Donald Trumps Zoll-Pläne sorgen für Spannungen in der globalen Wirtschaft. Mit deutlichen Zollerhöhungen auf chinesische und kanadische Importe will der designierte Präsident die heimische Wirtschaft stärken und die dortige Produktion fördern. Können die USA aber wirklich langfristig von diesem Protektionismus profitieren? Und ist Trumps America First wirklich so gefährlich für Europa, wie vielerorts angenommen? Zwar warnen westliche Experten vor nachhaltigen Schäden für die europäische Wirtschaft – der drohende Zollkrieg aber könnte Deutschland unverhoffte Chancen bieten. Könnte Trump am Ende gar zum Retter wider Willen für die deutsche Wirtschaft werden?
Die Logik hinter Trumps Zollstrategie
Trumps mittelfristiges Ziel ist klar: „Es wird nicht nur diese Tarife geben, sondern noch einige mehr“, sagte der Republikaner unlängst bei einer Rede. Eine Rückverlagerung der Produktion in die USA soll neue Arbeitsplätze schaffen und die heimische Wirtschaft robuster machen. Um dies zu erreichen, erhöht die Regierung der Vereinigten Staaten drastisch die Zölle auf Importe, insbesondere aus China und Kanada. Das soll sowohl amerikanische als auch ausländische Firmen dazu bringen, (wieder) in den USA zu produzieren.
Waren aus China, die bisher 19.3 Prozent Zoll kosteten, werden nun mit 29.3 Prozent belastet. Für Kanada wurden die Zölle auf 25 Prozent angehoben. Betroffen sind vor allem Schlüsselbranchen wie Technologie und Fertigung, die Vorprodukte und Maschinen aus dem Ausland beziehen. Die Strategie setzt Unternehmen, die in die USA liefern möchten, unter Druck: Sie stehen vor der Wahl, entweder höhere Kosten zu tragen oder ihre Produktionsstandorte in die USA zu verlagern, um die Zölle zu umgehen. Für die USA könnte dies ein doppelter Vorteil sein – höhere Zolleinnahmen und ein Wiederaufbau der heimischen Produktionskapazitäten.
Bevor Trump 2017 zum ersten Mal Präsident wurde, nahm die Regierung 34.6 Milliarden US-Dollar an Zöllen, Abgaben und Gebühren ein. Diese Summe hat sich unter Trump mehr als verdoppelt und lag 2019 schon bei rund 70.8 Milliarden Dollar. Das belegen Unterlagen des Verwaltungsamts Office of Management and Budget.
Ein Handelskrieg und seine globalen Folgen
Sollte Trump, wie im Wahlkampf mehrfach angekündigt, die Importzölle für ausländische Waren in den USA drastisch erhöhen, hätte das weitreichende Folgen für die größten Wirtschaftsnationen der Welt. Länder wie die China und Japan oder auch die Eurozone könnten im Gegenzug eigene Schutzmaßnahmen ergreifen, um ihre Exportindustrie zu unterstützen. Auch drohen langwierige Streitigkeiten innerhalb der Welthandelsorganisation (WTO), die weitere Konflikte schüren könnten.
Besonders die exportorientierte Industrie Chinas steht aufgrund der geplanten US-Zölle erheblich unter Druck. Unternehmen versuchen aktuell, ihre Preise zu senken oder alternative Märkte zu erschließen. Der Verdrängungskampf beutelt vor allem den aufstrebenden E-Autosektor, dem Branchenkenner ein „Blutbad“ prophezeien. Dennoch bleibt der Technologiesektor ein Wachstumstreiber, da China massiv in Eigenentwicklungen investiert, um unabhängiger von westlichen Märkten zu werden. Trumps Zölle könnten China dazu zwingen, Handelsbeziehungen zu Ländern in Südostasien zu intensivieren, um die Abhängigkeit von den USA zu reduzieren.
Auch innenpolitisch birgt die Strategie Risiken für die Vereinigten Staaten. Die Umstrukturierung globaler Lieferketten ist teuer und zeitintensiv, und nicht alle Unternehmen werden sofort reagieren können. Für einige Branchen könnten kurzfristig Engpässe in den Lieferketten und daraus resultierende Produktionsprobleme auftreten. Werden Produkte innerhalb der Vereinigten Staaten dadurch knapp, könnte das zu steigenden Preisen und damit zu wachsender Inflation führen – befeuert durch Aufschläge wegen Zöllen, die Verbraucher an Konsumenten weitergeben.
Umstrukturierungen von Lieferketten können Engpässe verstärken.
Deutschlands unerwartete Vorteile – und die Herausforderungen
Hierzulande warnen viele Experten vor einer Verschärfung der industriellen Krise in Deutschland durch die Zölle des wichtigen Handelspartners USA. Dabei könnte Deutschland als Exportnation davon profitieren. Besonders betroffen von den US-Zöllen sind chinesische Vorprodukte und Technologien. Sollten amerikanische Unternehmen vermehrt auf chinesische Waren verzichten, könnten deutsche Anbieter an Bedeutung gewinnen. Branchen wie der Maschinenbau, die deutsche Automobil-, Stahl- und Chemieindustrie könnten als Alternative ins Spiel kommen.
Allerdings ist Deutschlands Abhängigkeit von globalen Lieferketten ebenfalls eine große Herausforderung. Viele deutsche Unternehmen beziehen nämlich Vorprodukte aus China. Die steigenden Produktionskosten könnten deutsche Exporte verteuern, was langfristig Wettbewerbsnachteile mit sich bringt. Dennoch sehen Analysten Chancen, insbesondere für hochwertige Produkte Made in Germany, die durch technologische Innovation und Qualität überzeugen und in den Vereinigten Staaten immer noch sehr beliebt sind.
Gleichzeitig könnte Deutschland neue Absatzmärkte, etwa in Kanada oder Ostasien, erschließen, die durch hohe Zölle die USA als wichtigen Handelspartner verlieren. Gerade in China verlor die deutsche Auto-Industrie zuletzt große Marktanteile. Bereits in den letzten Jahren wuchs der Handel zwischen Deutschland und Kanada stetig, besonders beliebt sind im hohen amerikanischen Norden deutsche Eisen- und Stahlprodukte oder auch Kunststoffe. Das könnte kriselnden deutschen Industrie-Giganten wie Thyssenkrupp oder dem abwanderungswilligen Chemie-Riesen BASF zugutekommen.
Große deutsche Exportfirmen könnten von den Zöllen profitieren.
Rettet Trump die deutsche Wirtschaft?
Die globale Neuordnung der Lieferketten, ausgelöst durch Trumps Zölle, bietet Deutschland eine besondere Gelegenheit. Gerade in Zeiten der Unsicherheit könnte der deutsche Mittelstand seine Position als verlässlicher Handelspartner stärken. Experten schätzen, dass Unternehmen und Anleger, die frühzeitig auf Diversifizierung in diesem Sektor setzen, langfristig profitieren könnten. Hierbei spielen neue Absatzmärkte in Europa, Nordamerika und Südostasien eine Schlüsselrolle.
Zudem könnte der Technologiestandort Deutschland von den Entwicklungen profitieren. Chinas zunehmender Fokus auf Eigenentwicklungen im Technologiesektor unterstreicht die Bedeutung von Innovationen. Deutsche Unternehmen haben die Möglichkeit, mit ihren Produkten und Technologien die entstehenden Lücken in den Märkten zu schließen, die etwa Export-Beschränkungen von Halbleitertechnologie aus den USA reißen. In unseren Analysen finden Sie konkrete Preisziele für die spannendsten Aktien aus den Vereinigten Staaten, aufstrebende Global Player aus China und natürlich alle Wertpapiere des gesamten deutschen Leitindex DAX.



