Währung Unit und Zahlungssystem Bridge – das planen die BRICS-Länder
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Währung Unit und Zahlungssystem Bridge – das planen die BRICS-Länder

Author

Murat Örs

Vom 22. bis 24. Oktober fand im russischen Kazan der BRICS+-Gipfel statt, bei dem Vertreter aus 36 Ländern über die Zukunft einer multipolaren Weltordnung und eine verstärkte wirtschaftliche Zusammenarbeit diskutierten. Das 16. Treffen zeigte einmal mehr, dass Russland international keineswegs so isoliert ist, wie es oft im Westen dargestellt wird. Ein zentrales Thema der Gespräche war die Entwicklung eines eigenen Zahlungssystems namens Bridge sowie die Idee einer teilweise goldgedeckten BRICS-Währung, der Unit.

Entgegen der häufigen Behauptung, die BRICS-Staaten seien gegen den Westen ausgerichtet, stellte der indische Premierminister Modi klar: „BRICS ist nicht antiwestlich, es ist einfach nicht westlich." Für das kommende Jahr deutet sich nun eine neue Beitrittswelle an, die das Bündnis weiter stärken könnte. Besonders bemerkenswert ist das Interesse der Türkei, eines NATO-Mitglieds, an einer Teilnahme. Diese mögliche Entwicklung würde dem Zusammenschluss nicht nur geopolitisch, sondern auch wirtschaftlich mehr Gewicht verleihen und die Verschiebung der globalen Machtbalance weiter unterstreichen.

 

Vom Goldman Sachs-Investmentkonzept zur breit aufgestellten Allianz 

Das Konzept BRIC wurde 2001 von Goldman Sachs als Investmentidee entwickelt, mit Fokus auf Brasilien, Russland, Indien und China. Südafrika kam 2009 hinzu und erweiterte die Gruppe zu den heutigen „BRICS“-Staaten. Die fünf Länder zeichnen sich durch beeindruckende Kennzahlen aus. Anfang 2024 kamen Ägypten, Äthiopien, Iran, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate als neue Mitglieder hinzu, weshalb die Allianz nun als BRICS+ bezeichnet wird. Weitere Erweiterungen sind in Planung.

Gemeinsam repräsentieren die BRICS-Staaten über 3.3 Milliarden Menschen, was 45 Prozent der Weltbevölkerung entspricht. Ihre wirtschaftliche Leistung beträgt derzeit $25.6 Billionen, etwa 36 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP). Nur zehn Prozent der Bevölkerung sind über 65 Jahre alt, was auf ein starkes wirtschaftliches Potenzial für die kommenden Jahre hinweist. Die Länder tragen bereits 20 Prozent zum globalen Handelsvolumen bei und spielen damit eine bedeutende Rolle.

Auch wenn die Wachstumsraten in den vergangenen Jahren nicht mehr so spektakulär sind, wie ursprünglich von Goldman Sachs prognostiziert, wachsen die BRICS-Staaten weiterhin schneller als die Industrienationen der G7. Die Dynamik der BRICS zeigt, wie sich der globale Fokus verschiebt – möglicherweise zu Ungunsten der etablierten Mächte im Westen. Beispielsweise dominiert China zunehmend den Markt für Elektrofahrzeuge, während Indien seine Expertise in der Softwaretechnologie weiter ausbaut und Fachkräfte aus dem Ausland zurückgewinnt.

Die BRICS-Länder sind keine homogene Gruppe

Die BRICS-Staaten verfolgen zwar das gemeinsame Ziel, einen Gegenpol zur globalen Dominanz der USA zu bilden, doch einzeln betrachtet könnten sie kaum unterschiedlicher sein. Besonders zwischen China und Indien bestehen tiefgreifende Differenzen und gegensätzliche Interessen, die in der Vergangenheit bereits zu offenen Spannungen führten. Gleichzeitig zeigt sich Chinas diplomatisches Geschick, indem es dem Land gelungen ist, geopolitische Rivalen wie Saudi-Arabien und den Iran in die BRICS-Allianz einzubinden – zwei Länder, die untereinander oft in Konflikt stehen.

Wann kommt die neue BRICS-Währung Unit?

Das BRICS-Bündnis steht sinnbildlich für das wachsende Misstrauen gegenüber den USA und ihrer Sanktionspolitik. Bereits jetzt versuchen zahlreiche Länder, den Handel vermehrt bilateral und ohne den US-Dollar abzuwickeln, stoßen dabei jedoch häufig auf Schwierigkeiten bei der Konvertierbarkeit ihrer eigenen Währungen. Um diese Herausforderungen zu meistern, arbeiten die BRICS-Länder an einer eigenen Handelswährung respektive einer Verrechnungseinheit namens Unit, die bereits im nächsten Jahr eingeführt werden könnte. Diese Verrechnungseinheit soll zu 40 Prozent durch Gold gedeckt sein, während die restlichen 60 Prozent auf einem diversifizierten Währungskorb basieren. Hierbei soll keine Währung mehr als 30 Prozent Anteil am Korb haben, wobei der Renminbi die dominierende Währung sein wird.

Bridge soll Zahlungsabwicklung unabhängiger machen

Seitdem Länder wie der Iran und Russland vom SWIFT-System, dem globalen Netzwerk für Auslandszahlungen, ausgeschlossen wurden, treiben die BRICS-Staaten die Entwicklung einer eigenen Zahlungsabwicklung voran. Ziel ist es, sich unabhängiger von Sanktionen der USA und der EU zu machen. Neben der Unit wurde daher auch ein eigenes Zahlungsabwicklungssystem namens Bridge entwickelt. Dieses System, das teilweise auf Blockchain-Technologie basiert, soll die Handhabung der neuen Währung erleichtern. Allerdings steht die praktische Umsetzung noch aus, was vermutlich Zeit in Anspruch nehmen wird. Bereits 159 Länder haben bisher ihr Interesse an diesem System bekundet.

Auch Kryptowährungen sollen künftig eine größere Rolle in den BRICS-Ländern spielen, um die Abhängigkeit vom US-Dollar weiter zu reduzieren. In der Übergangsphase wird jedoch zunächst auf bestehende Zahlungsabwicklungssysteme zurückgegriffen. Zur Finanzierung eigener Projekte wurde außerdem die New Development Bank gegründet, die als Gegenstück zur Weltbank und zum Internationalen Währungsfonds (IWF) dienen soll. Damit streben die BRICS-Staaten eine größere finanzielle Unabhängigkeit an.

Fairer Wettbewerb und Kooperation anstelle von Eskalation

Die BRICS-Allianz verfügt nicht nur über einen großen globalen Einzugsbereich, sondern auch über bedeutende Rohstoffreserven und wirtschaftlichen Einfluss, die dem Projekt zum Erfolg verhelfen könnten. Ein Beispiel dafür ist Russland, das zu den weltweit größten Exporteuren von Agrarprodukten zählt, was insbesondere für afrikanische Staaten von Bedeutung ist.

Insgesamt dürften die BRICS-Staaten in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen und die USA und andere westliche Länder in eine Wettbewerbssituation drängen, wobei deren Führungsrolle zunehmend hinterfragt werden könnte. Ein dramatischer Niedergang der westlichen Welt, wie er von einigen Beobachtern vorhergesagt wird, erscheint jedoch unwahrscheinlich. Dennoch könnten geopolitische Spannungen und Interessenkonflikte zunehmen. Entscheidend wird sein, wie die BRICS-Gruppe mit solchen Herausforderungen umgeht. Im Idealfall setzt sie auf fairen Wettbewerb und Kooperation anstelle von Eskalation.

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Murat Örs

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