Trump verschiebt 50-prozentige EU-Zölle: Aktien steigen
#Global Markets

Trump verschiebt 50-prozentige EU-Zölle: Aktien steigen

Author

Carlo Schmid

US-Präsident Donald Trump hat überraschend die Frist für die Einführung von 50-prozentigen Zöllen auf europäische Waren verschoben. Erst vor zwei Tagen hatte Trump die neuen Strafzölle gegen die EU angedroht und deren Inkrafttreten für Anfang Juni angekündigt. Die Maßnahme betrifft Waren im Wert von 321 Milliarden US-Dollar, wurde nun aber vorzeitig wieder zurückgenommen. Nach einem Telefonat mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gab Trump bekannt, dass die neue Frist bis zum 9. Juli reicht

„Wir hatten ein sehr gutes Gespräch, und ich habe zugestimmt, die Frist zu verschieben.“ Das sagte Trump gegenüber Reportern am Sonntag am Flughafen Morristown in New Jersey, nach einem Telefonat mit der Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen. Diese wiederum äußerte sich auf X zu dem Gespräch: „Europa ist bereit, die Gespräche zügig und entschieden voranzutreiben“, sie fügte hinzu, dass ein gutes Abkommen jedoch Zeit benötige.

Warum droht Trump der EU mit Zöllen?

Die USA und die EU führen derzeit schwierige Handelsgespräche. Anfang April hatte Trump angekündigt, die Zölle von zunächst 20 auf zehn Prozent zu senken – allerdings nur bis zum 9. Juli. Weil er mit dem Tempo der Verhandlungen unzufrieden ist, drohte er am Freitag mit einer Erhöhung der Zölle auf 50 Prozent ab Juni. Trump wirft der EU vor, US-Firmen durch strenge Vorschriften und zahlreiche Klagen zu benachteiligen.


Kurz nach Trumps Ankündigung der zusätzlichen Strafzölle auf EU-Waren knickte der S&P500 am Freitag unter die Unterstützung bei 5836, erholte sich aber rasch.
Die deutsche EU-Kommissionspräsidentin Ursula der Leyen zeigte sich in einer Stellungnahme zuversichtlich, dass die Gespräche bis Juli zu einer Einigung führen könnten. Trump sieht hohe Zölle als Druckmittelum Unternehmen zur Produktion in den USA zu bewegen. Der US-Präsident äußerte bereits mehrfach, er wolle keine Billigprodukte wie Turnschuhe oder T-Shirts herstellen lassen, sondern die USA zu einem Standort für wichtige Industrien wie Chips, Computer und künstliche Intelligenz machen.

Ein 50-prozentiger Zoll auf EU-Waren würde jedoch auch negative Folgen für die US-Wirtschaft haben. Laut Berechnungen von Bloomberg Economics könnte das Bruttoinlandsprodukt um 0.6 Prozent sinken und die Verbraucherpreise um 0.3 Prozent steigen. Damit würde das Risiko einer Stagflation und anschließenden Rezession in den USA deutlich steigen.

Trumps Problem mit der EU

Schon länger vertritt Trump die Ansicht, dass die Vereinigten Staaten im Handel mit der EU systematisch und vorsätzlich benachteiligt werden. Kurz nach Amtsantritt sagte Trump öffentlich, dass die EU vor allem da sei, um die USA auszubeuten. In der Vergangenheit hatte er auch mit Zöllen auf europäische Autos gedroht, um die EU unter Druck zu setzen.



Der Smallcap-Index Russell 2000 stolperte am Freitag auf den ehemaligen Widerstand bei 1990 Punkten, kletterte dann aber schnell wieder zurück über 2000 Punkte.


Trump ärgert sich besonders darüber, dass europäische Länder wie Frankreich und Deutschland immer wieder große US-Konzerne wie Apple oder Google vor Gericht bringen oder strenge Regeln auferlegen, etwa beim Datenschutz. Dabei geht es oft um Themen wie Datenschutz oder das Wettbewerbsrecht. Das heißt, amerikanische Unternehmen müssen in Europa mehr Vorschriften und Klagen fürchten als europäische Firmen in den USA.

Vor allem die Facebook-Mutter Meta zofft sich immer wieder mit den Institutionen der Europäischen Union und antwortet auf milliardenschwere Strafen vor einigen Monaten selbst mit einer Millionen-Klage. Trump empfindet die Regulation US-amerikanischer Tech-Giganten nach EU-Recht als unfair und sieht darin einen Grund, warum die Handelsbeziehungen aus seiner Sicht nicht ausgewogen sind. Gleichzeitig verlangt Trump von den europäischen Staaten, dass sie mehr in die Verteidigung investieren.

Wie geht es weiter im Handelsstreit?

Die EU hat bereits ein neues Handelsangebot vorgelegt, das neben Zöllen auch nicht tarifäre Handelshemmnisse wie unterschiedliche Vorschriften und Standards thematisiert. Die USA wollen jedoch mit einzelnen Ländern und der EU als Ganzes gleichzeitig verhandeln. Diese Doppelstrategie sorgt für zusätzliche Hürden. Ob es bis zum 9. Juli tatsächlich zu einem Kompromiss kommt, bleibt offen. Beobachter rechnen mit intensiven Verhandlungen in den nächsten Wochen.

Für Turbulenzen sorgte Trumps Hin und Her bei den EU-Zöllen am Wochenende nicht nur auf dem internationalen diplomatischen Parkett, sondern auch an den globalen Finanzmärkten. Noch am Freitag, kurz nachdem Trump die 50-prozentigen Zölle für Anfang Juni angekündigt hatte, knickte der Technologie-Index Nasdaq-100 rund 500 Punkte ein. Der US-Leitindex S&P500 purzelte von seinem Eröffnungskurs bei rund 5869 Punkten zwischenzeitlich auf 5756 Punkte, fing sich aber rasch wieder.

Deutlicher in Mitleidenschaft wurden vor allem kleine Aktien gezogen: Der Smallcap-Index Russell 2000, in dem sich jene Firmen wiederfinden, die nach Marktkapitalisierung auf die 1000 größten Aktienunternehmen in den USA folgen. Diese kleineren Titel sind sehr anfällig für stärkere Kursschwankungen und reagieren deutlich heftiger auf makroökonomische Verschiebungen als große Aktien, weil sie als mittelständische Unternehmen sehr viel stärker von den kurzfristigen wirtschaftlichen Gegebenheiten abhängig sind.

Regelmäßige Analysen zu S&P500, Nasdaq-100 und Russell 2000 erhalten Sie in unseren zugehörigen Analysepaketen. Teil der Analysen sind konkrete Zielzonen für lukrative Ein- und Ausstiege bei den jeweiligen Aktien, Kryptowährungen oder Indizes.

Author

Carlo Schmid

Schlagzeilen

Es wurde noch keine Einwilligung erteilt.

Du musst zuerst zustimmen, um Inhalte von TradingView zu sehen.