Russland, Iran und Chinas Schwäche: Was die Revolution in Syrien für den Energiemarkt bedeutet
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Russland, Iran und Chinas Schwäche: Was die Revolution in Syrien für den Energiemarkt bedeutet

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Simeon Koch

Einst produzierte Syrien 600 000 Barrel Öl pro Tag. Dann kam der Bürgerkrieg, der seit 2011 mehr als eine halbe Million Menschenleben forderte und die Ölquellen wurden zum Zankapfel verfeindeter Rebellengruppen in einem internationalen Stellvertreter-Krieg. Syrisches Öl fließt fast nur noch auf dem Schwarzmarkt, mit zwischenzeitlich nur 40 000 Barrel täglicher Förderung ist das zerrissene Land zu einem kleinen Licht auf dem globalen Ölmarkt zusammengeschrumpft – liegt aber in der wichtigsten Öl-Region der Welt.

Destabilisiert der Konflikt anliegende Energie-Riesen wie etwa den Irak, könnte es im Öl- und Gasmarkt ungemütlich werden. Ebenso, wenn die syrischen Verbündeten Russland und Iran reagieren und etwa wichtige Lieferketten einschränken. Und dann sind da noch unklare Energie-Pläne in China, den Vereinigten Staaten und der OPEC. Wie geht es nach dem syrischen Umsturz weiter?

Was ist gerade in Syrien los?

Ein halbes Jahrhundert lang regierte die Assad-Familie in Syrien. Unter Baschar al-Assad, dem jüngsten Spross der Dynastie, brach 2011 ein Bürgerkrieg aus, zur selben Zeit eskalierten auch in Libyen Straßenkämpfe zwischen protestierenden Bürgern und dem staatlichen Militär. Während der libysche Machthaber Gaddafi bereits nach wenigen Monaten abgesetzt und getötet wurde, hielt sich Baschar al-Assad im Amt – bis zum vergangenen Wochenende.

In einem überraschenden Vorstoß drängten mehrere Rebellengruppen das syrische Militär zurück, eroberten die Hauptstadt Damaskus und zwangen Assad zur Flucht. Vom gestürzten Präsidenten fehlte zunächst jede Spur, dann gab Russland bekannt, Assad Asyl gewährt zu haben. Und da beginnt auch schon das Energie-Problem.

Die führende syrische Rebellenmiliz hat nach dem Sturz Assads angekündigt, eine Übergangsregierung bilden zu wollen. Ob Syrien politsch wieder stabiler wird, ist wichtig für den Energiemarkt.

Der syrische Bürgerkrieg ist nämlich schon lange kein isolierter Konflikt mehr. Über die letzten Jahre schalteten sich immer mehr internationale Akteure in die Kämpfe ein, wodurch sich das Land zum Schauplatz eines globalen Stellvertreterkriegs entwickelte. Zunächst kämpfte das syrische Militär gegen Assad-feindliche Milizen der sogenannten Freien Syrischen Armee (FSA), die sich über die Jahre in hunderte kleine Gruppen unterschiedlicher Größe und politischer Orientierung aufspaltete.

Hinzu kamen schnell islamistische Terrororganisationen wie der Islamische Staat (IS) oder verschiedene Ableger der Al-Qaida. Auch die libanesische Miliz Hisbollah, die ihrerseits durch den Konflikt mit Israel für Unruhe auf dem globalen Öl- und Gasmarkt sorgte, mischte mit.

Warum ist Syrien ein Problem für den Energiesektor?

Es blieb aber nicht beim Kampf dieser regionalen Parteien. Gleich mehrere Staaten schalteten sich ein und finanzierten unterschiedliche Konfliktparteien. So bildeten sich bald Fronten, die auf der einen Seite von den USA und der Türkei, auf der anderen Seite von Russland und Iran unterstützt wurden. In der Region standen sich also West und Ost in einem indirekten militärischen Kräftemessen gegenüber. Syrische Ölfelder – einst von westlichen Förderern wie Shell oder Petro-Canada betrieben – wechselten mehrfach den Besitzer, fielen an Rebellen oder an russische Söldner.

Der mittlerweile gestürzte syrische Ex-Präsident Assad (links) pflegte enge Beziehungen zu Russland und Iran. Hier im Bild mit dem iranischen geistlichen Oberhaupt Ayatollah Ali Khamenei.

Syrisches Öl wurde vom Westen sanktioniert, die Produktion brach ein und floss nur noch in Richtung Russland, Iran oder auf den Schwarzmarkt. Aktuell liegt die Produktion laut Schätzungen wieder bei rund 90 000 Barrel pro Tag, zwischenzeitlich war sie auf nur 40 000 abgesunken. 90 Prozent der Ölproduktion wird von den Syrian Democratic Forces (SDF) kontrolliert, einer Allianz aus kurdischen und arabischen Milizen. Problematisch für den internationalen Ölmarkt könnten die Reaktionen von Russland oder Iran auf den syrischen Umsturz sein. Russland verhängte bereits empfindliche Energie-Embargos gegen den Westen, der Iran könnte wichtige Schifffahrtsrouten, etwa im Roten Meer, dichtmachen.

Sollten die politischen Unruhen in Syrien auf das Nachbarland Irak übergreifen, drohen weitere Turbulenzen im Rohöl-Markt: Aus dem Irak kommen jährlich Ölexporte im Wert von mehr als 100 Milliarden US-Dollar, einer der größten Abnehmer waren mit zuletzt knapp acht Milliarden Dollar die Vereinigten Staaten. Deutlich mehr irakisches Öl kauft China mit einem Handelsvolumen von fast 35 Milliarden Dollar im Jahr 2022.

Zwar ist Chinas Ölbedarf zuletzt stark rückläufig, ein Ausfall irakischer Lieferungen könnte dennoch zu massiven Engpässen führen. In der Zwischenzeit bleibt China seinerseits ein belastender Unsicherheitsfaktor für den globalen Energiesektor.

Ölpreis-Probleme wegen China und den USA?

China, der weltweit größte Ölimporteur, hat seine Abhängigkeit von Ölimporten in den letzten Jahren stetig erhöht, vor allem aufgrund seines wachsenden Energiebedarfs, der mit der fortschreitenden Industrialisierung und Urbanisierung des Landes einhergeht. Im Jahr 2023 importierte China rund zehn Millionen Barrel Öl pro Tag, was mehr als zehn Prozent des weltweiten Ölverbrauchs ausmacht.

Chinas Rohöl-Exporte sind im Vergleich zum Vorjahr rückläufig und stagnieren seit 2020.

Wegen dieser Abhängigkeit von ausländischen Öllieferungen leidet China besonders unter Turbulenzen auf dem Ölmarkt, kann die Energiemärkte als einer der wichtigsten und größten Käufer der Welt aber auch vor sich hertreiben. In den letzten Wochen ist diese Wichtigkeit Chinas für den globalen Brennstoffmarkt einmal mehr zu spüren.

Denn Chinas Öl-Nachfrage hat sich im aktuellen Jahr deutlich verringert, was vor allem auf eine schwächere wirtschaftliche Erholung nach der Corona-Pandemie zurückzuführen ist. Die Industrieproduktion wächst langsamer, und die Infrastrukturinvestitionen, die traditionell einen hohen Ölverbrauch antreiben, sind gedämpft. Zudem haben hohe Energiepreise und eine insgesamt unsichere wirtschaftliche Lage die Konsumausgaben und den Ölverbrauch im Land belastet. Erwartete finanzielle Stimuli aus China könnten die industrielle Leistung und damit den Ölverbrauch wieder deutlich steigern – aktuell aber sorgt die China-Schwäche für Sorgen im Energiemarkt.

Die US-Ölexporte an China sind seit 2021 deutlich zurückgegangen, zeigten kürzlich aber wieder eine leichte Erholung. Chinas Nachfrage bleibt dennoch gering.

Kürzlich senkte Saudi-Arabien seine Preise für Ölexporte nach Asien auf den niedrigsten Stand seit vier Jahren, weil die asiatische Nachfrage schwächelt. Gleichzeitig hält die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) aus demselben Grund bis Ende 2025 und damit länger als erwartet an ihrer Förderkürzung fest. Ihre Prognose für die globale Rohöl-Nachfrage hat die Organisation erst kürzlich auf 1.6 Millionen Barrel pro Tag eingedampft, vorher war die OPEC von 1.8 Millionen Barrel pro Tag ausgegangen.

Mit ihrer verlängerten Produktionskürzung reagiert die OPEC auch auf die Pläne Donald Trumps, in den Vereinigten Staaten deutlich mehr Rohöl und Erdgas zu fördern als in den letzten Jahren. Etwaige Lieferengpässe durch Unruhen in Nahost, Lieferkettenprobleme durch Assads Verbündete oder auch russische Sanktionen könnten also durch eine gesteigerte Produktion in den USA und das geplante Ende der OPEC-Kürzungen aufgefangen werden. Welche Preise kurz- und langfristig für Rohöl und Erdgas zu erwarten sind, erfahren Sie in unseren entsprechenden Analysepaketen.

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Simeon Koch

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