Deutsche E-Flitzer, Chinas Benziner, tiefe Krise: Highlights der Automesse IAA
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Deutsche E-Flitzer, Chinas Benziner, tiefe Krise: Highlights der Automesse IAA

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Arcan Askin

Die wichtigsten Punkte

Die IAA Mobility 2025 in München wird zum entscheidenden Match zwischen deutschen und chinesischen Autoherstellern stilisiert. 116 chinesische Aussteller – so viele wie nie zuvor – treffen auf krisengeschüttelte deutsche Konzerne wie BMW, Mercedes und Volkswagen, die alle deutliche Gewinnrückgänge im ersten Halbjahr verzeichneten. BMW präsentiert den iX3 als "bedeutendste Modellneuheit" der Firmengeschichte, während Mercedes mit dem elektrischen GLC eine "neue Ära der Elektromobilität" einläuten will. Chinesische Marken haben ihren europäischen Marktanteil binnen eines Jahres auf 4.8 Prozent verdoppelt und setzen die deutsche Autoindustrie unter enormen Druck.

Das große Match: Europa gegen China

Die IAA 2025, die am Dienstag mit einer Rede von Bundeskanzler Friedrich Merz eröffnet wurde, steht im Zeichen eines historischen Umbruchs. Pedro Pacheco vom Marktforschungsunternehmen Gartner sieht ein Match "Europa gegen China": Die Chinesen versuchen, in Europa zu wachsen, während die Europäer bei E-Autos und Software dagegenzuhalten versuchen.

Mit 116 Ausstellern aus der Volksrepublik ist China so stark vertreten wie nie zuvor auf der Münchner Automesse. Von Deutschland abgesehen kommt aus keinem anderen Land eine vergleichbare Anzahl von Unternehmen. Chinesische Marken wie BYD, Geely, Chery und Leapmotor haben ihren europäischen Marktanteil im ersten Halbjahr 2025 auf 4.8 Prozent verdoppelt – ein Wachstumstempo, das die etablierte Konkurrenz alarmiert.

Deutsche Autoindustrie in der Existenzkrise

Die deutschen Autohersteller stehen mit dem Rücken zur Wand. BMW, Mercedes, Volkswagen und Audi verzeichneten alle deutliche Gewinnrückgänge im ersten Halbjahr. Der Absatz von Neuwagen liegt noch immer unter dem Niveau vor der Corona-Krise, während geopolitische Herausforderungen und US-Zölle für zusätzliche Sorgenfalten sorgen.

Längst ist es offensichtlich: Europa, insbesondere Deutschland als Automutterland, hat die Entwicklung hin zum E-Motor zuerst lange unterschätzt, dann zu bremsen versucht und schließlich weitgehend verschlafen. Die Know-how-Führerschaft, die deutsche Autokonzerne bei Verbrennungsmotoren jahrzehntelang innehatten, mussten sie bei E-Autos – vor allem der Batterietechnik – an China abgeben.

BMW setzt auf "Neue Klasse" als Rettungsanker

BMW will mit der Weltpremiere des mittelgroßen SUV iX3 nichts weniger als eine der "bedeutendsten Modellneuheiten" in der Konzerngeschichte präsentieren. Die "Neue Klasse" soll an die 1960er Jahre anknüpfen: Damals rettete die "Neue Klasse" BMW vor dem drohenden Firmen-Aus.

Eine neue Batterietechnologie soll die Kosten um bis zu 50 Prozent senken und damit schon 2026 Margen wie beim Verbrenner ermöglichen. Eine neue Softwarearchitektur soll zudem den Rückstand bei digitalen Funktionen verringern. Der neue BMW wird in Deutschland rund 70 000 Euro kosten – deutlich mehr als das Tesla-Konkurrenzmodell Y, freilich auch mit deutlich größerer Reichweite.

Mercedes will Tesla Paroli bieten

Mercedes will mit dem elektrischen GLC nichts weniger als eine "neue Ära der Elektromobilität" einläuten. Beide Angebote richten sich an die wohlhabendere Kundschaft und machen damit vor allem Tesla Konkurrenz, wie das "Wall Street Journal" betonte.

Es sind die bisher umfangreichsten Versuche traditioneller deutscher Automarken, wie Tesla und die chinesische Konkurrenz das Auto weniger von der Mechanik her zu entwickeln, sondern rund um die Software zu bauen. Dafür gingen sie Kooperationen mit US-KI-Konzernen wie Google ein.

Volkswagen kämpft um Erschwinglichkeit

Der VW-Konzern will auch auf erschwinglichere Elektromodelle setzen, um neue Technik "für alle" zugänglich zu machen. So wird der ID.2 auf der IAA nun als ID.Polo vorgestellt. Auch die Konzerntöchter Skoda und Cupra wollen in München neue E-Modelle zeigen.

Preislich sind die VW-E-Auto-Modelle jedoch nicht konkurrenzfähig mit ihren chinesischen Pendants. So geht es allen europäischen Herstellern, weshalb etwa Opel und Stellantis zuletzt ihren Ausstieg aus der Verbrennerautoproduktion weiter verschoben. Gerade jetzt bekommt angesichts der anhaltenden wirtschaftlichen Flaute und steigender Arbeitslosigkeit der Preis für viele noch mehr Gewicht.

Chinesische Offensive mit europäischen Preisen

Chinesische Hersteller wie BYD haben begonnen, in Europa, etwa in Ungarn, Produktionsstätten aufzubauen, um die hiesigen Märkte zu erobern. Der heftige Wettbewerb chinesischer Automarken untereinander auf dem E-Auto- und Hybridmarkt hat sich längst zu einem Verdrängungswettbewerb ausgewachsen, der in China hart und mit enormen Preisabschlägen geführt wird.

BYD präsentiert mit dem großen Kombi Seal 6 DM-i Touring ein Modell speziell für Europa, während Leapmotor seinen BO5 zeigt, der ab 2026 verkauft wird. Chinesische E-Autos werden in Europa viel teurer verkauft als in der Heimat – sind aber noch vergleichsweise günstig.

Zulieferindustrie unter Druck

Die Probleme der Autoindustrie treffen auch die heimische Zulieferindustrie hart. Nicht ausgelastete Fabriken und sinkende Absatzzahlen führen zu Kostendruck entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die deutsche Autoindustrie, über Jahrzehnte die Leitindustrie des Landes, steckt weiter in der Krise.

Jürgen Mindel, Geschäftsführer des deutschen Verbandes der Automobilindustrie (VDA), zeigte sich im Vorfeld betont zweckoptimistisch: Auf der IAA werde die Industrie "ein selbstbewusstes Signal der Stärke und zukunftsorientierten Mentalität" aussenden. Das deutsche "Handelsblatt" titelte, die deutsche Autoindustrie wolle auf der IAA "ihr Comeback erzwingen".

FAQ

Was ist die IAA?

Die IAA (Internationale Automobil-Ausstellung) ist eine der weltweit wichtigsten Automessen. Sie findet alle zwei Jahre statt und präsentiert Neuheiten der Automobilindustrie, Mobilitätslösungen und Zukunftstechnologien. Die IAA Mobility fokussiert sich auf nachhaltige Mobilität.

Wo ist die IAA 2025?

Die IAA 2025 findet vom 9. bis 14. September in München statt. Die Messe nutzt sowohl das Messegelände als auch Standorte in der Münchner Innenstadt für Präsentationen und Testfahrten.

Was kostet der Eintritt bei der IAA?

Die Eintrittspreise für die IAA 2025 variieren je nach Tag und Ticket-Typ. Tageskarten kosten zwischen 20 und 35 Euro, ermäßigte Tickets sind für Studenten und Senioren verfügbar. Online-Buchungen sind oft günstiger als Tickets an der Tageskasse.

Ist die IAA noch in Frankfurt?

Nein, die IAA findet seit 2021 nicht mehr in Frankfurt statt. Die IAA Mobility wurde nach München verlegt, um den Fokus auf nachhaltige Mobilität und urbane Verkehrslösungen zu stärken. Frankfurt war bis 2019 Austragungsort der traditionellen IAA.

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Arcan Askin

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