Warum die Altcoin-Season (noch) nicht kommt
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Warum die Altcoin-Season (noch) nicht kommt

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Simeon Koch

Wir schreiben den 1. April des Jahres 2025. Bitcoin hat soeben das schwächste erste Quartal seit 2018 hingelegt. Und damals begann gerade der Bärenmarkt. Nie zuvor war Bitcoin in den ersten drei Monaten eines Post-Halving-Jahres so schwach. Und obwohl das schon ziemlich mies klingt, ist es bei Ethereum noch einmal deutlich schlimmer.

Mit einem Minus von mehr als 45 Prozent liegt das zweitschlechteste erste Quartal überhaupt hinter dem Altcoin-Marktführer. Schwächer war nur der Bärenmarkt-Start 2018, als ETH von Januar bis März gute 46 Prozent verlor. In den letzten zehn Jahren gab es für Ethereum insgesamt nur drei Quartale, die schlechter liefen als der aktuelle Jahresstart.


Hinter Bitcoin und Ethereum liegt das schwächste erste Quartal seit 2018 – und das schwächste überhaupt in einem Post-Halving-Jahr.

Das ist – und so ehrlich muss man an dieser Stelle sein – eine niederschmetternde Bilanz. Im Schnitt der letzten zehn Jahre war das erste Quartal die stärkste Phase des Jahres für Ethereum und die Altcoins. Satte 77 Prozent Plus gibt der Mittelwert für alle Phasen von Januar bis März der letzten zehn Jahre aus. Für Bitcoin sind es immerhin gut 51 Prozent. An diese Statistik haben sich viele Krypto-Anleger in den schwierigen Monaten geklammert – und wurden erneut enttäuscht.

Die Statistik lügt nicht, aber es gibt eben Ausreißer. Dass dieser Ausreißer so dramatisch ausfällt, ist bitter. Aber auch zu erklären. Diese Erklärung hat mit Trumps wahnwitziger Zollpolitik zu tun, geht aber weit darüber hinaus. Denn es gibt noch eine Reihe anderer Indikatoren, die gerade alles andere als bullische Signale für den Kryptomarkt senden.

Macht Trump den Kryptomarkt absichtlich kaputt?

Bereits vor zwei Monaten haben wir die Frage aufgeworfen, ob Trumps aggressive Zollpolitik für nachhaltigen Schaden im Kryptomarkt sorgen und die Altcoin-Season sogar verhindern könnte. Acht Wochen und eine fast schon unerträglich lange Reihe negativer Schlagzeilen später muss man konstatieren, dass diese Prognose nicht allzu weit daneben lag. Viel wurde in der Zwischenzeit spekuliert über Trumps wirtschaftspolitische Strategie: Warum er das überhaupt macht, welches Kalkül dahintersteht und ob Trump die Märkte womöglich mit voller Absicht crasht. Eines ist mittlerweile klar geworden: Die Rezessionsangst ist zurück.


Laut der Federal Reserve in Atlanta soll das US-BIP im ersten Quartal um fast vier Prozent gefallen sein. Die Analystenschätzung liegt zwischen null und zwei Prozent plus.
Anfang der Woche hat die Investmentbank Goldman Sachs die Wahrscheinlichkeit für eine Rezession in den nächsten zwölf Monaten von zuvor 20 auf nun 35 Prozent erhöht. Gleichzeitig prognostiziert die Filiale der Federal Reserve in Atlanta, der Hauptstadt des Bundesstaats Georgia, einen Rückgang des US-Bruttoinlandsprodukts um saftige vier Prozent im eben erst abgelaufenen vierten Quartal. Offizielle Zahlen zur wirtschaftlichen Entwicklung gibt die US-Regierung am morgigen Mittwoch bekannt, die Fed aus Atlanta blickt allerdings auf eine Historie guter Prognosen zurück. Eine tatsächliche Schrumpfung im ersten Quartal von Trumps zweiter Amtszeit scheint also gut möglich.


Solange Gold steigt, verliert ETH gegen Bitcoin an Wert. Eine Ethereum-Rallye scheint erst möglich, wenn der Goldpreis wieder korrigiert.

Am Finanzmarkt sorgen die sich einmal mehr verdichteten Anzeichen einer möglichen Rezession für Panik. Zu erkennen ist das vor allem an zwei, fast schon spiegelbildlichen Dynamiken: (Risiko-)Assets wie Aktien oder Kryptowährungen werden in Erwartung noch schlechterer Nachrichten und weiterer Preisrückgänge abverkauft. Gleichzeitig flüchten Anleger scharenweise in das ausgewiesene Krisen-Asset Gold. Während vor allem Altcoins gnadenlos abgestraft werden, schießt der Goldpreis auf neue Rekordstände. So lange diese Dynamik anhält, bleibt die Altcoin-Season ein frommer Wunsch.

Bitcoin und Altcoins: Die Charts sehen übel aus

Dass der Kryptomarkt anders tickt als beispielsweise der Aktienmarkt, haben die vergangenen Bullenmärkte bewiesen. Viele Altcoins verloren noch kurz vor ihren explosivsten Anstiegen weit mehr als die Hälfte ihres Kurswerts – nur, um sich dann im Preis zu vervielfachen und jegliche vorherige Verluste innerhalb kürzester Zeit wettzumachen. Eine Garantie für künftige Gewinne ist das freilich nicht; dennoch ist es nicht unüblich, dass die Stimmung just vor den stärksten Rallyes in den Keller rutscht. Vor allem im hochemotionalen und extrem volatilen Kryptomarkt.


Auf dem Bitcoin-Wochenchart bildet sich eine Bearish Divergence [3], ähnlich dem Top des letzten Bullenmarktes [1] – und der Rallye im Sommer 2023 [2].
Je weniger reguliert ein Markt ist, desto unmittelbarer spiegelt der Preisverlauf seiner Assets die Stimmung der Anleger wider. Obwohl immer mehr institutionelle Investoren mitmischen und regulatorische Rahmenwerke wie die europäische MiCA-Regulierung entwickelt werden, gilt das weiterhin und vor allem für den Kryptomarkt. Wenn im Markt die Angst vor der Krise grassiert, werden zuallererst hochriskante Assets abverkauft, weil sie die höchste Volatilität aufweisen und Anleger deshalb bei weiteren Rücksetzern noch heftigere Verluste fürchten. Auf den Charts von Bitcoin und Altcoins ist diese Angst besonders deutlich abzulesen – und ein ganz bestimmtes Muster macht den Anlegern besonders große Sorgen.


Eine bärische Divergenz zeigt sich auch bei Top-Altcoins. Anleger fürchten, dass sich 2021 wiederholt.
Der Bitcoin-Kurs bildet seit Wochen eine große bärische Divergenz – ebenso wie beim Bullrun-Top 2021. Das bedeutet, dass der Preis höhere Hochs erklimmt, der Relative-Stärke-Index (RSI) gleichzeitig aber nur noch tiefere Hochs erreicht. Dieses Muster ist ein Hinweis auf intrinsische Schwäche und eine nahende Korrektur. Verhält sich die aktuelle bärische Divergenz [3] wie jene aus dem Jahr 2021 [1], so könnte Bitcoin von hier schnurstracks in den Bärenmarkt gehen. Spielt das Muster jedoch aus wie die Rallye aus dem Sommer 2023, so könnte das Schlimmste überstanden sein und die nächste Rallye bevorstehen. Dafür braucht es aber schleunigst einen Ausbruch nach oben – beim Bitcoin-Preis und im RSI.

Bitcoins MACD hat das zweite Bearish Cross in diesem Zyklus geformt. 2021 begann daraufhin der Bärenmarkt.

Ähnlich übel sieht ein weiterer technischer Indikator aus: Der MACD, eine Kennzahl für die Richtung des aktuellen Preistrends. Oberhalb der Nulllinie signalisiert der MACD einen positiven Trend, darunter einen negativen. Ein klassisches Kaufsignal ist, wenn die MACD-Trendlinie (in der Grafik blau gefärbt) ihre Signallinie (orange) von unten nach oben schneidet (Bullish Cross). Fällt die blaue aber unter die orange Linie (Bearish Cross), gilt das als offensichtliches Verkaufssignal. Außerdem markierten solche Bearish Crosses auf Wochenebene beim Bitcoin häufig übergeordnete Top-Bereiche. 2017 ging Bitcoin danach direkt in den Bärenmarkt, 2021 erst nach dem zweiten Mal. Im aktuellen Zyklus haben wir bereits zwei Bearish Crosses gesehen.

Warum die Altcoin-Season (noch) nicht kommt

Die Stimmung ist mies, die Wirtschaft schwächelt und die Charts sehen übel aus. Während der Rallye im Dezember haben sich all jene, die an der Seitenlinie standen, eine deutliche Korrektur gewünscht, um einsteigen zu können. Trotzdem kaufen jetzt die wenigsten – eher im Gegenteil. Kleinanleger verkaufen in Scharen, während große Wallets die freien Bitcoin-Bestände aufsaugen. Wenn die Angst ihre Spitze erreicht, geht die Korrektur meistens ihrem Ende zu. Gut zu sehen ist das am sogenannten Death Cross, einem technischen Warnsignal, das auf Kursschwäche hindeutet und beim Bitcoin kurz bevorsteht.


In der Vergangenheit markierte ein Death Cross auf dem Bitcoin-Tageschart meistens Bodenbereiche. Im Frühjahr 2022 ging es danach in den Bärenmarkt.
Dabei kreuzt der 50-tägige den 200-tägigen gleitenden Durchschnitt nach unten. Der Name Death Cross (dt.: Todeskreuz) war in der Vergangenheit aber zumeist eine Falle für pessimistische Anleger und selten ein Anzeichen auf einen nahenden Preiskollaps. Vielmehr markiert das ominöse Death Cross häufig lokale Böden: Wenn die Panik am größten war, drehte der Kurs meistens wieder nach oben und trat die nächste große Rallye an. Dass sich dieses Muster wiederholt, ist freilich nicht sicher. Schließlich kämpfen Bitcoin und Altcoins nicht nur mit der makroökonomischen Unsicherheit und ungünstigen Chartmustern.


Die letzte Altcoin-Season begann, als die Fed ihre Geldpolitik lockerte (Fed Balance Sheet steigt) und die globale Liquidität deutlich wuchs.

In den letzten beiden Zyklen korrelierten Preisanstiege bei Bitcoin und vor allem den Altcoins eng mit der globalen Liquidität und der Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve. Seit 2021 hält die Fed ihre Geldpolitik straff, gleichzeitig fällt die globale Liquidität – keine guten Voraussetzungen für Risiko-Assets. Schon im Sommer aber will die Fed ihren Kurs ändern und die geldpolitische Straffung zumindest beenden. 2017 hat das für eine Altcoin-Season ausgereicht. Solange die US-Geldpolitik straff und die globale Liquidität im Abwärtstrend bleibt, dürften allerdings auch die Altcoins schwächeln. Auch deshalb kommt die Altcoin-Season (noch) nicht.

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Simeon Koch

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