sind rund 7.4 Millionen TAO-Token im Umlauf, das Maximalangebot beträgt 21 Millionen. Durch Mining- und Netzwerk-Aktivität wird der Gesamtbestand bis 2046 von der Blockchain freigegeben. Der Wert des TAO-Tokens entsteht aus seiner Nützlichkeit im Netzwerk. Je mehr Menschen das Netzwerk nutzen, desto wertvoller wird der Token. Außerdem sorgt das Netzwerk dafür, dass die Menge an TAO mit der Zeit immer knapper wird, etwa durch Anreize zum Staking und damit zur Sperrung von TAO-Token. Langfristig will Bittensor auch mit Tech-Giganten wie Google zusammenarbeiten, seine Modelle also auch großen Unternehmen zur Verfügung stellen. Derartige Massen-Adaption würde das Netzwerk auch außerhalb des Blockchain-Marktes etablieren.
Bittensor weist einige Parallelen zu Bitcoin auf, insbesondere in Bezug auf die Art und Weise, wie die Token-Emissionen ablaufen. Wie bei Bitcoin gibt es auch bei TAO einen deflationären Mechanismus. Das bedeutet, dass mit der Zeit immer weniger neue TAO-Token ins Netzwerk kommen. Dieser Prozess läuft in sogenannten Halving-Zyklen ab. Das heißt, die Menge der TAO, die das Netzwerk an Miner und Validatoren ausgibt, wird in regelmäßigen Abständen halbiert. Das erste Halving findet Ende 2025 statt, danach folgen fünf weitere Halbierungs-Events – wie beim Bitcoin in Vier-Jahres-Zyklen. Rein technisch wäre TAO also dafür prädestiniert, bei seiner Preisentwicklung einen ähnlichen Weg wie die weltgrößte Kryptowährung zu gehen. Mit einer derzeitigen Marktkapitalisierung von knapp $4 Milliarden ist man davon aber noch ein gutes Stück entfernt. Kann Bittensor sein Image als Shootingstar der KI-Branche nachhaltig in eine dominante Position als Marktführer in diesem Sektor umwandeln, so könnten auch die kommenden Jahre und Krypto-Zyklen für immenses Wachstum sorgen. Die letzten Monate haben angedeutet, wozu Bittensor und sein nativer Coin TAO in der Lage sind. Jetzt gilt es, den großen KI-Versprechen Taten folgen zu lassen.


Bittensor kritisiert, dass KI-Projekte von Tech-Giganten konkurrieren, anstatt ihre Kräfte zu bündeln. Dezentrale KI soll diese Probleme lösen.
In den Subnets prüfen die Validatoren einzelne Anwendungen (dApps), die von Minern betrieben werden. Erfolgreiche KI-Modelle werden belohnt.
Fast 80 Prozent der bereits ausgegebenen TAO befinden sich aktuell im Staking, zwei Drittel des Gesamtbestands wurden noch nicht ausgegeben.

