Obwohl große Altcoin-Projekte wie XRP, Cardano oder Polkadot in den letzten Wochen explodiert sind, performen Altcoins immer noch schwächer als Bitcoin. Das dürfte sich bald ändern, denn die vielzitierte Krypto-Rotation scheint begonnen zu haben. Um zu verstehen, wie ein Bitcoin-Zyklus und vor allem ein Altcoin-Bullenmarkt funktioniert, muss man wissen, wie das Kapital im Markt rotiert.
Wer auf exponentielle Gewinne hofft, muss dem Fluss des großen Geldes folgen und die Kapital-Rotation richtig vorhersagen, um zu rechten Zeit am richtigen Ort zu sein, anstatt den rasanten Krypto-Zug zu verpassen. Wie aber funktioniert diese Krypto-Rotation? Und wie profitiert man als Kleinanleger davon?
In welcher Bullrun-Phase sind Bitcoin und Altcoins?
Die Kapital-Rotation von Bitcoin in kleinere Kryptowährungen kennzeichnete bisher jeden Bullrun. Das Prinzip ist einfach: Bitcoin genießt als größte Kryptowährung und Marktführer die meiste Aufmerksamkeit. Wer neu in den Kryptomarkt einsteigt, investiert zuerst in Bitcoin. Der Grund, warum die Kurse von Bitcoin, Ethereum und Altcoins in Bullenmärkten stark ansteigen ist, dass neues Kapital und frische Kaufkraft in den Markt kommen.
Als Bitcoin die 100 000 US-Dollar überstieg, begannen Medien wie die Tagesschau oder BILD zu berichten (Media Attention).
Menschen, die bisher nichts mit Blockchain-Währungen zu tun hatten, hören in den Medien von Bitcoin-Anstiegen und wollen auch dabei sein. Das sieht man am obigen Blasendiagramm: In den ersten beiden Phasen des Bullruns (Stealth und Awareness) steigen die Preise zwar stetig, aber explodieren (noch) nicht. Erst in der Mania-Phase, wenn große Medien über Bitcoin berichten (Media attention), kam in früheren Zyklen so viel neues Geld in den Markt, dass die Kurse fast senkrecht nach oben schießen.
Erst dann wird die Öffentlichkeit so richtig auf den Kryptomarkt aufmerksam (Public). Weil Bitcoin am prominentesten in den Medien ist, kaufen viele Neulinge zunächst BTC. Nach und nach entdecken neue Investoren aber auch andere Kryptowährungen, also Altcoins. Gleichzeitig wechseln frühe Investoren ihre Bitcoin-Gewinne nach großen BTC-Rallyes in Altcoins, um von weiteren Kursgewinnen zu profitieren. Beides führt dazu, dass Altcoins bei großen Bitcoin-Rallyes zunächst zurückbleiben, dann aber umso schneller auf- und überholen.
Number Go Up Technology: So funktioniert die Rotation
Auf Englisch nennt man dieses Phänomen spaßeshalber Number Go Up Technology (auf Deutsch so viel wie: Leute kommen erst, wenn die Preise steigen). Daraus entsteht eine selbstverstärkende Spirale: Neulinge sehen, dass Kryptowährungen explodieren und kaufen ein. Dadurch steigen die Preise weiter und weitere Neulinge kommen dazu. Das geht so lange gut, bis der Markt überhitzt (in der Grafik oben "New Paradigm!").
Bis zu diesem finalen Top wird die Kapital-Rotation in der Regel mehrfach durchlaufen. Und diese Rotation funktioniert folgendermaßen: Am Beginn fließt neues Kapital in den Bitcoin. Er ist wie ein Schwamm, der frisches Geld in den Kryptomarkt saugt und dann über den Altcoins auswringt.
Während Bitcoin bei 100K steht, kämpft der Altcoin-Sektor mit seinen Allzeithochs vom letzten Zyklus.
Deshalb steigt in großen Krypto-Rallyes auch zunächst der Bitcoin, schließlich fließt neues Kapital zuerst in BTC. Hat der Bitcoin dann ein erstes Top erreicht läuft und seitwärts, wird der Schwamm ausgewrungen und die Liquidität fließt in die Altcoins. Zu beobachten war dieses Phänomen etwa nach der großen Bitcoin-Rallye im März, nach der Altcoins noch gute zwei Wochen explosiv anstiegen.
Ähnliches war über die vergangenen drei Wochen zu beobachten: Zunächst schoss der Bitcoin in Richtung der magischen 100 000 US-Dollar, Altcoins zogen erst mit deutlicher Verspätung – dafür dann umso fulminanter – nach. Warum aber passiert das?
Die Risiko-Leiter und der Bitcoin-Schwamm
Stellen Sie sich vor, Sie wären ein Neuling im Kryptomarkt, würden zum ersten Mal auf eine Kryptobörse kommen und dort sehen, dass Bitcoin schon viel zu teuer ist, um noch einzusteigen. Welche Kryptos würden Ihnen als Nächstes ins Auge stechen? Genau: die größten Altcoins in der Top 10, die bei jeder Börse direkt hinter Bitcoin gelistet sind.
Je höher die Marktkapitalisierung (also der Marktanteil des jeweiligen Coins), desto größer die Aufmerksamkeit, die er bekommt. Deshalb fließt das Geld von Bitcoin zunächst in die größten Altcoins, angeführt von Ethereum. Danach kommen Projekte wie Solana, XRP oder Cardano dran.
Vom Bitcoin rotiert das Geld in große Altcoins wie Ethereum oder Solana. Danach fließt das Kapital in immer kleinere Altcoins.
Je kleiner die Marktkapitalisierung, desto größer die Volatilität der Kryptowährung: Bei Ethereum braucht man viel mehr Geld, um den Kurs durch Käufe oder Verkäufe signifikant zu bewegen als etwa bei Polkadot. Und bei Polkadot braucht man mehr, um starke Volatilität auszulösen als bei kleinen Coins wie Smooth Love Potion.
Gleichzeitig sind kleine Altcoins nicht so bekannt wie ihre größeren Mitbewerber und kommen deshalb bei der Kapital-Rotation erst ganz zum Schluss dran. Wenn viele kleine Altcoins pumpen, kommt die Rotation an ihr Ende - und häufig auch der gesamte Bullenmarkt!
Deshalb sagt man auch Das Geld klettert die Risiko-Leiter im Bullrun aufwärts: Zuerst steigt Bitcoin, die größte und sicherste Kryptowährung. Dann folgt Ethereum, das schon etwas volatiler ist. Danach rotiert das Kapital in immer kleinere, unbekanntere und riskantere Projekte (Low-caps). In der Regel passiert diese Kapital-Rotation pro Bullrun mehrfach.
Warum Altcoins immer Verspätung haben
Nach Trumps Wahlsieg schoss der Bitcoin auf ein neues Allzeithoch bei etwa 75 000 US-Dollar, Altcoins bewegten sich kaum. Erst, als Bitcoin begann, bei fast 100 000 US-Dollar zu verweilen, zogen kleinere Kryptos mit Schwung nach und explodierten regelrecht: Der Geld-Schwamm BTC wurde ausgedrückt. Dabei steigen Altcoins deutlich stärker, weil sie durch ihre kleinere Marktkapitalisierung viel leichter zu bewegen sind.
Die Geldmenge, die Bitcoin ein Prozent nach oben treibt, kann bei einem kleineren Altcoin zu einer Verdopplung des Preises führen. Vor wenigen Tagen wiederholte sich das Spiel: Bitcoin stieg über 100 000 Dollar, Altcoins schauten erst nur ehrfürchtig zu und zogen erst mit Verspätung nach.
Altcoins erreichten ihr Top nach kumulierter Marktkapitalisierung im Frühjahr 2021 erst rund drei Wochen nach Bitcoin. Ähnliche Verzögerungen gab es beim jüngsten Ausbruch im November.
Dieses Rotations-Prinzip führt dazu, dass Altcoins versetzt zu Bitcoin ansteigen, also immer ein bisschen hinterherlaufen. Das sieht man deutlich im Chart oben: Die Top-125 Altcoins (türkis) erreichten ihr kumuliertes Top nach Marktkapitalisierung erst, als das erste zyklische Top beim Bitcoin schon drei Wochen in der Vergangenheit lag. Auch kleinere Kryptos (Small Caps, gelb) erreichten ihr erstes Zyklustop im Frühjahr 2021 knapp einen Monat nach Bitcoin.
Warum manche Altcoins besonders stark sind
Die zeitliche Verzögerung der Rotation ist ebenfalls am Ausbruch Anfang November zu erkennen: Altcoins brachen ihre Abwärts-Trends zwei Wochen nach Bitcoin (ganz rechts im Chart). Wichtig zu beachten ist bei dieser Rotation, dass zumindest in der Frühphase der großen Bullen-Rallye nicht alle Altcoins einer Größen-Kategorie gleichzeitig und gleich stark steigen.
Der Kryptomarkt belohnt jene Projekte am meisten, die gerade im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Diese Narrative, also Trends, wechseln ständig: Mal sind Gaming-Coins im Hype, mal RWA-Projekte, dann wieder KI-Token. Auch diese Aufmerksamkeits-Rotation wiederholt sich mehrfach.
Wichtig bei dieser Sektor-Rotation ist, das eigene Portfolio ganz genau im Blick zu behalten und Gewinne zu realisieren, wenn einzelne Altcoins explodieren. Denn wie in jedem Bullrun gilt auch diesmal: Wenn man auf dem Weg nach oben keine Gewinne mitnimmt, so nimmt sie ein anderer.
Wenn man die Kapital-Rotation versteht, hat man aber einen großen Vorteil gegenüber anderen Marktteilnehmern. Viele werden schnell nervös, wenn der Bitcoin stark steigt, ihre Altcoins aber zurückbleiben. Dabei ist das ganz normal und sogar sehr positiv: Bitcoin muss neues Kapital erst anziehen, bevor er es an die Altcoins weitergeben kann. Ohne starken Bitcoin gibt es keine Altcoin-Season.








