Bei jeder Party gibt es jemanden, der schon lange da ist, bevor es losgeht. Viele verstehen das nicht. Schließlich gehört Mut dazu, ganz allein auf die anderen Gäste zu warten. Dann muss man jeden begrüßen, hundertmal erklären, wie hier alles funktioniert und die ersten Schritte auf der Tanzfläche machen. Freundet man sich mit dieser Rolle an, birgt sie aber auch viele Vorteile: Die Snacks hat man erstmal für sich allein, Musikboxen und die Tanzfläche auch. Und irgendwie strahlt man als erster Partygast auch eine ganz natürliche Autorität aus: Man weist die neuen Gäste ein, gibt Takt und Tanzstil auf dem Dance Floor vor – im wahrsten Wortsinn ist man dann First Mover. Die vielleicht wildesten Partys aller Anlageklassen schmeißt seit Jahren der Krypto-Markt, inklusive heftiger Kater-Kopfschmerzen in den Bärenmärkten nach den bisher größten Exzessen. Als erster Tänzer auf der Krypto-Party gibt der Bitcoin den Rhythmus vor und hat das Fundament für eine neue Finanzära gelegt. Er war lange vor den anderen da und ist das Vorbild für alle Altcoins, die nach ihm auf die Party kamen. Klar, er ist nicht der Eleganteste oder Wendigste auf der Tanzfläche. Das macht aber nichts. Er wird bewundert und respektiert, gibt den Takt vor – nicht nur, weil er der First Mover ist.
Satoshi Nakamoto und die Revolution des Geldes
Die Geschichte von Bitcoin beginnt im Jahr 2008, als eine geheimnisvolle Person oder Gruppe unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto das Bitcoin-Whitepaper veröffentlicht. Das Dokument unter dem Titel Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System stellte die Grundprinzipien einer neuen digitalen Währung vor. Die Idee war revolutionär: eine dezentrale Währung, die ohne kontrollierende Autorität funktioniert und gleichzeitig sicher und transparent ist. Im Januar 2009 wurde das Bitcoin-Netzwerk ins Leben gerufen, als Nakamoto den ersten Block, den sogenannten Genesis Block, auf den Weg schickte. Dieser Block enthielt eine kryptische Botschaft: The Times 03/Jan/2009 Chancellor on brink of second bailout for banks – ein Hinweis auf die Finanzkrise und Nakamotos mehr oder weniger subtile Kritik am traditionellen Finanzsystem. Die Identität von Satoshi Nakamoto bleibt bis heute ein Geheimnis. Über Monate kommunizierte Nakamoto über ein Forum mit den frühen Bitcoin-Fans. Dann verschwand er für immer. Seine Wallets sind seitdem unberührt, die Gerüchteküche brodelt umso heißer. Gleich mehrere Menschen auf der ganzen Welt gerieten in den Verdacht, der Bitcoin-Vater zu sein – manche ungewollt, andere auf eigene Initiative hin.
Bitcoin ist aber nicht wegen seiner mysteriösen Geschichte so erfolgreich geworden. Satoshis Technologie löst ein grundlegendes Problem der digitalisierten Wirtschaft und eine der größten Herausforderungen für dezentrale Geldsystemen: Das Bitcoin-Netzwerk verhindert Double Spending, also des mehrfachen Ausgebens derselben Geldeinheit. Double Spending liegt vor, wenn eine digitale Währungseinheit mehrmals ausgegeben wird. In der physischen Welt ist das nicht möglich, weil ein physisches Objekt, wie eine Münze oder ein Geldschein, nicht gleichzeitig an zwei verschiedenen Orten sein kann. Im Internet hingegen können digitale Dateien leicht kopiert und somit mehrfach verwendet werden. Bei digitalen Transaktionen könnte jemand versuchen, dieselbe Geldeinheit an zwei verschiedene Empfänger zu senden, was das Vertrauen in das System zerstören würde. Bei zentralisierten Geldsystemen, etwa bei Bank-Transaktionen, ist das kaum möglich, weil jeder Prozess vom Besitzer des Netzwerks kontrolliert und unterbunden werden kann. Ein dezentrales Netzwerk aber braucht andere Sicherheitsmaßnahmen. Bitcoin löst das Double Spending-Problem mithilfe der Blockchain-Technologie.
Gegen Zensur und Inflation: Bitcoins Dezentralität
Bitcoin basiert auf der Blockchain-Technologie, einer Art verteiltem Kassenbuch, das alle Transaktionen in chronologischer Reihenfolge aufzeichnet und auf jedem teilnehmenden Server repliziert wird. Im Bitcoin-Netzwerk werden Transaktionen in Blöcken zusammengefasst und kryptographisch gesichert. Diese Blöcke werden in einer chronologischen, unveränderlichen Kette gespeichert – daher der Name Blockchain. Ein zentraler Aspekt der Bitcoin-Blockchain ist das Mining, zu Deutsch also das Schürfen neuer Blöcke. Miner, die spezielle Hardware einsetzen, konkurrieren darum, komplexe mathematische Probleme zu lösen, um neue Blöcke zur Blockchain hinzuzufügen. Dieser Prozess, bekannt als Proof of Work, ist ressourcenintensiv, stellt aber die Sicherheit und Integrität des Netzwerks sicher. Miner werden mit neuen Bitcoins belohnt, was gleichzeitig das Angebot der Währung erhöht und einen Anreiz für die Netzwerkstabilität schafft. Außerdem müssen die Miner sicherstellen, dass nur korrekte Transaktionen verarbeitet werden. Zuwiderhandeln wird von der Blockchain durch das Mehrheitsprinzip automatisch identifiziert und bestraft. Dieses Mehrheitsprinzip greift bei der chronologischen Verarbeitung und Aufreihung der verarbeiteten Blöcke.
Nur die längste gültige Block-Kette wird vom Netzwerk akzeptiert, was sicherstellt, dass eine Transaktion nur einmal hinzugefügt wird. Das Netzwerk übernimmt immer jene Version der aktuellen Transaktionshistorie, die von den meisten Knotenpunkten akzeptiert wird. Dieser Mechanismus macht es praktisch unmöglich, dieselbe Bitcoin-Einheit doppelt auszugeben oder Transaktionen nachträglich zu manipulieren. Schließlich würde jeder Versuch, dies zu tun, durch die Mehrheit im Netzwerk entdeckt und abgelehnt. Dieser dezentrale Charakter schließt die zentralisierte Kontrolle des Netzwerks ebenso aus wie externe Zensur von Geldströmen. Banken können Konten einfrieren. Bitcoin-Transaktionen können von außenstehenden Akteuren aber nicht beeinflusst werden – es sei denn, die Mehrheit der Miner würde sich dazu entscheiden, eine entsprechende Maßnahme in die aktuelle Block-Kette aufzunehmen. Bitcoin ist aber nicht nur dezentral, sondern auch deflationär. Das bedeutet, dass der Bestand aller Bitcoins beschränkt ist und nie die Umlaufmenge von 21 Millionen überschreiten kann. Aktuell sind rund 19.7 Millionen Bitcoin im Umlauf. Der Rest wird in den nächsten Jahrzehnten als Belohnung an Miner ausgeschüttet, wobei die Höhe dieser Belohnungen mit jedem Bitcoin-Halving reduziert wird.
Die Souveränität des langsamen Tänzers
Diese Zensurresistenz macht Bitcoin besonders wertvoll in Ländern mit instabilen politischen oder wirtschaftlichen Bedingungen. Menschen können Bitcoin nutzen, um ihr Vermögen zu schützen und unabhängig von staatlicher Kontrolle zu agieren. Diese Unabhängigkeit und Sicherheit haben Bitcoin vielerorts zu einem Symbol der finanziellen Freiheit aufsteigen lassen. Dass hierbei besonders der Bitcoin im Rampenlicht steht, hat auch damit zu tun, dass er als erste Kryptowährung auf den Plan trat und bis heute das dominante Blockchain-Asset in Bezug auf Marktkapitalisierung und Bekanntheit geblieben ist. Sein Status als First Mover hat ihm einen erheblichen Vorteil verschafft. In den frühen Tagen dominierte Bitcoin den Markt vollständig, und obwohl viele alternative Kryptowährungen (Altcoins) entwickelt wurden, bleibt Bitcoin das renommierteste digitale Asset. Die Einführung von Bitcoin hat den Weg für ein ganzes Ökosystem an Kryptowährungen geebnet. Während Projekte wie Ethereum mit ihren Smart Contracts und dezentralen Anwendungen (DApps) die Grenzen des Möglichen erweitern, bleibt Bitcoin in seiner Einfachheit und seinem Fokus einzigartig.
Der Bitcoin dient primär als Wertspeicher und Tauschmittel, während andere Kryptowährungen oft komplexere Anwendungsfälle verfolgen. So ähnlich wie Gold aber braucht der Bitcoin all diese Anwendungsmöglichkeiten gar nicht. Obwohl Bitcoin im Vergleich zu anderen Kryptowährungen nur wenige Funktionen bietet, liegt genau hierin seine Stärke. Bitcoin muss nichts Komplexes leisten, um wertvoll zu sein. Seine Einfachheit macht ihn robust, sicher und leicht verständlich. Während andere Projekte versuchen, immer neue Funktionen und Anwendungen zu integrieren, bleibt Bitcoin, was er immer sein sollte, nämlich ein dezentralisiertes, digitales Geldsystem. Bitcoin ist der Erste auf der Krypto-Party, der den Ton angibt und den anderen erklärt, wie es hier läuft. Er war zuallererst bei den Snacks; auf Börsensprache heißt das: Er sammelte sowohl im Blockchain- als auch im traditionellen Finanzmarkt durch seine frühe Anwesenheit die meiste Liquidität auf. An der Börse helfen ihm dabei die jüngst in den Vereinigten Staaten zugelassenen Spot-ETFs. Nicht nur auf dem Börsenparkett ist Bitcoin bis heute der erste Krypto-Tänzer, an dem sich alle orientieren. Er tanzt zwar langsamer und manchmal schwerfälliger als die späteren Gäste. Das aber tut seiner Souveränität keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil. Wenn Sie an diesem Tanz teilhaben möchten, legen wir Ihnen unser Analyse-Paket zu Bitcoin und Ethereum ans Herz. Wir verfolgen die größten Kryptowährungen bei jedem Schritt – und prognostizieren die nächsten Dance Moves.




