"Aktienmarkt überbewertet": Fed-Chef Powell warnt vor Überhitzung
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"Aktienmarkt überbewertet": Fed-Chef Powell warnt vor Überhitzung

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Carlo Schmid

Die wichtigsten Punkte

US-Notenbankchef Jerome Powell hat in einer Rede erklärt, dass die Aktienkurse in den USA nach vielen Maßstäben „fairly highly valued“ seien – also ziemlich hoch bewertet. Er hat dabei nicht das Wort „überbewertet“ benutzt, seine Formulierung wurde von Anlegern aber so verstanden, dass er vor einer Überhitzung warnt. Die Märkte reagierten prompt: Der Dow Jones fiel um 0.19 Prozent, der S&P 500 um 0.55 Prozent und der Nasdaq sogar um 0.95 Prozent. Damit endete eine Serie von Rekordschlüssen. Powell betonte außerdem, dass es für die Geldpolitik keinen „risikofreien Pfad“ gebe. Anleger blicken nun gespannt auf neue Inflationsdaten, die Ende der Woche veröffentlicht werden.

Powells Botschaft im Detail

Jerome Powell sprach in Rhode Island vor einem Publikum aus Wirtschaft und Politik. Er stellte klar, dass die US-Wirtschaft an einem heiklen Punkt stehe. Einerseits gibt es weiterhin die Gefahr, dass die Inflation zu hoch bleibt. Andererseits schwächelt der Arbeitsmarkt, was für die Notenbank ebenfalls ein Risiko darstellt. Powell fasste die Lage so zusammen: „Es gibt keinen risikofreien Pfad.“ Mit anderen Worten: Egal, welchen Kurs die Fed einschlägt – sei es Zinssenkungen oder das Abwarten, es gibt immer mögliche Nachteile für Wirtschaft und Märkte. Besonders aufmerksam hörten die Anleger jedoch zu, als er die Bewertung der Aktien ansprach. Seine Worte „fairly highly valued“ bedeuten wörtlich „ziemlich hoch bewertet“. Auch wenn er nicht ausdrücklich von einer „Überbewertung“ sprach, wurde die Bemerkung von vielen Analysten so interpretiert.

Reaktion an den Finanzmärkten

Die Börsen nahmen die Aussagen nicht auf die leichte Schulter. Direkt nach Powells Rede drehten die Kurse ins Minus. Der Dow Jones, der bekannteste Index mit 30 großen US-Unternehmen, verlor 0.19 Prozent. Der S&P 500, der die 500 größten Firmen abbildet und als breiterer Maßstab gilt, sank um 0.55 Prozent. Am stärksten traf es den Nasdaq, der vor allem Technologiewerte enthält. Hier ging es fast ein Prozent nach unten. Das Besondere: Noch in den Tagen davor hatten die Börsen neue Höchststände erreicht.

Was genau mit „hoher Bewertung“ gemeint ist

Viele Anleger fragen sich, was es bedeutet, wenn Aktien „hoch bewertet“ sind. Vereinfacht gesagt: Der Preis einer Aktie wird ins Verhältnis zu den Gewinnen eines Unternehmens gesetzt. Wenn dieser Wert, das sogenannte Kurs-Gewinn-Verhältnis, sehr hoch liegt, bedeutet das, dass Investoren viel Zukunftserfolg in die Kurse eingepreist haben. Je höher die Bewertung, desto größer ist das Risiko, dass schon kleine Enttäuschungen bei Unternehmenszahlen zu starken Kursverlusten führen. Powell wollte damit offenbar keine Panik auslösen, sondern die Märkte darauf hinweisen, dass die aktuelle Euphorie auch Schattenseiten hat.

Geldpolitik im Hintergrund

Wichtig ist, dass diese Diskussion nicht isoliert steht. Die Fed hatte erst vor kurzem die Zinsen gesenkt, der erste Schritt in diesem Jahr. Anleger hatten daraufhin gehofft, dass weitere Zinssenkungen schnell folgen könnten. Zinssenkungen sind wichtig, weil sie Kredite günstiger machen und Investitionen sowie Konsum anregen. Gleichzeitig können sie aber auch die Inflation wieder antreiben. Powell hat deutlich gemacht, dass er die Risiken genau abwägen will. Er sagte bewusst nicht, wie schnell oder wie stark die Fed weiter vorgehen wird. Das zeigt, dass die Notenbank sehr vorsichtig ist und sich von den kommenden Daten leiten lässt.

Druck auf Technologiewerte

Besonders stark traf es nach Powells Rede die Technologiewerte im Nasdaq. Der Chipkonzern Nvidia verlor 2.8 Prozent, nachdem die Aktie noch am Vortag von großen Investitionsplänen rund um Künstliche Intelligenz profitiert hatte. Auch andere große Namen wie Amazon, Microsoft und Apple gaben nach. Der Technologiesektor gilt als besonders anfällig für hohe Bewertungen, da hier viele Zukunftsgewinne bereits in die Kurse eingerechnet sind. Ein Hinweis von Powell, dass die Preise „hoch“ sind, reicht deshalb oft schon, um Nervosität auszulösen.

Blick auf kommende Daten

Anleger richten ihren Fokus nun auf die Veröffentlichung des PCE-Preisindex am Freitag. Dieses Maß für die Inflation wird von der Fed besonders beachtet. Es zeigt, wie stark die Preise für Konsumgüter und Dienstleistungen steigen. Sollten die Zahlen höher ausfallen als erwartet, könnte das die Diskussion über Zinssenkungen erneut belasten. Sind sie dagegen niedrig, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed den Zinssatz weiter senkt. Für die Märkte bedeutet das: Die nächsten Tage bleiben entscheidend.

Fazit

Jerome Powell hat mit wenigen Sätzen viel Bewegung an den Börsen ausgelöst. Er sagte nicht, dass Aktien „überbewertet“ seien, sondern sprach von „fairly highly valued“, also ziemlich hoch bewertet. Doch die Botschaft kam an: Die Kurse sind sehr hoch, und die Fed schaut genau hin. Für Anleger heißt das, dass die kommenden Wochen wahrscheinlich von Unsicherheit geprägt bleiben. Vor allem die Inflation und die Frage, wie die Fed darauf reagiert, werden die Stimmung an den Märkten bestimmen.

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