Bitcoin-Allzeithoch trotz Rezession: Ist der Ausbruch nachhaltig?
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Bitcoin-Allzeithoch trotz Rezession: Ist der Ausbruch nachhaltig?

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Simeon Koch

Eine Sache müssen Sie verstehen: Kein Zyklus endet auf Ansage. Das Bullenmarkt-Top wird nicht erreicht, wenn die Masse gerade damit rechnet. Die jüngste Bitcoin-Rallye in Richtung der magischen $100 000 wird begleitet von vehementen Zweifeln: Zu schwer lasten die Erinnerungen an die zähe Korrektur im Sommerloch, zu präsent sind die Gedanken an die regelmäßigen Altcoin-Blutbäder der letzten Monate. Jetzt eine heftige Korrektur zu erwarten, könnte aber genau die falsche Taktik sein – und dazu führen, dass viele den Bullrun an der Seitenlinie verpassen. Zyklen enden fundamental betrachtet in der Regel, wenn die Euphorie am größten ist. Und das ist sie im Moment (noch nicht).

Dennoch fragt sich der gesamte Markt jetzt, wieso es mit den Bitcoin-Anstiegen so schnell geht: Sind die Warnungen vor einem deutlich verkürzten Zyklus, der schon mit dem aktuellen Anstieg enden könnte, berechtigt? Wie nah ist die weltweite Wirtschaftskrise wirklich? Könnte die Rezession den Krypto-Bullenmarkt schon bald abwürgen? In diesem Artikel schauen wir uns drei wichtige Makro-Indikatoren an, die dafürsprechen, dass dieser Bitcoin-Ausbruch nachhaltig ist. Und zwei potenzielle Gründe für ein jähes Ende der Bullenmarkt-Euphorie durch das böse Erwachen in der Rezession.

Kein Bitcoin-Top geschieht auf Ansage!

Ein Bitcoin-Bullenmarkt dauert historisch gesehen ungefähr vier Jahre, die erste Phase startet bereits, wenn das letzte Bullenmarkt-Top überwunden ist. Seit dem alten Allzeithoch im November 2021 sind ziemlich genau drei Jahre vergangen, seit dem Mid-Cycle Top im Frühjahr 2021, das viele Analysten als eigentliches Bullenmarkt-Finale einstufen, sogar dreieinhalb. Bleibt der Bitcoin in seinem Vierjahres-Rhythmus, dem er seit seinem ersten Bullenmarkt 2013 folgt, so könnten wir uns also rein zeitlich schon in der Schlussphase des aktuellen Bullruns befinden.

Die finale Bullen-Rallye beginnt, wenn niemand glaubt, dass es jemals wieder bergauf geht (grün) – und endet, wenn niemand glaubt, dass es je wieder bergab geht (rot).

Wo in dieser finalen Phase befinden wir uns? Ein wichtiger Indikator ist die Emotion der Masse. Damit sind wir wieder am Anfang: Kein Zyklus endet auf Ansage. Wenn die finale Bullenmarkt-Phase mit dem Sprung auf ein neues BTC-Allzeithoch beginnt, glaubt kaum jemand an einen nachhaltigen Ausbruch. Grund dafür sind die für Bitcoin charakteristischen, langen Seitwärtsphasen vor solchen Ausbrüchen. Die menschliche Psyche lässt sich davon leicht täuschen, denn unser Denken unterliegt dem sogenannten Recency-Bias.

Das bedeutet, dass sich unsere Erwartungen für die Zukunft daran orientieren, was wir kürzlich erlebt haben. Wenn das eine lange Korrekturphase war, gehen wir auch weiterhin von korrektiven Marktbedingungen aus. Das genaue Gegenteil geschieht am Bullenmarkt-Top: Nach Monaten des Anstiegs denkt die Masse, es würde immer weiter aufwärts gehen, weil es in der jüngeren Vergangenheit so war. In diese Zuversicht hinein erreicht der BTC für gewöhnlich sein Top. Dann, wenn niemand mit dem Bärenmarkt rechnet – und nicht, wenn alle misstrauisch sind.

BTC in Richtung $100 000: Der Risiko-Appetit ist zurück!

Freilich ist dieses emotionale Muster keine Garantie dafür, dass der aktuelle Ausbruch nachhaltig ist. Es gibt aber noch weitere wichtige Makro-Faktoren, die für einen breiten Stimmungswechsel im Markt sprechen, der für mehrere bullische Monate sorgen könnte. Zunächst sind da die Zuflüsse der nordamerikanischen Bitcoin-ETFs – aber nicht nur das. Zusätzlich ist eine klare Marktbewegung in Richtung risikoreicher Anlageklassen zu beobachten.

Während die Bitcoin-Fonds in den letzten fünf Handelstagen rund $3.5 Milliarden an Nettozuflüssen erlebten, verzeichnete der weltgrößte Gold-ETF die größten wöchentlichen Abflüsse seit zwei Jahren. Ein ähnliches Signal sendet der Goldpreis: Während Bitcoin und die kleinen, risikoreichen Aktien des Russell 2000 nach oben schießen, sackt das Krisen-Asset Gold so deutlich ab wie lange nicht mehr.

Der Markt hat wieder Lust auf Risiko: Während das Krisen-Asset Gold abverkauft, steigen Bitcoin und der Small-Cap-Index Russell 2000. Ist die Rezession abgesagt?

Offensichtlich also hat der Weltmarkt wieder Lust auf Risiko – das kommt Bitcoin und dem gesamten Kryptomarkt zugute. Stimuliert wird das Wachstum in Risiko-Anlagen zudem durch die geldpolitische Lockerung der nordamerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed). Erst am vergangenen Donnerstag wurde der Leitzins in den USA zum zweiten Mal in Folge gekürzt. Im September verringerte die Fed ihre maßgebende Interest Rate um 0.5, nun um 0.25 Prozentpunkte.

Niedrigere Zinsen bringen frische Liquidität in den Markt und verringern die Attraktivität von sicheren Anlageklassen wie etwa Staatsanleihen. Deshalb setzen Investoren in Zeiten niedriger Zinsen verstärkt auf risikoreiche Assets wie Bitcoin, Aktien mit kleiner Marktkapitalisierung oder Altcoins. Die drei Faktoren, die dafürsprechen, dass der jüngste Bitcoin-Ausbruch nachhaltig ist, sind also die aktuell vorherrschenden Emotionen im Markt, der signifikant wachsende Risiko-Appetit und die gelockerte Geldpolitik der Fed.

Was, wenn die Rezession plötzlich kommt?

Bei all der Bitcoin-Euphorie scheint es so, als hätte der Markt die Rezessionsangst, die ihn im Sommer immer wieder in Panik versetzte einfach so vergessen. Wie aber steht es um die wichtigsten Indikatoren, die Bitcoin einen Strich durch die bullische Rechnung machen könnten? Die Antwort lautet: mittelprächtig. Aktuell liegt der Fokus des Marktes in Sachen Rezession besonders auf zwei Kennzahlen, nämlich der Arbeitslosigkeit und der Inflation.

Diese beiden Kennzahlen könnte man mit brennenden Fackeln vergleichen, die die Fed gerade jongliert. Um die Inflation zu bekämpfen, hat die Zentralbank ihre Zinsen über Jahre erhöht. Nun ist die Teuerung erstmal unter Kontrolle, die straffe Geldpolitik aber schnürt der Wirtschaft langsam die Luft ab. Deshalb kürzt die Fed derzeit wieder die Zinsen, um den Markt zu stimulieren und damit die steigende Arbeitslosigkeit zu bekämpfen.

Dass nach den Hochs im Sommer sowohl die Sahm-Regel als auch die Arbeitslosigkeit in den USA zurückging, ist kurzfristig positiv. Auf längere Sicht ist der Markt instabil.

Sollte die Inflation zurückkommen, hat die Wirtschaft ein dickes Problem. Dann nämlich kann die Wirtschaft nicht mehr durch neues Geld belebt werden, weil frische Liquidität auch die Inflation weiter anheizt. Steigen Inflation und Arbeitslosigkeit gleichzeitig stark an, schlittert die Wirtschaft in der Regel in eine tiefe Rezession. Vor allem der Blick auf die Arbeitslosigkeit sorgte im August für Panik auf dem Markt, genauer gesagt die Sahm-Regel. Sie identifiziert den Beginn einer Rezession in den USA, wenn die Arbeitslosenquote innerhalb von drei Monaten um mindestens 0.5 Prozentpunkte über ihren niedrigsten Wert der letzten zwölf Monate steigt – und das war im August der Fall. Sowohl die Arbeitslosigkeit als auch die Sahm-Regel sind bis Oktober aber wieder gefallen – vorerst ein positives Zeichen.

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Simeon Koch

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