Licht am Ende des Tunnels? Deutsche Wirtschaft erholt sich
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Licht am Ende des Tunnels? Deutsche Wirtschaft erholt sich

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Simeon Koch

Der Jahresbeginn war düster. Die deutsche Wirtschaft schrumpfte, die Inflation war hoch. Die Kosmetik milliardenschwerer Corona-Hilfen schien endgültig zu verpuffen, steigende Firmenpleiten und ein stagnierender Industriesektor zeichneten ein trostloses Bild für die größte Volkswirtschaft der EU. Der Geschäftsklimaindex des Münchener Forschungsinstituts ifo, ein bedeutender Indikator für die wirtschaftliche Stimmung in Deutschland, zeigte zu Beginn des Jahres deutliche Verunsicherung in den Führungsetagen heimischer Unternehmen, laut Bundesregierung standen zum damaligen Zeitpunkt „Wirtschaft und Demokratie unter Druck“. Im Januar und März gaben die Prognosen wenig Grund zur Hoffnung, doch die neuesten Daten aus dem Juni säen vorsichtigen Optimismus. Die Kaufkraft der privaten Haushalte soll im weiteren Verlauf des Jahres zunehmen, was zu einer langsamen, aber stetigen Erholung der Wirtschaft beitragen könnte. Die Inflationsrate dürfte sich abschwächen, was den Haushalten mehr Spielraum verschaffen würde. Trotz dieser positiven Zeichen bleibt die Situation herausfordernd, insbesondere beim privaten Konsum.

 

Blüht die Wirtschaft wieder auf?

Der ifo-Geschäftsklimaindex, der monatlich vom ifo-Institut erstellt wird, ist ein weicher Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland. Er basiert auf der Befragung von Unternehmen zur aktuellen Geschäftslage und den Erwartungen für die kommenden sechs Monate. Im Januar sank dieser Index überraschend von 86.3 auf 85.2 Punkte, was auf Verunsicherung hinwies. Noch 2021 war der Index nach dem Corona-Schock über die 100-Punkte-Marke zurückgekehrt, die Rezessionsängste 2022 beförderten ihn zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie wieder unter 80. Nach einer kurzen Rückkehr über 90 Punkte fiel der Index in der zweiten Jahreshälfte 2020 auf knapp über 80 Punkte zurück und schien sich dann langsam zu erholen – bis der Januar dieses Jahres für den nächsten unerwarteten Rücksetzer sorgte: „Die deutsche Wirtschaft steckt in der Stagnation fest“, kommentierte ifo-Präsident Clemens Fuest damals. Parallel dazu zeigte der Einkaufsmanagerindex, ein weiterer Konjunkturindikator, eine anhaltende Schwäche der deutschen Privatwirtschaft. Dieser Index basiert auf der Befragung von 400 Industrieunternehmen und setzt sich aus Indikatoren wie Auftragseingang, Produktion, Beschäftigung, Lieferzeiten und Lagerbestand zusammen. Ein Wert unter 50 deutet auf eine rückläufige Industrieproduktion hin, was im Januar der Fall war.

Im März setzte sich die düstere Stimmung fort, als das ifo-Institut seine Wachstumsprognose für 2024 auf lediglich 0.2 Prozent senkte, nachdem es im Januar noch von einem Plus von 0.7 Prozent ausgegangen war. „Die deutsche Wirtschaft ist wie gelähmt“, erklärte ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Gründe für diese pessimistische Einschätzung waren Konsumzurückhaltung, hohe Zinsen, Preissteigerungen und die Sparbeschlüsse der Regierung. Trotz dieser negativen Prognosen gab es erste Anzeichen für eine mögliche Erholung zur Jahresmitte. Wollmershäuser prognostizierte: „Mit dem allmählichen Wegfall der Belastungen bei Zinsen und Preisen und den Auswirkungen der höheren Kaufkraft für die Verbraucher wird sich die Wirtschaftsleistung zur Jahresmitte beschleunigen.“ Je näher der Frühsommer kam, desto milder wurde die Witterung auch in der Wirtschaft: Der Geschäftsklima-Index kletterte im April auf fast 90 Punkte und hielt sich dort auch im Mai. Das ifo-Institut hat seine Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft im laufenden Jahr auf 0.4 Prozent angehoben, die neuesten Daten aus dem Juni aber sind erneut durchwachsen: Überraschend sank der Geschäftsklima-Index auf 88.6 Punkte, Branchenkenner hatten mit leichten Zuwächsen gerechnet. "Die deutsche Wirtschaft tut sich schwer, die Stagnation zu überwinden", konstatierte Clemens Fuest.

 

„Es entsteht gerade neue Hoffnung“

Trotz der nach wie vor schlechten Bewertung der aktuellen Lage durch die meisten Unternehmen hat sich die Stimmung seit Jahresbeginn verbessert. „Im weiteren Verlauf des Jahres dürfte die Kaufkraft der privaten Haushalte weiter an Stärke gewinnen“, vermutet Wollmershäuser. Die verbesserte Prognose beruht auf besseren Erwartungen für die zweite Jahreshälfte. Die Forscher erwarten für 2025 ein Wachstum von 1.5 Prozent, was auf eine langsame, aber stetige Erholung der deutschen Wirtschaft hinweist. Trotz dieser positiven Anzeichen bleibt die Situation herausfordernd. Der private Konsum, ein wichtiger Treiber der Wirtschaft, wird voraussichtlich stagnieren. Selbst Großereignisse wie die Fußball-Europameisterschaft, von der sich viele einen ökonomischen Boost versprechen, werden laut dem ifo-Institut keine signifikanten Auswirkungen haben. „Sie wird der deutschen Konjunktur kein Sommermärchen bescheren“, so die Prognose des Instituts. Dies stützt sich auf Erfahrungen aus früheren Großveranstaltungen, wie der Weltmeisterschaft 2006. Der Anstieg der Inflationsrate könnte sich jedoch weiter abschwächen, was den Haushalten mehr Spielraum verschaffen könnte. In der Eurozone nähert sich die Teuerung stetig dem ausgegebenen Zweiprozent-Ziel, kürzlich senkte die Europäische Zentralbank zum ersten Mal seit Jahren den Leitzins. Auch diese Maßnahme dürfte der Wirtschaft dank lockerer Geldpolitik guttun.

Die Inflationsrate wird für 2024 auf 2.2 Prozent geschätzt, was einen Rückgang im Vergleich zum Vorjahr darstellen würde. Für 2025 wird sogar ein weiterer Rückgang auf 1.7 Prozent erwartet. Diese Entwicklung könnte durch eine Lockerung der Geldpolitik in den Industrieländern unterstützt werden, da das ifo-Institut weitere Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank in diesem Jahr erwartet. Auf dem Arbeitsmarkt wird die Zahl der Arbeitslosen 2024 leicht auf 2.7 Millionen steigen, bevor sie 2025 wieder auf 2.6 Millionen sinkt. Die Zahl der Erwerbstätigen soll dagegen kontinuierlich zunehmen. Insgesamt haben sich die Wirtschaftsprognosen für Deutschland seit Jahresbeginn also von einem stark negativen Bild zu verhaltenem Optimismus gewandelt. Im Januar und März waren die Aussichten düster, mit einer tiefen Rezession und pessimistischen Wirtschaftsdaten. Doch die neuesten Prognosen aus dem Juni zeigen, dass sich die Lage stabilisiert und eine langsame Erholung in Sicht ist. „Es entsteht gerade neue Hoffnung“, sagte Wollmershäuser, unterstützt durch eine sinkende Inflationsrate und stabile Beschäftigungszahlen. Die deutsche Wirtschaft „arbeitet sich langsam aus der Krise“, resümierte das ifo-Institut kürzlich, schlägt mittlerweile aber wieder zurückhaltendere Töne an. Ob sich diese Einschätzung auch in unseren Analysen zum deutschen Leitindex DAX40, dem MDAX sowie den größten deutschen Unternehmen widerspiegeln, erfahren unsere Abonnenten in den täglichen Updates.

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Simeon Koch

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