Bitcoin über 100 000 Dollar: Geht’s jetzt erst richtig los?
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Bitcoin über 100 000 Dollar: Geht’s jetzt erst richtig los?

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Simeon Koch

„Bitcoin ist wie Gold – nur eben virtuell und digital“ – mit diesen überraschenden Worten läutete ausgerechnet Fed-Chef Jerome Powell gestern einen der wichtigsten Tage der Krypto-Geschichte ein: Zum ersten Mal in seiner Historie notiert der Bitcoin auf einem sechsstelligen Kurswert.

Mit einer verschlüsselten Nachricht im ersten jemals geschürften BTC-Block kritisierte der bis heute unbekannte Bitcoin-Gründer Satoshi Nakamoto vor mehr als 15 Jahren die Geldpolitik der Zentralbanken. Nun wird seine Erfindung ausgerechnet vom höchsten US-amerikanischen Banker geadelt – und bricht gleich auch noch die magische Schallmauer von 100 000 US-Dollar.

Während die Top-125 Altcoins (unten) an ihrem kumulierten Allzeithoch von 2021 stehen, sind kleinere Kryptos (oben) deutlich unter ATH. Das liegt an der Rotation.

Was im Westen zum Bitcoin-Feiertag wurde, begann in Südkorea mit einem bärischen Paukenschlag: Über Nacht fiel der Bitcoin auf südkoreanischen Börsen in einem Flash Crash auf rund 60 000 Dollar zurück. Der internationale Handel wurde davon kaum beeinflusst, weil die betroffenen Handelsplätze schnell reagierten und Transaktionen einschränkten.

Noch am Tag zuvor war das südkoreanische Krypto-Tradingvolumen höher gewesen als am dortigen Aktienmarkt. Während die BTC-Panne in Südkorea – wohl ausgelöst durch innenpolitische Turbulenzen – den globalen Markt weitgehend unberührt ließ, zeigt sie eindringlich, wie schnell die Bullen-Party auch wieder vorbei sein kann. Und wie nahe überbordende Euphorie und plötzliche Abstürze bei Krypto beisammen liegen. Anlass genug also, um die Frage aufzuwerfen, wo im Bullrun Bitcoin und Altcoins gerade eigentlich stehen.

Südkorea dumpt Bitcoin – und keiner merkt‘s

Vor wenigen Stunden war der Bitcoin für 60 000 Dollar zu haben. Preise, die in Europa schon seit Wochen der Vergangenheit angehören, waren in der Nacht auf Mittwoch in Südkorea plötzlich Realität. Zwar wurde der Dip schnell aufgekauft, der ungewöhnliche Vorfall aber demonstrierte eindrücklich, wie volatil der zuletzt so stetig wachsende Kryptomarkt dann doch noch ist.

Der Flash Crash auf ostasiatischen Börsen geschah aufgrund eines innenpolitischen Ausnahmezustands: Kurz zuvor hatte der südkoreanische Präsident Yoon Suk Yeol völlig unerwartet das Kriegsrecht über sein Land verhängt.

In der Nacht auf Mittwoch fiel der Bitcoin auf der südkoreanischen Börse Upbit auf 90 Millionen Won (gut 60 000 US-Dollar). Vorangegangen war eine Staatskrise.

Kritiker warfen dem Staatsoberhaupt vor, die eigentlich für extreme Notfälle vorgesehene Maßnahme zu missbrauchen, um seine innenpolitische Agenda gegen eine Mehrheit im Parlament durchzusetzen. Ähnlich sahen das tausende Südkoreaner, die noch in der Nacht auf die Straßen der Hauptstadt Seoul strömten und gegen den Präsidenten protestierten. Zivilisten stellten sich sogar Soldaten in den Weg, die das Parlament abgesperrt hatten. In einer spontan einberufenen Sitzung kritisierte die Opposition den Präsidenten stark und forderte seinen Rücktritt.

Aktuell dürfte der Zyklus in die Mania-Phase eintreten, die von öffentlichem (Medien-) Interesse begleitet ist. Ab hier wird’s heiß – und das Top kommt näher.

Ohne große Gegenwehr willigte Präsident Yoon ein und hob das Kriegsrecht wieder auf. Die südkoreanische Polizei leitete Ermittlungen gegen das Staatsoberhaupt ein, der Verteidigungsminister trat erbost zurück – und Bitcoin erholte sich fast ebenso schnell, wie er bei südkoreanischen Börsen auf sein Ausbruchsniveau von Anfang November zurückgefallen war.

Noch am Tag zuvor hatte das Krypto-Handelsvolumen in Südkorea jenes des dortigen Aktienmarktes überstiegen, womit das Land international Schlagzeilen machte. Schon am nächsten Tag dann wurde Südkorea zum traurigen Sinnbild dafür, wie nah Euphorie und Panik im Kryptomarkt oft beisammen liegen. Nun stellt sich auch hierzulande die Frage: Wie geht’s weiter mit Bitcoin und Altcoins?

Die Altcoin-Rotation ist in vollem Gange!

Eins vorweg: Der aktuelle Zyklus entwickelt sich (zumindest derzeit) nahezu identisch wie auch die letzten Krypto-Bullenmärkte. Bitcoin schreitet voran und zieht den Großteil der Liquidität im Markt auf sich. Deshalb kommen die meisten Altcoins zu Beginn der starken Aufwärtsbewegungen im Bitcoin auch nicht so richtig hinterher.

Sobald Bitcoin die Luft ausgeht und der Kurs seitwärts läuft, schichten viele Investoren ihre Gewinne um – und zwar die Risikoleiter aufwärts. Da kommen zunächst Ethereum und große Altcoins (Large Caps) wie XRP und Cardano, die in den letzten Tagen historische Anstiege verzeichneten und nach verblüffenden Nachrichten über eine interne Zusammenarbeit sowie Kooperationen mit der US-Regierung regelrecht explodierten.

In den letzten Zyklen folgte die Kapital-Rotation dem immergleichen Muster: Von Stablecoins und BTC geht’s die Risikoleiter aufwärts – mehrmals hintereinander.

Wenn die fulminanten Anstiege der großen Altcoins langsam an Fahrt verlieren, erwachen kleinere Projekte und steigen teils um mehrere Dutzend oder sogar hunderte Prozent, so wie es in den vergangenen zwei Wochen geschah. Seit der Nacht auf Donnerstag aber schaut der Altcoin-Sektor wieder ehrfürchtig zu, während Bitcoin seine historischen Kreise oberhalb der 100 000 Dollar dreht.

Die Rotation ist wieder an ihrem Startpunkt (also beim Bitcoin) angekommen und kann von vorne beginnen. Befeuert wird diese Rotation durch neue Aufmerksamkeit und frisches Kapital, das in den Markt fließt. Messbar wird das neue Geld im Kryptosektor anhand der Marktkapitalisierung der dominanten Stablecoins, die ebenfalls auf einem Allzeithoch steht.

Die kumulierte Marktkapitalisierung der größten Stablecoins hat ein Allzeithoch erreicht. Bedeutet: Frische Feuerkraft für Bitcoin und danach für die Altcoins.

Das Ende der Fahnenstange muss für Altcoins trotz der zuletzt so sprunghaften Anstiege noch lange nicht erreicht sein. Viele Projekte, die während der ETF-Rallye im Frühjahr stark performten, sind noch deutlich unter ihren Jahreshochs – etwa der DePIN-Marktführer und Neuankömmling in unserem Altcoin-Paket RENDER. In den vergangenen Bullruns durchlief der Kryptomarkt die Kapital-Rotation von Bitcoin in die Altcoins und zurück mehrfach hintereinander und stieg mithilfe von immer neuem Geld stetig weiter.

Hinzu kommt die Saisonalität, die aktuell weitere Krypto-Anstiege zu versprechen scheint: Im dritten Quartal überflügelt Bitcoin für gewöhnlich kleinere Kryptowährungen (vor allem in Halving- und Bullrun-Jahren). Ethereum als Anführer und Gallionsfigur des Altcoin-Sektors erwacht traditionell erst Ende des Jahres aus dem Winterschlaf. Das beweisen Statistiken über die durchschnittliche monatliche Preisentwicklung über die vergangenen zehn Jahre.

Für ein ähnliches Szenario im aktuellen Jahr sprechen nicht nur die bisher verhaltene Preisentwicklung von ETH, sondern auch die Pläne der US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) über eine mögliche geldpolitische Lockerung.

Bitcoin-Dominanz bricht – und die Fed druckt Geld

Der neue Bitcoin-Fan Jerome Powell und seine Zentralbank-Kollegen steuern mit ihren Entscheidungen die globale Liquidität. In Phasen hoher Inflation verkauft die Fed Wertpapiere und Anleihen aus ihrem eigenen Portfolio, um Geld einzunehmen und damit aus dem Markt zu ziehen. Das passiert meist gleichzeitig mit einem Anstieg des Leitzinses, der frische Kapitalflüsse zusätzlich hemmt.

Will die Fed die Wirtschaft hingegen stimulieren, so kauft sie Anleihen und gibt dafür US-Dollar zurück in den freien Markt. Das geschieht in der Regel, wenn der nächste Zyklus geldpolitischer Lockerung beginnt. Diesen Beginn der expansiven Geldpolitik haben wir im September mit der ersten Zinssenkung seit Jahren erlebt.

Sowohl die Stablecoin- (USDT) als auch die BTC-Dominanz haben langjährige Aufwärts-Trends gebrochen. Altcoins gewinnen also Marktanteile zurück.

Experten gehen nun davon aus, dass die Fed bereits im Dezember mitteilen dürfte, ihre Bilanz nun wieder aufzustocken – also verstärkt frisches Kapital in den Markt zu pumpen. Diese geldpolitische Lockerung dürfte dem Bitcoin und vor allem Altcoins guttun. Denn jeder Krypto-Bullenmarkt folgte bisher den Mustern der Liquidität: Stieg die globale Geldmenge an, performte auch Bitcoin stark. Drehten die Zentralbanken ihre Geldhähne zu, ging Krypto mit anderen Risiko-Investments in den Bärenmarkt.

Die Aussicht auf den finanziellen Stimulus, der den Kryptomarkt durch die letzten Bullenmärkte getragen hat, materialisiert sich kurz nach einem entscheidenden Trendbruch in der Bitcoin-Dominanz – ein weiteres bullisches Signal für den Altcoin-Markt. Nach fast zwei Jahren kontinuierlichen Aufwärtstrends ist Bitcoins Marktanteil zum ersten Mal deutlich rückläufig. Auch daran ist ein verstärkter Kapitalfluss in den Altcoin-Sektor zu erkennen, der sich in den letzten Bullenmärkten jeweils über mehrere Wochen zog.

Als die Fed 2020 begann, ihre Bilanz aufzustocken, startete der Krypto-Bullrun. Jerome Powell könnte bald bekanntgeben, denselben Weg erneut zu gehen.

Der Zusammenhang zwischen globaler Liquidität, der Fed-Bilanz und Anstiegen bei Risiko-Assets wurde besonders im Bullenmarkt 2021 deutlich. Als die Fed bekannt gab, ihre Bilanz wieder aufzustocken und damit frisches Geld in den Markt zu geben, startete der Bullenmarkt aus dem Corona-Tief so richtig durch.

Als Jerome Powell und Co. dann wieder begannen, ihre Bilanz zu senken, gingen Bitcoin und Co. in den Bärenmarkt. Sollte die Fed im Dezember tatsächlich verlautbaren, zum ersten Mal seit 2021 ihre Bilanz wieder aufzufüllen, dürfte die Reaktion im Kryptomarkt deutlich ausfallen und den Bullrun ein weiteres Mal beschleunigen.

Wann sollte man Bitcoins und Altcoins verkaufen?

Es sieht alles danach aus, als hätte die Altcoin-Season gerade begonnen. Einfacher wird es für Krypto-Investoren deshalb aber nicht. Vergangene Zyklen zeigten, dass besonders in dieser heißen Phase des Bullenmarktes mit heftiger Volatilität und starken Zwischenkorrekturen zu rechnen ist. Der Bullenmarkt, der bereits mit dem Bitcoin-Tief bei rund 15 000 US-Dollar im Winter 2022 seinen Anfang nahm, geht in seine finale, steilste Phase.

Diese letzte Phase kann mehrere Monate dauern – Gewinne zu realisieren ist auf dem Weg nach oben aber kein Fehler. Schließlich kann niemand mit Sicherheit sagen, wann der Bullenmarkt endet. Wenn die Euphorie am größten ist, sollte man die Tür im Auge behalten – denn wie Südkorea zeigt, kann die Party plötzlich enden. Und wenn man selbst keine Gewinne mitnimmt, dann nimmt sie ein anderer.

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Simeon Koch

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