Das Wichtigste in Kürze
- Hal Finney war früher Bitcoin-Entwickler und erhielt die erste BTC-Transaktion. War er Satoshi?
- Bitcoin liquidiert Milliarden, Wale kaufen, Kleinanleger nehmen Gewinne.
- Die Bitcoin-ETFs beendeten am Freitag nach neun Zuflusstagen ihre Serie (202 Millionen Dollar Abfluss).
Guten Morgen!
Ende August gedenkt der Kryptomarkt jedes Jahr einem seiner wichtigsten, aber viel zu früh verstorbenen Geburtshelfer. Vor ziemlich genau 12 Jahren, am 28. August 2014, starb Hal Finney an einer unheilbaren Nervenkrankheit. Während Bitcoin den Trauertag mit Abverkäufen beging und mehr als eine Milliarde Dollar an Long-Positionen liquidierte, kaufen große Wale unablässig ein. Und auch die Wall Street scheint wieder Interesse an Krypto zu gewinnen. Wäre Hal Finney damit glücklich? Und, vielleicht noch wichtiger: War er tatsächlich Satoshi Nakamoto?
Finney erhielt die erste BTC-Transaktion von Satoshi. War er es selbst?
Hal Finney war kein gewöhnlicher Bitcoin-Nutzer. Der US-Amerikaner gehörte bereits vor Bitcoin zur Cypherpunk-Bewegung, einer Gruppe von Programmierern und Kryptografen, die sich für digitale Privatsphäre und unabhängiges elektronisches Geld einsetzten. Er arbeitete an kryptografischen Verfahren, entwickelte unter anderem das System Reusable Proofs of Work und war einer der ersten Menschen überhaupt, die den Bitcoin-Code ausprobierten.
Hal Finneys Bedeutung für Bitcoin ist immens. Er spielte eine Schlüsselrolle in der BTC-Frühphase. Steckt er hinter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto?
Am 12. Januar 2009 erhielt Finney schließlich die erste Bitcoin-Transaktion überhaupt. Satoshi Nakamoto schickte ihm zehn BTC – zu einer Zeit, als die Kryptowährung praktisch wertlos war. Finney war damit nicht nur einer der ersten Nutzer, sondern auch einer der ersten Tester des Netzwerks. Er half Satoshi bei der Fehlersuche und dokumentierte seine Erfahrungen öffentlich. Bitcoin war damals noch ein Experiment unter wenigen Entwicklern.
Mehr zum Thema: "Wir haben Satoshi Nakamoto": Diese zwei Männer sollen Bitcoin entwickelt haben
Finneys Bedeutung für Bitcoin endet damit nicht. 2009 erfuhr er, dass er an der unheilbaren Nerven- und Muskelkrankheit ALS erkrankt war. Die Krankheit schritt schnell voran und lähmte seinen Körper zunehmend. Trotzdem programmierte Finney weiter. Am 28. August 2014 starb er im Alter von 58 Jahren. Seine sterblichen Überreste wurden anschließend auf seinen eigenen Wunsch hin kryokonserviert. Dieses Jahr beging Bitcoin den Trauertag auf seine Weise: Seit Freitag setzte der Kurs von über 80 000 auf aktuell rund 78 000 Dollar zurück, wobei rund eine Milliarde Dollar an Hebelpositionen liquidiert wurden (mehrheitlich Longs).
"Nein, ich bin nicht Satoshi!" War Finney Teil eines geheimen Teams?
Dass Finney bis heute als möglicher Satoshi gilt, ist deshalb nicht schwer zu verstehen. Er war technisch versiert, von Anfang an dabei, erhielt die erste Bitcoin-Transaktion und stand nachweislich direkt mit Satoshi in Kontakt. Hinzu kommen weitere Indizien: Vor Veröffentlichung des Bitcoin-Whitepapers soll Finney bei einem Projekt ungewöhnlich lange pausiert haben. Außerdem hätte ein Programmierer seines Kalibers problemlos auf C++ wechseln können, obwohl dies nicht seine bevorzugte Sprache war.
War Hal Finney gleichzeitig Satoshi Nakamoto? Einige Faktoren sprechen dafür, einige dagegen. Am Ende könnte es auch ein geheimes Team gewesen sein.
Doch die Gegenargumente sind mindestens genauso wichtig. Satoshi schrieb in britischem Englisch, Finney war US-Amerikaner. Es gibt zudem dokumentierte Aktivitäten von Satoshi zu Zeiten, in denen Finney nachweislich nicht am Computer war. Vor allem aber bestritt Finney bis zu seinem Tod, Satoshi zu sein. Auf seinem Sterbebett sagte er sinngemäß, er hätte keinen Grund, die Identität zu leugnen, wenn sie tatsächlich seine wäre. Seine Antwort blieb trotzdem eindeutig: „Nein, ich bin nicht Satoshi!“
Eine kürzlich erschienene Dokumentation stellt dennoch die These auf, Finney könnte gemeinsam mit seinem Freund Len Sassaman hinter dem Pseudonym gesteckt haben. Sassaman war ebenfalls Kryptograf, beherrschte akademisches Schreiben und liebte Pseudonyme. Er könnte das Whitepaper in britischem Englisch geschrieben haben. Doch auch dafür fehlt der entscheidende Beweis: eine kryptografisch überprüfbare Verbindung zwischen den beiden und Satoshis Identität.
Wale kaufen: Zerstören wir gerade Hal Finneys Bitcoin-Vermächtnis?
Bitcoin (oder besser gesagt seine Wahrnehmung in der Öffentlichkeit) hat sich seit Hal Finneys Tod radikal verändert: Aus einem Experiment der Cypherpunk-Szene wurde ein globaler Vermögenswert, in den Anleger über Spot-ETFs investieren können. Große Vermögensverwalter wie BlackRock oder Treasury-Firmen wie Strategy halten inzwischen große Teile der BTC-Umlaufmenge. Vor allem in den letzten Tagen akkumulierten Wale fleißig, während Kleinanleger verkauften.
Bitcoin gleicht gerade einem Thriller: Der Kurs kämpft um die 80 000-Dollar-Marke, während große Wale kaufen und Kleinanleger aussteigen. Gleichzeitig werden Hebel massenhaft liquidiert.
On-Chain-Daten zeigen die Kluft deutlich: Große Wallets mit mindestens 100 BTC sammelten in den letzten rund zwei Monaten ca. 43 000 BTC ein. Adressen mit mehr als 10 000 BTC kamen sogar auf 46 420 BTC. Gleichzeitig lag der Accumulation Trend Score für Wallets mit 0.1 bis 1 BTC bei -0.982, nah am negativen Maximalwert von -1, der für Massenverkäufe steht. Während kleinere Anleger die Rally von 62 000 auf über 81 500 Dollar für Gewinnmitnahmen nutzten, kauften die größten Akteure weiter.
Auch die institutionelle Nachfrage hatte zuletzt deutlich angezogen. Die US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten neun Handelstage in Folge Zuflüsse und sammelten dabei mehr als drei Milliarden Dollar ein. Am 28. August riss die Serie allerdings: Rund 202 Millionen Dollar flossen aus den Produkten ab. Das ist noch kein Beweis für einen Stimmungsumschwung, zeigt aber, wie eng Bitcoin inzwischen mit den Kapitalströmen der traditionellen Finanzwelt verbunden ist.
Ob Finney diese Entwicklung begrüßt hätte, lässt sich nicht beantworten. Seine Vision stand für elektronisches Geld ohne zentrale Kontrolle und für mehr finanzielle Selbstbestimmung. Dass heute die größten Finanzhäuser der Welt, Mega-Unternehmen und Staaten große Mengen an Bitcoin verwalten, wirkt paradox. Es zerstört Finneys Vermächtnis aber nicht zwangsläufig. Bitcoin funktioniert weiterhin ohne zentrale Instanz – und genau darin liegt sein vielleicht wichtigstes Erbe.
Am Markt bleibt die Stimmung angespannt. Bitcoin notiert nach den Turbulenzen des Wochenendes bei rund 78 000 Dollar, nachdem der Kurs am Sonntagabend noch 79 300 Dollar erreicht hatte. Ethereum hält sich mit rund 2440 Dollar etwas besser. S&P 500 und Nasdaq-100 schlossen am Freitag bei 7711 beziehungsweise 29 433 Punkten. Gold steht knapp unter 4500 Dollar, während der WTI-Ölpreis in Richtung 86 Dollar steigt – nach Donald Trumps Drohung, die iranische Insel Kharg zu bombardieren.
HKCM-Gewinner und -Verlierer
Wertsteigerung am vergangenen Handelstag in Prozent
| Amazon | +3.97 |
| Spotify | +3.84 |
| Nike | +3.02 |
| PayPal | -12.71 |
| Marvell Technology | -10.28 |
| MARA | -10.11 |
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