Chatbot und Videos auf X: Elon Musk attackiert OpenAI, YouTube und „woke“ Google-KI
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Chatbot und Videos auf X: Elon Musk attackiert OpenAI, YouTube und „woke“ Google-KI

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Simeon Koch

Elon Musk will X, vormals Twitter, zu einer Super-App umbauen, daraus macht der mittlerweile nur noch zweitreichste Mann der Welt seit dem Kauf der Plattform keinen Hehl. Im ersten Schritt beantragte X in den vergangenen Monaten Lizenzen für Zahlungsdienstleistungen und die Verwahrung von Kryptowährungen, die in mehreren nordamerikanischen Bundesstaaten bereits genehmigt wurden. Nun soll das Social Media- Netzwerk weiter aufrüsten, auf der Agenda steht eine Videoplattform, die YouTube Konkurrenz machen soll und bereits namhafte Unterstützer wie Amazon oder Samsung zählt. Auch in Sachen Künstliche Intelligenz will Elon Musk sein teures “Spielzeug” X in naher Zukunft aufmotzen: Der hauseigene Chatbot Grok wird als Open Source-Protokoll veröffentlicht und soll nicht nur OpenAIs Flagship-Programm ChatGPT den Rang ablaufen, sondern auch Googles KI-Modell Gemini in den Schatten stellen, dem Musk kürzlich medienwirksam vorwarf, historische Realität durch politisch linksgerichtete Filter und antirassistische Algorithmen zu verzerren. Grok soll laut Musk nun als anti-woker Chatbot eine Alternative zu den Programmen anderer Tech-Riesen bieten. Die X-Pläne sind aber nicht nur wegen Musks oft ausfälliger Kampagne gegen KI-Konkurrenten umstritten: Erst kürzlich beschwerten sich Tesla-Aktionäre, dass Musk zu wenig Kapazitäten für seinen E-Auto-Giganten übrighabe und fühlten sich bestätigt, als die Aktie in den letzten Wochen deutlich fiel. Musk hatte außerdem für Unmut gesorgt, als er drohte, KI-Entwicklung auszulagern, wenn er bei Tesla nicht mehr Mitspracherecht bekäme. Die Grok-Pläne gießen neues Feuer ins Öl dieser Debatte.

X-Chatbot soll „woke“ Google-KI ausstechen

Vor einigen Tagen geisterten Screenshots durch diverse Twitter-Kanäle, die ein Bild zeigten, das Googles KI-Modell Gemini entworfen hatte. Darauf zu sehen waren laut Gemini die Gründerväter der Vereinigten Staaten – abgebildet waren Afro-Amerikaner in der Pose und den Kleidern von George Washington und Co. Elon Musk griff die Debatte über das Bild auf und warf Google vor, historische Tatsachen zu verfälschen und vorsätzlich falsche Fakten zu kreieren, um eine einschlägige politische Agenda voranzutreiben. Google kündigte umgehend an, „diese Art von Abbildungen zeitnah zu verbessern“ und gab an, die Gestaltung von Menschen bei Gemini vorerst deaktiviert zu haben. Jack Krawczyk, Googles Direktor bei Gemini, räumte in einem X-Posting ein, dass der Chatbot „Ungenauigkeiten bei gewissen historischen Darstellungen und generierten Bildern“ produziert habe, bestand aber auf der Wichtigkeit von Diversität in der Darstellung von Menschen durch Künstliche Intelligenz. Zuvor war anderen KI-Bildgeneratoren vorgeworfen worden, rassistische Ergebnisse zu zeitigen. Das Programm Stable Diffusion XL des nordamerikanischen Startups Stability AI etwa zeigte auf Nachfrage nach produktiven oder attraktiven Personen nur Bilder von hellhäutigen Menschen, dargestellte Menschen im Sozialdienst wiederum waren überwiegend dunkelhäutig.

Elon Musk war von dieser Debatte wenig angetan und warf Gemini stellvertretend für KI-Modelle mit vermeintlich diversitätsfördernden Algorithmen Rassismus vor. Nun stellt X seinen eigenen Chatbot auch als Open Source-Protokoll zur Verfügung, bisher war Grok bereits für Premium-Nutzer verfügbar. Laut Musk soll damit auch garantiert werden, dass Künstliche Intelligenz transparent und zum Gemeinwohl eingesetzt wird – vor wenigen Tagen verklagte Musk OpenAI, weil das ehemalige Startup von Sam Altman seiner Ansicht nach durch die Zusammenarbeit mit Microsoft an einer profitorientierten Programmsparte das initiale Versprechen gebrochen hatte, KI einzig zum Wohle der Menschheit einzusetzen. OpenAI schlug nur kurze Zeit später zurück und veröffentlichte vertrauliche Emails aus Musks Zeit beim Unternehmen, das er 2015 mitgegründet hatte, 2018 aber nach Unstimmigkeiten über die künftige geschäftliche Ausrichtung wieder verließ. Laut den geleakten Korrespondenzen soll Musk selbst einen Plan für eine profitorientierte Abteilung unterstützt und eine Fusion mit Tesla gefordert haben, damit OpenAI der „Goldesel“ des E-Auto-Giganten werden könne, wie Musk offenbar schrieb. In einem Podcast kritisierte Musk schon vergangenes Jahr: „Der Name, das Open in OpenAI, sollte eigentlich für Open Source stehen und wurde als Nonprofit-Modell entwickelt. Jetzt ist es äußerem Einfluss verschlossen und eine Quelle für maximalen Profit.“

Kann man auf X bald Aktien handeln?

Groks Veröffentlichung als Open Source-Protokoll durch Musks KI-Firma xAI werde einen „unabhängigen Schiedsrichter“ im KI-Bereich darstellen und „maximal wahrheitssuchend“ auftreten. Die neuen Projekte von Elon-Musk rufen erneut Kritiker auf den Plan, die dem Tesla-CEO vorwerfen, seine Aufmerksamkeit und Zeit zwischen zu vielen Unternehmen aufzuteilen. Bedenken gibt es aber auch mit konkretem Blick auf Grok: Open Source-Protokolle fördern durch ihre Verfügbarkeit für Programmierer Innovation und Entwicklung, Experten warnen aber vor Missbrauch durch kriminelle oder terroristische Organisationen, die verfügbare Programme kopieren und missbrauchen könnten. Grok soll dabei nicht die einzige bahnbrechende Änderung auf X bleiben, wenn es nach Musk geht. In naher Zukunft plant die Plattform, eine Video-Integration zu starten, die es ermöglichen soll, Beiträge über klassische Endgeräte wie Fernseher anzeigen zu lassen. Zusammenarbeiten will X dafür mit Amazon und Samsung, um die App Hardware-kompatibel zu machen und in Videotheken zu bringen. Laut Insider-Informationen soll die Anwendung in der kommenden Woche veröffentlicht werden und der YouTube-Oberfläche ähneln. Bei der Vermarktung setzt Musk wohl auf die Unterstützung des ehemaligen Fox News-Moderators Tucker Carlson, der kürzlich ein Interview mit Wladimir Putin führte und es auf X veröffentlichte. Weitere Schritte auf dem Weg zur Super-App sollen folgen.

Mehrere nordamerikanische Provinzen, darunter Pennsylvania und Utah, haben X bereits eine Lizenz für Zahlungsdienstleistungen ausgestellt, auch für Krypto-Transaktionen trudeln die Genehmigungen sukzessive ein. X soll außerdem mit Börsen in Kontakt stehen, um Kooperationen für Wertpapiergeschäfte auszuloten. Letztlich dürfte es sich bei all diesen Innovationen auch um Marketing-Maßnahmen handeln, schließlich verlor Twitter laut Fidelity, einem der weltweit größten Vermögensmanager, seit Elon Musks Kauf für $44 Milliarden im Oktober 2022 fast 80 Prozent an finanziellem Gewicht – Fidelity taxierte den Firmenwert vor wenigen Wochen auf nur noch $12.5 Milliarden. Auch Elon Musk räumte starke Wertverluste öffentlich ein, milliardenschwere Kooperationen mit Werbepartnern gingen zuletzt in die Binsen, weil X sein Content-Management nicht zur Zufriedenheit großer Marken hinbekommt. Grok und die Videoplattform könnten für frischen Wind in den X-Segeln sorgen, kürzlich gab es für Elon Musk schon mal gute Neuigkeiten von Tesla: Nach dem extremistischen Brandanschlag auf die Gigafactory Berlin-Brandenburg konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden. Wie es mit der Tesla-Aktie weitergeht, erfahren Sie in unserem TECH33-Paket.

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Simeon Koch

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