Das Wichtigste in Kürze:
- Fidelity erklärt, warum Bitcoins Bullrun diesmal so anders ist
- BTC-Vergleiche mit Apples iPhone sorgen für Aufsehen
- Laut Fidelity kann BTC bald in einen Superzyklus übergehen
Bitcoin hat seine Anleger in diesem Bullrun maximal verwirrt. Lange galt der Vierjahreszyklus als eine Art Naturgesetz: Halving, Bullenmarkt, Crash, Bärenmarkt-Tief – und wieder von vorn. Doch diesmal ist kaum noch etwas, wie es mal war. Im Bärenmarkt 2022 fiel Bitcoin erstmals unter das Hoch des vorherigen Zyklus von 2017. Nächstes Novum war das neue Allzeithoch vor dem Halving 2024. Anfang Februar stürzte BTC erneut unter sein Allzeithoch von 2021.
Und noch eine große Änderung brachte der aktuelle Krypto-Zyklus: Eine klassische Altcoin-Season (typischerweise im Post-Halving-Jahr) blieb ebenso aus wie ein neues Rekordhoch bei Ethereum. Vor diesem Hintergrund stellt Fidelity, der viertgrößte Vermögensverwalter der Welt, eine Frage, die für viele Bitcoin-Maxis an Ketzerei grenzt: Ist der Vierjahreszyklus gebrochen?
Bitcoin wird „reifer“ – und verliert seine Extreme
Die Zeiten von Bitcoin als reines Spekulationsobjekt könnten sich laut Fidelity ihrem Ende nähern. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 2.5 Billionen Dollar zum letzten Allzeithoch im Oktober 2025 hat sich die Kryptowährung in eine neue Größenordnung katapultiert. Fidelity formuliert es nüchtern: „Bitcoin hat bewiesen, dass er Bestand hat.“
Diese Reife zeigt sich vor allem in der Volatilität. Während frühere Zyklen von explosiven Anstiegen und abrupten Abstürzen geprägt waren, fällt die Schwankungsintensität kontinuierlich. Fidelity spricht von „anhaltend niedriger Volatilität bei gleichzeitig neuen Höchstständen“, was auf einen „reiferen Bitcoin“ hindeute.
Die Konsequenz: Der Markt verliert seine Extreme. Wo einst Blow-off-Tops und 80-Prozent-Crashs dominierten, könnte künftig ein langsameres, kontrollierteres Wachstum treten.
Wird Bitcoin jetzt langweilig?
Ein zentraler Treiber dieser Veränderung ist die neue Nachfrage. Bitcoin ist an der Börse längst kein Außenseiter mehr. Institutionelle Investoren, börsennotierte Unternehmen und börsengehandelte Produkte haben den Markt grundlegend umgebaut.
Die Zahlen sind eindrücklich: 49 börsennotierte Unternehmen halten laut dem Fidelity-Report jeweils mehr als 1000 Bitcoin. Zusammen kommen sie auf über eine Million und damit mehr als fünf Prozent des Angebots. Hinzu kommen börsengehandelte Produkte, die bis Anfang 2026 rund 1.3 Millionen Bitcoin verwalten, mehr als sechs Prozent der BTC-Umlaufmenge.
„Diese beiden Gruppen halten inzwischen fast zwölf Prozent des zirkulierenden Angebots“, konstatiert Fidelity im Report. Diese neuen Marktteilnehmer agieren anders als frühere Privatanleger. Sie handeln langfristiger, reagieren weniger impulsiv und verstärken damit die Stabilität. Bitcoin wird ein makroökonomischer Vermögenswert. Aber die Action geht verloren.
"Bitcoins iPhone-Moment": Deshalb liegen Top-Indikatoren falsch
Um die Dimension dieses Wandels zu verdeutlichen, greift Fidelity zu einem bemerkenswerten Vergleich: Bitcoin habe sich seit 2013 so stark entwickelt wie Apple vom Jahr 2004 – also kurz vor der Einführung des iPhones – bis heute. Technologisch habe sich an BTC zwar wenig verändert, doch die Nachfrage sei eine völlig andere.
„Bitcoin ähnelt jetzt einem reifen Vermögenswert mit signifikanter Beständigkeit und tiefen Liquiditätspools“, heißt es im Bericht. Tatsächlich ist Bitcoin heute doppelt so groß wie auf dem Höhepunkt des Zyklus 2021, zehnmal so groß wie 2017 und mehr als 200-mal so groß wie 2013.
Diese Größenordnung verändert laut Fidelity alles. Große Märkte bewegen sich langsamer, reagieren träger und sind schwerer aus dem Gleichgewicht zu bringen. Extreme Ausschläge werden unwahrscheinlicher – schlicht weil mehr Kapital im System ist. Das erklärt auch, warum sich klassische Top-Indikatoren abschwächen.
Zwei prominente Beispiele: Der MVRV-Z-Score und der Pi-Cycle-Indikator. Der MVRV-Z-Score vergleicht den aktuellen Marktwert mit dem realisierten Wert (dem Durchschnittspreis aller Coins) und misst, wie stark der Markt über- oder unterbewertet ist. Der Pi Cycle basiert auf zwei gleitenden Durchschnitten, dem 111-Tage- 350-Tage-Durchschnitt (multipliziert mit 2); kreuzt der kurzfristige den langfristigen von unten nach oben, trat dies historisch nahe an Marktspitzen auf.
Beide Indikatoren messen Überhitzung in Bitcoins Preisentwicklung – der MVRV-Z-Score, wenn der Marktpreis über den Durchschnittspreis steigt, zu dem die Coins eingekauft wurden und der Pi-Cycle, wenn die kurzfristige Preisentwicklung so steil ansteigt, dass sie den längerfristigen Durchschnitt überschießt. Beide erreichten in diesem Zyklus keine historischen Top-Zonen.
Bitcoin-Superzyklus: Folgt BTC dem Nasdaq-100?
Besonders deutlich wird der Wandel in den Daten. Frühere Zyklen waren von massiven Überbewertungen geprägt: 2013 erreichte die Marktkapitalisierung das Sechsfache des tatsächlich investierten Kapitals, 2017 und 2021 etwa das Vierfache. Im aktuellen Zyklus liegt dieser Wert meist nur beim Zwei- bis Dreifachen.
Fidelity interpretiert das als Zeichen eines rationaleren Marktes: „Bitcoin wurde über den Großteil des Bullenmarkts innerhalb eines vernünftigen Bewertungsbereichs gehandelt.“ Auch andere Kennzahlen zeigen ein ähnliches Bild – weniger Ausschläge, mehr Stabilität. Besonders aufschlussreich ist eine neue Kennzahl, nämlich das Verhältnis von Gewinn zu Volatilität.
Hier zeigt sich erstmals ein Bruch mit der Vergangenheit: Hohe (Kurs-) Gewinne gehen nicht mehr mit steigender Volatilität einher. Das bedeutet, dass steigende Preise nicht mehr automatisch zu hektischen, stark schwankenden Märkten führen, wie es früher typisch war. Stattdessen bleibt das Marktverhalten relativ ruhig, weil größere und langfristig orientierte Akteure Kursanstiege zunehmend abfedern und extreme Ausschläge verhindern.
Das könnte laut Fidelity drastische Folgen für den Kryptomarkt haben: „Bitcoin könnte einfach im Laufe der Zeit nach oben klettern, ohne die extremen Ausschläge früherer Zyklen.“ Sollte sich das bestätigen, würden lange Bärenmärkte künftig unwahrscheinlicher – ebenso wie spekulative Übertreibungen. Klingt verdächtig nach einem Superzyklus wie seit 2008 im Tech-Sektor.
Super- oder Vierjahreszyklus? Fidelity hält sich ein Türchen offen
Fidelity zieht ein klares Fazit: „Die traditionellen Vierjahreszyklen könnten der Vergangenheit angehören.“ Bitcoin, so die These, lasse seine volatile Jugend hinter sich und entwickle sich zu einem stabileren Anlagegut. Doch ganz so eindeutig ist die Lage nicht. Denn in einem zweiten Bericht bleibt Fidelity vorsichtiger.
Dort wird der Vierjahreszyklus weiterhin beschrieben, seine Ursachen – Halvings, Geldpolitik, Psychologie – werden ausführlich erklärt. Und auch der aktuelle Kursrückgang seit Ende 2025 wird als potenziell „bärenmarktähnlich“ eingeordnet. Final festlegen will sich der viertgrößte Vermögensverwalter der Welt dann also doch nicht.
Die Wahrheit dürfte, wie so oft, dazwischen liegen. Laut Fidelity verschwindet der Zyklus nicht abrupt, aber alte Muster verblassen. Und Bitcoin, einst Inbegriff der Extreme, gewinnt einen neuen Charakterzug hinzu, der (vor allem für institutionelle Anleger) im Kryptomarkt bisher gefehlt hat: Berechenbarkeit.
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Der Bitcoin-Volatilitätsindex zeigt es eindeutig: In diesem Zyklus schwankt BTC deutlich weniger als früher.
In diesem Zyklus sind die Bitcoin-Bestände in Krypto-ETFs explodiert. Institutionelle Investoren sorgen für verminderte Volatilität.
MVRV-Z-Score: Wenn der BTC-Kurs deutlich über den durchschnittlich gezahlten Preis steigt, schlägt der Indikator an. In diesem Zyklus geschah das nicht.
Auch der Pi-Cycle-Indikator lieferte in diesem Zyklus noch kein Top-Signal. 2013, 2017 und 2021 (gelbe Pfeile) lag er jeweils richtig.
Startet Bitcoin in einen Superzyklus wie der Technologie-Sektor seit 2009? Fidelity hält sich ein Hintertürchen offen.

