Das Wichtigste in Kürze:
- Coinbase zeigte beim 60. Super Bowl erstmals seit 2022 einen Werbespot.
- Kritiker bemängelten das Karaoke-Video, Coinbase verteidigte sich resolut.
- Politische Botschaften von Künstlern und Epstein-Opfern polarisierten.
Coinbase-Spot polarisiert bei kontroverser Sport-Show
„Der schwächste, billigste Werbespot aller Zeiten beim Super Bowl“; „Millionen Dollar angezündet“; „Schaden für die Marke, getarnt als Marketing“ – die Reaktionen auf die Super Bowl-Rückkehr von Coinbase auf X (vormals Twitter) waren vernichtend. Ein User ätzte sogar: „Der Bitcoin-Bärenmarkt ist so dramatisch, dass Coinbase nur 20 Dollar für die Werbung übrig hatte.“ Dabei war der Coinbase-Spot bei Weitem nicht der größte Skandal an diesem Abend, der geprägt war von politischem Kulturkampf, Mega-Kampagnen für Pharma-Riesen und offenen Anklagen an die US-Regierung durch Opfer der Epstein-Missbrauchsfälle. Es war einer der denkwürdigsten Super Bowls der letzten Jahre.
Bad Bunny, MAGA, Epstein-Opfer: Mehr Politik als Sport
Schon in früheren Jahren fiel das größte Ereignis des US-Sports mit kontroversen Kampagnen und lautstarken Botschaften auf. Der diesjährige 60. Super Bowl geriet endgültig zur politischen Bühne. Die Halftime-Show mit dem aktuell größten US-Musikstar und Rapper Bad Bunny, dem ersten spanischsprachigen Solokünstler als Headliner, wirkte wie ein Brennglas für den amerikanischen Kulturkampf. Konservative Stimmen wetterten gegen einen angeblich „woken“ Super Bowl, während die NFL betonte, es handle sich um eine reine Entertainment- und Wachstumsentscheidung. Sport und Politik ließen sich kaum trennen.
Bad Bunny nutzte seine Präsenz nicht für offene Parolen, doch seine Symbolik war eindeutig. Dass er ausschließlich auf Spanisch sang, wurde ebenso diskutiert wie seine vorangegangene Kritik an der US-Einwanderungspolitik und den Einsätzen der Behörde ICE bei den Grammys. In einem politisch aufgeheizten Klima genügte diese Haltung, um seinen Auftritt als stillen Affront gegen die Trump-Regierung zu lesen. Die Sorge, Sicherheitsbehörden könnten den Super Bowl für Razzien nutzen, verstärkte die Nervosität – und machte den Abend zu mehr als bloßer Unterhaltung.
Zusätzliche Schärfe brachte die weltberühmte Rockband Green Day, die den musikalischen Rahmen des Abends eröffnete. Die Band gilt seit Jahren als erklärter Gegner von Donald Trumps MAGA-Bewegung und attackierte den US-Präsidenten auch an diesem Abend offen. Allein ihre Teilnahme reichte aus, um Empörung im konservativen Lager auszulösen. Trump sprach von einer „furchtbaren Entscheidung“, während Fans die Präsenz der Punkband als bewussten Gegenakzent verstanden. Letztlich verzichtete Green Day auf explizite politische Botschaften. Erwartet wurde etwa ein MAGA-Seitenhieb im ikonischen Lied American Idiot, der aber ausblieb.
Politisch aufgeladen war auch ein Werbeclip, der abseits der üblichen Konsumästhetik herausstach. Überlebende des sexuellen Missbrauchs durch Jeffrey Epstein nutzten die Aufmerksamkeit rund um den Super Bowl, um Transparenz einzufordern und die Trump-Regierung frontal zu kritisieren. In einem emotionalen Video forderten sie Justizministerin Pam Bondi auf, zurückgehaltene Akten offenzulegen. Geschwärzte Worte wie Transparenz und Bilder der Frauen als Teenager machten den Spot zum Symbol der innenpolitischen Eskalation seit Veröffentlichung der jüngsten Epstein-Akten vor einigen Tagen
„Oh mein Gott, wir sind zurück“: Coinbase bringt Backstreet Boys
Aus Krypto-Sicht fand der größte Aufreger außerhalb des Stadions statt: Vier Jahre nach dem berüchtigten Auftritt von 2022 meldete sich Coinbase mit einem Super-Bowl-Spot zurück und nutzte dafür die Vegas Sphere, die größte Kuppel-Konstruktion der Welt mit einem 360-Grad-Bildschirm in der berühmten Casino-Stadt. Statt Stars oder Handlung zeigte Coinbase 60 Sekunden lang lediglich die Songtexte von Everybody (Backstreet’s Back) in grobkörniger Karaoke-Optik, wie man sie aus nächtlichen Bars kennt. „Oh mein Gott, wir sind wieder da“, lautet die erste Zeile – zugleich Selbstkommentar. Marketingchefin Catherine Ferdon sprach danach von einem „gemeinsamen Erlebnis“, das zeigen solle, „wie sehr die Krypto-Community gewachsen ist“.
Wie schon 2022 setzte Coinbase damit erneut ein unkonventionelles Zeichen. 2022 bestand der gesamte Coinbase-Spot aus einem farbwechselnden QR-Code, der wie ein Bildschirmschoner über den Bildschirm hüpfte, begleitet von minimalistischer Musik. Wer den Code scannte, landete auf einer Coinbase-Seite mit dem Versprechen von 15 Dollar in Bitcoin für Neuanmeldungen. Die Wirkung war enorm: Rund 20 Millionen Zugriffe pro Minute ließen die Website und zeitweise auch die App abstürzen. Der Spot polarisierte, wurde verspottet – und dominierte dennoch die öffentliche Debatte.
Auch der neue Werbefilm spaltete das Publikum, diesmal jedoch stärker ins Negative. In Wohnzimmern und sozialen Netzwerken war von Buhrufen die Rede, manche reagierten genervt oder wütend. Branchenbeobachter Mark Stenberg urteilt hart: „Was sagt dieser Spot? Absolut nichts.“ Weder erkläre er die Marke noch das Produkt. Gerade in einer Phase fallender Kurse – Bitcoin rutschte zuletzt unter 60 000 Dollar – wirke das Schweigen irritierend, ja „unerklärlich“. Auffällig: Als Coinbase das letzte Mal beim Super Bowl warb, begann gerade der letzte große Bärenmarkt. Auch diesmal fällt der Super-Bowl-Auftritt mit einer scharfen Bitcoin-Korrektur zusammen.
Seahawks gewinnen, Sport gerät zur Nebensache
Während Werbung, Musik und Politik um Aufmerksamkeit rangen, entschieden auf dem Feld schließlich die Seattle Seahawks das Spiel gegen die New England Patriots klar für sich. Doch trotz des sportlich eindeutigen Ausgangs blieb der Eindruck, dass der eigentliche Wettbewerb an anderer Stelle stattfand. Der Super Bowl 2026 zeigte, wie sehr selbst das größte Sport-Event der US-Popkultur von politischen Deutungen überlagert ist – und wie Werbung, Musik und Aktivismus längst Teil desselben öffentlichen Diskurses geworden sind.
Für Coinbase war der Abend trotz aller Kritik ein Erfolg. „Wenn ihr darüber redet, hat es funktioniert“, schrieb das Unternehmen selbstbewusst. CEO Brian Armstrong verteidigte den Ansatz mit den Worten: „Die meisten Menschen schauen Werbung nur halb – beschwipst, in lauten Räumen. Es braucht etwas Einzigartiges, um durchzubrechen.“ Für Ferdon ist der Karaoke-Spot ein bewusstes Wagnis: „Wir haben keinen Werbeplatz gekauft, sondern Stimmung.“ Coinbase habe „100 Millionen Bildschirme in Karaoke verwandelt“ und damit „die ganzen USA (und viele andere auf der ganzen Welt gemeinsam singen lassen“, schloss CEO Armstrong.
Leseempfehlung: MicroStrategy-Panik nach Bitcoin-Crash: Unser Kaufsignal!


Die Stimmung nach dem Coinbase-Werbespot war ungefähr so schlecht wie gerade bei Bitcoin: Der Kryptomarkt ist so ängstlich wie im Bärenmarkt 2022.
Schlechtes Timing? Zum letzten Mal warb Coinbase im Januar 2022 beim Super Bowl. Damals begann der Bärenmarkt. Ist das ein schlechtes Omen?

