Powell warnt vor Stagflation: Fed kürzt Zinsen und bleibt vorsichtig
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Powell warnt vor Stagflation: Fed kürzt Zinsen und bleibt vorsichtig

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Carlo Schmid

Die wichtigsten Punkte

Die US-Notenbank hat am 17. September den Leitzins um 25 Basispunkte, also 0.25 Prozentpunkte, gesenkt. Der neue Korridor liegt nun bei 4.00 bis 4.25 Prozent. Damit reagiert die Fed auf eine Abkühlung des Arbeitsmarktes, während die Inflation gleichzeitig noch nicht auf dem gewünschten Zielwert ist. Fed-Chef Jerome Powell machte klar, dass die Notenbank Schritt für Schritt vorgehen will und weitere Senkungen für dieses Jahr möglich sind. Innerhalb des Führungsgremiums gab es allerdings unterschiedliche Meinungen: Der neu ernannte Gouverneur Stephen Miran hätte sich eine stärkere Senkung um 50 Basispunkte gewünscht, konnte sich aber nicht durchsetzen.

Zinsentscheidung: Ein vorsichtiger Schritt nach unten

Die Senkung des Leitzinses bedeutet, dass Banken in den USA für ihre Kredite an die Notenbank etwas weniger zahlen müssen. Das macht es für Unternehmen und Verbraucher günstiger, Geld zu leihen. Mit diesem Schritt will die Fed die Konjunktur stützen, die zuletzt schwächer geworden ist. Gleichzeitig will sie die Zinsen laut eigenen Aussagen aber nicht zu stark senken, weil dies die Inflation wieder anheizen könnte. Deshalb fiel die Entscheidung auf eine moderate Senkung um 0.25 Prozentpunkte. Der neue Zinskorridor von 4.00 bis 4.25 Prozent gilt als vorsichtiger Schritt, der ein Gleichgewicht zwischen den beiden Zielen, Preisstabilität und Beschäftigung, schaffen soll.

Ausblick: Weitere Zinsschritte wahrscheinlich

Powell betonte in seiner Pressekonferenz, dass die Fed in diesem Jahr wahrscheinlich noch zwei weitere Zinssenkungen vornehmen könnte. Ob und wann diese Schritte erfolgen, hänge jedoch stark von den kommenden Wirtschaftsdaten ab. Die Märkte rechnen bereits damit, dass es Ende Oktober eine weitere Senkung geben wird. Diese Erwartungen spiegeln sich auch in den sogenannten Terminmärkten wider, wo Investoren darauf wetten, wie sich die Zinsen entwickeln. Dennoch will die Fed keine feste Zusage geben, sondern nach jeder neuen Sitzung auf Basis der aktuellen Zahlen entscheiden. Das soll Flexibilität schaffen, um auf plötzliche Veränderungen reagieren zu können.

Begründung: Arbeitsmarkt kühlt ab, Inflation bleibt Risiko

Einer der Hauptgründe für die Zinssenkung ist die Lage am Arbeitsmarkt. Laut Powell schaffen die Unternehmen derzeit nicht mehr genug neue Stellen, um die Arbeitslosenquote stabil zu halten. Das deutet auf eine Abkühlung hin. Gleichzeitig ist die Inflation, also der Anstieg der Preise, noch nicht vollständig unter Kontrolle. Zwar hat sich der Preisauftrieb im Vergleich zum vergangenen Jahr abgeschwächt, liegt aber immer noch über dem Zielwert von 2 Prozent. Die Fed muss also abwägen: Senkt sie die Zinsen zu stark, droht ein neuer Preisschub. Senkt sie zu wenig, könnte die Wirtschaft in eine tiefe Schwächephase rutschen.

Abweichende Stimme: Miran fordert stärkere Senkung

Nicht alle Mitglieder der Fed waren mit der vorsichtigen Linie einverstanden. Stephen Miran, ein neu ernannter Gouverneur der Notenbank, wollte die Zinsen gleich um 0.50 Prozentpunkte senken. Er argumentierte, dass die Risiken für die Wirtschaft stark genug seien, um einen kräftigeren Schritt zu rechtfertigen. Doch Powell machte deutlich, dass es im Führungsgremium keine breite Unterstützung für ein solches Vorgehen gab. Das zeigt, dass die Fed derzeit stark darauf bedacht ist, ihre Schritte vorsichtig und mit großer Mehrheit abzustimmen, um keine Unsicherheit an den Finanzmärkten auszulösen.

Das Mandat der Fed: Was bedeutet „moderate langfristige Zinsen“?

In den Diskussionen wurde auch ein Aspekt angesprochen, der vielen Beobachtern weniger bekannt ist: das gesetzliche Mandat der Fed. Neben den beiden Hauptzielen – Preisstabilität und maximale Beschäftigung – gibt es noch eine dritte Formulierung, die von „moderaten langfristigen Zinsen“ spricht. Powell erklärte, dass diese Formulierung kein eigenes Ziel darstellt, sondern eine Folge der beiden Hauptaufgaben ist. Wenn die Inflation niedrig und die Arbeitslosigkeit gering ist, entstehen automatisch stabile und moderate langfristige Zinsen. Das bedeutet, dass die Fed hier nicht aktiv steuern muss, sondern dass es sich um ein Ergebnis ihrer Politik handelt.

Politik und Unabhängigkeit: Druck auf die Fed

Die aktuelle Zinspolitik findet in einem politisch angespannten Umfeld statt. Präsident Trump und Teile seiner Regierung haben in den vergangenen Monaten immer wieder Druck auf die Notenbank ausgeübt, die Zinsen schneller und stärker zu senken. Powell betonte jedoch erneut, dass die Entscheidungen unabhängig getroffen werden und sich ausschließlich an den Wirtschaftsdaten orientieren. Die abweichende Stimme Mirans zeigt aber auch, dass politische Einflüsse nicht zu unterschätzen sind. Trotzdem bleibt die Linie der Fed: vorsichtig vorgehen und Schritt für Schritt reagieren.

Reaktionen der Märkte: Abwarten statt Euphorie

Die Finanzmärkte reagierten verhalten auf die Entscheidung. Während der Dollar zwischenzeitlich etwas stärker wurde, blieben die Renditen von US-Staatsanleihen weitgehend stabil. Auch die Aktienmärkte zeigten keine klare Richtung. Das verdeutlicht, dass die Zinssenkung zwar erwartet wurde, die Investoren aber noch nicht wissen, wie es weitergeht. Viele Anleger warten nun auf die nächsten Daten zum Arbeitsmarkt und zur Inflation, um einschätzen zu können, wie stark die Fed die Zinsen in den kommenden Monaten tatsächlich senken wird.

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Carlo Schmid

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