Wegen “Fake”-TV-Werbespot: Trump stoppt Zollgespräche mit Kanada
#Global Markets

Wegen “Fake”-TV-Werbespot: Trump stoppt Zollgespräche mit Kanada

Author

Carlo Schmid

Die wichtigsten Punkte

Donald Trump hat alle Handelsgespräche mit Kanada gestoppt, nachdem ein TV-Spot aus der Provinz Ontario Ronald Reagan mit zollkritischen Zitaten zeigte. Trump nannte den Spot „FAKE“ und warf Kanada Einflussnahme auf ein US-Gerichtsverfahren zu Zöllen vor. Die Reagan-Stiftung kritisierte die Verwendung des Materials. Der Abbruch gefährdet die laufenden Gespräche über Stahl- und Aluminiumhandel kurz vor der wichtigen USMCA-Überprüfung im Jahr 2026.

Skandal-Werbung bringt Trump zum Kochen

US-Präsident Donald Trump hat am Freitag völlig überraschend erklärt, er beende alle Handelsverhandlungen mit Kanada. In einem Beitrag auf seiner Plattform Truth Social schrieb er, das Verhalten Kanadas sei „ungeheuerlich“. Hintergrund ist ein Fernsehspot aus Ontario, in dem Ausschnitte aus einer Rede des früheren US-Präsidenten Ronald Reagan gezeigt werden. In dem Spot spricht Reagan über die Risiken von Zöllen und Handelskriegen. Aussagen, die in direktem Widerspruch zu Trumps aktueller Handelspolitik stehen.


Der siebte Buchstabe für unser Schnitzeljagd-Gewinnspiel ist T! Gewinnen Sie ein Gratis-Abo unserer Analyse. Klicken Sie auf das Banner, um mehr zu erfahren!


Der einminütige Spot stammt aus einer 75 Millionen kanadische Dollar teuren Kampagne der Provinz Ontario. Er zeigt Ausschnitte aus Reagans Radioansprache von 1987, in der er vor den Folgen von hohen Einfuhrzöllen warnte. Das Video endet mit dem Hinweis, dass freier Handel Arbeitsplätze sichere und Wohlstand schaffe. Gesendet wird der Spot in den USA, offenbar mit dem Ziel, die amerikanische Öffentlichkeit und Politik für die negativen Folgen der neuen Zölle zu sensibilisieren.

Reagans Erbe und die Kritik der Stiftung

Die Ronald-Reagan-Stiftung hat sich von dem Spot deutlich distanziert. Sie erklärte, dass weder die Provinz Ontario noch die kanadische Regierung die Nutzung des Materials autorisiert hätten. Man prüfe nun rechtliche Schritte gegen die Produzenten. Auch wies die Stiftung darauf hin, dass Reagan zwar für freien Handel stand, seine Aussagen aber im historischen Kontext anders gemeint gewesen seien. Trump griff diese Erklärung auf und warf Kanada vor, „Reagans Erbe für politische Zwecke zu missbrauchen“.

Trump sieht in dem Werbespot einen Versuch, das laufende Verfahren vor dem Obersten Gerichtshof der USA zu beeinflussen. Das Gericht soll im November darüber entscheiden, ob Trumps weltweite Zollpolitik rechtmäßig ist. Sollte das Gericht gegen ihn urteilen, müssten die USA voraussichtlich Milliarden an Importeuren zurückzahlen. Trumps Vorwurf: Der Spot solle Druck auf das Gericht ausüben, indem er Zölle öffentlich in ein schlechtes Licht rücke.

Die Entscheidung trifft Kanada zu einem sensiblen Zeitpunkt. Seit Monaten liefen Gespräche über eine mögliche Lockerung der US-Zölle auf Stahl und Aluminium, die vor allem kanadische Produzenten hart treffen. Diese Zölle betragen derzeit bis zu 35 Prozent und belasten viele Branchen, vom Fahrzeugbau bis zur Energieindustrie. Rund drei Viertel aller kanadischen Exporte gehen in die USA, täglich überqueren Waren im Wert von mehreren Milliarden Dollar die Grenze. Ein Stillstand der Gespräche könnte daher erhebliche wirtschaftliche Folgen haben.

Kippt das Kanada-Abkommen?

In Kanada löste Trumps Entscheidung Empörung, aber auch innenpolitische Debatten aus. Der Premier von Ontario, Doug Ford, verteidigte den Spot und betonte, er wolle nur auf die Nachteile von Zöllen aufmerksam machen. In Ottawa versucht die Regierung unter Premierminister Mark Carney derweil, die Wogen zu glätten. Beobachter befürchten jedoch, dass der Streit die Beziehungen zwischen beiden Ländern erneut belastet, ähnlich wie während der Handelskonflikte in Trumps erster Amtszeit.

2026 steht die turnusmäßige Überprüfung des nordamerikanischen Handelsabkommens USMCA an, das 2020 das frühere NAFTA-Abkommen abgelöst hat. Die jetzige Eskalation könnte diese Verhandlungen stark erschweren. Sollte es zu neuen Zöllen oder handelspolitischen Barrieren kommen, wären vor allem die Auto- und Metallindustrie betroffen, deren Lieferketten eng miteinander verflochten sind. Experten warnen, dass die politische Unsicherheit Investitionen bremsen und zu Preissteigerungen führen könnte.

Author

Carlo Schmid

Schlagzeilen

Es wurde noch keine Einwilligung erteilt.

Du musst zuerst zustimmen, um Inhalte von TradingView zu sehen.