Was ist eine Altcoin Season und wann kommt sie?
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Was ist eine Altcoin Season und wann kommt sie?

Author

Simeon Koch

Sie passiert alle paar Jahre, löst weltweite Begeisterung aus und geht viel zu schnell vorüber. Die Rede ist weder von einer Fußball-Weltmeisterschaft noch von einer Sonnenfinsternis oder der jüngsten Papstwahl im Vatikan. Nein. In diesem Artikel geht es um die sogenannte Altcoin Season. Dabei handelt es sich um eine Phase von wenigen Monaten, in der kleinere Kryptowährungen alle paar Jahre teils astronomische Kurszuwächse verzeichnen. Um zu verstehen, warum sie das tun und wie man am besten davon profitiert, muss man die grundlegenden Prinzipien des Kryptomarktes und seiner Zyklen verstehen: Warum verhalten sich Bitcoin und kleinere Kryptowährungen in den verschiedenen Phasen eines Bullenmarktes so unterschiedlich? Was sind Altcoins, warum schwanken ihre Preise so stark und welche sollte man kaufen? All das erklären wir euch jetzt.

Was sind Altcoins?

Beginnen wir mit den Basics. Im Kryptomarkt gibt es, grob gesprochen, zwei Sektoren. Den einen füllt Bitcoin allein. Er ist die erste und größte Kryptowährung der Welt, hat den Grundstein für die gesamte Blockchain-Ökonomie gelegt und diktiert mit seinen Bewegungen die Dynamik jedes Bullen- und Bärenmarktes. Von ihm hängt es ab, ob der gesamte Kryptomarkt floriert oder in tiefe Depression stürzt. Ein steigender Bitcoin zeigt, dass Aufmerksamkeit und Geld in den Kryptomarkt fließen, ist allerdings kein Garant für starke Performance unter kleineren Kryptowährungen – zumindest nicht sofort (dazu später mehr).

Bisher dominiert Bitcoin (orange) den aktuellen Kryptozyklus. Indexiert betrachtet lieferte BTC seit dem Bärenmarkttief Ende 2022 die besten Gewinne. Ethereum (blau) und Altcoins (weiß) hinken (noch) hinterher.


Bitcoin dominiert den Kryptomarkt seit seiner Entstehung nahezu unangefochten und macht phasenweise mehr als die Hälfte des Gesamtwerts der gesamten Blockchain-Branche aus. Das Verhältnis zwischen Bitcoin und anderen Kryptowährungen, gemessen an der Marktkapitalisierung, wird auch als Bitcoin-Dominanz bezeichnet. Der Prozentsatz der Bitcoin-Dominanz gibt an, wie groß Bitcoins Anteil am Gesamtmarkt ist. Ist die Bitcoin-Dominanz hoch, performt der Marktführer stärker als seine Verfolger. Fällt die Dominanz, holen kleinere Kryptowährungen auf. Und damit sind wir beim zweiten großen Sektor des Kryptomarktes: den Altcoins.

Der Altcoin-Season-Index misst, wie viele der 50 größten Altcoins in den letzten 90 Tagen besser performt haben als Bitcoin. Aktuell befindet sich die Altcoin-Stärke auf Tiefständen.
Als Altcoins (Alternative Coins) bezeichnet man, grob gesprochen, alle anderen Kryptowährungen außer Bitcoin. Ob Ethereum zur Assetklasse der Altcoins gehört oder doch gemeinsam mit Bitcoin zum ersten Sektor zu zählen ist, bleibt umstritten. Letztlich ist das aber nur eine Frage der Definition. In unserer Analyse stufen wir Ethereum als Altcoin ein, weisen ETH aber dennoch eine Sonderrolle zu. Vor allem für die Bewertung der Altcoin-Performance im Vergleich zu Bitcoin ist diese Unterscheidung wichtig, da Ethereum im breiten Finanzmarkt deutlich anerkannter ist als die allermeisten kleineren Kryptowährungen und preislich deshalb selbstständiger agiert als der breite Altcoin-Sektor.

Was ist eine Altcoin-Season?

Von einer Altcoin-Season spricht man, wenn kleinere Kryptowährungen – also die Altcoins – über einen Zeitraum von mehreren Wochen bis wenigen Monaten deutlich höhere Gewinne abwerfen als Bitcoin. Die Kursanstiege kleiner Kryptowährungen können dabei fast schon schwindelerregend ausfallen. Preise, die sich verzehn- oder verzwanzigfachen waren in vergangenen Altcoin-Seasons keine Seltenheit. In solchen Phasen wird Kapital von Bitcoin in kleinere Kryptowährungen umgeschichtet, wodurch die deutlich volatileren Altcoins regelrecht explodieren. Wie diese Rotation genau funktioniert, erklären wir in diesem Artikel. Aus diesem Grund ist es ein gutes Zeichen, wenn Bitcoin in den ersten Zyklusphasen stärker ist als kleinere Kryptowährungen. BTC akkumuliert zu Beginn das Investorengeld, das anschließend in Altcoins fließt.

Die stärksten Anstiege erlebt der Altcoin-Sektor (weiß), wenn die Bitcoin-Dominanz (orange) deutlich fällt. Hier dargestellt ist der Gesamtwert der Kryptowährungen außerhalb der Top-10 Altcoins.


Diese Kapital-Rotation von Bitcoin in kleinere Kryptowährungen bedingt den typischen Ablauf eines Krypto-Bullenmarktes: Zu Beginn dominiert Bitcoin klar und steigt stetig an, während Altcoins tendenziell schwächer performen. Liquidität fließt also zunächst in den Bitcoin, der gleichsam als Kapital-Magnet fungiert und die Aufmerksamkeit von Investoren auf den Kryptomarkt lenkt. Ab einem gewissen Zeitpunkt wechselt diese Dynamik und kleinere Kryptowährungen überflügeln den Bitcoin fulminant. Gleichzeitig fällt in solchen Phasen die Bitcoin-Dominanz, weil Altcoins durch ihre raschen Preisanstiege immer mehr Marktanteile auf sich vereinen. Warum Altcoins so stark ansteigen und wann die nächste Altcoin-Season starten könnte, sehen wir uns jetzt an.

Warum steigen und fallen Altcoins so stark?

Rein technisch gesehen liegt die hohe Volatilität (also die starke preisliche Schwankungsbreite) im Altcoin-Sektor vor allem an den kleinen Marktkapitalisierungen der jeweiligen Kryptowährungen. Während Bitcoin einen Gesamtwert von mehreren Billionen US-Dollar besitzt, kommen die meisten Altcoins nicht einmal an die Schwelle von zehn Milliarden heran. Viele Altcoins außerhalb der Top-10 aller Kryptowährungen sind sogar nur einige Millionen schwer. Deshalb lassen sich die Preise von Altcoins viel leichter und mit viel weniger Geld bewegen. Das ist wie in der Physik: Einen Kieselstein kann man viel weiter werfen als einen Felsbrocken.

Ein gängiges Muster im Krypto-Bullrun: Bitcoin (orange) läuft voraus, Altcoins (weiß, gemessen im Verhältnis zum BTC-Preis) brechen erst deutlich später nach oben aus. Grund ist die Kapital-Rotation.
Fließen beim Start einer Altcoin-Season Milliarden von Investorengeldern vom Bitcoin in den Altcoin-Sektor, reagieren kleinere Kryptowährungen viel heftiger als der große Bitcoin. Dieses Prinzip gilt jedoch in beide Richtungen, weshalb Investitionen in Altcoins hochriskant sind: Korrekturen von mehreren Dutzend Prozent innerhalb weniger Stunden sind bei kleineren Kryptowährungen vollkommen normal, wenn Bitcoin schwächelt. Diese Schwankungsbreite und auch das Risiko eines möglichen Totalverlusts müssen Altcoin-Investoren in Kauf nehmen. Wer von der starken Volatilität nach oben hin profitieren möchte, muss sie auch nach unten hin aushalten.

Die starke Volatilität wird auch dadurch begünstigt, dass es kaum einen regulatorischen Rahmen für Kryptowährungen gibt. Anders als Aktien oder Wertpapiere unterliegen sie keiner staatlichen Kontrolle. Entsprechend können ihre Preise von kapitalstarken Marktteilnehmern manipuliert werden. Außerdem besteht bei Altcoins immer die Gefahr, dass ihre Betreiber das Projekt aufgeben und die Kryptowährung in der Bedeutungslosigkeit verschwindet. Altcoins sollte man daher als hochriskante Investments in Technologie-Startups ohne regulatorische Absicherung verstehen.

Wann kommt die Altcoin-Season?

Alle, die in einem Altcoin-Investment den Selbstläufer zum schnellen Reichtum sehen, müssen wir an dieser Stelle enttäuschen. Ob und wann eine Altcoin-Season kommt, ist nur sehr schwer zu prognostizieren. Bevor kleinere Kryptowährungen in einem Bullrun damit anfangen, über mehrere Wochen deutlich besser als Bitcoin zu performen, müssen Altcoin-Investoren in der Regel monatelange Korrekturen hinnehmen. Dennoch winken die höchsten Renditen, wenn man sich frühzeitig positioniert und die heftigen Marktschwankungen in der Zwischenzeit aushält. Ist der Zug der Altcoin-Season einmal abgefahren, kommt man kaum noch hinterher. Viele versuchen, noch aufzuspringen, kaufen überteuert an der Spitze und verlieren viel Geld.

Der Altcoin-Sektor korreliert stark mit der globalen Liquidität und dem Investitionsverhalten der US-Notenbank Fed.

Vollkommen willkürlich wendet sich die Krypto-Dynamik dann aber doch nicht. Als grobe Faustregel gilt etwa: Sobald die Bitcoin-Dominanz in Regionen vorstößt, wo sie in früheren Zyklen ein Top erreichte, ist eine wichtige Voraussetzung für die Kapital-Rotation erreicht. Etwas konkretere Prognosen lässt die Geldpolitik der US-amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) zu. Als die Fed im vergangenen Krypto-Bullenmarkt 2021 dazu überging, ihr Portfolio, in dem sie Wertpapiere wie etwa Staatsanleihen hält, aufzustocken, startete die Altcoin-Season. Wenn die Fed Staatsanleihen kauft, spricht man im Finanz-Jargon von Quantitative Easing.

Quantitative Easing sorgt dafür, dass die globale Liquidität (also der Gesamtwert des Geldes im Umlauf) steigt. In solchen Wirtschaftsphasen wächst der Risiko-Appetit der Anleger, weshalb frisches Geld in hochriskante Anlageklassen wie Altcoins fließt. Altcoins steigen ganz zum Schluss großer Expansionszyklen, weil sie an der Spitze der finanziellen Risikoleiter thronen. Auf eine Altcoin-Season zu warten ist deshalb stets ein Tanz am Abgrund. Viele kleine Kryptowährungen verweilen nur wenige Stunden bis Tage auf ihren Zyklustops, bevor der Krypto-Bullrun und oft auch ein übergeordneter Börsen-Zyklus endet. Wer in der Altcoin-Season mit dem richtigen Timing wartet, kann vor dem großen Crash aber exorbitante Gewinne einfahren.

Die wichtigsten Fragen kurz beantwortet:

Wann ist die Altcoin Season?

Eine Altcoin-Season tritt nur alle paar Jahre auf und startet oft, wenn die Bitcoin-Dominanz stark fällt. Dann fließt Kapital von Bitcoin in kleinere Kryptowährungen, wodurch Altcoins fulminant steigen. Meist geschieht das gegen Ende eines Bullenmarktes, wenn viele Anleger höhere Renditen suchen. Trotzdem bleibt es ein Tanz am Abgrund, weil die Phase meist nur wenige Wochen oder Monate dauert und Altcoin-Rallyes häufig den Abschluss von übergeordneten Finanzmarkt-Zyklen markieren. Im vergangenen Zyklus ging der Start der Altcoin-Season mit dem Beginn des Quantitative Easing der US-Notenbank Federal Reserve einher.

Was ist der Altcoin Season Index?

Der Altcoin-Season-Index misst, wie viele der 50 größten Altcoins in den letzten 90 Tagen stärker als Bitcoin gestiegen sind. Ein hoher Wert zeigt, dass Altcoins Bitcoin hinter sich lassen – ein klarer Hinweis auf eine Altcoin-Season. Niedrige Index-Werte bedeuten, dass Altcoins temporär schwächer performen. Der Altcoin-Season-Index gibt explizit aus, ob aktuell eine Altcoin- oder eine Bitcoin-Season vorliegt. In der Regel bleibt der Index nicht lange in einem Extrembereich. Besonders Ausschläge in den überhitzten Bereich der Altcoin-Season können genutzt werden, um Gewinne zu realisieren, bevor die nächste Korrektur kommt.

Welche Altcoins werden 2025 explodieren?

Es gibt keine eindeutige Antwort, da jede Altcoin-Season neue Gewinner hervorbringt. Besonders kleinere Altcoins mit geringer Marktkapitalisierung können sich in kurzer Zeit verzehn- oder verzwanzigfachen. Welche Altcoins das sein werden, hängt von vielen Faktoren wie Technologie, Vertrauen und Marktumfeld ab. Je kleiner der Altcoin, desto größer allerdings auch die Gefahr großer Verluste. Hohe Volatilität und mangelnde Regulierung machen kleine Kryptowährungen zu Hochrisiko-Investments. Im Altcoin-Sektor sollte man nur Kapital investieren, dessen  Totalverlust man verkraften kann.

Welcher Altcoin hat das größte Potenzial?

Ethereum nimmt oft eine Sonderrolle ein und agiert stabiler als andere Altcoins. Dadurch ist aber auch das Potenzial an Kursgewinnen begrenzt. Bei kleineren Altcoins gilt: Je kleiner die Marktkapitalisierung, desto größer die möglichen Preissprünge – aber auch das Risiko. Letztlich bleibt es spekulativ, welcher Altcoin im nächsten Zyklus wirklich durchstartet. Tiefgehende Recherche und sorgfältige Auswahl möglicher Investitionen ist besonders im Kryptomarkt erforderlich! Dieser gesamte Text ist keine Anlageberatung, bestimmte Assets zu kaufen, zu halten oder zu verkaufen. Welche Altcoins wir für die mögliche nächste Altcoin-Season auf dem Schirm haben, ist unserem Altcoin-Analysepaket zu entnehmen.

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Simeon Koch

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