Morning-Briefing: Holt China gerade zum Todesstoß für die USA aus?
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Morning-Briefing: Holt China gerade zum Todesstoß für die USA aus?

Author

Simeon Koch

Guten Morgen,

es ist kein Geheimnis dass China in halsbrecherischem Tempo die wirtschaftliche Lücke zu den USA zu schließen versucht. Die Aufholjagd hat sich zuletzt verlangsamt, Peking hat selbst mit ökonomischen Wachstumsschmerzen zu kämpfen. Doch das größte Land der Erde hat ein toxisches Ass im Ärmel: China hält US-Staatsanleihen im Wert von gut 650 Milliarden US-Dollar und ist drittgrößter internationaler Gläubiger der Vereinigten Staaten.

Was im ersten Moment wie eine faire Geste der Unterstützung unter erbitterten Gegnern aussieht, könnte sich als ausgeklügelter Plan entpuppen, um die USA zu Fall zu bringen. Denn wenn die Vereinigten Staaten irgendwo akut verwundbar sind, dann im Anleihenmarkt. Die US-Staatsschulden wachsen schneller als das Bruttoinlandsprodukt. Das ist eine Abwärtsspirale, die zur existenziellen Gefahr werden kann - vor allem, wenn die Kosten für neue Schulden steigen (was die Spirale beschleunigt). Und genau hier könnte China zum finalen Todesstoß ausholen. Doch auch Peking handelt nicht aus einer Position der Stärke.

Erinnerungen an 2008: So setzt China die USA unter Druck

China hat seine Bestände an US-Staatsanleihen in den zurückliegenden Wochen erneut verringert: Die offiziell gehaltenen Treasuries fielen auf nur noch rund 652 Milliarden Dollar – den niedrigsten Stand seit 2008. Als Hintergrund gelten steigende Ölpreise infolge des Iran-Kriegs, die asiatische Währungen unter Druck setzen. Zentralbanken verkaufen Dollarreserven und US-Anleihen, um ihre eigenen Währungen zu stabilisieren. Aber Chinas Plan ist deutlich langfristiger: Seit 2013 (damals hielt China 1.3 Milliarden Dollar in US-Anleihen) baut Peking sein Treasury-Portfolio sukzessive ab und setzt die USA immer mehr unter Druck.

Die Rechnung ist einfach: Wenn China Milliarden an US-Staatsanleihen auf den Markt wirft, wird es für die USA immer schwerer, Nachfrage für neue Anleihen zu finden. Um den Angebotsüberschuss auszugleichen, muss das Weiße Haus die Anreize für neue Käufer (also die Anleihezinsen) anheben, was die Gesamtschulden empfindlich verteuert. Während die USA immer mehr Schulden machen, zieht China also die Daumenschrauben mithilfe seiner jahrzehntelang aufgebauten Bestände an US-Anleihen weiter an. Nicht wenige Beobachter vermuten dahinter eine Strategie, um die US-Schuldenkrise zu eskalieren.

Besonders heikel ist die aktuelle Lage wegen der extremen Konzentration am US-Aktienmarkt. Inzwischen entfallen rund 41 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung des S&P 500 auf nur zehn Unternehmen, während fast die Hälfte aller Zuflüsse in KI- und Mega-Tech-Aktien fließt. Das erinnert an die Dotcom-Bubble Anfang der 2000er-Jahre. Diese Konzentration trifft auf einen fragilen Markt: US-Anleihezinsen steigen und hohe Inflation wegen teurer Energie infolge des Iran-Kriegs könnte die Notenbank Fed zu straffer Geldpolitik zwingen. Ein gefährlicher Cocktail für einen Aktienmarkt, der vor allem von lockeren Fed-Zügeln profitiert.

Todesstoß für die USA? Oder geht China die Luft aus?

Trotz der Treasury-Bedrohung handelt China nicht ausschließlich aus einer Position der Stärke. Die chinesische Wirtschaft verlor zuletzt deutlich an Dynamik: Investitionen schrumpfen, der Immobiliensektor bleibt prekär, der Konsum stagniert und sogar Autoverkäufe fallen massiv. Gleichzeitig schwächt sich die Industrieproduktion ab. Peking braucht daher Stabilität im eigenen Finanzsystem und versucht offenbar, Kapital umzuschichten sowie den Dollar-Anteil langfristig zu reduzieren. China setzt die USA damit zwar unter Druck, doch der Schritt wirkt zugleich wie ein Zeichen wachsender eigener wirtschaftlicher Probleme.

Die relative Schwäche Chinas spiegelt sich auch im Aktienmarkt: Während der S&P 500 mit 7432 Punkten gestern wieder etwas näher an seinen jüngsten Allzeithochs schloss, und der Tech-Index Nasdaq-100 auf knapp 29 300 Punkte kletterte, hängt der Hang Seng mit gut 25 650 Punkten deutlich unter seinem Fünfjareshoch von Januar (28 056 Punkte) und weit unterhalb des Allzeithochs von Anfang 2018 (33 484 Punkte) fest. Der Goldpreis schob sich wieder über 4500 US-Dollar, Silber stabilisierte sich knapp unter 75 Dollar. Vielleich auch dank des schier unstillbaren Silberhungers der chinesischen Wirtschaft.


HKCM-Tops und -Flops

Wertsteigerung am vergangenen Handelstag in Prozent

 

Samsung

+8.51

AMD

+8.10

Symbotic

+7.19

Intuit

-3.95

Dow Inc.

-3.90

Brenntag

-3.64

Earnings

Walmart (erw. EPS: 0.66 USD)

NetEase (erw. EPS: 2.19 USD)

NIO (erw. EPS: -0.08 USD)

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Heute veröffentlichen wir Analysen zu folgenden Titeln aus unserem China-Paket: Tencent, Xiaomi, XPeng und WuXi Biologics.

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