Schwache Jahresbilanz: E-Auto-Boom in China stiehlt Deutschland die Show
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Schwache Jahresbilanz: E-Auto-Boom in China stiehlt Deutschland die Show

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Simeon Koch

Im vergangenen Jahr sind die Neuzulassungen bei E-Autos in Deutschland um mehr als ein Viertel zurückgegangen. Gut 380 000 Elektro-Pkw wurden in den zurückliegenden zwölf Monaten registriert, mit nun insgesamt 1.4 Millionen rein elektrischen Autos liegt Deutschland weit unter dem 15-Millionen-Ziel der Bundesregierung, das bis 2030 erreicht werden soll. Während der E-Auto-Markt auch global an Wachstumsdynamik einbüßt, boomt der Sektor in China unverändert. Ausgerechnet dort ziehen deutsche Autobauer gegenüber BYD, Nio oder Geely zusehends den Kürzeren. Die Strafzölle der EU scheinen dabei allerdings keine große Hilfe zu sein: Letzte Woche legte BMW gerichtliche Beschwerde gegen die hohen EU-Abgaben ein.

Werden E-Autos in Deutschland zum Ladenhüter?

Rund ein Viertel weniger Neuzulassungen, gut 27 Prozent Minus bei den Verkäufen: In Deutschland sinkt die Nachfrage nach vollelektrischen Fahrzeugen laut Kraftfahrt-Bundesamt merklich. Mit den gut 380 000 verkauften und neu zugelassenen E-Autos liegt Deutschland global gesehen zwar immer noch auf Rang vier, verliert die Spitze aber immer mehr aus den Augen. Während in den Vereinigten Staaten 2024 rund 1.2 Millionen Elektro-Autos verkauft wurden (+7.4 Prozent), gingen in China ganze 6.7 Millionen Stromer über die Theke. Im Reich der Mitte wächst der E-Auto-Markt weiterhin kräftig, allein das vergangene Jahr brachte ein dickes Plus von mehr als 20 Prozent. Allerdings ist China gerade einer der wenigen Lichtblicke im Weltmarkt für emissionsfreien Privatverkehr.

Laut der Nachrichtenagentur Reuters stiegen die E-Auto-Käufe (grün) in China deutlich im Jahresfergleich, klassische Antriebe (grau) aber holten wieder etwas auf.

Laut Daten der Unternehmensberatung PwC wurden auf den relevanten Absatzmärkten im vergangenen Jahr weltweit rund 10.4 Millionen rein batteriebetriebene Fahrzeuge abgesetzt. Analysiert wurden dafür 21 Länder, im Fokus standen Europa, die USA und China. Mit einem Verkaufszuwachs von 14.3 Prozent wachsen die globalen Verkaufszahlen zwar weiterhin, im Vergleich zu den Vorjahren scheint sich nun aber eine Sättigung einzustellen. Noch 2023 hatte die PwC ein Marktwachstum von 28 Prozent in der internationalen E-Auto-Branche verzeichnet, zählte damals aus China exportierte Fahrzeuge allerdings doppelt.

Mit zwei Dritteln Marktanteil blieb China auch im vergangenen Jahr unangefochtene Nummer eins, während die Europäische Union deutlich zurückfiel. Auch in Frankreich, Österreich oder Schweden war die E-Auto-Nachfrage rückläufig, der Dämpfer fiel aber jeweils kleiner aus als in Deutschland. Dafür gibt es laut PwC einen bilanziellen Grund: Wegen Verschärfungen der CO2-Regelungen müssen deutsche Hersteller 2025 deutlich mehr E-Autos an den Mann bringen und verbuchen einen Gutteil der letztjährigen Verkäufe erst in diesem Jahr. Entsprechend dürften die deutschen E-Zulassungen im Frühling deutlich anziehen.

Volkswagen leidet unter chinesischer Konkurrenz

Trotzdem bremse Deutschland aktuell „die Dynamik des gesamten EU-Marktes aus“, wie PwC in seinem Bericht vermerkte. Während reine E-Antriebe in der Gunst deutscher Autofahrer zu sinken scheinen, blieben die gesamten Zulassungen laut ADAC in den zurückliegenden zwölf Monaten konstant. Dazu beigetragen haben auch Hybridmodelle, deren Absatz laut PwC deutlich stärker gewachsen ist als bei rein elektrischen Fahrzeugen. Die Verkäufe von Plug-in-Hybriden stiegen international um kräftige 56 Prozent, Mischmodelle ohne Stecker legten immerhin um 18 Prozent zu.


Während deutsche Autobauer schwächeln, floriert der Markt in China: Mit 2.66 Millionen verkauften Pkw wurde ein neuer Rekord verzeichnet, die Hälfte fährt elektrisch.
Der deutsche Branchenprimus Volkswagen konnte von dieser positiven Entwicklung kaum profitieren. Weltweit gingen die Auslieferungen von VW-Modellen aller Antriebsarten im Jahresvergleich um 2.3 Prozent zurück. Mit 9.027 Millionen abgesetzten Fahrzeugen erreichte VW zwar knapp das von der Geschäftsführung ausgelobte Ziel von neun Millionen Verkäufen, bleibt aber vor allem in China hinter den Erwartungen zurück. Während der Absatz in Nordamerika um kräftige sechs Prozent und in Südamerika um deutliche 15 Prozent wuchs, fielen die chinesischen Verkäufe um zehn Prozent im Vergleich zu 2023. Im Elektro-Sektor lieferte Volkswagen weltweit 745 000 Fahrzeuge aus, ein Rückgang um 3.4 Prozent.

Vor allem in China schwächelt der VW-Absatz wegen der harten Konkurrenz fernöstlicher Auto-Giganten. Der chinesische Marktführer BYD verkaufte im gesamten Jahr 2024 mehr als vier Millionen Fahrzeuge und wies damit sogar den großen globalen Konkurrenten Tesla in die Schranken, dessen Model Y in Deutschland laut Daten des ADAC immer noch das beliebteste E-Auto ist. Abhilfe will die EU deshalb mit Strafzöllen gegen chinesische E-Autos schaffen, um sich gegen Dumping-Preise aus China und staatlich alimentierte Konkurrenz aus Fernost zu wehren. Seit Oktober werden chinesische Fabrikate bei Einfuhr nach Europa mit Zusatz-Abgaben belastet, die fallweise zwischen 17 und gut 35 Prozent changieren. Geholfen ist deutschen Produzenten damit nur bedingt, wie der Fall BMW zeigt.

BMW schwächelt ausgerechnet bei Verbrennern

Bei den Bayerischen Motorwerken zeigt sich aktuell das gegensätzliche Bild zum Wolfsburger Lokalkonkurrenten Volkswagen. Im vergangenen Jahr brachte BMW ziemlich genau 2.2 Millionen Fahrzeuge an den Mann – im Jahresvergleich ein Minus von 2.3 Prozent. Die Konzern-Tochter Mini rutschte sogar mit mehr als 17 Prozent in die roten Zahlen und verkaufte gerade einmal 245 000 Autos. Ganz anders gestaltet sich die Bilanz bei den Stromern. Fast zwölf Prozent mehr vollelektrische Modelle setzte BMW in den letzten zwölf Monaten ab, in absoluten Zahlen waren es annähernd 370 000. Bei Mini belief sich das Plus sogar auf 24.3 Prozent, insgesamt verkaufte die englische Filial-Marke mehr als 56 000 E-Fahrzeuge.

BMW hat gemeinsam mit Tesla und Mercedes Beschwerde bei der EU eingelegt. BMW-CEO Oliver Zipse sagte, Strafzölle gegen China seien "der falsche Weg".

An der Gesamtbilanz des BMW-Konzerns, zu dem neben Mini auch Rolls-Royce und die Motorrad-Sparte gehört, machten vollelektrische Modelle im zurückliegenden Jahr gut 17 Prozent aus, gemeinsam mit den Hybriden kamen die nachhaltigen Antriebe auf mehr als 24 Prozent. BMWs Nähe zur Boom-Region China ist da keine Überraschung, dort allerdings verzeichnete die Traditionsmarke ein Verkaufsminus von ganzen 13.4 Prozent. Nach Einschätzung des Unternehmens sind die EU-Importbeschränkungen zumindest mitverantwortlich für die Schwierigkeiten im Handel mit Fernost. Ende Januar reichte BMW deshalb eine Beschwerde gegen die Europäische Kommission ein.

Konkret moniert BMW die 20.7 Prozent Zoll, die man auf eigene E-Autos zahlt, die in China gefertigt und anschließend nach Europa verschifft werden. Auch der US-Marktführer Tesla, der ein großes Werk in Shanghai betreibt, war bereits gegen die europäischen Vorschriften zu Felde gezogen. Tesla handelte mit der EU einen Zollsatz von unter acht Prozent aus, für BMW steht eine solche Einigung dem Vernehmen nach noch aus. Unterlagen des Europäischen Gerichtshofs belegen die formale Beschwerde von BMW, gegenüber der deutschen Wochenzeitung Die Zeit bekräftige ein Sprecher der Kommission, dass man die Strafzölle, sofern notwendig, vor Gericht verteidigen werde.

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Simeon Koch

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