Das Wichtigste auf einen Blick
BYD hat im August Tesla in Europa überholt und seine Verkäufe innerhalb eines Jahres verdreifacht. Mit einem Marktanteil von 1.3 Prozent profitiert der Konzern von der starken Nachfrage nach Elektro- und Hybridfahrzeugen, die inzwischen über 62 Prozent aller Neuzulassungen ausmachen. Gleichzeitig droht Unsicherheit: BYD nutzt Nvidia-Chips für teilautonome Systeme, deren Einsatz im US-chinesischen Konflikt eingeschränkt werden könnte. Vizechefin Stella Li betont, man sei vorbereitet und habe ein „Backup“. Peking verbietet bereits KI-Chips und prüft Nvidia kartellrechtlich, während eigene Kapazitäten ausgebaut werden.
BYD sticht Tesla aus – und bangt um Nvidia-Chips
Der chinesische Elektroautohersteller BYD hat im August in der Europäischen Union drei Mal so viele Fahrzeuge verkauft wie im Vorjahresmonat und damit zum zweiten Mal in Folge den US-Konkurrenten Tesla übertroffen. Während BYD mit rasantem Wachstum in Europa Marktanteile gewinnt, verdüstern geopolitische Risiken die Aussichten für den chinesischen E-Auto-Boom: Die enge Bindung an Chips von Nvidia könnte zum Problem werden, sollte China deren Nutzung wie angekündigt einschränken. BYD hat aber bereits einen Notfallplan – und die Führungsspitze formuliert ungewöhnlich scharfe Worte in Richtung des wertvollsten Chipkonzerns der Welt.
Der neue Spitzenreiter im europäischen Markt
Die Zahlen des europäischen Automobilverbands ACEA stellen dem ehemaligen Shootingstar Tesla kein gutes Zeugnis aus – und schmeicheln BYD umso mehr: Im August stiegen die Neuzulassungen des chinesischen E-Auto-Marktführers um mehr als 200 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mit einem Marktanteil von 1.3 Prozent setzte sich der Konzern damit vor Tesla, das auf 1.2 Prozent fiel und im Jahresvergleich ein gutes Drittel weniger Fahrzeuge absetzte. Traditionelle Hersteller wie Volkswagen und Renault steigerten ihre Verkäufe um 4.8 beziehungsweise 7.8 Prozent, doch den stärksten Schub erlebten chinesische Marken.
Besonders auffällig war die Entwicklung bei den Antriebsarten. Elektro- und Hybridfahrzeuge machten zusammen gut 62 Prozent aller Neuzulassungen in der Europäischen Union aus, nach knapp 53 Prozent im August des Vorjahres. Der Markt insgesamt wuchs um 5.3 Prozent. BYD konnte seine Strategie bestätigen, mit vergleichsweise günstigen, technologisch konkurrenzfähigen Modellen rasch Marktanteile zu gewinnen. Tesla bleibt in der Negativspirale stecken, die bereits vor einem Jahr angefangen hatte, als Elon Musk begann, Donald Trump zu unterstützen.
„Jeder hat ein Backup“: BYD droht Nvidia
So erfolgreich BYD auf den europäischen Märkten voranschreitet, so sehr bleibt die Frage nach der technologischen Abhängigkeit. BYD setzt für seine Auto-Software stark auf Nvidia-Chips, deren Einfuhr nach China nach harten Vorwürfen der Behörden aber eingeschränkt werden könnte. Große Bedenken gebe es diesbezüglich bei BYD aber nicht, betonte die stellvertretende Vorstandsvorsitzende Stella Li im Gespräch mit CNBC und versicherte: „BYD hat ein Backup.“ Zwar gebe es noch keine Anweisung aus Peking, auf Chips von Nvidia zu verzichten, doch das Unternehmen sei vorbereitet, sollte es zu Einschränkungen kommen.
Li verwies auf die Zeit der Covid-19-Pandemie, als weltweite Engpässe die Branche belasteten. Damals habe BYD keine Probleme gehabt, da man große Teile der Technologie selbst entwickelt habe und Alternativen schnell beschaffen konnte. „Wir haben sehr viel starke, sogar bessere Technologie im eigenen Haus, deshalb haben wir immer ein Backup“, sagte Li. Besonders scharf formulierte sie ihre Einschätzung zu möglichen Exportverboten: „Ich glaube nicht, dass irgendein Land das tun wird, weil das automatisch Nvidia töten würde.“
BYD-Chefin warnt: „Dann stirbt Nvidia“
Die Chips, die BYD derzeit nutzt, unterscheiden sich von jenen Hochleistungsprozessoren, die im Zentrum des US-chinesischen Konflikts stehen. In den letzten Monaten hatten die USA mehrfach den Export von Nvidia-Chips nach China beschränkt, im Gegenzug verbot Chinas Internetbehörde großen Tech-Konzernen wie Alibaba den Einkauf bestimmter Nvidia-Prozessoren.
BYD ist davon vorerst nicht betroffen: Im Automobilbereich setzt der Hersteller auf Systeme wie den Nvidia Drive AGX Orin, der teilautonomes Fahren ermöglicht. Diese Kategorie von Prozessoren spielt bislang keine Rolle in den geopolitischen Auseinandersetzungen. Anders sieht es bei den für künstliche Intelligenz genutzten Beschleunigerchips aus. In diese Kategorie fallen ebenjene Hochleistungs-Chips, deren Ankauf durch die Regierung in Peking verboten wurde.
Betroffen sind speziell für China angepasste Modelle wie der RTX Pro 6000D oder zuvor auch der marktführende H20-Chip. Ziel ist es, die Abhängigkeit von US-Halbleitern zu verringern und die eigene Entwicklung zu fördern. „Wir können einem Markt nur dienen, wenn das Land uns auch dort haben will. Es ist enttäuschend, was ich sehe – aber ich verstehe, dass es größere politische Agenden gibt“, sagte Nvidia-Chef Jensen Huang in Reaktion auf die chinesische Entscheidung.
Chinas Druck auf Nvidia wächst
Als zusätzliche Belastung für Nvidia kommt ein Verfahren der chinesischen Marktaufsicht SAMR hinzu. Diese wirft dem Unternehmen vor, beim sieben Milliarden Dollar schweren Kauf des Netzwerkspezialisten Mellanox Technologies im Jahr 2020 gegen Wettbewerbsauflagen verstoßen zu haben. China hatte den Deal damals unter Bedingungen genehmigt, die nach Einschätzung der Behörde verletzt wurden. Das Verfahren war im Dezember eröffnet worden und erhielt nun neue Dynamik.
Die Nachricht fiel mit dem Beginn neuer Handelsgespräche zwischen den USA und China in Madrid zusammen. Auf der Agenda standen neben Zöllen auch technologische Fragen, insbesondere im Bereich der künstlichen Intelligenz. Beobachter werten die Vorwürfe als taktisches Manöver, um in den Verhandlungen zusätzlichen Druck aufzubauen. In den vergangenen Quartalen verdiente Nvidia etwa zwölf Prozent des Konzernumsatzes in China. Entsprechend groß ist die Bedeutung des Marktes. Am Tag des Bekanntwerdens der Vorwürfe war Nvidia der schwächste Wert im Dow Jones.




