Das Wichtigste in Kürze
- Berkshire kauft erstmals seit 14 Quartalen wieder mehr Aktien als verkauft.
- Alphabet und Taylor Morrison gehören zu den auffälligsten neuen Milliardenwetten.
- Greg Abel setzt damit trotz Buffetts Warnungen wieder stärker auf Aktien.
Guten Morgen!
Jahrelang saß Warren Buffett auf einem gigantischen Berg aus Bargeld. Ende März waren es fast 400 Milliarden Dollar – während der legendäre Investor gleichzeitig vor einer zunehmend spekulativen Börse warnte. Nun ist bei Berkshire Hathaway plötzlich Bewegung in die Kapitalallokation gekommen. Milliarden fließen wieder in Aktien, das Unternehmen kauft eigene Papiere zurück und setzt auf einen Konzern, den Buffett lange kritisch gesehen hatte. Dahinter steckt vor allem einer: Greg Abel.
Fällt der Apfel weit vom Stamm? Buffett warnt, aber Abel kauft!
Im zweiten Quartal beendete Berkshire eine bemerkenswerte Serie: Nach 14 Quartalen als Nettoverkäufer kaufte der Konzern wieder deutlich mehr Aktien als er verkaufte. Insgesamt flossen 23.5 Milliarden Dollar in Aktien, während lediglich 3.7 Milliarden Dollar verkauft wurden. Gleichzeitig schrumpfte der Bargeldbestand von 397.4 auf rund 365 Milliarden Dollar. Es ist damit die deutlichste Abkehr von der jahrelangen Vorsicht, seit Abel das CEO-Amt Anfang des Jahres übernommen hat.
Fast vier Jahre lang war Berkshire Hathaway Nettoverkäufer. DAs ändert sich jetzt unter dem neuen CEO und Warren-Buffett-Nachfolger Greg Abel. Gegen den Willen seines vorsichtigen Lehrmeisters?
Das Timing ist bemerkenswert. Noch im Mai warnte Buffett vor einer Börse, die zunehmend einem Spielcasino gleiche. „Wir haben noch nie erlebt, dass die Menschen so sehr in einer Glücksspielstimmung waren wie jetzt“, sagte er. Und im Juli legte er nach: „Es ist schwierig, Werte zu finden, wenn alle lieber spielen.“ Für Buffett sind insbesondere kurzfristige Optionen und andere spekulative Geschäfte ein Warnsignal. Trotzdem beginnt Berkshire nun wieder, Milliarden in den Aktienmarkt zu lenken.
Der auffälligste Kauf ist Alphabet: Berkshire investierte zehn Milliarden Dollar direkt in den Mutterkonzern von Google und YouTube. Damit ist die Position inzwischen rund 31 Milliarden Dollar wert und gehört zu den größten Beteiligungen des Konzerns. Besonders bemerkenswert ist der Schritt, weil Buffett Alphabet in der Vergangenheit kritisch gegenüberstand. Gleichzeitig kaufte Berkshire für 4.5 Milliarden Dollar eigene Aktien zurück – ein deutliches Signal, dass Abel die aktuellen Kurse offenbar wieder für attraktiv hält.
Berkshire verblüfft mit großen Investments in Krisen-Sektor
Auch außerhalb der Börse geht Abel ins Risiko. Berkshire gab Ende Juli rund 6.8 Milliarden Dollar für die Übernahme des US-Hausbauers Taylor Morrison aus. Damit baut der Konzern sein Engagement im amerikanischen Wohnungsbau weiter aus – obwohl die Branche derzeit alles andere als boomt. Berkshire besitzt bereits Clayton Homes und Beteiligungen an Lennar und D.R. Horton. Der Konzern setzt offenbar darauf, dass der strukturelle Wohnungsmangel langfristig wichtiger ist als die aktuelle Schwäche.
Gleich mehrere Milliardenkäufe überraschen: Abel kauft Alphabet, obwohl Warren Buffett nie ein Google-Fan war – und setzt auf den kriselnden Immobiliensektor. Eine unterschätzte Wette?
Die Zahlen zeigen, wie ungewöhnlich dieser Schritt ist: Der NAHB/Wells Fargo Housing Market Index lag im Juli bei nur 34 Punkten und damit deutlich unter der Marke von 50, die eine überwiegend positive Stimmung signalisiert. Hohe Hypothekenzinsen bremsen die Nachfrage, während Bauunternehmen mit Preisnachlässen und Kaufanreizen um Kunden kämpfen. Abel investiert also nicht nur wieder Milliarden – er tut es teilweise gerade dort, wo der Markt aktuell wenig Euphorie zeigt. Das erinnert an Buffetts klassische Strategie, antizyklisch zu kaufen. Risiko-Investoren dürften aufhorchen: Wettet Abel auf eine Lockerung der Geldpolitik, die dem Immobiliensektor zugutekommen würde?
An den Finanzmärkten selbst zeigt sich am Dienstagmorgen ein gemischtes Bild. Der S&P 500 liegt nach einem Schluss bei rund 7750 Punkten leicht im Minus, der Nasdaq-100 notiert mit 29 621 Punkten ebenfalls zart rot. Der DAX hält sich mit 26 323 Punkten leicht im Plus, während der Nikkei-225 um rund zwei Prozent auf 66 970 Punkte steigt. Gold klettert weiter auf rund 4430 Dollar, der WTI-Ölpreis liegt wieder über 82 Dollar. Bitcoin schwächelt dagegen bei gut 63 800 Dollar, Ethereum notiert bei rund 1870 Dollar.
HKCM-Gewinner und -Verlierer
Wertsteigerung am vergangenen Handelstag in Prozent
| Endeavour Silver | +7.30 |
| Lumen Technologies | +6.41 |
| Organigram | +6.06 |
| Keel Infrastructure | -12.37 |
| SUSS MicroTec | -7.09 |
| Barrick Mining | -6.41 |
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