Während die Erdöl-Förderung in den Vereinigten Staaten nach Rekordwerten in den letzten Monaten deutlich reduziert werden soll, ist der nordamerikanische Gashahn so weit offen wie noch nie: Im zurückliegenden Jahr stieg die jährlich vermarktete Erdgasproduktion um rund 4.7 Prozent auf etwa eine Billion Kubikmeter. In den letzten zwanzig Jahren hat sich dieser Wert mehr als verdoppelt, seit 2017 wuchs das Volumen um satte 41 Prozent. Verantwortlich dafür ist ein anhaltender Fracking-Boom. Wegen möglicher Umweltschäden ist das Förderverfahren mithilfe von chemischen Substanzen in Deutschland verboten. Die nordamerikanische Regierung nimmt das nicht so eng – auch deshalb stiegen die Vereinigten Staaten innerhalb von zehn Jahren zum unangefochtenen Marktführer auf. Das hatte zuletzt starken Einfluss auf die Volatilität auf den Erdgasmärkten, zusätzlich angeheizt durch die plötzliche Beschneidung von Export-Terminals, die von Kritikern als Teil einer Wahlkampfstrategie zugunsten der amtierenden Regierung gewertet wurde. Obgleich der britische Brennstoff-Gigant Shell bis 2040 eine Zunahme der globalen Erdgas-Nachfrage um deutliche 50 Prozent prognostiziert, tun sich nun wichtige Erdgas-Nationen zusammen, um den Markt zu stabilisieren. Ähnliches versuchen die OPEC-Staaten um Russland und Saudi-Arabien beim Erdöl: Bis zum Sommer bleiben freiwillige Förderbeschränkungen aufrecht – ein möglicher Boost für den Markt.
USA neuer Gas-Primus – „keine Versorgungsknappheit“ in Deutschland
Noch vor ein paar Jahren exportierten die Vereinigten Staaten kaum Erdgas, in der Handelsbilanz überwogen die Importe um ein Vielfaches. Im Januar 1996 etwa verkaufte die nordamerikanische Regierung Erdgas für rund $10 Millionen, im Sommer 2022 wurde laut der nationalen Statistikbehörde ein Allzeithoch von $7.5 Milliarden erreicht. Über den Januar 2023, der mit $5 Milliarden noch einmal in Richtung des bisherigen Rekords ausschlug, verringerte sich der Exportwert bis zum letzten Dezember zwar deutlich bis auf rund $3.3 Milliarden. Trotzdem überholte man bei den Erdgas-Ausfuhren vergangenes Jahr erstmals die bisherigen Marktführer Katar und Australien, im vergangenen Oktober belief sich die nordamerikanische Exportkapazität für Flüssiggas auf rund 93 Millionen Tonnen, Australien folgte mit 87.6 auf Platz zwei. Katar blieb nur die Bronzemedaille mit 77.4, während Russland mit gerade einmal 31.1 Tonnen auf Platz vier verwiesen wurde. Europa bezieht mehr als 60 Prozent der Flüssiggas-Exporte aus den Vereinigten Staaten, erst vor wenigen Tagen berichtete die Europäische Union von einem deutlichen Angebotsüberschuss, der für energieintensive Wirtschaftszweige wieder etwas Entlastung verspricht: Über eine europäische Plattform zur Bündelung der Nachfrage aus den Mitgliedsstaaten meldeten in der zweiten Februarhälfte 19 Unternehmen einen Bedarf von 34 Milliarden Kubikmeter an, eine Woche später lag eine gesamte Angebotsmenge von 97.4 Milliarden Kubikmetern von verschiedenen Anbietern vor.
Die aktuell komfortable Situation der Europäischen Union scheint die Gasknappheit der letzten beiden Jahre vergessen zu machen, auch in Deutschland entspanne sich die Situation zusehends, teilte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung Ende Februar mit. Die Statistiker gingen aber noch einen Schritt weiter und kritisierten die Brennstoffpolitik der vergangenen Monate deutlich: Für den letzten Winter habe „zu keinem Zeitpunkt die Gefahr einer Gasknappheit“ bestanden, heißt es in einer kürzlich veröffentlichten Studie. Auch laut der Bundesnetzagentur ist die Gasversorgung in Deutschland vorerst gesichert, der Brancheverband Zukunft Gas ließ verlauten: „Deutschland verfügt über die größten Gas-Speicherkapazitäten in der EU und über die viertgrößten der Welt“. Während die günstige Verfügbarkeit großer Erdgas-Angebote der Wirtschaft zugutekommt und günstigere Energiepreise verspricht, bereitet der Preisverfall der vergangenen Monate den kleineren gasexportierenden Staaten Kopfzerbrechen. Auf dem siebten Gipfel der gasexportierenden Staaten arbeiteten Russland, Iran, Katar, Venezuela und einige weitere Teilnehmer-Nationen einen Plan zur Bekämpfung der Volatilität auf den Gasmärkten aus. Künftig soll die Zusammenarbeit intensiviert werden, der algerische Präsident Abdlemadjid Tebboune sprach von „fortgesetzter Kooperation und starkem Dialog“, um eine „kollektive Vision zu schaffen und sowohl Risiken als auch Gewinne zu teilen“. Dafür wolle man den Gaspreis durch aktive Maßnahmen auf dem Markt stabilisieren und auf nachhaltigere Technologie setzen, um der Konkurrenz durch erneuerbare Energien die Stirn zu bieten.
Der Brennstoff-Markt bleibt heiß!
Gelegen kommt dabei eine äußerst positive Prognose des britischen Brennstoff-Giganten Shell zum weltweiten Erdgas-Bedarf in den nächsten Jahren. Demnach soll die Nachfrage bis 2040 um rund die Hälfte ansteigen, beschleunigt durch die Energiewende von Kohle zu Gas und den gesteigerten Bedarf in Südostasien. Vor allem China, wo grüne Energiequellen sukzessive zu einem der wichtigsten wirtschaftlichen Wachstumstreiber avancieren, soll zum Nachfrage-Boom beitragen. Außerdem täusche der aktuelle Angebotsüberschuss: „Trotz einer guten Versorgung im vergangenen Jahr bleibt der Gasmarkt angespannt“, im Energiesystem der Zukunft werde Flüssiggas eine „noch wichtigere Rolle“ spielen. Ähnlich geht es dem Erdöl-Markt, der spätestens durch die anhaltenden Unruhen im Roten Meer und dadurch entstandene Lieferengpässe gehörig unter Druck geriet. Sowohl die erdölexportierenden Staaten im Nahen Osten (engl.: Organization oft Petroleum Exporting Countries; kurz: OPEC) als auch die Internationale Energieagentur (IEA) schraubten ihre Nachfrageerwartungen für den Rohöl-Markt erst kürzlich nach oben – dennoch hält die OPEC länger als ursprünglich geplant an ihrer restriktiven Förderpolitik fest, um die Marktpreise zu stabilisieren. Das teilten die Mitgliedsstaaten um Russland, Irak und die Vereinigten Arabischen Emirate am Sonntag mit. Im November hatte die OPEC mitgeteilt, ihre Ölförderung um 2.2 Millionen Barrel pro Tag zu kürzen, bis dahin hatte man rund 30 Millionen Barrel pro Tag produziert. Wie die Märkte auf die neuerlichen Turbulenzen auf den Gasmärkten reagieren, lässt sich mit technischer Analyse schon im Vorhinein abschätzen. Lukrative Einstiegs- und Handelschancen erhalten Sie in Echtzeit mit unseren Analysepaketen zum Rohöl- und Erdgas-Markt.



