Welche Aktien sollte man in der Rezession kaufen?
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Welche Aktien sollte man in der Rezession kaufen?

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Simeon Koch

Welche Aktien sollte man in der Rezession kaufen? Bevor man diese Frage beantwortet, muss man eines verstehen: Wer zu vorsichtig agiert, verpasst Chancen, wer zu spekulativ vorgeht, fällt auf die Nase. Entscheidend ist nicht der perfekte Plan, sondern eine flexible Strategie, kluges Risikomanagement und ein breit aufgestelltes Portfolio. Nur so lassen sich Chancen in unsicheren Zeiten sinnvoll nutzen. In einer Rezession verlieren viele Aktien an Wert, doch wer liquide bleibt, kann günstige Qualitätstitel kaufen und später profitieren. Dabei hilft es, jene Assets zu besitzen, die selbst im Crash gut performen. Doch welche sind das?

Wie schützt man sein Geld vor der Rezession?

Der Autor dieses Texts hatte im Studium einen WG-Mitbewohner namens Matze. Matze war ein feiner Kerl, zeichnete sich an der Börse aber durch eine gewisse Skrupellosigkeit aus – und machte daraus keinen Hehl. Wo andere moralische Zweifel hegten, tätigte Matze große Investitionen. Als sich der Krieg in der Ukraine abzeichnete, kaufte Matze Waffen-Aktien. Als die WHO vor der Corona-Krise warnte, stieg er groß bei Pharma-Konzernen ein.


Der Nasdaq dürfte in diesem Zyklus ein neues Allzeithoch erreichen und dann in eine lange Rezession gehen. Wie schützt man sich vor dem Crash?
Das muss man nicht gut finden – Matze aber verdiente in Krisen gutes Börsengeld. In seiner Trickkiste gab es aber noch eine ganze Reihe weiterer Kniffe, um profitabel zu bleiben, wenn die Finanzmärkte in Panik geraten – etwa in einer Rezession. Viele dieser Tricks sind unkonventionell und nicht unbedingt zur Nachahmung empfohlen. Sollte Matzes Plan allerdings aufgehen, könnte man damit selbst in der Rezession sehr gut fahren. Wenn alle tief im Minus sind, entscheidet sich, wer an der Börse gewinnt. Das sind diejenigen, die genug Geld und die passenden Assets im Portfolio haben.

Wie man vom Crash profitiert

Kriegsdrohnen für Krisengebiete, Ölkonzerne mit fadenscheinigen Umweltkonzepten oder teure Medikamente für arme Regionen: In Matzes Portfolio fanden sich allerlei Assets, die ethisch diskutabel, in Krisenzeiten aber mindestens ebenso lukrativ waren. Matze tat im echten Leben keiner Fliege etwas zuleide, ließ sein Gewissen bei der finanziellen Planung aber geflissentlich schweigen. Über seine Krisen-Strategie sagte er: „Wer mit einer Krise Geld verdienen will, muss zunächst mal mehr Geld übrig haben als der breite Durchschnitt der Kleininvestoren“.


Gold gilt als sicherer Hafen bei großen Krisen. Das nächste Top könnte bald erreicht sein. Primär rechnen wir dann mit einer langen Korrektur.
Weil Matze sehr stolz auf seine Krisenstrategie war, erklärte er seine Idee gerne und oft: „Wenn in einer Rezession alles den Bach runtergeht, haben die meisten Leute kein Geld mehr zum Einkaufen – weder beim Modegeschäft um die Ecke noch an der Börse.“ Deshalb sei es bei einem großen Crash am wichtigsten, liquide zu bleiben, um gute Aktien günstig einzukaufen. Gelinge das, so habe man schon mehr erreicht als die große Mehrheit der anderen Investoren, war Matze überzeugt. Sein Mantra war: „Wenn die Märkte ihren Boden erreichen, wird entschieden, wer in Zukunft gutes Geld macht und wer immer wieder verliert“.

Nun ist es unter Anlegern kein Geheimnis, dass man die besten Börsengeschäfte in Krisen machen kann. Vorausgesetzt natürlich, man hat Geld, um einzukaufen und muss eigene Positionen nicht im Verlust abstoßen. Wer Aktien billig kauft, macht Geld. Wer Aktien billig verkaufen muss, verliert Geld. So einfach ist das. Um in diesem Spiel zu gewinnen, reicht es aber nicht, den perfekten Einstieg zu finden. Man muss auch im richtigen Moment das nötige Geld haben, um zu investieren. Wie aber kriegt man das am besten hin?

Cannabis-Aktien gegen den Crash?

Es gibt zwei Möglichkeiten, um in Krisen genug Cash für gute Aktienkäufe zu haben. Der einfachste Weg ist, Geld zu sparen und immer wieder für schlechte (Börsen-) Zeiten auf die Seite zu legen. Dabei gibt es allerdings ein großes Problem: Was, wenn die Krise, mit der man rechnet, gar nicht kommt? Was, wenn die Märkte einfach weitersteigen und das eigene Kapital am Ende an der Seitenlinie bleibt? Besser ist da (zumindest in der Theorie) die zweite Möglichkeit: Assets kaufen, die auch in Krisen gut performen.


Von den scharfen Abverkäufen der letzten Monate hat Philip Morris kaum etwas mitbekommen. Für den Tabak-Riesen kann es deutlich weiter aufwärts gehen.
Hält man eine Aktie, die ansteigt, während der Markt fällt, hat man das, was Matze gerne als „Jackpot der Rezession“ bezeichnete. Wer Geld verdient, während andere verlieren, kann am Boden kräftig einkaufen. Das klingt hart – so aber funktioniert nun mal der Finanzmarkt. Wer daran teilnimmt, akzeptiert die Spielregeln. Wer investiert, setzt das Risiko eines Verlusts gegen die Chance eines Gewinns. In einer Krise zeigt sich, wer richtig gewettet hat. Und wer es richtig macht, hat im Crash gute Aktien und gutes Geld. Genau das war Matzes Paradedisziplin.

„In der Krise gewinnst du, wenn du verstehst, was die Leute immer wollen“, sagte Matze einmal. Seine Lieblingsregel war: „Egal, wie tief die Krise ist – die Sucht stirbt nie.“ Deshalb kaufte Matze Aktien von Alkohol- und Tabakkonzernen, wenn er meinte, eine Krise stehe kurz bevor. Auf der Watchlist war dann etwa Philip Morris, der größte westliche Hersteller von Tabakwaren und Newcomer im umkämpften Cannabis-Sektor. Fragte man ihn, was in einer Krise für Cannabis-Aktien spreche, antwortete Matze für gewöhnlich knapp: „Realitätsflucht“.

Netflix, Warner, Bitcoin: Neues Gold in vielen Formen

Dass Cannabis in einer großen Krise stärker nachgefragt würde, lag für Matze fast schon auf der Hand: „Wenn es um dich herum beschissen ist, willst du irgendwo anders hin. Wenn das im Alltag aber nicht klappt, muss man sich eben mit Drogen behelfen.“ In Märkten, wo Cannabis legal sei, sollten also Unternehmen profitieren, die THC-Produkte anbieten – so zumindest Matzes These. Riskant ist diese Wette allemal, schließlich ist der Cannabis-Markt höchst volatil, und reagierte in der Vergangenheit heftig auf wirtschaftliche Turbulenzen. Meistens zum Nachteil der jeweiligen Aktien.


Trotzt der Bitcoin einem möglichen baldigen Crash? Laut unserer Analyse könnte auch BTC noch einmal deutlich fallen.
Für weniger risikoaffine Anleger mit moralischen Skrupeln vor Einstiegen bei Tabakkonzernen gibt es eine Alternative: Realitätsflucht ohne physische Suchtmittel – also Unternehmen, die solche Möglichkeiten bieten. Prädestiniert sind hierbei Streaming-Dienste wie Netflix oder Produktionsfirmen wie Warner Bros. Auch bei diesen Titeln ist freilich nicht sicher, dass sie Krisen unbeschadet oder sogar profitabel überstehen. Aktuell läuft es trotz der Verunsicherung am Aktienmarkt aber gut im Streaming-Sektor: Netflix präsentierte starke Quartalszahlen, Disney und Warner kämpfen sich aus einer Schwächephase zurück.

Wer nach krisensicheren Assets im digitalen Raum sucht, kommt auch an Bitcoin kaum vorbei. Vielfach als digitales Gold beschworen bringt der Krypto-Marktführer vieles mit, was ihn weitgehend resistent gegen eine Rezession machen könnte. Freilich verlor BTC bisher in jedem Bärenmarkt zwischenzeitlich massiv an Kurswert – der Einstieg großer institutioneller Investoren wie Michael Saylors Strategy könnte Bitcoin aber dazu verhelfen, sich vom Risiko-Asset zum Krisenschutz zu mausern. Eine Garantie für gute Performance in einem möglichen Abschwung ist das aber nicht. Es wäre Bitcoins erste große Rezession – historische Vergleiche gibt es also (noch) nicht.

Sei (nicht) wie Matze!

Nun sind wir am Ende des Textes angelangt und haben immer noch keine Königslösung für die Absicherung des eigenen Portfolios in einer Rezession. Waffen- und Suchtmittel-Aktien sind moralisch verwerflich. Cannabis-Aktien hochriskant. Streaming-Dienste und Unterhaltungskonzerne erholen sich aktuell, haben nach dem Corona-Boom aber harte Zeiten erlebt. Bei Bitcoin fehlen die historischen Daten, um eine Reaktion auf große wirtschaftliche Abschwünge antizipieren zu können. Und wer sein Geld lediglich auf die Seite legt, riskiert den Zug zu verpassen.

Bleibt am Ende also nichts anderes übrig, als doch wieder auf Gold zu setzen? Schließlich ist das edelste Edelmetall für Investoren weltweit die Definition eines sicheren Hafens und wurde diesem Ruf erneut während der jüngsten Zollkrise zwischen den Vereinigten Staaten und China gerecht. Am Ende weiß niemand, welche Assets in einer möglichen Rezession gut performen. Und das ist gut so. Denn würde jeder die optimale Anlage kennen, könnte man damit kein Geld mehr verdienen. Würde jeder Marktteilnehmer optimal handeln, so könnte sich niemand einen Vorteil erarbeiten.


Der Preis der Netflix-Aktie hat sich seit dem Tief 2022 vervielfacht, kann aber noch etwas klettern. Auch übergeordnet ist die Struktur bullish.
So clever Matzes Krisenstrategie auch klingen mag – sie stand ihm mindestens genauso oft im Weg wie sie aufging. Als die Kryptobörse FTX im Winter 2022 kollabierte und Bitcoin auf 15 000 US-Dollar fiel, meinte Matze, er würde groß einsteigen, wenn BTC unter 10 000 Dollar zu haben sei. Wie wir heute wissen, kam es aber nie dazu. Matze verpasste den ganzen bisherigen Bitcoin-Bullenmarkt.

Allzu viel Schwarzmalerei tut dem eigenen Portfolio also auch nicht gut. Jeder Anleger sollte stets einen Krisenplan parat haben. Erfolg an der Börse erfordert aber Flexibilität. Wer ängstlich handelt, bleibt auf der Strecke. Wer zu riskant vorgeht, fällt auf die Nase. Die Kunst besteht darin, weder zu viel zu verpassen noch zu viel zu riskieren. Das schafft man etwa durch gute Diversifikation oder sukzessive Teileinstiege. Matze kann dabei eine Inspiration sein. Ein Allheilmittel für Börsenprobleme sind seine Krisenpläne aber nicht. Auch, wenn er selbst felsenfest davon überzeugt ist.

FAQ: Was passiert mit Aktien in der Rezession?

In einer Rezession sinken die Unternehmensgewinne oft, weil Konsumenten und Firmen weniger Geld zur Verfügung haben. Das führt dazu, dass Anleger niedrigere zukünftige Erträge erwarten und Aktien verkaufen. Schlechte Prognosen senken die Nachfrage nach Aktien, was wiederum deren Preise drückt. Viele Investoren gehen schon davon aus, dass Aktien in Krisenzeiten fallen, weshalb sie vorsorglich verkaufen. So wird der Crash zur selbsterfüllenden Prophezeiung. Oftmals sind die ersten Abverkäufe übertrieben und bieten gute Chancen, um einzusteigen.

Welche Aktien steigen während einer Rezession?

In einer Rezession laufen oft sogenannte defensive Aktien gut, etwa aus den Bereichen Gesundheit, Versorger oder Basiskonsumgüter. Dazu zählen Pharma-Konzerne wie Johnson & Johnson oder Großhändler wie Walmart sowie Procter & Gamble. Diese Unternehmen bieten Produkte und Dienstleistungen, die auch in wirtschaftlich schlechten Zeiten benötigt werden. Außerdem können Aktien von Unternehmen steigen, die einen akuten Bedarf bedienen. Ist ein Krieg Auslöser einer Rezession, werden etwa Waffenaktien stark nachgefragt, weil den Konzernen Gewinne winken.

Was bedeutet eine Rezession für die Börse?

Für die Börse bedeutet eine Rezession, dass viele Kleinanleger aus dem Markt gedrängt werden. Hohe Verluste und Panik sorgen dafür, dass unerfahrene Investoren im Minus verkaufen und dem Finanzmarkt den Rücken kehren. Vielen Konsumenten fehlt in wirtschaftlich schwachen Zeiten das notwendige Kapital, um an der Börse zu investieren. Große Investoren halten die Füße still, um kein zu großes Risiko in einem instabilen Marktumfeld einzugehen. Dadurch sinken das Handelsvolumen und die Kurse. An der Börse setzen Katerstimmung, Ernüchterung und Enttäuschung ein.

Wie reagieren Aktien auf eine Rezession?

Im ersten Moment fallen die Abverkäufe zumeist heftiger aus als angemessen, weil die Märkte das schlimmstmögliche Szenario einpreisen. Zu beobachten war das etwa bei Ausbruch der Corona-Pandemie: Innerhalb weniger Tage fielen die Aktienmärkte um mehrere Dutzend Prozent, Bitcoin und Altcoins verloren teils an einem Tag mehr als die Hälfte ihres Kurswerts. Die Erholung setzte aber rasch ein, es folgte ein steiler Anstieg über mehrere Monate, weil Notenbanken die Geldpolitik lockerten. Die Rezession 2020 war allerdings eine Ausnahme, weil sie von so kurzer Dauer war. Ein großer ökonomischer Abschwung kann Jahre dauern und die Märkte deutlich länger drücken.

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