Sonne ohne Sperrstunde: 3 Unternehmen, die vom Solar-Boom aus dem All profitieren können
#Trendmärkte

Sonne ohne Sperrstunde: 3 Unternehmen, die vom Solar-Boom aus dem All profitieren können

Author

Muriel Ayari

Das Wichtigste in Kürze:

  • Ein gigantisches Projekt könnte Stromausfälle für immer beenden.
  • Neue Aussagen zu Solar-Infrastruktur im All rücken Tech- und Rüstungskonzerne in den Fokus.
  • Extrem hohe Logistikkosten bremsen den kommerziellen Einsatz bisher aus.

Elon Musk bringt einen möglichen neuen Milliardenmarkt für Anleger ins Spiel. Der Tesla- und SpaceX-Chef hat die Debatte um Solaranlagen im Weltall neu angeheizt und sieht darin enormes Potenzial, unter anderem für die Versorgung energiehungriger KI-Rechenzentren. Noch steckt die Technologie in den Kinderschuhen. Doch sollten die Kosten für Raketenstarts weiter fallen, könnte daraus ein völlig neuer Infrastrukturmarkt entstehen.

Anleger müssen dabei nicht darauf warten, bis das erste kommerzielle Solarkraftwerk im Orbit Strom zur Erde schickt. Northrop Grumman, Lockheed Martin und Redwire verdienen bereits heute an Technologien, die für eine solche Infrastruktur entscheidend werden könnten. Wir zeigen, warum diese drei Aktien zu den frühen Profiteuren eines möglichen Solar-Booms im Weltall gehören und welche gewaltigen Hürden dem Durchbruch noch im Weg stehen.

Drei Unternehmen an der Spitze des neuen Megatrends

Für Weitblick-Investoren stellt sich die Frage, wo die handfesten Profiteure dieses gigantischen Infrastrukturmarktes sitzen. Da reine Weltraum-Solar-Start-ups bisher nicht an der Börse gehandelt werden, richtet sich der Blick der Analysten auf etablierte High-Tech-Konzerne. Der US-Verteidigungsgigant Northrop Grumman entwickelt bereits im Auftrag des Militärs Prototypen für weltraumbasierte Solarpanel-Arrays und drahtlose Energieübertragung.




Gleichzeitig baut der Luft- und Raumfahrtkonzern Lockheed Martin seine Kapazitäten bei autarken Satelliten-Plattformen und hochpräziser Sensortechnik gezielt aus. Als dritter wichtiger Pfeiler erweisen sich spezialisierte Infrastruktur-Ausrüster wie Redwire Corporation, die auf autonome Robotik und faltbare Solar-Segel im Weltall spezialisiert sind. Diese Unternehmen verdienen bereits an Forschungsaufträgen und Prototypen, lange bevor die erste Kilowattstunde kommerzieller Weltraumstrom ins Stromnetz fließt.

Die Start-ups, die die Technik revolutionieren

Während die Börsenriesen an den Fundamenten bauen, hebeln junge Technologie-Pioniere die alten Ingenieurskonzepte aus. Statt wie früher ausschließlich auf hunderte Meter große Kolosse in 36 000 Kilometern Höhe zu setzen, verfolgen Start-ups heute hochflexible Ansätze. Das britische Unternehmen Space Solar demonstrierte mit dem Projekt Cassiopeia ein System, das Stromstrahlen im Orbit elektronisch um 360 Grad schwenken kann und das völlig ohne mechanische Bewegungsteile.

Andere Akteure wie das kalifornische Start-up Aetherflux brechen vollends mit der alten Theorie gigantischer Kraftwerke. Sie setzen auf Konstellationen kleinerer Satelliten in niedrigen Erdumlaufbahnen, die Energie per hochpräzisem Infrarotlaser zur Erde senden. Bei dieser Methode benötigt die Empfangsstation am Boden nur die Fläche weniger Autostellplätze, was den mobilen Einsatz bei Rettungseinsätzen oder in entlegenen Industrieanlagen drastisch vereinfacht.

 

Technologischer Wandel im Orbit

Die technische Machbarkeit wird mittlerweile in konkreten Experimenten erprobt. Nach Pionierarbeiten wie dem Caltech-Demonstrator im Jahr 2023, bei dem erstmals die drahtlose Energieübertragung im All getestet wurde, arbeiten Forschungseinrichtungen weltweit an skalierten Prototypen. Dabei kristallisieren sich im Wesentlichen zwei Bauweisen heraus: flächendeckende Modulnetze oder Schwärme beweglicher Spiegel, sogenannte Heliostaten, die das Sonnenlicht auf einen zentralen Empfänger bündeln.

Um jedoch eine relevante Leistung von einem Gigawatt zu erzielen – genug, um rund eine Million deutsche Haushalte kontinuierlich mit Strom zu versorgen –, wären Kollektorflächen von mehreren Quadratkilometern erforderlich. Derartige Dimensionen übertreffen alles, was bislang im Weltraum errichtet wurde. Der Aufbau erfordert vollautomatische Montageprozesse durch Weltraumroboter sowie ultraleichte, extrem widerstandsfähige Verbundwerkstoffe.

Astronomische Kosten als Bremsklotz

Die größten Hürden für eine kommerzielle Nutzung sind derzeit finanzieller Natur. Detaillierte Berechnungen der NASA beziffern die Gesamtkosten für den Aufbau und Betrieb eines zwei Gigawatt starken Weltraumkraftwerks je nach Systemdesign auf 276 bis 434 Milliarden US-Dollar. Die daraus resultierenden Stromgestehungskosten würden ein Vielfaches der terrestrischen Alternativen betragen, was einen wirtschaftlichen Wettbewerb auf dem regulären Strommarkt vorerst ausschließt.


Die NASA sieht vor allem die enormen Start- und Herstellungskosten als größte Hürde für Weltraum-Solarenergie


Der dominierende Kostenfaktor bleibt der Transport der enormen Massen in den Weltraum. Mehr als 70 Prozent der Gesamtausgaben entfallen nach aktuellen Modellen auf den Raketenstart und die dazugehörige Logistik. Obwohl die Treibhausgasbilanz über den gesamten Lebenszyklus hinweg mit der von bodengebundener Wind- und Solarenergie vergleichbar ist, stehen die immensen Anfangsinvestitionen einer schnellen Skalierung im Weg.

 

Strategische Nischen und geopolitische Relevanz

Trotz der ökonomischen Herausforderungen investieren Institutionen wie die europäische Raumfahrtagentur ESA, japanische Forschungsinstitute und US-Militärdienstleister weiter in die Technologie. Hintergrund ist der strategische Nutzen in Spezialanwendungen. Eine drahtlose Energieversorgung aus dem All könnte entlegene Stützpunkte, Katastrophengebiete oder Inselstaaten unabhängig von fossilen Brennstoffen oder langen Versorgungsrouten machen.


Weltraum-Solarkraftwerke könnten langfristig auch die Nachfrage nach wichtigen Industrie- und Solarmetallen antreiben.


Anleger aufgepasst! Hier öffnet sich ein doppelter Hebel. Der Bau gigantischer Solarflächen und Mikrowellen-Empfänger im All erfordert enorme Mengen an Hochleistungs-Rohstoffen wie Silber für hocheffiziente Photovoltaikzellen, Kupfer für die Bodensender sowie Seltene Erden. Neben den direkten Raumfahrt-Playern rücken damit auch klassische Rohstoff-ETFs und Industriemetall-Produzenten in den Fokus, die vom künftigen Materialhunger dieser Orbital-Infrastruktur profitieren dürften.

In diesen Nischenmärkten konkurriert der Weltraumstrom nicht mit billiger Solarenergie vom Hausdach, sondern mit extrem teuren und unzuverlässigen Dieselgeneratoren vor Ort. Zudem treiben private Start-ups die Entwicklung voran, indem sie auf kleinere Satellitenkonstellationen in niedrigen Erdumlaufbahnen setzen, die Energie zielgerichtet per Laser übertragen.

 

Der lange Weg zur Marktreife

Ein zügiger Durchbruch zur flächendeckenden Stromversorgung von Metropolen ist in naher Zukunft nicht zu erwarten. Der Wandel der Raumfahrtindustrie hin zu wiederverwendbaren Schwerlastraketen könnte die Transportkosten pro Kilogramm in den kommenden Jahrzehnten jedoch drastisch senken und die Karten neu mischen.

Ob sich die weltraumbasierte Solarenergie letztlich als Tragpfeiler der globalen Energieinfrastruktur etabliert, hängt vom Zusammenspiel autonomer Montage-Technologien, effizienter Auskopplungssysteme und sinkender Startpreise ab. Der Weg dorthin führt über eine langwierige Entwicklung, an deren Ende eine Energiequelle stehen könnte, die niemals untergeht.

Leseempfehlung: Warren Buffett kauft erstmals seit 2022 groß ein: In diese Aktien fließen die Berkshire-Milliarden!

Author

Muriel Ayari

Schlagzeilen

Es wurde noch keine Einwilligung erteilt.

Du musst zuerst zustimmen, um Inhalte von TradingView zu sehen.