Deutschlands größter Autobauer Volkswagen hat am Montag neue Einzelheiten seiner Kooperation mit dem chinesischen Partner Xpeng vorgestellt. Die beiden Unternehmen wollen bis 2026 gemeinsam eine neue Elektronik-Architektur entwickeln. Dazu unterzeichneten sie eine entsprechende Vereinbarung und starteten direkt zwei gemeinsame Entwicklungszentren in Guangzhou und Hefei in China. Die entwickelte Technologie soll in allen Elektroautos von Volkswagen zum Einsatz kommen, aber auch in gemeinsamen Fahrzeugen von VW und Xpeng – welche ab 2026 geplant sind. VW-China-Chef Ralf Brandstätter sprach von einem Meilenstein in der "China-für-China"-Strategie des Konzerns. Es sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem führenden Anbieter intelligenter, vernetzter Fahrzeuge. Insgesamt will VW durch die Kooperation ein Drittel der Entwicklungszeit und bis zu 40 Prozent der Kosten einsparen. Der chinesische Markt war für Volkswagen dabei zuletzt ein schwieriges Pflaster. Im vergangenen Jahr verlor die Marke Volkswagen erstmals seit Jahrzehnten die Marktführerschaft in China, der Fahrzeugabsatz ging um rund sieben Prozent zurück.
Effizienz durch weniger Bauteile
VW hatte 2023 eine Kooperation mit Xpeng vereinbart und dafür für rund 700 Millionen Dollar fünf Prozent an dem chinesischen Hersteller erworben. Ursprünglich sollten ab 2026 zwei gemeinsame Fahrzeuge auf den Markt kommen. Nun wird die Zusammenarbeit ausgeweitet und alle Autos ab 2026 sollen auf der neuen Elektronikarchitektur namens „China Electronic Architecture“ basieren. Diese Architektur funktioniert wie ein zentrales Nervensystem im Auto: Drei Hauptcomputer steuern alle Funktionen und eine spezielle Verkabelung verbindet alle Teile. Dadurch entfallen zahlreiche Bauteile und viele Meter an Kabeln, die Autos werden obendrein effizienter und günstiger in der Produktion. Zudem lassen sich Updates künftig leichter als bisher drahtlos „over the air“ aufspielen und die Anwendungen gelten als weniger fehleranfällig, wenn weniger Rechner verbaut sind. Die Fahrzeugsoftware stellt eine der größten Herausforderungen für den Konzernvorstand unter CEO Blume dar. Bisher war die Tochtergesellschaft Cariad dafür verantwortlich, die Software und Hardware von Zulieferern in die Betriebssysteme des VW-Konzerns zu integrieren. Aufgrund wiederholter Verzögerungen in den vergangenen Jahren musste der Produktionsbeginn strategisch wichtiger Modelle jedoch mehrfach verschoben werden.
Herausforderungen im chinesischen Markt
Der zweitgrößte Autohersteller der Welt sieht sich mit einer Reihe von Herausforderungen in Europa, den USA und vor allem in China konfrontiert, wo einheimische Elektroautohersteller – unter der Führung von BYD – ihm Marktanteile abnehmen. Das Unternehmen hat auf seinem wichtigsten Absatzmarkt nach eigenen Angaben im ersten Halbjahr etwa 1.35 Millionen Fahrzeuge an Kunden ausgeliefert, etwa sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Bei den Elektroauto-Auslieferungen konnte der Konzern mit gut 90 000 Fahrzeugen zwar deutlich zulegen, allerdings liegt der Autobauer damit chinaweit bei reinen Elektroautos gerade einmal bei um die drei Prozent an eingenommenen Marktanteil. Im letzten Jahr hatte BYD Volkswagen als Markführer abgelöst. Volkswagen hatte diese Marktführerschaft mit seiner Kernmarke VW seit den 1980er-Jahren inne.
Zahl der ausgelieferten Fahrzeuge des VW-Konzerns nach Regionen
Paralleles Projekt mit Rivian
Volkswagen arbeitet mit dem nordamerikanischen Partner Rivian an einer Software, die auf der gleichen Grundlage wie die neue chinesische Infrastruktur basiert. Beide Unternehmen gaben Ende Juni bekannt, dass sie ein paritätisch kontrolliertes Joint Venture zur Entwicklung von Software, Steuergeräten und Netzwerkarchitekturen gegründet haben. VW-Chef Blume kündigte an, dass die ersten Fahrzeuge aus dieser Kooperation "Mitte der zweiten Hälfte des Jahrzehnts" verfügbar sein sollen, wobei intern von etwa 36 Monaten für ein gemeinsames Betriebssystem gesprochen wird. Eines der ersten Modelle, welches diese neue Architektur nutzen wird, ist der Porsche-Siebensitzer mit dem Arbeitstitel „K1“, der frühestens ab 2027 in Leipzig produziert werden soll. Technisch basiert er auf der in diesem Jahr eingeführten Fahrzeugplattform PPE, auf der auch der Porsche E-Macan und der Audi Q6 E-tron basieren. Später soll ein Upgrade der Rivian-Software auch in Fahrzeugen der einheitlichen Plattform SSP des Konzerns zum Einsatz kommen.
Die Kooperationen mit Xpeng in China und Rivian in Nordamerika zeigen, dass die bisherigen Software-Architekturen von VW nicht mehr vollständig wettbewerbsfähig sind. Ein Manager kommentierte: „Ohne hohe Rabatte bekommen wir die Autos in China so nicht mehr verkauft.“ Es bleibt abzuwarten, ob VW der Neustart in seinem wichtigsten Absatzmarkt gelingt. Wir analysieren indessen für Sie weiterhin die VW-Aktie im Rahmen unseres DAX40-Aktienpakets, wo es regelmäßig attraktive Einstiegsmöglichkeiten gibt – sowohl auf der Long- als auch auf der Short-Seite.



