Ein chemisches Produkt herauszubringen, das gesundheitsgefährdend wirkt, ist generell keine besonders gute Idee. Ganz schlecht ist es aber, wenn das in den Vereinigten Staaten passiert. Denn dort gehen die Schmerzensgeldforderungen schnell mal in die Millionen. Was auch der Leverkusener Agrarkonzern Bayer seit der Übernahme von Monsanto in Hunderten Zivilklagen wegen des vermeintlich krebserregenden Herbizids Glyphosat schon schmerzlich erfahren musste, wird gerade dem nordamerikanischen Chemie-Riesen 3M zuteil. Im dritten Quartal des aktuellen Jahres beginnt das Unternehmen, Strafzahlungen an die öffentliche Hand abzustottern, weil gleich mehrere firmeneigene Produkte gefährliche Inhaltsstoffe enthalten haben, die das Grundwasser nachhaltig verunreinigen. Bis 2036 hat 3M Zeit, zwischen $10.5 und $12.5 Milliarden zu bezahlen. Schon vergangenen Sommer wurde diese Einigung eingefädelt, die finale Bestätigung dafür kam Anfang der Woche. Fast zeitgleich konnte 3M die Auslagerung seiner Gesundheitssparte verkünden, die ebenfalls schon seit Monaten geplant ist. Der neue separate Flügel ging unter dem Namen Solventum an die New Yorker Börse (engl.: New York Stock Exchange; kurz: NYSE), begleitet von wohlwollenden Reaktionen seitens der Anleger.
Aufspaltungen liegen im Trend
Solventum war eine schwierige Geburt. Etwa ein Jahr dokterte 3M an einer Lösung für die Separierung seiner Gesundheitsabteilung, die ersten Handelsstunden verliefen mit einem zwischenzeitlichen Minus von fast fünf Prozent durchwachsen. Entsprechend bescheiden gab sich 3M in seinem Presse-Statement zum Börsen-Debüt des Newcomers: Solventum werde „Vertretern des Gesundheitswesens sehr gut zuhören und kontinuierlich Lösungen für sie und all die Leben bereitstellen, die sie weltweit verbessern“. Außerdem baue das „unabhängige Unternehmen“ auf „jedem erreichten Ziel auf, ganz gleich wie groß oder klein“. Seit mehr als 70 Jahren betreibt 3M seinen pharmazeutischen Geschäftsbereich und beschäftigt dort etwa 20 000 Mitarbeiter. Zuletzt gehörte die Sparte zu den ertragreichsten im ganzen Unternehmen, die Entscheidung über die Trennung kam etwas überraschend. Ähnlich wie Bayer, wo ebenfalls eine Aufspaltung erwogen wird, will 3M durch seine Verschlankung zurück in die Erfolgsspur. Zuletzt zeichnete sich bei großen Unternehmen ein entsprechender Trend ab, der bei Aktionären Anklang fand.
So trennte sich IBM schon 2021 von seinem Infrastruktur-Service Kyndryl, branchenverwandt zu Solventum trennte sich der Medizintechnik-Konzern Johnson & Johnson vergangenes Jahr von seiner Consumer-Healthcare-Sparte Kenvue. Spin-Offs, wie man derartige Aufspaltungen auch bezeichnet, geben Investoren eine größere Auswahl an der Börse, bauen Bürokratie innerhalb der Unternehmen ab und ermöglichen es, Verantwortung in der Führungsebene eindeutiger zu verteilen. Laut 3M-Geschäftsführer Mike Roman soll die weitgehende Trennung von Solventum – der Mutterkonzern behält Anteile in Höhe von 19.9 Prozent – die interne Effizienz steigern: „Beide Unternehmen sind nun gut positioniert, um ihr jeweiliges Wachstum voranzutreiben und ihre Finanzen selbstständig zu managen“. 3M-Aktionäre erhielten schon zum Marktschluss am 18. März eine Solventum-Aktie für vier gehaltene 3M-Wertpapiere. An der Börse schlug sich die positive Reaktion unter den Anlegern in verstärktem Kaufdruck nieder, große Kurssprünge blieben aber aus. Zu lang war der Schatten, den die Einigung mit öffentlichen Wasserversorgern nach Vorwürfen der langfristigen Umweltverschmutzung warf.
Milliardenstrafe „wichtig“ für 3M
Eine ganze Reihe von Produkten rund um einen Brandschutz-Schaum soll gesundheitsschädliche Chemikalien enthalten haben, die ins Grundwasser gelangten und biologisch nicht oder nur sehr langsam abbaubar sind. Die Strafe in Höhe von gut $10 Milliarden trifft 3M empfindlich, im vergangenen Jahr machte man $32.7 Milliarden Umsatz, wovon $5.3 Milliarden als Gewinn übrigblieben. Existenzgefährdend sind die Zahlungen nicht, schließlich werden sie über mehr als zehn Jahre gestreckt. CEO Mike Roman gab sich trotz der Hiobsbotschaft optimistisch: „Das ist ein weiterer wichtiger Schritt für 3M, wir verfolgen weiterhin unsere Prioritäten. Die finale Einigung und der vorangetriebene Ausstieg aus diesen schädlichen Substanzen bis 2025 wird die Risiken auf unserem Weg in die Zukunft minimieren“. Ob dieser Weg so erfolgreich ausfällt, wie Roman hofft, kann in unserem beliebten US Titans-Paket verfolgt werden. Darin analysieren wir neben 3M 41 weitere nordamerikanische Top-Aktien wie Amazon, Apple, Waste Management, Microsoft, Salesforce, Nike, IBM, Johnson & Johnson oder Warren Buffetts Berkshire Hathaway. Derzeit kann bei der Buchung dieses Pakets auf den 20-Prozent-Oster-Rabattcode BunteEier20 zurückgegriffen werden – so wie übrigens auch beim DAX40-Aktienpaket und den Produkten zu den Indizes DAX und Dow Jones, welche wir just gestern um den MDAX respektive den Russell 2000 erweitert haben.




