Apple-Aktie fällt trotz guter Quartalszahlen
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Apple-Aktie fällt trotz guter Quartalszahlen

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Simeon Koch

Vor drei Wochen wurde Apple zum Symbol der globalen Zoll-Panik: Donald Trumps Handelskrieg mit China hatte eben erst begonnen, da importierte Apple per Expressflug 600 Tonnen iPhones aus China und Indien. Apples Plan war damals, explodierenden Importkosten zuvorzukommen und die Lager vor Inkrafttreten der neuen Zölle aufzufüllen. Einen Monat und ein absurdes Zollwettrennen zwischen Washington und Peking später kann man festhalten, dass der iOS-Entwickler alles richtig gemacht hat. Trotzdem bleibt die Lage „sehr schwierig“, wie Tim Cook gestern bei der Präsentation von Apples jüngsten Quartalszahlen konstatierte. Konkret drohen Mehrkosten von rund einer Milliarde Dollar wegen Trumps Zöllen. An der Börse ging es für die Aktie trotz solider Zahlen steil bergab.

Apple drohen 900 Millionen Zoll-Kosten

„Ich habe absolut keine Ahnung, wie das weitergeht“, offenbarte Apple-Geschäftsführer Tim Cook gestern Nacht deutscher Zeit bei der Präsentation der jüngsten Quartalszahlen und bezog sich dabei auf Trumps Zollkrieg mit China. Der Konzern könne wegen der makropolitisch angespannten Situation aktuell nicht über den nahenden Juni hinaus planen – und dennoch „bleiben wir zuversichtlich“, versicherte Cook.



Solide Zuwächse in allen Belangen: Apples Quartal war erfolgreich, aber nicht berauschend. Das operative Ergebnis verfehlte die Erwartungen knapp.

Der Zweckoptimismus stößt beim Blick auf die harten Fakten des Geschäfts aber rasch an seine Grenzen, schließlich wird laut dem CEO der „überwiegende Teil“ von Apples Produkten aus Teilen gefertigt, die aus anderen Ländern wie etwa China importiert werden. Apple beuge sich Trumps Plänen, die Spitzen-Industrie in die Vereinigten Staaten zurückzuholen, indem man dieses Jahr 19 Milliarden Chips aus den USA kaufen werde, versicherte Cook.

Ganz so einfach sei es aber nicht, die Fertigung von Apple-Produkten zurück in den Westen zu verlegen, gab der Geschäftsführer zu bedenken: „Bei einem iPhone muss man jedes Glied der Produktionskette beachten und berücksichtigen, wo alle Einzelteile herkommen.“ Und das ist bei Komponenten, die zu großen Teilen in Fernost hergestellt werden, eben kompliziert. Schon jetzt rechnet der Konzern mit Zollkosten von rund 900 Millionen US-Dollar im aktuellen zweiten Quartal.

Apple-Aktie fällt trotz guter Earnings

Bei all den Sorgen um Lieferketten und iPhone-Teile ging fast schon unter, dass Apple eigentlich ein solides erstes Quartal hingelegt hatte. Der Umsatz stieg um fünf Prozent auf 95.4 Milliarden US-Dollar, wobei 68.7 Milliarden auf Produktverkäufe (+2.7 Prozent) und 26.6 Milliarden auf Service-Leistungen wie iCloud-Abos oder die Streaming-Plattformen Apple TV+ und Apple Music (+11.6 Prozent) entfielen. Damit übertraf der Konzern knapp die Erwartungen der Analysten, die einen Gesamtumsatz von 94.7 Milliarden erwartet hatten.



Die Apple-Aktie hat deutlich auf den Absturz von Anfang April reagiert und unsere Zielzone abgearbeitet. Nun läuft ein mehrteiliger Anstieg.

Unterm Strich blieb Apple ein Nettogewinn von 24.8 Milliarden Dollar übrig, was einem Zuwachs von rund fünf Prozent entspricht. Der Gewinn je Aktie kletterte um rund acht Prozent von 1.53 auf 1.65 US-Dollar, auch hier schlug Apple die Wallstreet-Erwartungen von 1.63 Dollar knapp. Dabei profitierte der iPhone-Hersteller von wachsenden Verkäufen in Nord- und Südamerika, wo der Absatz um rund zwei Prozent auf 46.8 Milliarden Dollar wuchs und in Europa, wo Apple seine Einnahmen um gut ein Prozent auf 24.5 Milliarden Dollar steigern konnte.

Negativ schloss von Apples globalen Absatzmärkten nur China ab: Dort gingen die Verkaufserlöse im vergangenen ersten Quartal um gut zwei Prozent auf nunmehr 16 Milliarden US-Dollar zurück, nach rund 16.4 Milliarden im ersten Quartal des Vorjahres. Grund zur Panik sei das noch nicht, beruhigte Tim Cook. Schließlich verzeichne man, bereinigt um Währungseffekte, in China keinen Rückgang, sondern nur Stagnation. Besondere Begeisterung kam an der Börse trotzdem nicht auf. Eher im Gegenteil: Über Nacht verlor die Apple-Aktie rund fünf Prozent an Kurswert und hält sich am Freitagmorgen nur noch knapp oberhalb der runden 200-Dollar-Marke.

Analyse der Apple-Aktie: Jetzt einsteigen?

Hielte die Unsicherheit um Trumps Zollkrieg mit dem wichtigen Lieferanten China nicht schon seit Woche an, hätten Apples Quartalszahlen an den globalen Handelsplätzen glatt für Euphorie sorgen können. Schließlich steigerte sich der Umsatz aller wichtigen Hardware-Produkte und lag jeweils über den Erwartungen. So nahm Apple mit iPhone-Verkäufen von Januar bis März rund 46.8 Milliarden Dollar ein (Analysten-Erwartung: 45.8 Milliarden Dollar). Bei Mac-Computern waren es knapp acht Milliarden (Erwartung: 7.8 Milliarden Dollar), bei den iPads 6.4 Milliarden (Erwartung: 6.2 Milliarden Dollar).



Der aktuelle Aufwärts-Impuls sollte auf neue Rekordstände führen. Es sei denn, die Aktie knickt noch deutlich unterhalb der $260 wieder nachhaltig nach unten.

Allein bei den Wearables, zu denen etwa Apples Uhren zählen (7.5 Milliarden Dollar Umsatz; Erwartung: acht Milliarden) und den Dienstleistungen (26.65 Milliarden Dollar Umsatz; Erwartung: 26.70 Milliarden), verfehlte man die Prognosen knapp. Wenig begeistert waren Experten auch von Apples Entscheidung, wichtige KI-Meilensteine schon im letzten Sommer um mehrere Monate zu verschieben, weil mangelnde KI-Features die iPhone-Nachfrage beeinträchtigen könnten. Und dennoch bleibt Apple im Kerngeschäft auf solidem Wachstumskurs.

Dasselbe ist laut unserer Analyse von der Apple-Aktie zu erwarten. Aktuell befindet sich das Papier in einem Aufwärts-Impuls, nähert sich allerdings einer Zwischenkorrektur. Anschließend rechnen wir mit einer entschlossenen Attacke auf das letzte Allzeithoch bei rund 260 US-Dollar. Hier könnte es erneut zu einem Rücksetzer kommen, längerfristig aber sollte Apple auch diese Hürde nehmen und neue Rekordstände erreichen. Knickt der Kurs noch unter 260 Dollar wieder nachhaltig nach unten, kann sich die vorangegangene Korrekturbewegung alternativ nochmal verlängern, bevor es wieder nachhaltig aufwärts gehen kann.

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Simeon Koch

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