Der Handelskonflikt zwischen den USA und China hat eine neue Dimension erreicht: Beide Länder werfen sich gegenseitig vor, Abmachungen zum Abbau von Handelshemmnissen gebrochen zu haben. Die Eskalation kommt mitten in der 90-tägigen Zollpause, die Mitte Mai in Genf vereinbart wurde. Washington wirft der chinesischen Regierung vor, Seltene Erden zurückzuhalten, die für die Hightech-Industrie unverzichtbar sind. China kontrolliert weite Teile der weltweiten Förder-Kapazität für Seltene Erden und besitzt damit ein geopolitisches Druckmittel. Die Trump-Regierung beschuldigt China, gegen das in Genf erzielte Handelsabkommen zu verstoßen und droht mit einer weiteren Eskalation.
China wehrt sich gegen die Vorwürfe und erklärte über Regierungsorgane, dass die USA selbst die Vereinbarungen untergraben hätten. Die chinesische Regierung kritisierte in diesem Zusammenhang, dass die USA durch Maßnahmen wie Exportkontrollen und den Entzug von Visa für chinesische Studierende die Handelsbeziehungen belasten würden. Sollte der Handelskonflikt nun wieder eskalieren, könnte das auch die Aktienmärkte in beiden Staaten deutlich belasten. Laut unserer Analyse stehen sowohl im US-Leitindex S&P500 als auch beim chinesischen Hang Seng Korrekturen an.
TACO-Meme: Presse macht sich über Trump lustig
Inmitten der neuerlich aufbrechenden Spannungen zwischen den USA und China hat der Begriff TACO, ein Akronym für Trump Always Chickens Out (Trump knickt immer ein), an Popularität gewonnen. Dieses Meme spiegelt die Unzufriedenheit vieler Beobachter mit Trumps unberechenbarer Handelspolitik und seinen häufigen Richtungswechseln. Der Begriff chicken out, der im amerikanischen Sprachgebrauch eine feige Handlung beschreibt, wird hier verwendet, um Trumps Neigung zu beschreiben, in Handelskonflikten zurückzuziehen.
Der S&P500 kratzt nach dem scharfen Abverkauf im April und der anschließenden Erholung wieder an den 6000 Punkten. Eine deutliche Korrektur steht kurz bevor.
Kritiker identifizieren dieses Muster in gleich mehreren Verhandlungen, die Trump in den vergangenen Wochen mit Handelspartnern geführt hat. So ruderte Trump nur einen Monat nach seinem Liberation Day, an dem er exorbitante Zölle gegen fast alle Länder der Welt verhängt hatte, wieder zurück. Die kollektive Zollpause von 90 Tagen sollte Verhandlungspartnern die Möglichkeit geben, mit der US-Regierung Handelsvereinbarungen zu treffen. Im Zollstreit mit China schaukelten sich Washington und Peking in ihren Strafzöllen hoch, bis Trump erste Zoll-Ausnahmen verkündete und die Gespräche in Genf einberief.
Auch der Umgang mit der EU nährte das TACO-Meme, das von US-Zeitungen ins Leben gerufen wurde. Mitte Mai drohte Trump 50-prozentige Zölle gegen EU-Waren ab Anfang Juni an, verschob die Deadline dann auf Juli und belegte Aluminium und Stahl dann trotzdem zum Monatsstart mit hohen Zöllen. Auf sein Hin und Her wurde der US-Präsident auch bei einer kürzlichen Pressekonferenz im Weißen Haus angesprochen. Trumps Reaktion auf das Meme war alles andere als gelassen, als eine Journalistin ihn auf seinen neuen Spitznamen ansprach. Er bezeichnete die Frage als "böse" und beharrte darauf, dass seine Taktik in den Verhandlungen notwendig sei, um die Interessen der USA zu schützen.
Wirtschaftliche Auswirkungen des Zollstreits
Der andauernde Zollstreit zwischen den USA und China hat erhebliche wirtschaftliche Folgen für beide Länder. Die Unsicherheit über zukünftige Handelsbeziehungen führt zu Volatilität auf den Märkten und beeinflusst Investitionsentscheidungen. In den USA sind insbesondere Branchen betroffen, die auf Importe aus China angewiesen sind, wie die Elektronikindustrie und der Einzelhandel. Die erhöhten Zölle treiben die Kosten für Verbraucherprodukte in die Höhe und stellen eine Belastung für die amerikanische Wirtschaft dar.
Der Hang Seng ist nach dem Absturz Anfang April nicht mehr zurück an den Widerstand nahe der 25 000-Punkte-Marke gekommen und verkauft nun ebenfalls ab.
Anfang April saß der Schock im chinesischen Aktienmarkt infolge der horrenden US-Zölle tief. Der Leitindex Hang Seng (HSI) fiel vom Widerstand bei knapp 25 000 Punkten zurück unter 20 000. Bis Ende Mai kletterte der HSI zwar wieder deutlich aufwärts, erreichte den Widerstand bei 25 000 Punkten aber nicht mehr. Stattdessen drehte der Kurs schon nahe der 24 000-Punkte-Marke wieder nach unten und dürfte nun eine längere Korrektur gestartet haben. Mittelfristig kann es hinab in Richtung der Unterstützung bei gut 16 000 Punkten gehen. Abonnenten unseres Hang-Seng-Analysepakets erhalten konkrete Zielzonen für lukrative Einstiege!
Auch wenn die Charts auf eine baldige Korrektur hindeuten, profitiert China kurzfristig von der Zollpause, die es ermöglicht, Lieferungen in die USA wiederaufzunehmen. Dies zeigt sich in der leichten Erholung des Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe. Allerdings bleibt die Unsicherheit über die Fortsetzung der Handelsbeziehungen bestehen, was die langfristige Planung für chinesische Unternehmen erschwert. Die strategische Bedeutung der Seltenen Erden als Druckmittel verstärkt die Spannungen zusätzlich und wirft Fragen über die künftige Stabilität der globalen Lieferketten auf.
TACO-Trump: Geht China als Sieger aus dem Konflikt hervor?
Der Handelskonflikt zwischen den USA und China ist geprägt von gegenseitigen Vorwürfen und strategischen Interessen, die eine schnelle Lösung unwahrscheinlich machen. Die chinesische Kontrolle über Seltene Erden bleibt ein zentraler Punkt der Auseinandersetzung, der die Beziehungen zwischen den beiden wirtschaftlichen Supermächten belastet. Das TACO-Meme illustriert die zunehmend kritische öffentliche Wahrnehmung von Trumps Handelspolitik und das sinkende Vertrauen internationaler Handelspartner in die Vereinigten Staaten. Gleichzeitig weiß China seine Trümpfe, vor allem die Kontrolle Seltener Erden, geschickt einzusetzen, um die USA unter Druck zu setzen.
Langfristig dürfte der chinesische Aktienmarkt trotz der anstehenden Korrektur deutlich wachsen: Übergeordnet durchläuft der Hang Seng eine Impulsbewegung.
Allerdings hat auch China ein lebhaftes Interesse daran, den Handelskonflikt mit der Trump-Regierung beizulegen. Schließlich gehen fast 15 Prozent der jährlichen Exporte aus dem Reich der Mitte in die USA, was fast einer halben Billion US-Dollar entspricht. Den Verlust dieser Einnahmen kann sich auch Peking nicht leisten. Das langfristige Wachstum des chinesischen Aktienmarktes sollte aber selbst der harte Zollkonflikt mit den Vereinigten Staaten nicht stoppen. Trotz der zeitnah erwarteten Korrektur befindet sich der Hang Seng übergeordnet in einem Aufwärts-Impuls, der bereits Ende 2022 mit dem Tief bei gut 14 600 Punkten seinen Anfang genommen hat. Mittelfristig dürfte der HSI zurück in Richtung der 30 000-Punkte-Marke marschieren. Wo sich auf diesem Weg lukrative Einstiegsmöglichkeiten bieten, teilen wir unseren Abonnenten regelmäßig mit.
Die wichtigsten Fragen kurz beantwortet:
Was bedeutet das TACO-Meme in Bezug auf Trump?
Das TACO-Meme steht für "Trump Always Chickens Out" und kritisiert Trumps unberechenbare Handelspolitik, die häufige Richtungswechsel beinhaltet.
Warum sind Seltene Erden im Handelskonflikt wichtig?
Seltene Erden sind essenziell für die Hightech-Industrie. Die Kontrolle über diese Rohstoffe gibt China einen strategischen Vorteil im Handelsstreit.
Wie wirkt sich der Konflikt auf die Wirtschaft aus?
Der Konflikt führt zu Unsicherheit auf den Märkten und beeinflusst Investitionen. In den USA steigen die Verbraucherpreise, während China von der Zollpause profitiert. Bei den großen nationalen Indizes S&P500 und Hang Seng dürften bald ausgedehnte Korrekturen beginnen.
Was sind die nächsten Schritte im Handelskonflikt?
Obwohl Gespräche zwischen Trump und Xi Jinping in Aussicht stehen, bleibt eine schnelle Lösung unwahrscheinlich, da beide Seiten an ihren Positionen festhalten und den Ton zusehends verschärfen.




