Die wichtigsten Punkte
Die Europäische Union steckt in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage im Verhältnis zu China. Während Europa immer mehr Waren aus der Volksrepublik importiert, gelingt es kaum, im gleichen Maß Güter dorthin zu exportieren. Das Ergebnis ist ein massives Handelsdefizit. Zusätzlich setzt China die EU mit Exportstopps bei wichtigen Rohstoffen wie Seltenen Erden unter Druck. Diese Metalle werden dringend für Schlüsselindustrien wie Elektroautos, Windkraftanlagen oder die Chip-Produktion gebraucht. Mehrere europäische Unternehmen mussten bereits ihre Produktion einschränken. Die EU versucht gegenzusteuern, doch der Aufbau eigener Rohstoffquellen und Recyclingverfahren braucht Zeit.
Handelsbilanz: EU in der Defensive
Die Handelsbilanz beschreibt das Verhältnis zwischen Exporten und Importen. Im Fall von China und der EU ist dieses Verhältnis stark unausgeglichen. 2024 importierte die Europäische Union Waren im Wert von rund 518 Milliarden Euro aus China, exportierte aber nur Güter im Wert von etwa 213 Milliarden Euro dorthin. Das bedeutet ein Handelsdefizit von über 300 Milliarden Euro. China ist damit zwar der wichtigste Handelspartner für die EU beim Einkauf von Waren, für europäische Unternehmen jedoch kein gleichwertig offener Absatzmarkt. Die EU-Handelskammer warnt, dass sich diese Entwicklung zu einer „Einbahnstraße“ entwickeln könnte: Europa kauft viel in China, verkauft aber im Gegenzug wenig dorthin. Das schwächt die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Firmen und vergrößert die Abhängigkeit vom chinesischen Markt.
Überkapazitäten und Preisdruck aus China
Ein weiterer Punkt, der europäische Firmen unter Druck setzt, ist die Politik der Überkapazitäten in China. Damit ist gemeint, dass China in bestimmten Branchen, etwa bei Elektroautos, Solaranlagen oder Batterien – mehr produziert, als im eigenen Land gebraucht wird. Die überschüssigen Waren werden dann auf den Weltmarkt gedrückt, oft zu Preisen, die unter den Produktionskosten in Europa liegen. Für europäische Firmen bedeutet das, dass sie in ihrem eigenen Markt von günstigen chinesischen Produkten verdrängt werden. Die Handelskammer spricht deshalb von einem „Verdrängungswettbewerb“, der nicht auf fairem Wettbewerb basiert, sondern durch staatliche Subventionen und politische Steuerung zustande kommt. Für die EU stellt sich die Frage, wie sie ihre Industrie gegen diesen Preisdruck schützen kann, ohne den Handel vollständig zu blockieren.
Seltene Erden: Wenn Rohstoffe zur Waffe werden
Noch gravierender ist die Situation bei den sogenannten Seltenen Erden. Das sind Metalle wie Neodym, Lanthan oder Germanium, die in moderner Technologie unverzichtbar sind. Ohne sie ließen sich keine leistungsfähigen Windräder bauen, keine modernen Chips herstellen und keine effizienten Elektroautos fertigen. China hat in diesem Bereich eine Schlüsselrolle: Fast die Hälfte der in Europa genutzten Seltenen Erden stammt von dort, bei einigen Metallen liegt die Abhängigkeit sogar bei über 90 Prozent. Wenn Peking den Export einschränkt, trifft das die europäische Industrie sofort. Genau das ist passiert: Im Sommer 2024 mussten mindestens sieben europäische Unternehmen ihre Produktion stoppen, weil wichtige Materialien ausblieben. Für die Firmen bedeutete das nicht nur Umsatzeinbußen, sondern auch hohe Zusatzkosten, da sie kurzfristig Ersatzquellen suchen mussten. Die Handelskammer sieht darin ein klares Signal, dass Rohstoffe inzwischen auch als politisches Druckmittel eingesetzt werden können.
Was Unternehmen berichten
Die Abhängigkeit von China trifft nicht nur die großen Industriekonzerne, sondern auch viele mittelständische Betriebe. Firmen wie BASF, Bayer, Clariant, Carl Zeiss oder Schott gehören zu den bekannten deutschen Abnehmern von Seltenen Erden. Sie brauchen diese Rohstoffe für Chemikalien, Optik, Medizintechnik oder Spezialgläser. Doch auch kleinere Unternehmen, die weniger im Rampenlicht stehen, spüren die Engpässe direkt. Für sie ist es oft noch schwieriger, kurzfristig alternative Lieferanten zu finden. Laut der EU-Handelskammer haben europäische Firmen seit 2023 mehr als 140 Beschwerden bei chinesischen Behörden eingereicht, um gegen Lieferstopps oder Ungleichbehandlungen vorzugehen. Nur ein Bruchteil dieser Fälle konnte gelöst werden. Das verdeutlicht, wie schwierig es ist, sich auf faire Spielregeln zu verlassen, wenn der Zugang zu wichtigen Ressourcen politisch kontrolliert wird.
Politische Antworten: Der EU-Plan – und seine Hürden
Die EU hat auf diese Herausforderungen reagiert und mit dem „Critical Raw Materials Act“ (CRMA) eine Strategie verabschiedet, um unabhängiger von China zu werden. Ziel ist es, bis 2030 mindestens zehn Prozent der benötigten strategischen Rohstoffe innerhalb der EU abzubauen, 40 Prozent hier zu verarbeiten und 25 Prozent zu recyceln. Das klingt ambitioniert, ist in der Praxis jedoch schwierig umzusetzen. Neue Minen stoßen oft auf Widerstand in der Bevölkerung, weil Umweltschutz und Wasserrechte betroffen sind. Auch Recycling-Projekte brauchen Zeit, bis sie im großen Maßstab funktionieren. Deshalb bleibt die Abhängigkeit kurzfristig bestehen, selbst wenn die EU mit Hochdruck an Lösungen arbeitet. Für Unternehmen bedeutet das, dass sie noch über Jahre mit Unsicherheit in der Rohstoffversorgung leben müssen.
Forderungen der EU-Handelskammer an Peking
Die EU-Handelskammer fordert von China einen besseren Marktzugang und mehr Fairness im Handel. Das betrifft zum Beispiel die öffentliche Beschaffung: Europäische Firmen wollen sich genauso auf staatliche Ausschreibungen in China bewerben können wie umgekehrt chinesische Firmen in Europa. Auch Exportkontrollen sollten transparenter und weniger restriktiv gehandhabt werden. Die Kammer betont, dass offene Märkte und gleiche Wettbewerbsbedingungen für beide Seiten von Vorteil wären. Im Gesundheitssektor etwa könnten mehr Wettbewerb und Investitionen aus dem Ausland die Versorgung verbessern. Bisher aber bevorzugt China oft eigene Unternehmen und macht es europäischen Firmen schwer, Fuß zu fassen. Das schafft Misstrauen und verstärkt die Sorgen über die Einseitigkeit des Handels.




