Chinas Börse steigt trotz schwacher Konjunktur
Chinas Aktienmarkt hat ein Zehnjahreshoch erreicht, obwohl die Wirtschaft weiter unter Immobilienkrise, schwacher Nachfrage und Deflationsdruck leidet. Der Leitindex Shanghai Composite ist seit April um ein Viertel gestiegen und wird bislang vor allem von Staatsfonds, Versicherungen und anderen großen Investoren getragen. Nach Angaben der Börsenaufsicht wurden im Juli 1.9 Millionen neue Privatanleger-Konten eröffnet – weit weniger als die sieben Millionen pro Monat während des Booms 2015. Analysten sehen deshalb kein akutes Risiko einer Blase, auch wenn das tägliche Handelsvolumen zuletzt elf Tage in Folge über zwei Billionen Yuan lag.
Hintergrund der Entwicklung ist die hohe Sparquote chinesischer Haushalte: Rund 160 Billionen Yuan (22.3 Billionen Dollar) liegen derzeit auf Bankkonten – etwa das Dreifache im Vergleich zu vor zehn Jahren. Sinkende Zinsen machen Aktien für viele Sparer attraktiver: Staatsanleihen werfen nur noch rund 1.7 Prozent ab, Einlagen sogar weniger als ein Prozent. Dagegen liegt die Dividendenrendite führender Börsenwerte bei 2.5 Prozent. Experten warnen dennoch, dass politische Konjunkturhilfen den Kursaufschwung zu stark anheizen könnten. Peking müsse daher vorsichtig agieren, um Wachstum zu stützen, ohne eine neue Spekulationsblase zu riskieren.
Pentagon stoppt Einsatz chinesischer Techniker
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat erklärt, dass chinesische Staatsangehörige nicht länger an Cloud-Diensten des Pentagons mitarbeiten. Zuvor war bekannt geworden, dass Microsoft Ingenieure aus China für technische Unterstützung eingesetzt hatte – begleitet von sogenannten digital escorts (US-Spezialisten, die den Zugriff überwachen und kontrollieren). Hegseth sprach von einem „Vertrauensbruch“ und kündigte eine externe Prüfung an: „Wir verlangen ein unabhängiges Audit des Programms, einschließlich des Codes und der Einreichungen durch chinesische Staatsbürger.“ Microsoft hatte die Praxis nach einem Bericht des Recherchenetzwerks ProPublica bereits im Juli beendet.
Hegseth betonte, es gehe darum, jede Beteiligung chinesischer Fachkräfte an sensiblen Pentagon-Systemen auszuschließen. Die US-Regierung wolle sicherstellen, dass kein Schadcode unbemerkt in militärische IT-Strukturen gelangt sei. Microsoft muss dafür einen unabhängigen Prüfer einsetzen, der den gesamten Prozess durchleuchtet. Cloud-Dienste sind für das Verteidigungsministerium von zentraler Bedeutung, da Daten und Anwendungen dort gebündelt und von verschiedenen Standorten abgerufen werden können. Hegseth forderte alle Anbieter auf, nationale Sicherheit über Gewinninteressen zu stellen.
Tesla verliert in Europa Marktanteile an BYD
Tesla hat im Juli in Europa einen Absatzrückgang von 40.2 Prozent verzeichnet und liegt damit erstmals hinter dem chinesischen Konkurrenten BYD. Nach Daten des Branchenverbands ACEA sanken die Neuzulassungen auf 8837 Fahrzeuge in der EU, Großbritannien und der EFTA. Der Marktanteil schrumpfte auf 0.8 Prozent, nach 1.4 Prozent im Vorjahr. BYD hingegen verkaufte 13503 Fahrzeuge und erreichte 1.2 Prozent Marktanteil. Insgesamt stiegen die Neuzulassungen batterieelektrischer Fahrzeuge in Europa um 33.6 Prozent, was nun 15.6 Prozent des gesamten Automarkts entspricht.
Branchenbeobachter sehen mehrere Gründe für Teslas Schwäche: Das Model Y in neuer Version konnte keine Trendwende einleiten, während europäische Hersteller sowie chinesische Marken mit preisgünstigen Elektro- und Hybridmodellen Marktanteile gewinnen. Hinzu kommen Boykottaufrufe gegen Tesla nach politischen Äußerungen von Konzernchef Elon Musk. Laut ACEA stieg der gesamte europäische Automarkt im Juli um 7.4 Prozent. In Deutschland legte der Absatz von Elektroautos dank neuer Förderprogramme besonders stark zu, während Frankreich, Italien und Großbritannien Rückgänge meldeten.
ByteDance peilt Bewertung von über 330 Milliarden Dollar an
Der chinesische Medienkonzern ByteDance hat eine neue Mitarbeiter-Aktienrückkaufaktion angekündigt und das Unternehmen dabei mit mehr als 330 Milliarden Dollar bewertet. Wie mit dem Vorgang vertraute Personen berichten, wird der TikTok-Eigentümer seinen Beschäftigten 200.41 Dollar je Aktie bieten – rund 5.5 Prozent mehr als beim letzten Rückkauf. Grundlage für den höheren Wert ist das starke Wachstum: Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um 25 Prozent auf etwa 48 Milliarden Dollar. Damit übertraf ByteDance auch Meta, den Konzern hinter Facebook und Instagram. Der Rückkauf soll im Herbst starten.
Hintergrund der Maßnahme ist, dass private Firmen ohne Börsennotierung ihren Mitarbeitern durch Rückkäufe Liquidität verschaffen. ByteDance gilt als finanziell besonders robust, da es diese Programme ohne externe Investoren stemmt. Trotz Rekorderlösen bleibt das Unternehmen unter politischem Druck: In den USA muss es bis September 2025 seine Tochter TikTok verkaufen oder mit einem Verbot rechnen. Grund sind Sicherheitsbedenken wegen des chinesischen Eigentums. Laut Insidern schreibt TikTok in den USA noch Verluste, während das China-Geschäft die Gewinne trägt.
China verdoppelt Goldkäufe über Hongkong
Chinas Netto-Goldimporte über Hongkong haben sich im Juli mehr als verdoppelt. Wie aus Daten der Statistikbehörde in Hongkong hervorgeht, stiegen die Einfuhren auf knapp 44 000 Tonnen nach gut 19 000 Tonnen im Juni – ein Plus von mehr als 125 Prozent. Insgesamt wurden im Juli gut 58 000 Tonnen Gold nach China geliefert, ein deutlicher Rückgang gegenüber den Vormonatswerten. Da Goldimporte auch über Shanghai und Peking erfolgen, geben die Hongkonger Zahlen kein vollständiges Bild ab. Als weltweit größter Goldkonsument beeinflusst China mit seiner Nachfrage den globalen Markt.
Der starke Anstieg der Nettoimporte fällt in eine Phase, in der Chinas Zentralbank ihre Goldreserven zum neunten Mal in Folge ausgebaut hat. Experten sehen darin einen Hinweis, dass Anleger und staatliche Institutionen Gold zunehmend als Absicherung gegen geopolitische Risiken und Währungsschwankungen nutzen. Laut World Gold Council stieg die weltweite Nachfrage im zweiten Quartal um drei Prozent auf rund 1250 Tonnen, getrieben vor allem von einem 78-prozentigen Anstieg der Investitionskäufe. UBS-Analyst Giovanni Staunovo sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, chinesische Investoren suchten weiterhin Diversifizierung: „Dass die Preise in Shanghai über denen in London lagen, ist ein klares Signal für robuste Nachfrage.“
Ölpreise geben nach – Erdgas-Nachfrage soll steigen
Zu Wochenende geben die Ölpreise leicht nach, belastet von Erwartungen sinkender US-Kraftstoffnachfrage zum Ende der Sommerfahrsaison und der Wiederaufnahme russischer Lieferungen über die Druzhba-Pipeline nach Ungarn und in die Slowakei. Analysten sehen die abnehmende Nachfrage nach Benzin zum Labor-Day-Wochenende als kurzfristigen Preisdämpfer. Gleichzeitig beobachten Marktteilnehmer, wie Indien auf US-Druck bezüglich russischer Ölimporte reagiert. Frühere Lagerdaten hatten die Preise gestützt, ein Angriff Russlands auf ukrainische Energieinfrastruktur sorgte aber für Unsicherheit.
Langfristig erwartet der US-Ölriese ExxonMobil, dass die weltweite Nachfrage nach Erdgas bis 2050 um mehr als 20 Prozent steigt, da Gas bis dahin die Kohle in der Energieversorgung ersetzen könnte, insbesondere in Schwellenländern mit wachsendem Strombedarf. Öl werde nach 2030 zwar ein Plateau erreichen, aber weiterhin über 100 Millionen Barrel pro Tag nachgefragt. Erdöl und Erdgas sollen Mitte des Jahrhunderts etwa 55 Prozent des globalen Energiemixes ausmachen. Der Konzern betont, dass technologische Innovationen und politische Maßnahmen nötig sind, um die UN-Klimaziele zu erreichen, während Industrie und Verkehr weiterhin hohe Nachfrage erzeugen.
Das war's schon mit dem Newsflash über China und die Rohstoff-Märkte. Der nächste erscheint, wie gewohnt, am kommenden Donnerstag.




