Die Industrial and Commercial Bank of China (kurz: ICBC) hat Bitcoin und Ethereum in einem kürzlich veröffentlichten Bericht geadelt. Die Analysten der Bank bezeichneten Bitcoin und Ethereum als die digitalen Schlüssel-Rohstoffe der Zukunft. Diese unerwartet positiven Aussagen über die beiden größten Blockchain-Währungen sorgten für heiße Spekulationen über eine Lockerung der strengen chinesischen Krypto-Politik. Das Bitcoin-Lob der ICBC war nämlich nicht das einzige Indiz für einen möglichen chinesischen Kurswechsel: Bybit, die zweitgrößte Krypto-Börse der Welt, teilte vor wenigen Tagen mit, dass man chinesischen Nutzern im Ausland den Handel auf ihrer Plattform wieder ermögliche. Dass China sich der Blockchain-Welt wieder annähert, alarmiert auf der anderen Seite des Pazifiks den nordamerikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump, der schon in den letzten Wochen mit Bitcoin-freundlichen Statements aufgefallen war. Künftig will Trump laut eigener Aussage das Bitcoin-Mining mehrheitlich in die Vereinigten Staaten verlegen lassen, damit sich die USA die verbleibenden Miner-Belohnungen sichern können.
Bröckelt Chinas Bitcoin-Verbot?
Das waren ungewohnt klare Worte von einer so hochrangigen chinesischen Finanz-Institution: Bitcoin sei als „digitales Gold“ zu betrachten, der größte Altcoin Ethereum als „digitales Öl“. Die ICBC-Analysten hoben hervor, dass Bitcoin durch seinen mathematischen Konsensmechanismus eine Knappheit ähnlich wie Gold bewahrt und gleichzeitig die logistischen Probleme der Teilbarkeit, Echtheitsprüfung und Portabilität gelöst habe. Einfach gesprochen bedeutet das: Bitcoin generiert seinen intrinsischen Wert ebenso wie Gold aus seiner Knappheit und deflationären Natur, ist aber leichter zu transportieren und zu handeln als Gold. Das macht den Bitcoin praktikabler für die digitale Wirtschaft und geeigneter für schnelle und grenzüberschreitende Transaktionen, wodurch „seine Vermögensattribute ständig stärker werden“. Ethereum wurde von der ICBC als „technologische Kraft für die digitale Zukunft“ gelobt, da es „seine Technologie kontinuierlich in Bezug auf Sicherheit, Skalierbarkeit und Nachhaltigkeit aufgerüstet“ habe. Dabei hoben die Analysten technische Vorzüge der Ethereum-Blockchain wie Smart Contracts sowie Anwendungen für dezentralisierte Finanzen (kurz: DeFi) und Non-Fungible Tokens (kurz: NFTs) hervor.
Kurz zuvor gab die weltweit genutzte Krypto-Börse Bybit bekannt, chinesischen Staatsbürgern, die im Ausland leben, den Handel auf ihrer Plattform zu ermöglichen. Angesichts der strikten Krypto-Handelsverbote, die China vor einigen Jahren erlassen hat, ist das ein bemerkenswerter Schritt. Auch hier glauben Branchenbeobachter ein Indiz dafür zu erkennen, dass China seine scharfe Krypto-Sanktionierung revidieren könnte. Bybit betonte, dass es sich um eine Reaktion auf die wachsende Nachfrage nach sicheren, zuverlässigen und benutzerfreundlichen Krypto-Handelsplattformen unter chinesischen Staatsbürgern im internationalen Ausland handle. Das Unternehmen erklärte, dass Nutzer sich mit chinesischen Ausweisdokumenten registrieren können, wobei chinesische IP-Adressen und Telefonnummern weiterhin blockiert werden. Trotz der weit verbreiteten Berichte über ein Krypto-Verbot in China bleibt der Handel mit Kryptowährungen im Land recht lebendig. Binance, die weltweit größte Krypto-Börse, setzte in einem einzigen Monat im letzten Bullenmarkt $90 Milliarden im chinesischen Krypto-Handel um, was China zu einem der größten Märkte der Börse machte.
China bleibt vorsichtig – Trump will Bitcoin einbürgern
Laut Brancheninsider soll es in China nicht offiziell illegal sein, als Privatperson Kryptowährungen zu halten oder zu handeln, auch wenn diese Aktivitäten nicht gesetzlich geschützt sind. Ein Gericht in der Provinz Fujian stellte unlängst fest, dass „administrative Gesetze und Richtlinien virtuelle Währungstransaktionen nicht vollständig verbieten“. Eine chinesische Anwaltskanzlei erklärte ebenfalls, dass „unser Land derzeit keine Gesetze oder Verwaltungsverordnungen hat, die Bitcoin-Handelsaktivitäten verbieten“. Chinesische Medien warnten in den letzten Monaten dennoch wiederholt vor den Gefahren des wenig regulierten Krypto-Marktes, seit 2021 sind der Handel und das Mining von Blockchain-Währungen im Reich der Mitte de facto untersagt oder zumindest stark eingeschränkt. Als die chinesische Regierung mitten im letzten Bullenmarkt entsprechende Richtlinien vorstellte, erreichte die Hashrate des Bitcoin-Netzwerks zeitweise Tiefstände, weil viele chinesische Miner ihre Geräte abschalten oder ihre Standorte verlegen mussten. Umso überraschender kam in dieser Woche das Bitcoin-Bekenntnis der chinesischen Großbank ICBC, die auch auf das enorme Potenzial von digitalen Zentralbankwährungen (engl.: Central Bank Digital Currencies; kurz: CBDC) hinwies – ein Konzept, an dem China schon seit Jahren feilt.
Genau das will Donald Trump in den Vereinigten Staaten um jeden Preis verhindern – und nicht nur er. Vor wenigen Tagen bestätigte das nordamerikanische Parlament ein Gesetz, das die Einführung einer digitalen Zentralbankwährung vorerst untersagt. Trump ist dieser Schritt aber offenbar nicht genug. Auf seinem Truth-Social-Profil schrieb der designierte republikanische Präsidentschaftskandidat: „Bitcoin-Mining könnte unsere letzte Verteidigungslinie gegen eine CBDC sein“. Wie genau das gemeint war, erklärte Trump nicht, nutzte die Gelegenheit aber, gegen seinen Widersacher und den aktuellen Amtsinhaber Joe Biden zu schießen: „Bidens Verachtung für Bitcoin hilft China und Russland“. Er wolle, dass „alle übrigen Bitcoins in den Vereinigten Staaten hergestellt werden“. Dieses Mining-Monopol werde Amerikas politische und wirtschaftliche Position stärken. Schon in den zurückliegenden Wochen hatte Trump sich als Krypto-Kandidat stilisiert und im Falle eines Wahlgewinns tolerantere Regulierungen in Aussicht gestellt. Beifall erhielt Trump von einschlägigen Medien, etwa dem renommierten Bitcoin Magazine.
Das globale Wettrennen um Bitcoin und Co.
Trotz der markigen Worte des republikanischen Spitzenkandidats bleibt natürlich abzuwarten, ob diese vollmundigen Wahlversprechen auch in die Tat umgesetzt werden, sollte Trump tatsächlich wieder ins Weiße Haus einziehen. Immer offenkundiger scheint allerdings, dass die großen Wirtschaftsmächte dieser Welt ihre Distanz zum Krypto-Markt sukzessive abbauen. Die Zulassungen der Bitcoin- und Ethereum-Spot-ETFs in den Vereinigten Staaten sprechen eine deutliche Sprache. Die Genehmigung vergleichbarer Anlageprodukte in der autonomen chinesischen Provinz Hong Kong werden als politisches Signal aus der Volksrepublik wahrgenommen. Kenner des chinesischen Marktes betonen außerdem, dass die ICBC in einer offiziellen Stellungnahme wohl kaum derart positiv über Bitcoin und Ethereum gesprochen hätte, wenn dieser Standpunkt nicht von weiter oben abgesegnet worden wäre. Ob der Ritterschlag der weltgrößten Bank für die größten Kryptowährungen und Bybits teilweise Zulassung chinesischer Kunden nun tatsächlich Anzeichen für einen chinesischen Krypto-Kurswechsel sind, lässt sich im Moment nur mutmaßen. Eindeutig hingegen sind die Signale der Stärke, die der Bitcoin-Kurs trotz wirtschaftlicher Turbulenzen in den letzten Wochen gegeben hat. Erfahren Sie mehr über die künftige Entwicklung und lukrative Einstiegsmöglichkeiten zu Bitcoin und Ethereum sowie den größten Altcoins in unserer Analyse.




