Aufholjagd beginnt: Deutschlands geheimer Vorteil im KI-Wettrennen
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Aufholjagd beginnt: Deutschlands geheimer Vorteil im KI-Wettrennen

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Igor Hirsch

Das Wichtigste in Kürze:

  • Regierung beschleunigt Ausbau von KI-Rechenzentren und Infrastruktur.
  • Telekom, SAP und Siemens profitieren vom Datenstandort.
  • Stromengpässe bremsen Wachstum.

KI in Deutschland: Wo investiert man am besten?

Kennen Sie das? Man fährt mit der Regionalbahn über Land und mobiles Internet funktioniert nur an den Bahnhöfen der Ortschaften? Das mobile Internet in Deutschland gilt berechtigterweise im internationalen Vergleich oft als langsam und lückenhaft, doch die festen Leitungen suchen ihresgleichen.

Der Internetknoten DE-CIX in Frankfurt ist einer der größten weltweit und erreicht Datendurchsätze von über 14 Terabit pro Sekunde. Er vernetzt tausende Anbieter und spielt eine zentrale Rolle im Datenaustausch, besonders mit Osteuropa und Asien.

Diese hervorragende Netzstruktur ist entscheidend für Anwendungen, die auf schnelle und stabile Verbindungen angewiesen sind wie beispielsweise Künstliche Intelligenz (KI) in Rechenzentren. Damit ist Deutschland bei KI nicht abgehängt und ein guter Standort für einen Investmentansatz. Wer auf Dateninfrastruktur und einige große DAX-Unternehmen setzt, investiert auch in die Basis künftiger Wertschöpfung in Deutschland.

KI in Deutschland: 28-Punkte-Plan als Boost

Der entscheidende Treiber ist das neue Ausbauziel der Bundesregierung: Rechenzentren sollen deutlich wachsen und KI-Kapazitäten bis 2030 vervielfacht werden. Die drei wichtigsten Maßnahmen aus dem 28-Punkte-Plan sind:

  • Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren
  • Steuerliche Anreize über Anpassungen bei der Gewerbesteuer
  • Nutzung bestehender Industrieflächen mit Netzanschluss

Parallel zum Cluster rund um Frankfurt entstehen bereits neue Projekte wie ein Rechenzentrum des Startups Polarise in Amberg östlich von Nürnberg. Zusätzlich treibt die Deutsche Telekom mit einer industriellen KI-Cloud den Aufbau leistungsfähiger Systeme voran, die speziell auf Unternehmensanwendungen abzielen.



Eine bestehende Anlage im Münchner Tucherpark wird modernisiert und mit fast 10 000 Blackwell-Chips von Nvidia ausgestattet. Laut der Telekom reicht diese Rechenleistung aus, um alle 450 Millionen EU-Bürger gleichzeitig mit einem KI-Assistenten zu versorgen. Doch das ist nicht das primäre Ziel! Als Industrial AI Cloud richtet sich nicht an Privatnutzer, sondern an große Industrieunternehmen wie Automobilhersteller, Maschinenbauer und Robotikfirmen.

Zudem kann sie für Forschungseinrichtungen, den öffentlichen Sektor und Entwickler von KI-Anwendungen von großer Bedeutung sein. Laut einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom aus dem Oktober 2025, nutzen bereits 36 Prozent der Unternehmen in Deutschland KI. Damit hat sich der Anteil innerhalb eines Jahres nahezu verdoppelt.

KI für Deutschland: Wachstum trifft auf Engpässe

Für große Kapazitäten für Industrie und Privatleute bleibt die Energieversorgung zugegeben ein zentraler Engpass. Im Rhein-Main-Gebiet hat sich bereits eine hohe Dichte an Rechenzentren entwickelt, doch neue Stromanschlüsse und signifikante Kapazitäten sind oft erst in der nächsten Dekade verfügbar


Hier geht es zu den Euro-Titans.


Das zeigt die Kehrseite des Wachstums: Die Nachfrage nach Rechenleistung steigt momentan schneller als die Energie-Infrastruktur nachziehen kann. Zudem braucht es günstigen Strom. Sind klassische große Atomkraftwerke eine Lösung? Projekte wie in Finnland (Olkiluoto) oder in Frankreich (Flamanville) haben oft von Genehmigung zur Inbetriebnahme 15 Jahre gedauert. So lange kann die KI-Aufholjagd in Deutschland nicht warten. Hierzulande sind wir zudem längst im Zeitalter der erneuerbaren Energien angelangt.

Nvidia-Chef: “Deutschland wird ein KI-Weltmarktführer”

Für Anleger ergibt sich ein fokussierter Investmentansatz entlang der Wertschöpfungskette. Deutsche Telekom baut als Betreiber digitaler Infrastruktur eigene KI-Kapazitäten auf und profitiert von steigender Nachfrage. SAP positioniert sich mit datengetriebenen Anwendungen und Plattformlösungen, die von Rechenleistung abhängen. Siemens adressiert industrielle KI, die in Produktionsprozessen eingesetzt werden. Und da wird noch mehr kommen.

Der strukturelle Trend ist intakt, doch Risiken bleiben durch Energieengpässe und abschmelzende regulatorische Komplexität bestehen. Für Investoren ergibt sich jedoch ein mittel- bis langfristiger Infrastrukturtrend, der mit kurzfristigen Engpässen einhergeht und selektives Vorgehen erfordert. Deutschland ist jedoch bereits gestartet, sich als führender und souveräner Datenstandort und KI-Zentrum in Europa zu etablieren. Dieser Meinung ist auch Nvidia-CEO Jensen Huang. „Deutschland wird künftig einer der größten KI-Märkte der Welt sein“, sagte er im November 2025 bei der Vorstellung der Industrial AI Cloud mit der Telekom.

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Igor Hirsch

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