Luxusuhren, Autos und Wasserstoff: Warum die Zukunft Platin und Palladium braucht
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Luxusuhren, Autos und Wasserstoff: Warum die Zukunft Platin und Palladium braucht

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Simeon Koch

Wenn Günther Jauch Sie bei der Millionenshow fragen würde, wofür Platin genutzt wird, würden Ihnen mehr Anwendungsbereiche einfallen als prestigeträchtige Auszeichnungen für Musiker und Luxusuhren? Platin und Palladium genießen nicht annähernd den Glamour-Faktor des prominentesten Edelmetalls Gold, begleiten uns im Alltag aber auf Schritt und Tritt – und haben dabei einiges gemeinsam. Etwa ihre industrielle Nutzung: Ein gutes Drittel des globalen Platinbedarfs entfällt auf die Automobilbranche, wo die Metalle der Platingruppe – etwa Platin, Palladium und Rhodium – für die Fertigung von Abgas-Katalysatoren genutzt werden, die mit zusehends strengeren Umweltauflagen immer größeren Bedarf an den chemisch hocheffizienten Rohstoffen schaffen. Für Schmuck und Accessoires werden jährlich rund 25 Prozent des geförderten Platins verwendet, ähnlich viel in der Industrie. Mehr als dreimal so hoch, bei etwa 80 Prozent, liegt der Anteil des industriell genutzten Palladiums. Von beiden Metallen werden jährlich rund 200 Tonnen gefördert, wobei sich die Produktion auf wenige Staaten verteilt. Russland ist Spitzenreiter bei Palladium und holte zuletzt rund 90 Tonnen jährlich aus dem Boden, also fast die Hälfte der globalen Produktion. Bei Platin steht Russland auf dem zweiten Platz mit rund 20 Tonnen jährlicher Fördermenge und einem weltweiten Marktanteil von gut zehn Prozent. Die Vereinigten Staaten kommen im Vergleich für gerade einmal zwei Prozent der Platin- und rund fünf Prozent der Palladium-Produktion auf – ein Ungleichgewicht, das für wirtschaftliche und politische Abhängigkeiten sorgt. Ausgerechnet die aktuell niedrigen Preise besorgen Experten, drastische Verknappung wird erwartet. Das dürfte Anleger zwar freuen, sorgt in den internationalen Machtzentren aber für immensen globalpolitischen Zündstoff.

Globales Wettrennen um immer knapperes Platin

Der internationale Konkurrenzkampf um wichtige Rohstoffe wird so erbittert geführt wie selten zuvor. China hortet Gold und braucht immer mehr Kupfer für nachhaltige Industriezweige wie etwa die Produktion von Solarzellen, die mittlerweile einen wichtigen Wachstumsfaktor für die stagnierende Wirtschaft im Reich der Mitte darstellen: Im letzten Jahr hatte China rund 40 Prozent seines Wirtschaftswachstums dem Fortschritt im Bereich der erneuerbaren Energien zu verdanken. Gleichzeitig wird in westlichen Industrienationen gefordert, wirtschaftlich unverzichtbare Metalle wie etwa Silber als kritische Rohstoffe einzustufen, um auch offiziell in das immer rasantere Wettrennen um Industriemetalle einzusteigen, die schon seit einiger Zeit zum Rückgrat der wichtigsten technologischen Innovationen unserer Zeit avancieren. Relativ wenig Beachtung erfahren dabei aktuell noch Platin und Palladium. Das könnte sich laut Edelmetall-Experten und Marktbeobachtern aber bald ändern. Rund 420 000 Unzen soll das weltweite Platin-Defizit in diesem Jahr betragen, prognostizierte kürzlich das World Platinum Investment Council (kurz: WPIC), ein Zusammenschluss der führenden Platin-Produzenten, und schraubte die ursprüngliche Prognose von etwa 350 000 fehlenden Unzen nach wenigen Wochen im neuen Jahr schon deutlich nach oben. Allein die Automobilindustrie dürfte rund 7.5 Millionen Unzen verbrauchen, während derzeit insgesamt nur etwa 7.1 Millionen gefördert werden können.

Um einen Teil des Defizits abzudecken, werden die globalen oberirdischen Vorräte an Platin angezapft und um rund zehn Prozent zurückgehen, wodurch die kurzfristig verfügbaren Bestände auf ein Vierjahrestief von rund 3.5 Millionen Unzen fallen. Obwohl Platin also immer knapper wird, fielen die Preise an den internationalen Handelsbörsen im vergangenen Herbst um rund acht Prozent und setzten ihre Talfahrt mit einem neuerlichen Verlust von mehr als zehn Prozent in den ersten Wochen des aktuellen Jahres fort. Laut WPIC dürfte das in Markt-Anomalien durch algorithmischen Handel und hohe Platinbestände begründet liegen, die große Automobilhersteller während der letzten Jahre angesammelt haben. Dass der Platinpreis ausbreche, sei also nur eine Frage der Zeit, wenn die Angebotsknappheit anhält oder sogar noch verschärft wird – ein Szenario, das unmittelbar bevorstehen könnte, da Minen und Förderbetriebe aufgrund der niedrigen Handelspreise ihre Produktion vorläufig einstellen könnten. Bereits Ende vergangenen Jahres wies das World Platinum Investment Council darauf hin, dass Produzenten mit mehr als einem Drittel der geförderten Platinmetalle Verluste einfahren, schon in den zurückliegenden zwölf Monaten waren Betriebsergebnisse und Umsatzzahlen der großen Minenbetreiber teils zwischen 20 und 50 Prozent rückläufig. In einer ersten Reaktion werden reduzierte Investitionen erwartet, laut WPIC könnte die Platinproduktion pro Jahr um 1.3 Millionen und die Palladiumförderung um rund 1.2 Millionen Unzen zurückgehen.

Preissturz und Potenzial: Historische Investment-Chance?

In den nächsten fünf Jahren dürfte die Produktion von Platin um fast zehn Prozent, jene von Palladium um etwa sechs Prozent sinken, verglichen mit den Durchschnittswerten aus der ersten Hälfte des aktuellen Jahrzehnts. Auf den ersten Blick könnte der Trend hin zur Elektromobilität für Entspannung sorgen, schließlich brauchen Autos ohne Abgase weder Katalysatoren noch Filter. Auch hier macht der große Bedarf an Industriemetallen seitens innovativer Technologien allerdings einen Strich durch die Rechnung. Denn ausgerechnet grüne Wasserstoffantriebe eröffnen ein völlig neues Nachfragepotenzial bei Platin, das für die chemische Gewinnung von Wasserstoff aus Wasser benötigt wird. Wasserstoff gewinnt als Treib- und Brennstoff nicht nur in der Automobilindustrie an Bedeutung und Popularität, die jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Gewinnung des chemischen Elements setzen vorwiegend auf die katalytischen Fähigkeiten von Platin. Die aktuell niedrigen Preise dürften die Knappheit auf den Märkten also weiter verschärfen, während sich die große Nachfragewelle mit fortschreitenden Innovationen aus der Energiebranche langsam, aber sicher auftürmt, wie das WPIC in seinem Bericht festhält: „Letztendlich werden die niedrigen Preise wahrscheinlich eine Reaktion des Platin-Minen-Angebots auslösen“, wodurch es zu einer „Verschärfung der Risiken auf der Angebotsseite“ kommen dürfte.

Auf gut Deutsch: Platin wird deutlich stärker gebraucht werden, aber deutlich schwieriger zu bekommen sein – oder, um es in den Worten der internationalen Platin-Gesellschaft zu sagen: „Die aktuelle Situation stärkt unseres Erachtens nach die Argumente für eine Investition in Platin.“ Hinzu kommen Produktionskürzungen in den wichtigsten Förderstaaten Südafrika und Russland. Etwas heikler ist die Lage bei Palladium. Noch vor wenigen Jahren war Palladium deutlich teurer als Platin, weshalb Techniken entwickelt wurden, um Palladium bei Autokatalysatoren durch Platin zu ersetzen. Auch das stetig entwickelte Recycling von entsprechenden Bauteilen aus verschrotteten Autos ließ den Bedarf an Palladium sinken. Palladium wird im Gegensatz zu Platin überwiegend in der Automobilindustrie verwendet, Platin findet sich derweil auch in Zahnimplantaten, medizinischen Geräten wie Herzschrittmachern und natürlich in der Schmuckherstellung. Allein ein Fünftel der weltweiten Platinproduktion wird zudem von Anlageprodukten in Beschlag genommen, wobei diese Anteile je nach Verfügbarkeit des Metalls schwanken. Experten vermuten, dass Platin das aktuell noch wertvollere Palladium preislich bald überflügeln könnte, schließlich gab der Palladiumpreis im letzten Jahr um fast 30 Prozent nach, während der Platinkurs nur rund fünf Prozent bis zum vergangenen Jahreswechsel verlor.

Palladium ist tot. Lang lebe Palladium!

In der aktuellen Kurs- und Marktentwicklung erkennen Analysten keineswegs ein Todesurteil für Palladium, sondern viel eher eine Möglichkeit für lukrative Investitionen. Denn auch Palladium kommen technische Innovationen zugute: In einem der wichtigsten Forschungsbereiche der Physik, der Herstellung von Supraleitern, hat Palladium die Nase vorn. Die chemische Zusammensetzung ermöglicht außergewöhnliche Leitfähigkeit, die etwa bei Zukunftstechnologien wie der Kernfusion wichtig ist. Auch aus Smartphones oder Halbleitern, die für digitale Endgeräte und Programme im Bereich der Künstlichen Intelligenz gebraucht werden, ist Palladium kaum wegzudenken. Steigt der weltweite Bedarf durch den stetig beschleunigten Fortschritt, zeichnen sich allerdings politische Spannungen ab: Die Produktion von Platinmetallen konzentriert sich im Wesentlichen auf fünf Länder, Russland steht mit Südafrika an der Spitze, Kanada und die Vereinigten Staaten hinken ebenso hinterher wie der wichtigste afrikanische Vertreter Simbabwe. Ähnlich wie bei Uran, das der Westen momentan für Milliarden aus dem eigentlich sanktionierten Russland importiert, birgt auch die Konzentration der Platinproduktion politische Risiken. Doch mindestens ebenso groß wie das diplomatische Konfliktpotenzial scheinen durch die absehbare Knappheit von Platinmetallen die Renditechancen bei einem Investment. Ob sich die fundamentalen Aussichten hier mit unserer technischen Analyse auf Basis des Elliott-Wellen-Konzepts decken, erfahren Sie in unseren Analysen zu Platin und Palladium oder im Industriemetalle-Paket, in welchem neben den beiden auch Uran und Kupfer analysiert werden.

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Simeon Koch

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